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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 

Literatur und Bankraub

kasparakDer Tübinger Multimediakünstler Bernd Kasparak hat eine ganze Reihe von Microhörspielen aus der Serie "Tierisches Treiben" im Archiv "Wurfsendungen" des Deutschlandradios deponiert: "Wurfsendungen werfen wir werktäglich sechsmal ins Programm."

Hier interessiert vor allem der "Kriminelle Dialog".

Manchmal wird man in merkwürdige Dinge mit hineingezogen. Seit einigen Tagen bekommen wir Anfragen von niederländischen JournalistInnen, die das im Januar hier besprochene Book-on-Demand-Book (Lulu.com) von einem gewissen Carter McCoy suchen.
Der mutmaßliche Verfasser (Pseudonym Carter McCoy) steht derzeit in Niederlanden wegen des Mordes an Louis Seveke (englisch) vor Gericht (zum Prozess vgl. a. die taz-Berichte vom 3.7. 2007 u. vom 4.7. 2007). In diesem Zusammenhang spielt auch das hier jüngst verhandelte Buch eine Rolle. Es soll eine Art Tagebuch des einstigen Bankräubers und Mordverdächtigen darstellen.

Der Eintrag zu diesem stammt von einem gewissen "thomasw." Leider war der Versuch einer Kontaktaufnahme bisher erfolglos. Ich würde "thomasw." - aber auch andere, die damals sich ein Exemplar des Buches besorgt haben, bitten, mit Eveline Lubbers (s.u.)und den BetreiberInnen dieses Blogs via folgenden E-Mail-Adressen Kontakt aufzunehmen:
1. evel[at]xs4all.[dot]nl
2. klaus.schoenberger[at]gmx[dot]net

Wir geben hier die Anfrage von Eveline Lubbers weiter, die mit dem Mordopfer befreundet war und mit ihm bei der verdienstvollen Institution Jansen & Janssen (s. u.) zusammengearbeitet hat und die für die Familie, die Freunde und die KollegInnen die Hintergründe des Mordes recherchiert.

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Dear Friends,

Has anyone here seen the book "Thank you, see ya!" by someone calling himself Carter McCoy?

On the Va Banque website there was some discussion about this bank robber who wrote a book about his live, look here:

http://vabanque.twoday.net/stories/3201705/
(text below)

The author wrote about his life as a bankrobber, he was wanted and on the Dutch Crime Watch TV Opsporing Verzocht earlier this year.
He has been arrested in an internet cafe in Barcelona and has since confessed to the murder of my acvist-collegue and friend Louis Seveke in Nijmegen 18 months ago. Plus 7 robs and 5 activist fire bombs.

I worked with Louis on and off for many years monitoring police and intelligence services, when I was with buro Jansen & Janssen.

The writer/killer was on trial this week (& referred back to the psych forensic centre Pieter Baan for his Asperger/autistic syndrom).

He confessed to the murder in his diary/book - and at the trial it was revealed this document had been published on Internet.

It's no longer available on lulu.com, I've been spending quite some time on the WayBackMachine - but no luck.

He claims Louis accused him of being an infiltrator, but our research didn't find any backup for that - must have happened inside his head only... for him reason enough to kill him with a shotgun at close
range.

The book is part of his confession in the trial, so important for our investigation, but more so for closure for his family and friends...

Maybe someone downloaded or bought the book??

Would be of great help for family and friends.

Eveline Lubbers
www.evel.nl
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thomasw - am Donnerstag, 18. Januar 2007, 12:41 - Rubrik: Literatur und Bankraub

"Thank you, see ya!
"Thank you, see ya!" ist ein Buch über ein Einzelgänger, auf die Suche nach Freiheit, Glück und das kleine bishen Liebe. Es erzählt über einen Bankraub, eine Prinzessin und die Flucht ins Paradies. Und letztendlich auch über Trank und Huren. Und viel von dem.

CarterMcCoy_2 Soweit das Kommentar der Autor 'Carter McCoy'. Ich habe das Buch gekauft bei Lulu.com. Bankraub hat mich immer fasziniert und es soll sich im diesen Fall um 'True Crime' handeln. Wirklich passiert, dass übertrifft jeder Fiction. Aber es wurde mir klar das 'McCoy' als Schriftsteller nicht so talentiert ist wie als Bankräuber. Der Stil ist nicht sehr leicht. Aber die Geschichte darüber hinaus, ist sehr lesenswert.
Ein interessanter Aspekt ist das 'McCoy' ein ex-Anarchist ist der sich als Bankräuber engagiert, nicht um endlich auch reich zu werden, aber um sich nicht vom System unterwerfen zu lassen. Mann könnte das Buch lesen als ein anti-kapitalistisches Manifest.

