AusstellungenMuseum
BankerInnen und PolizistInnen
Bankraub in Film und Fernsehen
Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
Bankraub-Schriftsteller
Bankraub-Trends
Bibliographie der Volkskunde des Bankraubs
Biographien des Bankraubs
Blog-Review
Brecht-Zitat
Brutalisierung des Bankraubs
Buergerliches Recht
Edle Raeuber - Robin Hoods
Fluchttechniken
Geiz ist geil
GenderMainStreaming
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon
Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 

Biographien des Bankraubs

vorherige Seite
Horst Fantazzini ist am 24. Dezember 2001 im Gefängnis von Dozza gestorben. Banküberfälle, Flucht- und Ausbruchversuche machten Horst Fantazzini zum Häftling mit der längsten Haftstrafe in Italien.
comlibhorfan
Bei Indymedia Österreich

A colloquio con Horst Fantazzini, una vita in carcere: fine pena 2022

vignal
Jean Paul Belmondo verehrte René VIGNAL. Er war einer der besten Fußball-Torhüter Frankreichs
    Vignal était celui qui fut le gardien de but volant de l'équipe de France et du Racing-Club de Paris:
    Selections : A (17)
    Palmarès : Vainqueur de la Coupe de France 1949, Finaliste en 1950
    Jean-Paul Belmondo "pratique avec passion le football à un poste plutôt inattendu : gardien de but. Cet engouement lui vient de l’admiration qu’il porte à René VIGNAL, surnommé à cette époque par la France entière : "Le fou volant."
und Bankräuber ...
    "Hors du football, René Vignal va sombrer jusqu'à être condamner à 15 ans de prison pour hold-up. Là, avec l'aide d'un éducateur pénitencier, il va oeuvrer pour introduire le football dans les prisons et se révelera le grand entraineur qu'il aurait du devenir."
Ausserdem veröffentlichte Vignal ein Buch, das aber nur auf französisch und allenfalls antiquarisch erhältlich ist, und dessen Titel ("Hors Jeu") auch leicht ambivalent ist:livre3
ul> René Vignal: Hors Jeu
La gloire, la chute et la résurrection d'un grand champion. récit recueilli par Francis Huger (colletction "vécu" / Éditions Robert Laffont, Paris 1978). 336 Seiten O.K. das Buch ist ein bisschen larmoyant und nach dem Strickmuster, "tiefer Fall" und anschließende Katharsis:
    "Un homme sort de prison, un homme dont le nom fut synonyme de gloire, de téméreté. Un homme que les foules acclamaient sur les stades com l'un des symboles du sport francais. (...) Mais ce récit de la »chute« d'un champion est aussi l'aventure d'une résurrection." (Klappentext).
Aber dafür doch auch ein kulturgeschichtliches Dokument über die Träume, Wünsche und Hoffnungen der einfachen Leute, zu denen er qua Habitus immer zählte.

Bei Radio Bremen gibt es eine Radiosendung über René Girier im Rahmen einer Reihe von Sendungen über
Populäre Gauner und Gangster: Robin Hood, Syndikat und Mafia

Der Ein- und Ausbrecherkönig René Girier, genannt ‚La Calle' ("der Krückstock"), gestorben 2000 im Alter von 81 Jahren, war einer der populärsten Gangster Frankreichs. Trotz einer Gehbehinderung, die ihm seinen Spitznamen ‚La Calle' - die Krücke - einbrachte, ist er seinen Häschern immer wieder entkommen. Einmal floh er sogar bei einem Gefangenentransport, indem er ein Loch in den Boden des Gefängniswagens sägte. Aber spektakuläre Ausbrüche wie dieser und seine Raubzüge, bei denen er insgesamt mehr als 10 Millionen Euro erbeutet haben soll, machen nur einen Teil des Ruhmes von René Girier aus. Bekannt, und sogar von der Polizei respektiert, war er vor allem dafür, stets ein echter Gentleman zu sein. Immer perfekt gekleidet, nie gewalttätig und mit druckreifer Ausdrucksweise, war er ein echter Frauenheld. Barbara Schulte über einen charmanten Kriminellen, der sogar an Europas Adelshäusern geschätzt war.

Ein Kalenderblatt zum 29.09.1920 auf Bayern 2

29.9.2000: Vor 80 Jahren

Lord Barmbeks größter Coup
Autor: Stefan Wilfert

"Ein anderer sehr bekannter Lord war aber der Lord von Barmbek, der heute eigentlich eher noch den alten Hamburgern und den Kriminalisten bekannt ist.

