Edle Raeuber - Robin Hoods
Diesen Monat gibt es noch in analyse & kritik (ak 540, 19.6.2009) ein ausführliches Portrait von Enric Duran, der "fast eine halbe Million Euro an Krediten" ertrickste, "um das System blosszustellen".
[update: Das Neue Deutschland (01.07. 2009) hat den Artikel übernommen und online gestellt]
Der ak-Artikel geht ausführlich auf die Biographie von Enric Duran an, und zeigt ihn als kompromisslosen Aktivisten gegen den Finanzkapitalismus. Verdienstvollerweise erwähnt der Verfasser, Martin Ling (Barcelona), auch den spanischen Anarchisten Lucio Uturbia, der 1980
"mit brilliant gefälschten Traveller Checks der Citibank im Wert von mehreren Millionen US-Dollar die damals mächtigste Bank der Welt und ihren Aktionekurs derart ins Wanken gebracht [hatte], das sie gewzungen war, sich, um den Schaden zu bgerenzen auf einen außergerichtlichen Vergleich mit dem beretis verhafteten Täter einzulassen: Keine Strafanzeige gegen Herausgabe der Druckerplatten. Mit Lucio teilt Duran die Einschätzung, dass die Banken die Menschen ausrauben und dass dieses Verhältnis legitimerweise umgedreht werden darf".
Hier der Trailer zum Dokumentarfilm über Lucio Uturbia:
Wikipedia zu Enric Duran
Der Enthüllungsartikel in Crisi (17.10.2008):
"I have “robbed” 492,000 euros to whom most rob us in order to denounce them and build some alternatives for the society"
Ein weiterer Artikel in diesem Blog
[update: Das Neue Deutschland (01.07. 2009) hat den Artikel übernommen und online gestellt]
Der ak-Artikel geht ausführlich auf die Biographie von Enric Duran an, und zeigt ihn als kompromisslosen Aktivisten gegen den Finanzkapitalismus. Verdienstvollerweise erwähnt der Verfasser, Martin Ling (Barcelona), auch den spanischen Anarchisten Lucio Uturbia, der 1980
"mit brilliant gefälschten Traveller Checks der Citibank im Wert von mehreren Millionen US-Dollar die damals mächtigste Bank der Welt und ihren Aktionekurs derart ins Wanken gebracht [hatte], das sie gewzungen war, sich, um den Schaden zu bgerenzen auf einen außergerichtlichen Vergleich mit dem beretis verhafteten Täter einzulassen: Keine Strafanzeige gegen Herausgabe der Druckerplatten. Mit Lucio teilt Duran die Einschätzung, dass die Banken die Menschen ausrauben und dass dieses Verhältnis legitimerweise umgedreht werden darf".
Hier der Trailer zum Dokumentarfilm über Lucio Uturbia:
Wikipedia zu Enric Duran
Der Enthüllungsartikel in Crisi (17.10.2008):
"I have “robbed” 492,000 euros to whom most rob us in order to denounce them and build some alternatives for the society"
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vabanque - am Sonntag, 28. Juni 2009, 12:47 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Reiner Wandler (Madrid) bedient reihum ganz verschiedene Zeitungen mit einem Thema, dass ihm ziemlich viele Redaktionen abnehmen, dem spanischen Robin Hood gegen die Banken". So auch der Zürcher Tagesanzeiger ( 29.04.2009):
"«Robin Hood» der Banken"
Ein spanischer Studienabbrecher hat 39 Banken um insgesamt fast eine halbe Million Euro erleichtert. Nicht mit der Pistole in der Hand, sondern mit dem Aktenkoffer unter dem Arm.
«Sozialer Betrug»: Enric Duran finanzierte die Gratiszeitung «Crisi», in der er seinen Überfall aufs Finanzsystem beschrieb.
«Sozialer Betrug»: Enric Duran finanzierte die Gratiszeitung «Crisi», in der er seinen Überfall aufs Finanzsystem beschrieb.
Glatt rasiert, das Haar ordentlich gekämmt, eher spiessig gekleidet, eine sanfte, aber entschlossene Stimme, das ist Enric Duran. Auf den ersten Blick der Traum einer jeder spanischen Schwiegermutter. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn der 33 Jahre junge Mann aus Vilanova, einer Kleinstadt in Spaniens katalanischem Nordosten, hat in den letzten Jahren 39 Banken um insgesamt 492'000 Euro erleichtert.
Enric Duran beantragte insgesamt 68 Kredite und zahlte sie dann ganz einfach nicht zurück. Mit dem Geld finanzierte er verschiedene linke und alternative Projekte. «Robin Hood der Banken» nennen ihn die einen. Ein gefährlicher Systemgegner ist er für die anderen. Seit Mitte März sitzt Duran im Knast. Wegen «Fluchtgefahr» wird er die Monate bis zur Eröffnung eines Verfahrens wegen Betrugs und Fälschung die Haftanstalt wohl kaum verlassen. Bis zu zehn Jahre Haft drohen ihm
Zum ganzen Text
"«Robin Hood» der Banken"
Ein spanischer Studienabbrecher hat 39 Banken um insgesamt fast eine halbe Million Euro erleichtert. Nicht mit der Pistole in der Hand, sondern mit dem Aktenkoffer unter dem Arm.
«Sozialer Betrug»: Enric Duran finanzierte die Gratiszeitung «Crisi», in der er seinen Überfall aufs Finanzsystem beschrieb.
«Sozialer Betrug»: Enric Duran finanzierte die Gratiszeitung «Crisi», in der er seinen Überfall aufs Finanzsystem beschrieb.
Glatt rasiert, das Haar ordentlich gekämmt, eher spiessig gekleidet, eine sanfte, aber entschlossene Stimme, das ist Enric Duran. Auf den ersten Blick der Traum einer jeder spanischen Schwiegermutter. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn der 33 Jahre junge Mann aus Vilanova, einer Kleinstadt in Spaniens katalanischem Nordosten, hat in den letzten Jahren 39 Banken um insgesamt 492'000 Euro erleichtert.
Enric Duran beantragte insgesamt 68 Kredite und zahlte sie dann ganz einfach nicht zurück. Mit dem Geld finanzierte er verschiedene linke und alternative Projekte. «Robin Hood der Banken» nennen ihn die einen. Ein gefährlicher Systemgegner ist er für die anderen. Seit Mitte März sitzt Duran im Knast. Wegen «Fluchtgefahr» wird er die Monate bis zur Eröffnung eines Verfahrens wegen Betrugs und Fälschung die Haftanstalt wohl kaum verlassen. Bis zu zehn Jahre Haft drohen ihm
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sparkassenkunde - am Mittwoch, 29. April 2009, 14:14 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Als moderner Robin Hood wird Enric Duran gehandelt, der nun in Spanien im Knast sitzt (ntv, 18.3. 2009)
Im österreichischen Standard (3. April 2009) wird gleichermaßen das Robin-Hood-Bild bemüht:
"Robin Hood der Banken"
Ein Katalane beantragte Kredite für eine halbe Million Euro und zahlt sie nicht zurück - Er finanziert damit soziale Bewegungen
Glatt rasiert, die Haare gekämmt, eher spießig gekleidet, das ist Enric Duran. Auf den ersten Blick der Traum jeder spanischen Schwiegermutter. Aber eben nur auf den ersten. Denn der 33-jährige Mann aus Vilanova einer Kleinstadt in Katalonien hat in den letzten Jahren 39 Banken um insgesamt 492.000 Euro erleichtert. Nicht etwa mit der Pistole in der Hand, sondern mit dem Aktenkoffer unter dem Arm.