Auf jeden Fall beschreibt er wie er zwei Banken beraubt -eigentlich ist es ein ganz klarer Handlungsanleitung wie mann hervorgehen soll. Aber letztendlich geht es auch bei ihm um die Liebe, besser gesagt das ausbleiben der Liebe, die Einsamkeit und die Untergang.
Wie gesagt, der Stil ist nicht so gut aber den Inhalt macht es gut. Für denen die Autobiografien lieben. Oder Bankraub.


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Anmerkung: (vabanque)
Das sieht nach Print on demand aus ...

156 Seiten, 4.25" x 6.88", perfect Bindung, Schwarzweiß Druckfarbe
Verleger: Carter McCoy
Copyright: © 2006 by Carter McCoy
Sprache: English
Land: Belgium


thomasw meinte am 24. Jan, 14:38:
Bis nächste Mal!
Es kommt noch etwas dazu: Gestern schaute ich den Sendung "Opsporing Verzocht", etwas wie Aktenzeichen XY Ungelöst in Deutschland, aber dann in Holland (ich bin auch Holländer, was mein wahrscheinlich etwas merkwürdiges Deutsch erklärt).
Und darin war die Polizei auf der Suche nach ein Bankrauber der ganz ruhig hervorgeht und sogar einmal, beim verlassen der Bank, "Bis nächstes Mal" gesagt hat. Und das ist genau wie im Buch! Darum heisst das Buch auch "Danke schön, bis nächste Mal". Die geschichte spielt sich ja auch in Belgiën und Holland ab (es ist eine Übersetzung). Es könnte sein dass es hier um denselben Mann geht, das macht die Geschichte sogar noch interessanter oder merkwürdiger. Es gibt genug Bankrauber die ein Buch schreiben wenn sie letztendlich ins Gefängnis sitzen (Stephen Reid, Attila Ambrus, und so weiter) aber nicht wenn sie noch frei herum laufen. Vielleicht ist es darum bei Lulu ausgegeben. Printing On Demand heisst ja auch dass man ein Buch anonym und selber ausgeben kann, und keine Ausgeber nötig hat.

http://www.tiscali.nl/actueel/cnews/opsporing/default.asp?pid=18

Es wird sich mit den Zeit herausstellen ob den hier gesuchten Bankrauber auch den Autor ist.


Die ersten Artikel über den Mord stocherten doch noch ziemlich im Dunkeln (Jungle World, 6.9. 2006)
Eine deutschsprachige Nachricht zu dem Mord findet sich bei www.freace.de.
Etwas vorsichtiger in der ersten Diktion, der Tagesspiegel (18.11. 2005)

Zu Jansen & Janssen:
"Das Büro Jansen & Janssen archiviert und recherchiert Information zu Polizei und Geheimdiensten in den Niederlanden. Die Daten, welche aus Presse, Fachliteratur oder weniger zugänglichen Quellen stammen, sind über Computer abrufbar - zumindest für diejenigen, die Polizei und Geheimdiensten kritisch gegenüberstehen.
Jansen & Janssen haben bislang folgende Publikationen herausgegeben: »Regenjassen Demokratie« (dt., Regenmantel Demokratie), war eine Untersuchung zur Infiltration des niederländischen Verfassungsschutzes in der linken Szene. Den Praktiken des Geheimdienstes gegen Asylsuchende war die Broschüre »De Vluchteling Achtervolgd« (Die verfolgten Flüchtlinge) gewidmet. 1993 wurde »Opening van Zaken« (Taschen öffnen) veröffentlicht, ein alternativer Verfassungsschutzbericht. Hier kommt vor allem die Jagd des Staates nach der RARA (Radikale Anti-Rassistische Aktion) ausführlich zur Sprache. Die RARA trat erstmals 1985 in Erscheinung und beging Anschläge gegen Unternehmen wie Shell, die mit dem südafrikanischen Apartheidsaat kooperierten.

Postfach 10591, 1001 EN Amsterdam "

"Thank you, see ya!" ist ein Buch über ein Einzelgänger, auf die Suche nach Freiheit, Glück und das kleine bishen Liebe. Es erzählt über einen Bankraub, eine Prinzessin und die Flucht ins Paradies. Und letztendlich auch über Trank und Huren. Und viel von dem.