Eigentlich hieß er Julius Adolf Petersen und war ein Deutscher und darum kein richtiger Lord. Aber er kleidete und benahm sich wie ein Lord. Das heißt, das sich benehmen wie ein Lord, das darf man nicht so wörtlich nehmen. Seine Haupteinnahmequelle bestand nämlich darin, sich sein Leben mit Raubüberfällen zu finanzieren. Und sein Leben war relativ aufwändig. Er trug immer maßgeschneiderte Anzüge aus feinem englischen Tuch, dazu Seidenhemden, Gamaschen nach dem letzen Schrei, einen Stock und einen edlen melonenartigen Hut. Ein eleganter, gut aussehender Mann war es, der da in Barmbek residierte. Und so wurde er eben der "Lord von Barmbek" genannt. Er herrschte über eine Mannschaft von etwa 200 Mann, die ihm blind ergeben war. Einige dieser ehrenwerten Mitarbeiter nannten sich "Lockenfietsche", "Rabenmax" oder "Schlachterkarl". Der Lord von Barmbek war das Vorbild für viele Filme und Geschichten, in denen die Verbrecher noch so etwas wie Ganovenehre hatten. Wurde einer seiner Mitgauner geschnappt, sorgte der Lord für einen guten Verteidiger und für die Familie zu Hause. Niemand brauchte sich auch um die Verteilung der Beute zu kümmern, das besorgte der Lord. Und er baldowerte auch die Raubzüge aus, die randvoll gefüllten Safes, die er mit seinem Spezialwerkzeug knackte wie unsereins Nüsse. Das Werkzeug nannte er liebevoll "Knabbergeschirr". Aber nicht nur Safes wurden geleert, geklaut wurde alles, was man zu Geld machten konnte: Schmuck, Pelze, Tuchwaren, Lebensmittel. Seinen größten Coup landete der Lord von Barmbek am 29. September 1920.

Der "Fuchs", mit bürgerlichem Namen Arnold Lau, war sein Kumpel dabei. Beide überfielen sie das 6. Hamburger Postamt in der Susannenstraße. Das war zwar geschlossen und es gab auch einen Wachmann. Doch der störte nicht. Der Lord hatte herausgefunden, dass der Wachmann seine diversen Gespielinnen immer auf das Postamt brachte, um sie dort zu vernaschen. Nachdem die Braut des Abends das Amt verlassen hatte, war der Wachmann gar nicht mehr so wach und ließ sich leicht überwältigen. "Ich gab dem Wächter
die Hand und sagte, ihm geschähe nichts", erinnerte sich der Lord später. Nach einer knappen Stunde war der Post-Safe aufgeschweißt und über 220.000 Mark in Bargeld und 350.000 Mark in Briefmarken wechselten den Besitzer. Wie immer verteilte der Lord von Barmbeck barmherzig seinen Beute. Auch seine Freundinnen und Ex-Frauen kamen nicht zu kurz. Einer schenkte er sogar eine ganze Pension im Zentrum Hamburgs. Ein Schicksalsgeschenk, denn dort wurde er 1921 verhaftet und später zu sechzig Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kommt zwar nach elf Jahren frei, kehrt aber sofort wieder wegen eines neuen Deliktes nach Santa Fu, Zelle 185, zurück. Ein Jahr später erhängte er sich mit einem Strick aus zusammengeknoteten Strümpfen und Taschentüchern.

SWR4-Reporterin Birgit Baltes über die "Legende und den Mensch" Bernhard Kimmel, den Al Capone aus der Pfalz: (7.1.2004)
kimmel"Er war der vielleicht der bekannteste Räuber aus der Pfalz: Bernhard Kimmel. Berühmt und berüchtigt wurde er Mitte der 50er Jahre als Bandenchef im Pfälzer Wald. Die zahlreichen Coups der Kimmelbande brachte ihm den legendären Ruf des pfälzischen Schinderhannes oder des Al Capone von der Pfalz ein. Doch es waren keine Räuber- und Gendarm-Spiele, wegen denen Bernhard Kimmel 1963 zum ersten Mal verurteilt wurde. Insgesamt saß er fast 32 Jahre hinter Gittern. Seit wenigen Tagen ist er jetzt wieder frei."

Weiter im Text - Link funktioniert nicht mehr


Dafür lesen wir im Tagesspiegel (22.5.2005) ein langes Interview mit der Überschrift: "Schusswunden im Pfälzer Wald".

Warum UWE RITZER in den NÜRNBERGER NACHRICHTEN (26.11.2003) unmittelbar nach dem Tod von Theo Berger wohl diese Geschichte ausbuddelte?