Duran beantragte 68 Kredite und zahlte sie dann ganz einfach nicht zurück. Mit dem Geld finanzierte er linke und alternative Projekte. "Robin Hood der Banken" nennen ihn seine Fans. Seit Mitte März sitzt Duran wegen Betrug und Fälschung in Untersuchungshaft. "Das Finanzsystem ist wesentlich verletzlicher, als wir denken", erklärt Duran. Seinen ersten Kredit beantragte der Studienabbrecher mit einer erfundenen Lebensgeschichte. "Guten Tag. Ich bin Informatiker und befinde mich in einem beruflichen Perspektivwechsel. Ich habe bisher in einer großen Firma gearbeitet und will mich jetzt selbstständig machen", sagte er. Es klappte. Duran unterzeichnete seine ersten 6000 Euro auf Pump.
Einmal auf den Geschmack gekommen, beantragte er weitere Kredite, "immer mit der klaren Absicht, sie nicht zurückzuzahlen". Mal spielte er den Unternehmer oder Freiberufler, mal zeigte er einen gefälschten Lohnzettel, der ihn als gut verdienenden Angestellten, der seine Wohnung renovieren musste, auswies. Mit dem frischen Geld beglich er Raten der alten Kredite, um das System am Laufen zu halten. Nach einigen Monaten stellte er die Zahlung dann ein.
"Die Lawine wurde immer größer", berichtet Duran. Im September letzten Jahres beschloss er, alles Geld abzuheben, umzuverteilen und "die Aktion" öffentlich zu machen. In der Zeitschrift Crisi mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren beschrieb er seinen Überfall aufs Finanzsystem. Während er längst in Lateinamerika untergetaucht war, wurde die Zeitschrift überall in Katalonien kostenlos verteilt. An Geld fehlte es ja nicht. Ein halbes Jahr später kam Duran zurück. Auf einer Pressekonferenz in der Uni von Barcelona stellte er sich der Polizei.
Duran hatte sich schon zuvor an der Kampagne für den Erlass der Auslandsschulden der armen Länder beteiligt. "Doch irgendwann merkte ich, dass die sozialen Bewegungen nicht vorwärtskamen", erklärt Duran. So kam die Idee für den "Solidarischen Betrug", wie er seine Aktion nennt. Der "Robin Hood der Banken" sieht darin die Verschmelzung zweier Traditionen. Zum einen den zivilen Ungehorsam, wie ihn Gandhi predigte und zum anderen die "bewaffneten Enteignungen" der spanischen Anarchisten in den 1930er-Jahren. Er möchte ein Beispiel geben, "dafür, dass wir besser und glücklicher leben können, wenn wir uns vom Individualismus, den das System geschaffen hat, entfernen".
Vor seiner Verhaftung sagte er zu Gleichgesinnten: "Wenn wir keine Kredite nehmen oder sie nicht zurückzahlen, können wir das System zum Erliegen bringen."
Vom gleichen Autor (Reiner Wandler) ist auch der Beitrag in der taz (18.4.2009) vom letzten Samstag geschrieben: "Der Linke, der die Banken linkte".
Inzwischen ist auch auf Indymedia (24.4.2009) eine Würdigung erschienen:
Enric Duran, politischer Aktivist aus Barcelona, erleichterte zwischen 2006 und 2008 39 spanische Banken um insgesamt 492.000 Euro und verteilte das Geld an antikapitalistische Projekte. Enric hat sich Mitte März 2009 auf einer Pressekonferenz der Polizei gestellt und sitzt nun im Gefängnis. Parallel zu seiner Aktion wurden in Spanien Zeitungen verteilt, in denen zu massenhaftem „finanziellem zivilem Ungehorsam“ und dem Aufbau von antikapitalistischen Projekten aufgerufen wird.
(...)
Enric Duran wurde einen Tag nach dieser Pressekonferenz festgenommen, wegen Betrug und Fälschung drohen ihm nun bis zu zehn Jahre Haft. Da ihm Fluchtgefahr unterstellt wird, sitzt er bis zum Prozessbeginn bereits im Gefängnis. Am 26. März fand in Barcelona eine Aktion für seine Freilassung statt (6).
Seine Aktion zivilen Ungehorsams versteht er als Anregung dafür, das momentane wirtschaftliche System zum Zusammenbrechen zu bringen, indem viele Menschen Kredite beantragen oder ihr gesamtes erspartes Geld von den Banken holen. Parallel dazu müssten zunehmend alternative wirtschaftliche Modelle und Projekte begonnen werden.
Mit seiner Aktion möchte Enric eine breite öffentliche Debatte anstoßen – in Spanien ist ihm dies bereits gelungen."
Zum ganzen Text
Hier gibt es auch zahlreiche Links. Ein sehr schön recherchierter Text.
Im österreichischen Standard (3. April 2009) wird gleichermaßen das Robin-Hood-Bild bemüht:
"Robin Hood der Banken"
Ein Katalane beantragte Kredite für eine halbe Million Euro und zahlt sie nicht zurück - Er finanziert damit soziale Bewegungen
Glatt rasiert, die Haare gekämmt, eher spießig gekleidet, das ist Enric Duran. Auf den ersten Blick der Traum jeder spanischen Schwiegermutter. Aber eben nur auf den ersten. Denn der 33-jährige Mann aus Vilanova einer Kleinstadt in Katalonien hat in den letzten Jahren 39 Banken um insgesamt 492.000 Euro erleichtert. Nicht etwa mit der Pistole in der Hand, sondern mit dem Aktenkoffer unter dem Arm.
Duran beantragte 68 Kredite und zahlte sie dann ganz einfach nicht zurück. Mit dem Geld finanzierte er linke und alternative Projekte. "Robin Hood der Banken" nennen ihn seine Fans. Seit Mitte März sitzt Duran wegen Betrug und Fälschung in Untersuchungshaft. "Das Finanzsystem ist wesentlich verletzlicher, als wir denken", erklärt Duran. Seinen ersten Kredit beantragte der Studienabbrecher mit einer erfundenen Lebensgeschichte. "Guten Tag. Ich bin Informatiker und befinde mich in einem beruflichen Perspektivwechsel. Ich habe bisher in einer großen Firma gearbeitet und will mich jetzt selbstständig machen", sagte er. Es klappte. Duran unterzeichnete seine ersten 6000 Euro auf Pump.
Einmal auf den Geschmack gekommen, beantragte er weitere Kredite, "immer mit der klaren Absicht, sie nicht zurückzuzahlen". Mal spielte er den Unternehmer oder Freiberufler, mal zeigte er einen gefälschten Lohnzettel, der ihn als gut verdienenden Angestellten, der seine Wohnung renovieren musste, auswies. Mit dem frischen Geld beglich er Raten der alten Kredite, um das System am Laufen zu halten. Nach einigen Monaten stellte er die Zahlung dann ein.
"Die Lawine wurde immer größer", berichtet Duran. Im September letzten Jahres beschloss er, alles Geld abzuheben, umzuverteilen und "die Aktion" öffentlich zu machen. In der Zeitschrift Crisi mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren beschrieb er seinen Überfall aufs Finanzsystem. Während er längst in Lateinamerika untergetaucht war, wurde die Zeitschrift überall in Katalonien kostenlos verteilt. An Geld fehlte es ja nicht. Ein halbes Jahr später kam Duran zurück. Auf einer Pressekonferenz in der Uni von Barcelona stellte er sich der Polizei.