CarterMcCoy_2 Soweit das Kommentar der Autor 'Carter McCoy'. Ich habe das Buch gekauft bei Lulu.com. Bankraub hat mich immer fasziniert und es soll sich im diesen Fall um 'True Crime' handeln. Wirklich passiert, dass übertrifft jeder Fiction. Aber es wurde mir klar das 'McCoy' als Schriftsteller nicht so talentiert ist wie als Bankräuber. Der Stil ist nicht sehr leicht. Aber die Geschichte darüber hinaus, ist sehr lesenswert.
Ein interessanter Aspekt ist das 'McCoy' ein ex-Anarchist ist der sich als Bankräuber engagiert, nicht um endlich auch reich zu werden, aber um sich nicht vom System unterwerfen zu lassen. Mann könnte das Buch lesen als ein anti-kapitalistisches Manifest.

Auf jeden Fall beschreibt er wie er zwei Banken beraubt -eigentlich ist es ein ganz klarer Handlungsanleitung wie mann hervorgehen soll. Aber letztendlich geht es auch bei ihm um die Liebe, besser gesagt das ausbleiben der Liebe, die Einsamkeit und die Untergang.
Wie gesagt, der Stil ist nicht so gut aber den Inhalt macht es gut. Für denen die Autobiografien lieben. Oder Bankraub.


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Anmerkung: (vabanque)
Das sieht nach Print on demand aus ...

156 Seiten, 4.25" x 6.88", perfect Bindung, Schwarzweiß Druckfarbe
Verleger: Carter McCoy
Copyright: © 2006 by Carter McCoy
Sprache: English
Land: Belgium

Unter der Überschrift "Spannende Ferien für Bücherwürmer -
Kinderbuch-Autorinnen lesen in Gruften und auf Schiffen" weist uns die Hamburger MoPo (28.7. 2006) auf folgende Lesung hin:

"Die Gruft unter dem Michel, das Hoheluftschiff oder ein Zirkuszelt - sie alle bieten schöne Kulissen, um die Fantasie zu beflügeln. Und wenn dann noch bekannte Kinderbuchautoren aus ihren Büchern lesen, ist der Tag perfekt. Vom 3. bis 15. August können Kinder wieder bei "Abenteuer entstehen im Kopf" mitmachen. Aber lange fackeln is nich: Viele Karten sind schon verkauft, also schnell anmelden unter Tel. 30392470. Eintritt jeweils zwei Euro für Kinder, drei für Erwachsene. Die Lesungen dauern jeweils etwa 90 Minuten.

-"Die Detektive von Cismar und der Bankraub": Simone Klages liest am 3. August um 16.30 Uhr im Zirkus Zaretti (Meenkwiese, U1 Lattenkamp) aus ihrem Kinderbuch. Für Kinder ab 8 Jahren."


Klages
Zum Buch:
Buch des Monats 8/2002, Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach: Schönste deutsche Bücher 2002



"Franzi verbringt auch ihre Herbstferien in Cismar, dem kleinen Dorf, das nur auf den ersten Blick ganz harmlos-ruhig scheint. Kaum hat die Familie ihr Quartier bei Lotte Hopps bezogen und Franzi sich auf die Suche nach ihren Kollegen Hein und Hinnerk gemacht, da wird die Bank von Cismar überfallen. Männer mit Mickymaus-Masken sollen es gewesen sein. Zwar werden die Täter schnell gefasst, doch die Beute bleibt verschwunden. Ein klarer Fall für die Detektive von Cismar: Franzi, Hein und Hinnerk, die zu einem eigenen Detektiv-Wohnwagen kommen, machen sich auf die Suche - nach dem Geld und dem Komplizen.
Doch Fragen über Fragen tauchen auf: Was hat es mit dem oberverdächtigen Verhalten von Opa Henkel auf sich, der plötzlich nur so mit Geld um sich wirft, und was ist mit Hund Aldis Keksabhängigkeit? Wer bitteschön sind die Ventileklauer vom Klosterseestrand und was hat das Ganze mit dem Kindererholungsheim zu tun? Welche Rolle spielt dabei MariTe und warum lügt Grungo? Der nämlich erweist sich als absolute Niete und hundertmal so lästig wie Franzis Bruder mit seinen Turboschnecken. Für die drei unermüdlichen Detektive von Cismar gehen die Abenteuer damit erst richtig los. Am Ende aber klärt sich alles, alles, alles auf!"