Nach der Festnahme von Theo Berger, wollten sich zwei Brüder rächen Zwei Polizisten aus Weißenburg überstanden 1981 spektakuläres Attentat


Den Bombenanschlag überlebt


WEISSENBURG - Ob man gleich noch in die Leichenhalle fahren könne, denn er wolle auch die beiden toten Kollegen sehen, bat der Sprengstoffexperte des Landeskriminalamtes, nachdem er an dem von einer Bombe demolierten Auto alle Spuren gesichert hatte. Welche Toten, wollten Karl-Heinz Schmid und Peter Prusakow wissen? "Na die Beamten, die bei dem Anschlag ums Leben gekommen sind." Es sei keiner gestorben, "wir waren an dem Auto dran", antworteten die Weißenburger Polizisten. Der LKA-Mann reagierte unwirsch: "Mit so etwas macht man keine Scherze, das konnte man nicht überleben."

Doch, sie haben es überlebt. Peter Prusakow, damals 27 Jahre alt, und sein elf Jahre älterer Kollege Karl-Heinz Schmid hatten an jenem 23. Mai 1981 eines der spektakulärsten Attentate in der bayerischen Kriminalgeschichte heil überstanden. Auf einem einsamen Strässchen mitten im Wald wurden sie in eine Falle gelockt. Zwei Männer wollten sich an der Weißenburger Polizei dafür rächen, dass diese ihren Bruder ins Gefängnis gebracht und seine Bande zerschlagen hatte. Man nannte ihn den "Al Capone aus dem Donaumoos" oder auch den "König der Ausbrecher": Theo Berger, einer der berüchtigsten Verbrecher seiner Zeit. Er stahl, brach ein, überfiel Banken, schoss schnell und lieferte sich halsbrecherische Verfolgungsjagden mit der Polizei. 36 Jahre seines Lebens büßte Berger seine über 150 Straftaten hinter Gittern ab. Er brach mehrfach aus und wurde immer wieder eingefangen.

Weiterlesen: http://www.nn-online.de/artikel_druck.asp?art=136730&mank=NN&catch=Region&man=Nü

Süddeutsche Zeitung, 23.11.2003

Er wehrte sich gegen jeden Zwang und wurde zum Verbrecher: Theo Berger, der Al Capone aus dem Donaumoos, ist tot

Letzter Ausbruch aus dem Leben

Viele Mörder kommen nach 15 Jahren frei, der Ganove aus der bayerischen Provinz aber büßte 36 Jahre - ein besonderer Fall für die Justiz

Von Joachim Käppner

München, 23. November - Wenn ein Mensch 36 Jahre hinter Gittern verbringt, wird er sich in dieser endlos erscheinenden Zeit oft gefragt haben: Gab es nicht irgendwann die Möglichkeit, einen ganz anderen Weg zu gehen als den der Gewalt und alles dessen, was ihr folgte? Alles anders zu machen, wenn man nur noch einmal die Chance hätte, dem "stürmischen Bedürfnis zu folgen", wie Robert Musil in Der Mann ohne Eigenschaften schrieb, "zurückzukehren zu
einem Punkt, der vor der falschen Abzweigung liegt". Das Verstörende am Leben des Theo Berger ist, dass sich ein solcher Punkt gar nicht erkennen lässt, so weit man auch zurückgeht. Man wird ihn nicht mehr danach fragen können. Am Freitagabend wurde bekannt, dass sich Theo Maximilian Berger, vor 30 Jahren als "König der Ausbrecher", als "der schöne Theo" und "Al Capone vom Donaumoos" einer der meistgesuchten Verbrecher der Republik, in der Straubinger Justizvollzugsanstalt erhängt hat.

Diebstähle, Banküberfälle, schwerer Raub, verletzte Polizeibeamte - die zahlreichen Taten Bergers und seiner Komplizen waren ein Schock für die bayerische Provinz der Sechzigerjahre, die melancholische Landschaft des Donaumoos zwischen Ingolstadt und Augsburg. Freilich war Berger nicht nru ein Gewalttäter, sondern auch ein Mann mit faszinierenden Seiten, und das nicht nur, weil er Bayerns Justiz durch drei spektakuläre Fluchten aufs Äußerste rovozierte (einmal sägte er tatsächlich die Gitterstäbe durch).
Der junge Berger galt im Donaumoos als "ein wilder Hund", worin eine gewisse Anerkennung mitschwang; er war respektlos vor Autoritäten und provozierte die Fahnder, indem er vor Polizeiwachen parkte. Er war auf seine raue Art von blendendem Aussehen, ein Frauenschwarm und Rebell für eine Sache, die
ihm selbst nicht recht klar war, wie auch seine Familie meint; er wusste nur, wogegen er kämpfte: Zwang. Gegen Zwang jeder Art, gegen alle Versuche, ihn zu brechen.