Duran hatte sich schon zuvor an der Kampagne für den Erlass der Auslandsschulden der armen Länder beteiligt. "Doch irgendwann merkte ich, dass die sozialen Bewegungen nicht vorwärtskamen", erklärt Duran. So kam die Idee für den "Solidarischen Betrug", wie er seine Aktion nennt. Der "Robin Hood der Banken" sieht darin die Verschmelzung zweier Traditionen. Zum einen den zivilen Ungehorsam, wie ihn Gandhi predigte und zum anderen die "bewaffneten Enteignungen" der spanischen Anarchisten in den 1930er-Jahren. Er möchte ein Beispiel geben, "dafür, dass wir besser und glücklicher leben können, wenn wir uns vom Individualismus, den das System geschaffen hat, entfernen".
Vor seiner Verhaftung sagte er zu Gleichgesinnten: "Wenn wir keine Kredite nehmen oder sie nicht zurückzahlen, können wir das System zum Erliegen bringen."
Vom gleichen Autor (Reiner Wandler) ist auch der Beitrag in der taz (18.4.2009) vom letzten Samstag geschrieben: "Der Linke, der die Banken linkte".
Inzwischen ist auch auf Indymedia (24.4.2009) eine Würdigung erschienen:
Enric Duran, politischer Aktivist aus Barcelona, erleichterte zwischen 2006 und 2008 39 spanische Banken um insgesamt 492.000 Euro und verteilte das Geld an antikapitalistische Projekte. Enric hat sich Mitte März 2009 auf einer Pressekonferenz der Polizei gestellt und sitzt nun im Gefängnis. Parallel zu seiner Aktion wurden in Spanien Zeitungen verteilt, in denen zu massenhaftem „finanziellem zivilem Ungehorsam“ und dem Aufbau von antikapitalistischen Projekten aufgerufen wird.
(...)
Enric Duran wurde einen Tag nach dieser Pressekonferenz festgenommen, wegen Betrug und Fälschung drohen ihm nun bis zu zehn Jahre Haft. Da ihm Fluchtgefahr unterstellt wird, sitzt er bis zum Prozessbeginn bereits im Gefängnis. Am 26. März fand in Barcelona eine Aktion für seine Freilassung statt (6).
Seine Aktion zivilen Ungehorsams versteht er als Anregung dafür, das momentane wirtschaftliche System zum Zusammenbrechen zu bringen, indem viele Menschen Kredite beantragen oder ihr gesamtes erspartes Geld von den Banken holen. Parallel dazu müssten zunehmend alternative wirtschaftliche Modelle und Projekte begonnen werden.
Mit seiner Aktion möchte Enric eine breite öffentliche Debatte anstoßen – in Spanien ist ihm dies bereits gelungen."
Zum ganzen Text
Hier gibt es auch zahlreiche Links. Ein sehr schön recherchierter Text.
vabanque - am Freitag, 24. April 2009, 23:37 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Thomas Wörtche besprach 2001 im Freitag in seiner Krimiecke nicht nur Vabanque, sondern dieser Tage (15.08. 2008) auch die Neuauflage von Eric Hobsbawms Klassiker über die Sozialrebellen:
Hobsbawm, Eric: Die Banditen. Räuber als Sozialrebellen. München: Hanser, 2007.
via Adresscomptoir
Hobsbawm, Eric: Die Banditen. Räuber als Sozialrebellen. München: Hanser, 2007.
via Adresscomptoir
vabanque - am Dienstag, 2. September 2008, 12:13 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Weil ein Bankräuber in Rimini seine Beute verschenkte, wird er nun in den Medien (spon) als "Robin Hood der Riviera" gehandelt (sda)
Als "Robin Hood der Riviera" hat ein 37-jähriger italienischer Bankräuber einen Teil seiner Beute in Rimini an Passanten auf der Straße und an Marktständen verteilt. Mit einer Spielzeugpistole hatte der Mann nach Zeitungsberichten vom Freitag zuvor in einer Bank die Angestellten bedroht und insgesamt 3500 Euro erbeutet. Vor seinem Coup hatte er sich in einer Bar Mut angetrunken. Später stellte er sich dann gebefreudig als ein italienischer "Robin Hood" vor, der das Geld der Reichen nimmt und den Armen gibt.
Einem zweijährigem Buben schenkte er neben einem Geldschein auch die Pistole. Die Beamten waren bei seiner Festnahme erleichtert, keinen gefährlichen Kriminellen vor sich zu haben - der 37-Jährige hat zwar ein Alkoholproblem, war aber noch nie straffällig geworden.
Als "Robin Hood der Riviera" hat ein 37-jähriger italienischer Bankräuber einen Teil seiner Beute in Rimini an Passanten auf der Straße und an Marktständen verteilt. Mit einer Spielzeugpistole hatte der Mann nach Zeitungsberichten vom Freitag zuvor in einer Bank die Angestellten bedroht und insgesamt 3500 Euro erbeutet. Vor seinem Coup hatte er sich in einer Bar Mut angetrunken. Später stellte er sich dann gebefreudig als ein italienischer "Robin Hood" vor, der das Geld der Reichen nimmt und den Armen gibt.
Einem zweijährigem Buben schenkte er neben einem Geldschein auch die Pistole. Die Beamten waren bei seiner Festnahme erleichtert, keinen gefährlichen Kriminellen vor sich zu haben - der 37-Jährige hat zwar ein Alkoholproblem, war aber noch nie straffällig geworden.
contributor - am Samstag, 23. Februar 2008, 00:13 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Javier Cáceres teilt uns in der Süddeutschen Zeitung (25.7.2007) mit:
Spaniens gefährlichster Bankräuber festgenommen
Portugiesische und Spanische Polizisten stellen Jaime Jiménez Arbe
Madrid - Jaime Jiménez Arbe, 51, unternahm noch einen letzten Versuch, seine Waffe auf die Polizisten zu richten. Doch da war es bereits zu spät. Zwei Dutzend portugiesische Beamte stürzten sich, von einer Handvoll spanischer Kollegen unterstützt, auf ihn und nahmen Jiménez fest, noch ehe er den Finger an den Abzug bekam. Es war das Ende der schillernden, schwerkriminellen Karriere eines Mannes, der in den letzten 14 Jahren zum rätselhaftesten Bankräuber Spaniens geworden war: zum "öffentlichen Feind Nummer eins", wie es am Dienstag in den spanischen Zeitungen hieß.
Phantom
Zum Verhängnis wurde Jiménez der Plan, 130 Kilometer südlich von Porto die Kasse der Caixa de Crédito Agrícola in Figueira da Foz zu plündern. "El Solitario", der Solitär - so hatte ihn Spaniens Polizei in ihrer Ohnmacht getauft. Denn bis vor ein paar Monaten war ihr völlig schleierhaft, welche Identität sich hinter dem Mann mit der Perücke, der falschen Brille und dem angeklebtem Bart verbarg. So kannte man ihn von den Bildern der Überwachungskameras.
Tödlicher Schusswaffengebrauch
"Mindestens 36 Überfälle auf Kreditinstitute werden ihm seit 1993 angelastet, sein Operationsgebiet erstreckte sich auf das ganze Staatsgebiet. Dabei erbeutete er kaum mehr als 600 000 Euro, das reichte ihm offenbar, um seinen Jahresetat zu sichern. Intensiviert wurde die Suche nach dem 9. Juni 2004, da erschoss er zwei Beamte der Guardia Civil, der paramilitärischen Polizei, mit 23 Schüssen aus einem Schnellfeuergewehr. Zuletzt, so erklärte der Chef der Guardia Civil, Joan Bastida, sei "ein wahres Heer an Beamten" auf den Fersen des Solitärs gewesen, insgesamt 60 Personen wurden verdächtigt. Nach dem bislang letzten Überfall, Mitte Mai in Toro bei Zamora, waren sich die Ermittler dann sicher, dass es sich um "Jaime aus Las Rozas" handeln musste.