Zur Webseite von Simone Klages

Der Witz dieser nette Geschichte vom Bankraub in Barcelona ist eigentlich schon alt ...

Aber im Kommerz-Blog wird dieser Witz doch sehr schön erzählt und in einen historischen Kontext eingebunden, der das anarchosyndikalistische Milieu in der katalanischen Hauptstadt durchaus einzufangen weiss ...

Die Geschichte beginnt so:

"vorgestern erfuhr ich, dass eine freundin von mir verhaftet wurde. sie ist normalerweise fahrradfahrerin. dass sie auch eine professionelle bankraeuberin ist, war mir hingegen neu. sie hat auch einen fuehrerschein und zwischen all dem und der geschichte der region hier gibt es einen zusammenhang, den ich jetzt erklaeren werde."

und endet mit "viva la anarkia!"

Zum Bankraub in Barcelona

Unabhängig davon, ob die Geschichte wahr ist oder nicht, habe ich sie mal unter die Rubrik "Literatur" einsortiert ...

Ritzel
Im krimiblog.de - Fundstücke eines Krimilesers von Ludger Menke finden wir eine Besprechung zu Ulrich Ritzels Kriminalroman Uferwald , aus der wir erfahren, dass in diesem Krimi auch ein Banküberfall eine gewisse - wenn auch nicht tragende - Rolle spielt:

"Hauptproblem bei Ritzel ist jedoch die kriminalistische Grundlage, die auf ziemlich wackeligen Füßen steht: Ein zufällig gefundenes Tagebuch, entdeckt in der Wohung einer toten, vereinsamten Frau, die durch das soziale Raster gefallen ist, gibt den Anstoß zur Ermittlung. Würde es einem solchen Tagebuch, zudem von ihrem Sohn, nicht ebenso ergehen? Die Geschichte hängt an einem dünnen Faden, der im Laufe der Erzählung eher ausfranst, als dass er dicker würde. Bleibt Ritzels Sprache, die sich durch einen ironischen Ton, durch exakte Beobachtungen und durch ein ruhiges Tempo auszeichnet. Wie schon in seinen Vorgängerromanen findet Ritzel für sein Drama eine passende Stimme. Ja, der Autor kann gut und abwechslungsreich erzählen, wie etwa ein grotesk beschriebener Bankraub zeigt. Doch auch hier wieder das Problem: Der Überfall hat nur wenig mit der eigentlichen Handlung zu tun, ist wunderbar humorvoll erzählt, aber mehr verwirrend und hemmend als antreibend und spannend. Schickes Füllmaterial eben."
(aus: krimiblog.de)

Ritzel, Ulrich: Uferwald. - München : btb, 2006
ISBN-10: 3-442-75144-6
ISBN-13: 978-3-442-75144-0


Bestellen bei der Basis-Buchhandlung in München

Eine weitere Verfilmung ist anzuzeigen:

Mit Filmen wie "Kleine Morde unter Freunden", "Trainspotting" und "28 Days Later" hat sich Regisseur Danny Boyle in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht.

Am 25. August kommt sein nächtes Werk ("Millions") in die Kinos.

"Millions" ist die Verfilmung eines Romans von Frank Cottrell Boyce, der hierzulande als
Kinderbuch firmiert und 2004 mit einem "Luchs" ausgezeichnet wurde.
Der Roman erzählt die Geschichte zweier kleiner Brüder, die plötzlich zu Millionären werden. Sie finden mehr als 22 Millionen britische Pfund - die Beute aus einem Banküberfall kurz vor der Euro-Umstellung - die die Bankräuberr auf ihrer Flucht verloren haben. Es bleibt nicht mehr viel Zeit das Geld auszugeben.

Zur Webpage des Verlags

Dem Geist der Zeit verpflichtet
Hier Auszüge aus einem taz-Bericht (29.1. 2005) über eine Krimi-Tagung an der Evangelischen Akademie Iserlohn (den gehen offensichtlich auch die Themen aus):

Wenn der Verbrecher von heute im Unterschied zum Bürger lediglich der ungeduldigere Kapitalist ist, bleibt dem Detektiv nur noch die Flucht in den Alkohol: "Wiederkehr des Bösen? Der Kriminalroman auf neuen Wegen", eine Tagung in der Evangelischen Akademie Iserlohn.