berger2Neun Söhne eines Bauern
Besieht man sich diesen Lebenslauf, aus dessen Niedergang es kein Entrinnen gab, gibt er manchen Anlass zum Nachdenken über die heute so beliebte Klage, ein verständnishuberndes Jugendstrafrecht übe falsche Milde. Theo Berger wurde 1941 als zweitältester Sohn einer wenig begüterten Bauernfamilie aus Ludwigsmoos geboren, er hatte acht Brüder einer von ihnen wurde später von der Polizei erschossen. Die Jungs genossen keinen guten Ruf. In der Schule,
in der Kirche setzte es Prügel, die andere hinnehmen mochten, aber Theo nicht. Als der Dorfpfarrer mit dem Zollstock zuschlug, weil der Junge nicht recht singen wollte, schlug Theo hart zurück. Kaum volljährig, ging er für Bagatellen drei Jahre in Haft, die Strafe sollte, wie damals üblich, den Willen des jugendlichen Delinquenten brechen. Es war der Beginn einer kriminellen Karriere.

36 Jahre. Die meisten Mörder kommen nach 15 Jahren frei oder vielleicht nach 20, aber eben doch irgendwann; nur wenige Häftlinge bleiben für immer, und einer von ihnen war Theo Berger, der nie einen Menschen getötet hatte. Im März 1969 fehlte nicht viel. Da flüchtete Berger durch das verschneite Donaumoos, als ihn unweit seines Elternhauses eine Streife stellte. Berger
feuerte zweimal mit einem Colt, ein Beamter ging verletzt zu Boden. 1980 schrieb Berger sein Leben auf, daraus wurde das Buch "Ausbruch", in dem widerscheint, dass diese eisige Nacht für ihn in der Erinnerung etwas anderes war als der kaltherzige Versuch eines Gewohnheitsverbrechers, sich den Fluchtweg freizuschießen: "Die Bullen verfolgten mich seit Jahren mit geradezu unheimlichen Hass. Und nun lag da einer der ihren im Schnee."

Reue liest man da schwerlich heraus, sondern die Gedanken eines Mannes, der sich noch zu wehren glaubte oder dies glauben wollte, als er längst ein Schwerverbrecher war. Im Gefängnis kämpfte er weiter; plagte die Justiz mit Eingaben, höhnischen Briefen und Bezichtigungen. Und doch blieb all dies Aufbegehren vergeblich, es verhallte ungehört wie die Schreie eines mittelalterlichen Gefangenen in seinem Burgverließ.

Die Justizanstalt und ihre Vorgesetzten in Bayerns Justizministerium sahen Renitenz, wo sie Demut und Einsicht hätten spüren wollen. Notfalls, erklärte ein hoher Beamter des Ministeriums 1986, müsse Berger "im Gefängnis sterben". Die Behörden behandelten noch den alten und an Leukämie schwer erkrankten Berger, als hätten sie den Paten des Medellin-Kartells inhaftiert. In Kliniken wurde er in Fesseln vorgeführt; als vergangenes Jahr seine Frau starb, brachten ihn gleich drei Polizeibeamte zur Beerdigung und nahmen ihn nachher sofort wieder mit, nicht einmal einen Kaffee durfte er
mit der Familie noch trinken. "Die wollen mich tot sehen", schrieb er über Bayerns Justiz bald danach in einem Brief an die Süddeutsche Zeitung, "die haben mich in stillem Einvernehmen zum Tode verurteilt, obwohl die Todesstrafe 1949 abgeschafft wurde." Ein Antwortbrief wurde, wie er mitteilte, beschlagnahmt. Versuche, mit oder auch nur über Berger zu sprechen, wimmelten Gefängnisleitung und Justizministerium rigoros ab.

Der einsame Gefangene in Straubing wirkte in diesen Zeiten der
globalisierten organisierten Kriminalität wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, von der Gegenwart fast so weit entfernt wie die Mären von den rebellischen Räubern Schinderhannes, Jennerwein oder Kneißl, mit denen ihn manche arg romantisierende Darstellung verglich. Wie sie war er der Heimat stark verbunden.