Höfliche Variante
"Der Solitär konnte aber auch anders. Nachdem er Mitte Dezember 2006 in San Agustín de Guadalix, nahe Madrid, 10 600 Euro erbeutet hatte, wandte sich Kunden und Angestellten zu und wünschte ihnen, ehe er ging, noch "ein frohes Fest". Das nächste verbringt er hinter Gittern. "
Weiter Informationen haben wir via Agence France-Presse (25 juillet 2007) finden können:
Le braqueur le plus recherché d'Espagne en détention au Portugal
Lisbonne. Le braqueur le plus recherché d'Espagne Jaime Jiménez Arbe, surnommé le «Solitaire» et arrêté lundi au Portugal, a été placé en détention préventive, a-t-on appris mercredi de source judiciaire.
L'homme, accusé d'une trentaine de braquages et de la mort de trois policiers, a été entendu par la justice pendant plusieurs heures mardi après-midi avant d'être transféré vers la prison de Coimbra (centre).
«Je suis le Solitaire. Salut tout le monde. Salut les Espagnols», a lancé Jaime Arbe aux nombreux journalistes et curieux présents devant le tribunal de Figueira da Foz (centre-ouest du Portugal) mardi en fin d'après-midi.
(...)
Les autorités espagnoles n'ont pas encore adressé de demande d'extradition, a indiqué le ministre de la Justice espagnole cité par le quotidien Diario de Noticias. «Il y a une excellente coopération avec les forces de sécurité portugaises», a-t-il souligné.
Spaniens gefährlichster Bankräuber festgenommen
Portugiesische und Spanische Polizisten stellen Jaime Jiménez Arbe
Madrid - Jaime Jiménez Arbe, 51, unternahm noch einen letzten Versuch, seine Waffe auf die Polizisten zu richten. Doch da war es bereits zu spät. Zwei Dutzend portugiesische Beamte stürzten sich, von einer Handvoll spanischer Kollegen unterstützt, auf ihn und nahmen Jiménez fest, noch ehe er den Finger an den Abzug bekam. Es war das Ende der schillernden, schwerkriminellen Karriere eines Mannes, der in den letzten 14 Jahren zum rätselhaftesten Bankräuber Spaniens geworden war: zum "öffentlichen Feind Nummer eins", wie es am Dienstag in den spanischen Zeitungen hieß.
Phantom
Zum Verhängnis wurde Jiménez der Plan, 130 Kilometer südlich von Porto die Kasse der Caixa de Crédito Agrícola in Figueira da Foz zu plündern. "El Solitario", der Solitär - so hatte ihn Spaniens Polizei in ihrer Ohnmacht getauft. Denn bis vor ein paar Monaten war ihr völlig schleierhaft, welche Identität sich hinter dem Mann mit der Perücke, der falschen Brille und dem angeklebtem Bart verbarg. So kannte man ihn von den Bildern der Überwachungskameras.
Tödlicher Schusswaffengebrauch
"Mindestens 36 Überfälle auf Kreditinstitute werden ihm seit 1993 angelastet, sein Operationsgebiet erstreckte sich auf das ganze Staatsgebiet. Dabei erbeutete er kaum mehr als 600 000 Euro, das reichte ihm offenbar, um seinen Jahresetat zu sichern. Intensiviert wurde die Suche nach dem 9. Juni 2004, da erschoss er zwei Beamte der Guardia Civil, der paramilitärischen Polizei, mit 23 Schüssen aus einem Schnellfeuergewehr. Zuletzt, so erklärte der Chef der Guardia Civil, Joan Bastida, sei "ein wahres Heer an Beamten" auf den Fersen des Solitärs gewesen, insgesamt 60 Personen wurden verdächtigt. Nach dem bislang letzten Überfall, Mitte Mai in Toro bei Zamora, waren sich die Ermittler dann sicher, dass es sich um "Jaime aus Las Rozas" handeln musste.
Höfliche Variante
"Der Solitär konnte aber auch anders. Nachdem er Mitte Dezember 2006 in San Agustín de Guadalix, nahe Madrid, 10 600 Euro erbeutet hatte, wandte sich Kunden und Angestellten zu und wünschte ihnen, ehe er ging, noch "ein frohes Fest". Das nächste verbringt er hinter Gittern. "
Weiter Informationen haben wir via Agence France-Presse (25 juillet 2007) finden können:
Le braqueur le plus recherché d'Espagne en détention au Portugal
Lisbonne. Le braqueur le plus recherché d'Espagne Jaime Jiménez Arbe, surnommé le «Solitaire» et arrêté lundi au Portugal, a été placé en détention préventive, a-t-on appris mercredi de source judiciaire.
L'homme, accusé d'une trentaine de braquages et de la mort de trois policiers, a été entendu par la justice pendant plusieurs heures mardi après-midi avant d'être transféré vers la prison de Coimbra (centre).
«Je suis le Solitaire. Salut tout le monde. Salut les Espagnols», a lancé Jaime Arbe aux nombreux journalistes et curieux présents devant le tribunal de Figueira da Foz (centre-ouest du Portugal) mardi en fin d'après-midi.
(...)
Les autorités espagnoles n'ont pas encore adressé de demande d'extradition, a indiqué le ministre de la Justice espagnole cité par le quotidien Diario de Noticias. «Il y a une excellente coopération avec les forces de sécurité portugaises», a-t-il souligné.
vabanque - am Mittwoch, 25. Juli 2007, 19:35 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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findet derzeit in Österreichs Zeitungen statt. Es geht um Robert Mang, den sogenannten "Saliera-Dieb", einem Salzfass des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini aus dem Kunsthysterischen Museum Wien. Die beiden österreichischen Boulevardzeitungen, aber auch die landesspezifische Focus-Version "News" (Fanclub, Liebesbriefe, Heiratsanträge: Wie der Saliera-Dieb Robert Mang zum Idol wurde) überbieten sich darin, den inzwischen gefassten Alarmanlagengeschäfts-Besitzer als "Meisterdieb" oder "Sensationsdieb" zu konstruieren. Darüber hinaus wird er auch zum Sexsymbol und zum Ankläger der Wiener Museumsszene schlechthin erklärt.

Inzwischen fand sich eine merkwürdige Koalition zusammen, die der Stilisierung Mangs zum Genetleman-Dieb nichts abgewinnen kann:
Die österreichische Innenministerin Liesel Prokop samt Anklagebehörde, der Standard und der Falter (5/06), der den Wiener Kriminologen Christian Grafl zu Wort kommen lässt.
Grafl löst seine Aufgabe am elegantesten, da er die distinktionsmäßig am besten erreichbare Position begründet:
"Woran liegt es, dass einige Kriminelle in den Augen der Öffentlichkeit in erster Linie nicht als 'Verbrecher' wahrgenommen werden, sonder das Image eines Spitzbuben, 'tollen Kerls' oder Robin Hood genießen?' (...)"