Und den folgenden Kalauer wollen wir mal getrost übersehen:

"Verbrechen lohnt sich - und wer immer noch Schwierigkeiten hat, diesen Allgemeinplatz zu akzeptieren, sollte in die Bestsellerlisten der letzten Jahre schauen: Dan Brown, Donna Leon, Henning Mankell oder Elizabeth George erreichen Millionenauflagen, und auch hierzulande können immer mehr Autoren von ihren Krimis leben."


Und einem Bielefelder Soziologen (Systemtheoretiker?) gelingt die Einsicht des Tages, die nun auch nicht so überraschend kommt:

"Der Bielefelder Soziologe Otthein Rammstedt glaubt auch im Krimi nicht an das Böse als anthropologische Konstante außerhalb der Definitionen einer Gesellschaft, es ist ihr mit seinen Verbrechen immanent und folgt ihrer Zweck-Mittel-Rationalität. Der Krimi zeige sich dem Geist der Zeit verpflichtet, und so sei der Verbrecher im Unterschied zum Bürger lediglich der ungeduldigere Kapitalist. Allein der Detektiv glaube noch an eine Moral jenseits dieser Systemlogik und könne sich, zunehmend desillusioniert, nur noch mit immer mehr Alkohol vor der finalen Verzweiflung retten: von Philip Marlowe zu Bella Block."

Wir empfehlen den Beitrag von Ralph Winkle in Vabanque:
Bankraub als komplexes System - Zugänge zum Kriminalroman (S. 290-299), da ist der Gag mit der Systemtheorie schon mal durchdekliniert worden.

Peter Carey: Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang. S. Fischer Frankfurt/M. 2002.

Das Buch beginnt mit dem Showdown, in dessen Verlauf der australische 'Outlaw' Ned Kelly, 1855 geboren, gefangen genommen und anschließend hingerichtet wurde. Der Roman von Peter Carey ist als Autobiographie konzipiert, den Ned Kelly für seine Tochter verfasst habe. Die äußere Form ist als „undatierter, unsignierter handschriftlicher Bericht aus dem Bestand der Melbourne Public Library (V.L.10453)“ gerahmt, der nach dem „Kelly-Aufstand“ am Abend des 28.6. 1880 in 13 Päckchen mit verschmutzten, verknitterten Papieren in einer Metalltruhe gesichert wurde. peter-carey-190x300Der australische Schriftsteller Peter Carey (Jg. 1943), der in New York lebt, gilt laut Klappentext als „einer der bekanntesten Autoren seines Landes“. Für das hier interessierende Buch bekam er 2001 zum zweiten Mal den „Booker Prize“ verliehen. Für den Roman unternahm Carey umfangreiche Recherchen. Er konsultierte darüber hinaus weitere Bücher über Ned Kelly (John McQuilton: The Kelley Outbreak; Kevin Passey/Gary Dean: Harry Power: Tutor of Ned Kelly; Henry Glassie: Irish Folktales; Keith McMenomy: Ned Kelly: The Authentic Illustrated Story und Ian Jones: Ned Kelly)
Diese Form und die präsentierte Historizität des Stoffes suggeriert Authentizität. Und in der Tat ist der Roman realistische Literatur, die sich wohltuend jeder sozialromantischen Verklärung des Outlaw-Lebens enthält. Carey holt die historische Figur Ned Kelly vielmehr auf den Boden jener sozialen Realität des 19. Jhdt. in Australien zurück, die eine sozialhistorische Betrachtung vermutlich ebenfalls zutage befördern würde. Es bleibt nicht viel Raum für den vermeintlichen Glamour des „Outlaws“. Zutage tritt vielmehr eines Lebenswelt, die geprägt ist von Armut, Schmutz, Korruption, Ungerechtigkeit und Verzweiflung. Das Leben des Ned Kelly wird gezeichnet von dem Verlangen nach einem Zuhause und vor allem nach Würde und Respekt. Gesetzlosigkeit ist ein Zustand, der nicht qua Rechtsprechung, sondern durch die Macht des Stärkeren konstituiert wird. Demgegenüber entsteht jene moralische Ökonomie, die versucht, die Welt zusammenzuhalten, die aber immer wieder zusammenstößt mit den sozialen Kräften der ursprünglichen Akkumulation, die einmal mehr zeigt, dass die Kapitalanhäufung historisch zu einem Gutteil das Ergebnis von krimineller Energie, Gier und Skrupellosigkeit gewesen ist. Der Begriff der »ursprünglichen Akkumulation« besagt denn auch nichts anderes, als dass die Mehrheit der Bevölkerung von ihrem Landbesitz bzw. ihrer landwirtschaftlichen Lebensgrundlage enteignet werden muss, damit sie als Arbeitskräfte für die Industrie bzw. Die industrialisierte Landwirtschaft der Kolonie zur Verfügung stehen. Wie so etwas konkret vonstatten geht, beschreibt dieser Roman am Beispiel der Biographie des Ned Kelly. Es bedarf schon einer ziemlichen Ansammlung von falschen Anschuldigungen, Gefängnisaufenthalten und entsprechender Erfahrung mit Polizei und Justiz, bis sich die Kelly-Bande herausbildet. Dabei handelt es sich gerade einmal um vier Männern, ohne große Schulbildung, die gegen eine Koalition von Medien, Regierung und »Greifern« nur deshalb zeitweise bestehen konnte, weil sie sich wie eine Guerilla als Fisch im Wasser bewegen konnten. Ihre Unfähigkeit die Bande gefangenzunehmen erklärte die Polizei damit, dass sie im betreffenden Landstrich die Kontrolle verloren habe.
Von einem Banküberfall ist im gesamten Buch erstmals auf S. 364 die Rede. Insgesamt gibt es zwei davon. Der erste Bankraub ist im Roman derart konzipiert, dass er die materielle Grundlage zur Gegenbestechung der Bevölkerung liefern solle, damit die „Greifer“ die Armen nicht für Hinweise über den Aufenthalt der Gang gewinnen können. Der Banküberfall wird maßgeblich von der Geliebten und Gefährtin, Mary Hearn, von Ned Kelly geplant, die Beschreibung des Vorgangs wird über einem Bericht des Morning Chronicle, vom 11.12.1878 in den Roman montiert. Anstatt der erhofften 10.000 Pfund wurden es aber nur 2.200 Pfund. Es folgte ein zweiter Banküberfall, der in Begleitung von einem Polizisten und in Polizeiuniform durchgeführt wurde. Die Banküberfälle dienen der Geldbeschaffung und zur Begleichung von Schulden. Also klassische Ziele. Darüber hinaus wird auch noch Freunden geholfen und somit dient diese Form des Gelderwerbs der Akkumulation von sozialem Kapital.