Grafl führt dann die Tat selbst, das Aussehen und den Charme des Täters, ein Faible für den "kleinen Mann" der gegen ein angesehenes Museum und seine Sicherheitssystem bzw. gegen "die da oben" obsiegte und bei seinem Diebstahl niemandem physischen Schaden zufügte. Dann weiß er noch die entscheidende Volte zu schlagen und punktet gegenüber unserer 'einfältigen' und aus seiner Sicht politisch unkorrekten Schadenfreude:
"Gälte unsere (un)heimliche Bewunderung auch dem oder den Dieben, wenn eine hochprofessionell agierende Bande von Ausländern, die der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind, das Kunstwerk gestohlen hätte? Würde ein zwar fescher, aber beruflich nicht erfolgreicher und weniger intelligenter 50-jähriger rumänischer Tatverdächtiger auch tagelang die Schlagzeilen der Medien als sympathischer Millionendieb beherrschen udn Hunderte mitfühlende Liebesbriefe erhalten? Ich denke nicht. Die Berichterstattung würde wohl eher jenen unverklärten und negatvien Meldungen über ausländische gewerbsmäßige Einbrecherbanden gleichen, die auch bei wesentlich geringeren Schadensbeträgen für viele nicht rasch genug verurteilt und abgeschoben werden können."
Wo Grafl Recht hat, hat er Recht. Dass Österreicher sich rassistisch gebärden ist an sich nichts Bemerkenswertes und dass im Nationalstaat die Grenzen nicht zwischen unten und oben, sondern zwischen den Einheimischen und den Ausländern verlaufen ist jetzt nicht so überraschend; und dass 'die' Medien ihre jeweils eigenen Interessen verfolgen, geschenkt.
Aber für die Lufthoheit und die Absicht die Kritikerolle unisono zu besetzen, spielt Grafl die Klassenfrage gegen die Rassismuskarte aus. Damit hat er immer recht, doch lässt sich zugleich erwidern, dass das ein Strukturprinzip nationalstaatlich verfasster Gesellschaften ist. Aber dem Falter-Publikum wird's gefallen, vermittelt er ihm doch das Gefühl der Lufthoheit über die Diskurse und darf sich mit Grausen abwenden von all den Primitivos, die sich erdreisten ihren Spaß mit dem Salztopf zu haben.
Wenn es auch nicht als chic gilt, so ermöglicht die Perspektive der Klassenfraktionsanalyse die Analyse dieser Haltung weit mehr, als die Sorge um die "ethnisierten" 'Verbrecherkollegen' des Herrn Mang. In etwas modifizierter und despektierlicher Anlehnung an Marx könnte man sagen: Das Distinktionsbedürfnis bestimmt das Reflexionsvermögen. Aber daran gibt es nichts zu rütteln: Herr Professor Grafl geht als Punktsieger vom Platz.
"Große Ganoven sind beliebt"
Auch der ansonsten jeden Sonntag in der Kronenzeitung "vagabundierende Kulturwissenschaftler" Robert Girtler erklärt uns in der Presse (25.1. 2006), dass "große Ganoven beliebt sind":
"Soziologe Roland Girtler analysiert die Sympathie-Welle für den Saliera-Dieb."
WIEN. "Für die Leute auf der Straße ist der Saliera-Dieb Robert Mang ein Held", sagt der Soziologe Roland Girtler im Gespräch mit der "Presse". Seit Tagen schwimmt der gelernte Alarmanlagen-Spezialist und Kunsträuber der Nation auf einer Welle der Sympathie. Warum?
Girtler: "Alle großen Ganoven, die gewisse Regeln eingehalten haben, sind beliebt." Die Regeln lauten: "Die kleinen Leute durften nicht in Mitleidenschaft gezogen werden und die Tat musste gegen eine bestimmte Schicht, etwa Reiche oder Aristokraten, gerichtet sein." Oder - wie im Saliera-Fall - gegen Staatsbedienstete und Politiker. "Der KHM-Direktor Seipel oder die Ministerin Gehrer sind ja nicht gerade Sympathieträger für die Bevölkerung."
Für Girtler ist Mang ein moderner Robin Hood, der dem "System" nimmt und stellvertretend für die unteren Schichten den Kampf mit diesem ausficht.
Außerdem würden viele Personen davon profitieren. Girtler: "Mangs Wohnort Brand ist plötzlich überall bekannt und die Medien haben gute Geschichten zu erzählen."
Tja und dann melden sich auch noch die zu Wort, die oft verzweifelt so einen Effekt künstlich herstellen wollen. Die Presse (23.1 2006) lässt sich von
Wolfgang Bachmayer, dem Chef der 'OGM - österreichische Gesellschaft für Marketing' erklären wie das funktioniert, das "Image des "Gentleman-Gauners". Interessant ist auch der Bezugsrahmen, für das was hier als "die Öffentlichkeit" ausgegeben wird, nämlich "diverse Internetforen":
"Vorerst durchaus Sympathien in der Öffentlichkeit genießt der mutmaßliche Dieb der Saliera, Robert Mang (50). Das geht zumindest aus den Reaktionen in diversen Internetforen hervor. "Der Verdächtige hat jetzt einmal das Image eines 'Gentleman-Gauners'", bestätigte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. "Die Bevölkerung ist erleichtert, dass der mutmaßliche Täter nicht einer internationalen Mafia angehört.
Die bisherige Darstellung des Diebstahls und des Verdächtigen erzeugt ein Art "Robin-Hood- oder Räuber-und-Gendarm-Romantik", so Bachmayer. "Es ist kein Blut und auch kein Geld geflossen. Der mutmaßliche Täter war ein bisher anständiger Mensch, schaut durchaus adrett aus. Die Fotos zeigen das Bild eines Mannes, wie sich die Öffentlichkeit einen anständigen Menschen, aber nicht einen Kriminellen vorstellt."
Viele würden von einem "Bubenstreich" ausgehen: "So nach der Meinung: 'Er hat halt was ausprobiert.' Viele ziehen den Hut vor einer solchen vermeintlichen Heldentat, auch wenn es sich in Wahrheit um eine Straftat handelt." Bachmayer: "Die Reaktion ist verständlich, weil viele der Meinung waren, hinter dem Verschwinden der Saliera stecke ein internationales Netzwerk an Kunstdieben. Nun stellt sich heraus, dass es ein bisher unbescholtener Österreicher war." Mildernd in der Beurteilung durch die Öffentlichkeit hätten nicht zuletzt das Geständnis und im Anschluss daran die sofortige Übergabe der Saliera gewirkt.
Der OGM-Chef glaubt aber, dass die Öffentlichkeit ihre Sicht der Dinge bald ändern wird. "Das mit dem 'Bubenstreich' wird sich nicht halten, man wird dem Verdächtigen über längere Zeit nicht mehr abnehmen, dass es sich lediglich um eine Spielerei gehandelt hat."
Demgegenüber bringt der Kurier (24.1. 2006) den Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz in Stellung, der sogar das sogenannte Stockholm-Syndrom zur Erklärung heranziehen will:
"Gentleman-Gauner: "Die böse Seite wird übertüncht"
Angeblich kann er sich vor lauter Post kaum retten, der "Saliera"-Dieb, es sollen auch schon Heiratsanträge darunter sein.
Wenn er sich über seine Wirkung auf Frauen nur nicht zu früh freut. Sollte Robert Mang wegen schweren Diebstahls vor einer Richterin landen, wird er sich nämlich nicht so gut herausreden können. Glaubt zumindest der Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz.
Gentleman-Gauner: "Die böse Seite wird übertüncht"
Angeblich kann er sich vor lauter Post kaum retten, der "Saliera"-Dieb, es sollen auch schon Heiratsanträge darunter sein.
Wenn er sich über seine Wirkung auf Frauen nur nicht zu früh freut. Sollte Robert Mang wegen schweren Diebstahls vor einer Richterin landen, wird er sich nämlich nicht so gut herausreden können. Glaubt zumindest der Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz.
Früher, als es fast nur männliche Richter gab, hätten sich so genannte Gentleman-Gauner noch ganz gut "winden" und die Herren im Talar ein bisserl "einwickeln" können. Inzwischen ist die Justiz weiblicher geworden, "und Frauen fallen darauf weniger hinein" (Pfolz).
Warum wirken manche Verbrecher überhaupt sympathischer als andere?
Heinz Pfolz nennt das so genannte Stockholm-Syndrom als Beispiel: 1973 wurden Angestellte einer Bank in Stockholm als Geiseln genommen. Sie bauten zu den Geiselnehmern (auch aus Angst) eine Art Beziehung auf und besuchten sie nach ihrer Befreiung im Gefängnis.
Schillernd
"Da spielen Elemente wie Machtfantasien mit. Im Stillen beneidet man die Verbrecher, das Negative wird abgespalten", erklärt der Psychiater. Vor Gericht funktioniert das ähnlich, der Angeklagte kehrt nur seine schillernde Seite hervor und "übertüncht die böse". Freilich gelinge das nur intelligenten, eloquenten Menschen, "emotional nicht ausgereifte Menschen können das nicht."
Auch die Oberösterreichischen Nachrichten (30.1. 2006) empören sich über die Medienberichterstattung und beschwören demgegenüber einen "seriösen Journalismus":
Das manipulierte Medien-Bild
Medien als Pinsel in der Hand des Saliera-Diebes
Jahrelang tappten alle im Dunkeln, wer die Saliera gestohlen hat. Seit der Dieb einen Namen ("Robert Mang") und ein Gesicht ("eine Mischung aus Till Eulenspiegel & George Clooney") hat, erfahren wir mehr über ihn, als uns lieb ist.
Das Fellner-Blatt "News" rühmt sich, dass es an einem Verhörstag vom Untersuchungshäftling Mang zu einer exklusiven Interview-Audienz vorgeladen wurde. "Es war einfach so ein lustiges Spiel", durfte Mang über seine Lösegeldforderung sagen.
Der ORF verblüffte in seinen Nachrichten mit der unkommentierten Expertenaussicht, der Saliera-Entwender könnte sogar straffrei ausgehen. Das hörte sich an, als sei das auf einen Wert von 50 Millionen Euro geschätzte Kunstwerk selbst davongelaufen.
Dem (Salz)fass den Boden schlägt die Kronen Zeitung aus. Unter der Marke "Persönlich" druckte sie ein nicht persönlich geführtes Interview mit dem "Meisterdieb" ab. Dieses Mühsal nahm Mangs Rechtsanwalt der Journalistin ab. Die interessierten die drei Dinge, die der "Alarmexperte" mitnehmen würde - auf die Insel, nicht ins Gefängnis.
Hier sind Medien am Werk, die sich als willige Pinsel hergeben, um das Bild so zu malen, wie es sich der Untersuchungshäftling und sein Rechtsvertreter wünschen. Der Boulevard tanzt nach der Pfeife der Puppenspieler, die im medialen Theater die Fäden ziehen. Da darf der diebische Kasperl dem Seipel-Krokodil eine kräftig aufs Haupt klopfen. Ein Museumsdirektor, der ohnedies kein weißes Hemd hat, lässt sich eben publikumswirksam anpatzen. Wenn Mang als spitzbübischer, verspielter Gentleman-Gauner aus den Seiten grinst, vergeht dem seriösen, objektiven, informativen Journalismus das Lachen.
Der Frankfurter Rundschau (1.2. 2006) Theaterkritiker Peter Iden stellt dann zwar eine berechtigte Frage:
"Es ist für den Besucher Wiens in diesen Tagen noch eine ganz andere Frage, was es über eine Gesellschaft aussagt und von ihr zu halten ist, die sich durch "Sallys" Verschwinden und Wiederkehr im Innersten mindestens so erregen lässt, als hätte die Slowakei Wien den Krieg erklärt."
Allerdings ob sich Deutschland hierbei von Österreich unterscheidet, das wäre dann nochmals eine andere Frage

Inzwischen fand sich eine merkwürdige Koalition zusammen, die der Stilisierung Mangs zum Genetleman-Dieb nichts abgewinnen kann:
Die österreichische Innenministerin Liesel Prokop samt Anklagebehörde, der Standard und der Falter (5/06), der den Wiener Kriminologen Christian Grafl zu Wort kommen lässt.
Grafl löst seine Aufgabe am elegantesten, da er die distinktionsmäßig am besten erreichbare Position begründet:
"Woran liegt es, dass einige Kriminelle in den Augen der Öffentlichkeit in erster Linie nicht als 'Verbrecher' wahrgenommen werden, sonder das Image eines Spitzbuben, 'tollen Kerls' oder Robin Hood genießen?' (...)"
Grafl führt dann die Tat selbst, das Aussehen und den Charme des Täters, ein Faible für den "kleinen Mann" der gegen ein angesehenes Museum und seine Sicherheitssystem bzw. gegen "die da oben" obsiegte und bei seinem Diebstahl niemandem physischen Schaden zufügte. Dann weiß er noch die entscheidende Volte zu schlagen und punktet gegenüber unserer 'einfältigen' und aus seiner Sicht politisch unkorrekten Schadenfreude:
"Gälte unsere (un)heimliche Bewunderung auch dem oder den Dieben, wenn eine hochprofessionell agierende Bande von Ausländern, die der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind, das Kunstwerk gestohlen hätte? Würde ein zwar fescher, aber beruflich nicht erfolgreicher und weniger intelligenter 50-jähriger rumänischer Tatverdächtiger auch tagelang die Schlagzeilen der Medien als sympathischer Millionendieb beherrschen udn Hunderte mitfühlende Liebesbriefe erhalten? Ich denke nicht. Die Berichterstattung würde wohl eher jenen unverklärten und negatvien Meldungen über ausländische gewerbsmäßige Einbrecherbanden gleichen, die auch bei wesentlich geringeren Schadensbeträgen für viele nicht rasch genug verurteilt und abgeschoben werden können."
Wo Grafl Recht hat, hat er Recht. Dass Österreicher sich rassistisch gebärden ist an sich nichts Bemerkenswertes und dass im Nationalstaat die Grenzen nicht zwischen unten und oben, sondern zwischen den Einheimischen und den Ausländern verlaufen ist jetzt nicht so überraschend; und dass 'die' Medien ihre jeweils eigenen Interessen verfolgen, geschenkt.
Aber für die Lufthoheit und die Absicht die Kritikerolle unisono zu besetzen, spielt Grafl die Klassenfrage gegen die Rassismuskarte aus. Damit hat er immer recht, doch lässt sich zugleich erwidern, dass das ein Strukturprinzip nationalstaatlich verfasster Gesellschaften ist. Aber dem Falter-Publikum wird's gefallen, vermittelt er ihm doch das Gefühl der Lufthoheit über die Diskurse und darf sich mit Grausen abwenden von all den Primitivos, die sich erdreisten ihren Spaß mit dem Salztopf zu haben.
Wenn es auch nicht als chic gilt, so ermöglicht die Perspektive der Klassenfraktionsanalyse die Analyse dieser Haltung weit mehr, als die Sorge um die "ethnisierten" 'Verbrecherkollegen' des Herrn Mang. In etwas modifizierter und despektierlicher Anlehnung an Marx könnte man sagen: Das Distinktionsbedürfnis bestimmt das Reflexionsvermögen. Aber daran gibt es nichts zu rütteln: Herr Professor Grafl geht als Punktsieger vom Platz.