Jede Menge Stoff über Ned Kelly

"(...)So schwierig wie notwendig dagegen erscheint es mir, auf Höflichkeit in unkonventionellen, ja sogar illegalen Situationen hinzuweisen. Es muß betont werden, daß die Handlungen, auf die ich eingehen möchte an sich nicht nur unkonventionell oder unsittlich, sondern ausgesprochen kriminell sind. Nehmen wir etwa ein an sich so kriminelles wie unhöfliches Delikt wie den Bankraub oder den Banküberfall, und denken wir an jene bis dato so gesetzestreue, anständige, ehrenwerte Dame, die am hellichten Tag - genauer gesagt gegen 15.29 Uhr - im Vorort einer deutschen Großstadt eine hboellSparkasse um 7000 Mark erleichterte. Man muß sich das einmal vorstellen: eine einundsechzigjährige Dame von der Sorte, die man zerbrechlich nennt, hei deren Anblick man an Patiencen oder Bridge denkt, Witwe eines Oberstleutnants, betritt die Filiale einer Sparkasse, um sich illegal in den Besitz von Geld zu bringen! Wenn diese Dame als die "höfliche Bankräuberin" bekannt geworden, sogar in den Polizeiakten als solche bezeichnet worden ist, so ist mit dem Adjektiv höflich ihre besondere Gefährlichkeit gemeint. Diese Dame hat instinktiv getan, was der höfliche Bankräuber tun muß: an Waffen, an Gewalt, an Geschrei gar nicht erst zu denken, solche plumpen Methoden gar nicht erst zu erwägen. Es ist ja nicht nur unhöflich, auch gefährlich, mit Pistolen oder Maschinengewehren herumzufuchteln und zu schreien: "Her mit dem Zaster, oder es knallt!", und natürlich geht eine Dame wie die unsrige nicht einfach aus abstrakter Geldgier in die nächstbeste Bank, auch nicht, weil sie plötzlich aus dem Gleichgewicht geraten ist, sondern weil sie in einer vertrackten Situation ihr Gleichgewicht wiedergefunden hat. Sie hat sieh diese Aktion genau überlegt und hat ihre Motive!"
Weiter im Text bei: Heinrich Böll: Gesammelte Erzählungen 2, Kiepenheuer & Witsch, 1981

 

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