"Große Ganoven sind beliebt"
Auch der ansonsten jeden Sonntag in der Kronenzeitung "vagabundierende Kulturwissenschaftler" Robert Girtler erklärt uns in der Presse (25.1. 2006), dass "große Ganoven beliebt sind":
"Soziologe Roland Girtler analysiert die Sympathie-Welle für den Saliera-Dieb."
WIEN. "Für die Leute auf der Straße ist der Saliera-Dieb Robert Mang ein Held", sagt der Soziologe Roland Girtler im Gespräch mit der "Presse". Seit Tagen schwimmt der gelernte Alarmanlagen-Spezialist und Kunsträuber der Nation auf einer Welle der Sympathie. Warum?
Girtler: "Alle großen Ganoven, die gewisse Regeln eingehalten haben, sind beliebt." Die Regeln lauten: "Die kleinen Leute durften nicht in Mitleidenschaft gezogen werden und die Tat musste gegen eine bestimmte Schicht, etwa Reiche oder Aristokraten, gerichtet sein." Oder - wie im Saliera-Fall - gegen Staatsbedienstete und Politiker. "Der KHM-Direktor Seipel oder die Ministerin Gehrer sind ja nicht gerade Sympathieträger für die Bevölkerung."
Für Girtler ist Mang ein moderner Robin Hood, der dem "System" nimmt und stellvertretend für die unteren Schichten den Kampf mit diesem ausficht.
Außerdem würden viele Personen davon profitieren. Girtler: "Mangs Wohnort Brand ist plötzlich überall bekannt und die Medien haben gute Geschichten zu erzählen."
Tja und dann melden sich auch noch die zu Wort, die oft verzweifelt so einen Effekt künstlich herstellen wollen. Die Presse (23.1 2006) lässt sich von
Wolfgang Bachmayer, dem Chef der 'OGM - österreichische Gesellschaft für Marketing' erklären wie das funktioniert, das "Image des "Gentleman-Gauners". Interessant ist auch der Bezugsrahmen, für das was hier als "die Öffentlichkeit" ausgegeben wird, nämlich "diverse Internetforen":
"Vorerst durchaus Sympathien in der Öffentlichkeit genießt der mutmaßliche Dieb der Saliera, Robert Mang (50). Das geht zumindest aus den Reaktionen in diversen Internetforen hervor. "Der Verdächtige hat jetzt einmal das Image eines 'Gentleman-Gauners'", bestätigte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. "Die Bevölkerung ist erleichtert, dass der mutmaßliche Täter nicht einer internationalen Mafia angehört.
Die bisherige Darstellung des Diebstahls und des Verdächtigen erzeugt ein Art "Robin-Hood- oder Räuber-und-Gendarm-Romantik", so Bachmayer. "Es ist kein Blut und auch kein Geld geflossen. Der mutmaßliche Täter war ein bisher anständiger Mensch, schaut durchaus adrett aus. Die Fotos zeigen das Bild eines Mannes, wie sich die Öffentlichkeit einen anständigen Menschen, aber nicht einen Kriminellen vorstellt."
Viele würden von einem "Bubenstreich" ausgehen: "So nach der Meinung: 'Er hat halt was ausprobiert.' Viele ziehen den Hut vor einer solchen vermeintlichen Heldentat, auch wenn es sich in Wahrheit um eine Straftat handelt." Bachmayer: "Die Reaktion ist verständlich, weil viele der Meinung waren, hinter dem Verschwinden der Saliera stecke ein internationales Netzwerk an Kunstdieben. Nun stellt sich heraus, dass es ein bisher unbescholtener Österreicher war." Mildernd in der Beurteilung durch die Öffentlichkeit hätten nicht zuletzt das Geständnis und im Anschluss daran die sofortige Übergabe der Saliera gewirkt.
Der OGM-Chef glaubt aber, dass die Öffentlichkeit ihre Sicht der Dinge bald ändern wird. "Das mit dem 'Bubenstreich' wird sich nicht halten, man wird dem Verdächtigen über längere Zeit nicht mehr abnehmen, dass es sich lediglich um eine Spielerei gehandelt hat."
Demgegenüber bringt der Kurier (24.1. 2006) den Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz in Stellung, der sogar das sogenannte Stockholm-Syndrom zur Erklärung heranziehen will:
"Gentleman-Gauner: "Die böse Seite wird übertüncht"
Angeblich kann er sich vor lauter Post kaum retten, der "Saliera"-Dieb, es sollen auch schon Heiratsanträge darunter sein.
Wenn er sich über seine Wirkung auf Frauen nur nicht zu früh freut. Sollte Robert Mang wegen schweren Diebstahls vor einer Richterin landen, wird er sich nämlich nicht so gut herausreden können. Glaubt zumindest der Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz.
Gentleman-Gauner: "Die böse Seite wird übertüncht"
Angeblich kann er sich vor lauter Post kaum retten, der "Saliera"-Dieb, es sollen auch schon Heiratsanträge darunter sein.
Wenn er sich über seine Wirkung auf Frauen nur nicht zu früh freut. Sollte Robert Mang wegen schweren Diebstahls vor einer Richterin landen, wird er sich nämlich nicht so gut herausreden können. Glaubt zumindest der Wiener Gerichtspsychiater Primarius Heinz Pfolz.
Früher, als es fast nur männliche Richter gab, hätten sich so genannte Gentleman-Gauner noch ganz gut "winden" und die Herren im Talar ein bisserl "einwickeln" können. Inzwischen ist die Justiz weiblicher geworden, "und Frauen fallen darauf weniger hinein" (Pfolz).
Warum wirken manche Verbrecher überhaupt sympathischer als andere?
Heinz Pfolz nennt das so genannte Stockholm-Syndrom als Beispiel: 1973 wurden Angestellte einer Bank in Stockholm als Geiseln genommen. Sie bauten zu den Geiselnehmern (auch aus Angst) eine Art Beziehung auf und besuchten sie nach ihrer Befreiung im Gefängnis.
Schillernd
"Da spielen Elemente wie Machtfantasien mit. Im Stillen beneidet man die Verbrecher, das Negative wird abgespalten", erklärt der Psychiater. Vor Gericht funktioniert das ähnlich, der Angeklagte kehrt nur seine schillernde Seite hervor und "übertüncht die böse". Freilich gelinge das nur intelligenten, eloquenten Menschen, "emotional nicht ausgereifte Menschen können das nicht."
Auch die Oberösterreichischen Nachrichten (30.1. 2006) empören sich über die Medienberichterstattung und beschwören demgegenüber einen "seriösen Journalismus":
Das manipulierte Medien-Bild
Medien als Pinsel in der Hand des Saliera-Diebes
Jahrelang tappten alle im Dunkeln, wer die Saliera gestohlen hat. Seit der Dieb einen Namen ("Robert Mang") und ein Gesicht ("eine Mischung aus Till Eulenspiegel & George Clooney") hat, erfahren wir mehr über ihn, als uns lieb ist.
Das Fellner-Blatt "News" rühmt sich, dass es an einem Verhörstag vom Untersuchungshäftling Mang zu einer exklusiven Interview-Audienz vorgeladen wurde. "Es war einfach so ein lustiges Spiel", durfte Mang über seine Lösegeldforderung sagen.
Der ORF verblüffte in seinen Nachrichten mit der unkommentierten Expertenaussicht, der Saliera-Entwender könnte sogar straffrei ausgehen. Das hörte sich an, als sei das auf einen Wert von 50 Millionen Euro geschätzte Kunstwerk selbst davongelaufen.
Dem (Salz)fass den Boden schlägt die Kronen Zeitung aus. Unter der Marke "Persönlich" druckte sie ein nicht persönlich geführtes Interview mit dem "Meisterdieb" ab. Dieses Mühsal nahm Mangs Rechtsanwalt der Journalistin ab. Die interessierten die drei Dinge, die der "Alarmexperte" mitnehmen würde - auf die Insel, nicht ins Gefängnis.Hier sind Medien am Werk, die sich als willige Pinsel hergeben, um das Bild so zu malen, wie es sich der Untersuchungshäftling und sein Rechtsvertreter wünschen. Der Boulevard tanzt nach der Pfeife der Puppenspieler, die im medialen Theater die Fäden ziehen. Da darf der diebische Kasperl dem Seipel-Krokodil eine kräftig aufs Haupt klopfen. Ein Museumsdirektor, der ohnedies kein weißes Hemd hat, lässt sich eben publikumswirksam anpatzen. Wenn Mang als spitzbübischer, verspielter Gentleman-Gauner aus den Seiten grinst, vergeht dem seriösen, objektiven, informativen Journalismus das Lachen.
Der Frankfurter Rundschau (1.2. 2006) Theaterkritiker Peter Iden stellt dann zwar eine berechtigte Frage:
"Es ist für den Besucher Wiens in diesen Tagen noch eine ganz andere Frage, was es über eine Gesellschaft aussagt und von ihr zu halten ist, die sich durch "Sallys" Verschwinden und Wiederkehr im Innersten mindestens so erregen lässt, als hätte die Slowakei Wien den Krieg erklärt."
Allerdings ob sich Deutschland hierbei von Österreich unterscheidet, das wäre dann nochmals eine andere Frage
vabanque - am Dienstag, 7. Februar 2006, 18:17 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Ob nun Jan Zocha, der "König der Bankräuber" (aufgrund 40 gelungener oder versuchter Banküberfälle), eine Gentelman-Bankräuber war oder nicht, diskutieren die Medien landauf und landab. Stern Online (20.7.2004) und Spiegel online (20.7.2005) widmen dem Bankräuber ausführliche Artikel. auf 12 Jahre und Sicherungsverwahrung lautet das Urteil.
vabanque - am Mittwoch, 20. Juli 2005, 18:25 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
Filialleiter einer Bank als "Robin Hood"
Er leitete Geld von Konten Betuchter zu ärmeren Kunden
"Würzburg. (dpa) Wegen des Verdachts der Untreue ist ein Filialleiter einer Bank in Ochsenfurt festgenommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Würzburg am Dienstag auf Anfrage mitteilte, werden dem 57-Jährigen knapp 70 Fälle zur Last gelegt. Der Mann, der aus naheliegenden Gründen den Beinamen "Robin Hood" bekommen hat, soll 1,2 Millionen Euro von Konten wohlhabender Kunden auf die von weniger vermögenden umgeleitet haben, um sich als Samariter und Held der Gerechtigkeit fühlen zu können. Die gute Tat hatte allerdings mehr als einen Haken: Ein Betrag von 200 000 Euro sei verschwunden, ohne dass ihn angeblich Bedürftige erhalten haben. Eine Anzeige der Bank hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht."
Die Meldung ist schon vom 5.10. 2004. Interessant ist auch, dass in meisten Medien der fett gesetzte Satz nicht übernommen wurde. Die Medien brauchen eben die makellosen Helden. Na und? Robin Hoods müssen auch von irgendetwas leben. Da wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst.
Er leitete Geld von Konten Betuchter zu ärmeren Kunden
"Würzburg. (dpa) Wegen des Verdachts der Untreue ist ein Filialleiter einer Bank in Ochsenfurt festgenommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Würzburg am Dienstag auf Anfrage mitteilte, werden dem 57-Jährigen knapp 70 Fälle zur Last gelegt. Der Mann, der aus naheliegenden Gründen den Beinamen "Robin Hood" bekommen hat, soll 1,2 Millionen Euro von Konten wohlhabender Kunden auf die von weniger vermögenden umgeleitet haben, um sich als Samariter und Held der Gerechtigkeit fühlen zu können. Die gute Tat hatte allerdings mehr als einen Haken: Ein Betrag von 200 000 Euro sei verschwunden, ohne dass ihn angeblich Bedürftige erhalten haben. Eine Anzeige der Bank hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht."
Die Meldung ist schon vom 5.10. 2004. Interessant ist auch, dass in meisten Medien der fett gesetzte Satz nicht übernommen wurde. Die Medien brauchen eben die makellosen Helden. Na und? Robin Hoods müssen auch von irgendetwas leben. Da wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst.
contributor - am Montag, 18. Oktober 2004, 15:48 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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Heribert J. Leonardy:
Der Mythos vom »edlen« Räuber
Untersuchungen narrativer Tendenzen und Bearbeitungsformen bei den Legenden der vier Räuberfiguren Robin Hood, Schinderhannes, Jesse James und Ned Kelly
Dissertation, Saarbrücken 1997, ISBN 3-932683-75-7, 264 S., 23,00 EUR
Dutzende edler Räuber streiten auf Buch- und Comicseiten, Kinoleinwänden oder Fernsehschirmen für Gerechtigkeit, indem sie auf eigene Faust dort neu verteilen und rächen, wo ungerechte und unmenschliche Bedingungen herrschen. Diese Wunschvorstellung, die mit jeder Geschichte vom Kampf gegen das Unrecht neu beschworen wird, ist längst zum Mythos geworden. Wie der Räuber heißt, ist nicht entscheidend, hingegen aber die Art und Weise, in der er verherrlicht wird.
Das vorliegende Buch beschreibt die kulturgeschichtlichen Werdegänge von vier solcher Helden, die uns allen schon auf der Kinoleinwand oder im Fernsehen begegnet sind: Robin Hood, Schinderhannes, Jesse James und Ned Kelly.
Heribert Johannes Leonardy, geb. 1964, schloß 1991 das Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Anglistik und Amerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes ab mit einer Magisterarbeit über Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Film. Die vorliegende Dissertation entstand von 1991 bis 1995.
Der Mythos vom »edlen« Räuber
Untersuchungen narrativer Tendenzen und Bearbeitungsformen bei den Legenden der vier Räuberfiguren Robin Hood, Schinderhannes, Jesse James und Ned Kelly
Dissertation, Saarbrücken 1997, ISBN 3-932683-75-7, 264 S., 23,00 EUR
Dutzende edler Räuber streiten auf Buch- und Comicseiten, Kinoleinwänden oder Fernsehschirmen für Gerechtigkeit, indem sie auf eigene Faust dort neu verteilen und rächen, wo ungerechte und unmenschliche Bedingungen herrschen. Diese Wunschvorstellung, die mit jeder Geschichte vom Kampf gegen das Unrecht neu beschworen wird, ist längst zum Mythos geworden. Wie der Räuber heißt, ist nicht entscheidend, hingegen aber die Art und Weise, in der er verherrlicht wird.Das vorliegende Buch beschreibt die kulturgeschichtlichen Werdegänge von vier solcher Helden, die uns allen schon auf der Kinoleinwand oder im Fernsehen begegnet sind: Robin Hood, Schinderhannes, Jesse James und Ned Kelly.
Heribert Johannes Leonardy, geb. 1964, schloß 1991 das Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Anglistik und Amerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes ab mit einer Magisterarbeit über Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Film. Die vorliegende Dissertation entstand von 1991 bis 1995.
contributor - am Freitag, 10. September 2004, 22:10 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
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