Das Gefängnis und das Moos: Für ihn gab es nur diese beiden Orte. Das ist auch der Grund, warum Theo Berger ein großes Talent zum Ausbrechen hatte, aber nur ein kleines Talent zum Draußenbleiben. Einer wie er setzte sich nicht nach Rio ab. Er blieb bei seinen Kumpeln, seiner Familie, seinen Freundinnen; die Fahnder suchten meist nicht lange. Er sagte einmal: "Wenn ich im Gefängnis bin, träume ich vom Donaumoos; und wenn ich dort bin, vom Gefängnis."

Die vergangenen 16 Jahre hat er wieder vom Moos geträumt, davon, draußen zu sein und daheim. In Rilkes Gedicht vom Panther im Jardin des Plantes ist es dem gefangenen Raubtier, "als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt". Für Theo Berger wäre der genügsame Hospitalismus des Gefängnislebens fast noch tröstlich gewesen. Die tausend Stäbe sah er
täglich, aber er ersehnte auch die Welt dahinter, die ihm verschlossen war, seit ihn 1987 das Schwurgericht München I zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte. Da hatte er seine größte Chance verpasst, zurückzukehren zu einem Punkt vor einer der vielen falschen Abzweigungen: 1985 wurde die Haftstrafe wegen seiner Krankheit ausgesetzt, doch er fiel, depressiv und vielleicht unter Einfluss der Medikamente, in sein altes Leben zurück. Berger überfiel eine Bank und wurde nach einer Schießerei mit der Polizei festgenommen, zusammen mit einem Komplizen.
Seither saß er wieder ein, all diese Jahre. Der Staat statuierte an Berger nun ein furchtbares Exempel, das dem Geist der Zeit nach Strafen und Wegschließen entsprach. In Berger brannte weiterhin der Wunsch zum Ausbruch. Nicht zu einem - weiteren - wirklichen Ausbruch, dazu waren seine Kräfte zu schwach und die Sicherheitsvorkehrungen in Straubing zu scharf. Sondern zum Ausbruch aus seinem bisherigen Leben. Einer, der ihn aus der Haft kannte, sagte kurz vor Bergers Tod: "Der Theo ist in seinen späten Jahren ein anderer geworden. Der würde keinem mehr was tun. Er ist jetzt ruhiger, er weiß, dass seine Tage gezählt sind."


Seine Tochter wartete
Für die letzten Tage oder Jahre war schon ein Platz am Tisch reserviert. Es gab ein Haus, das auf ihn wartete. Jahrelang hat seine Tochter Michaela darum gekämpft, ihn heimholen zu dürfen. Michaelas Familie wollte genau das bieten, was die Justiz bei Berger zu vermissen vorgab: eine positive Prognose. Sie hat ihren Vater über all die Jahre besucht, sich ihm fast jede Woche gegenübergesetzt an einem der eng aufgereihten Tische im Besucherraum der Vollzugsanstalt, hat mit ihm über sein und ihr Leben gesprochen und alles, was noch werden könnte; dass er jahrzehntelang nicht nur vor der Polizei geflohen ist, sondern auch vor der Verantwortung für sein Leben und das derer, die ihn liebten. Und sie hat ihren Vater geliebt, in dem Gefürchteten jemanden gesehen, "der eigentlich kein brutaler Mensch war". Einmal sagte er ihr, er sei stolz auf seine Enkel und froh, "dass sie nicht geworden sind wie ich".


Zuletzt war viel in Bewegung geraten; es gab neue Köpfe im Justizapparat und so etwas wie späte Milde. Aus humanitären Erwägungen wurde ein Tag "Ausführung" geplant, den Berger bei der Familie seiner Tochter verbringen könne; ein Test auf weitere Lockerungen. Eine knappe Woche vor seinem Tod erzählte Michaela ihm davon: "Ich habe mich so gefreut", sagt sie.

Wie so vieles im Leben Theo Bergers bleibt auch sein Motiv ein Rätsel, ausgerechnet in dem Moment aus diesem Leben zu gehen, als die Mauern der Zwänge zu bröckeln begannen. Vielleicht hat ihn, nach so vielen Jahren, doch noch die Dunkelheit erreicht, hatten Schwermut, Krankheit und Medikamente seinen Kampfeswillen gebrochen. Man wird es nicht wissen. War es sogar die Angst, der Freiheit nicht gewachsen zu sein? Konnte er einfach nicht mehr warten? Aber vielleicht hat er einfach geglaubt, dass sie ihn am Ende ja doch nicht herauslassen würden. Und ist ausgebrochen. Ein allerletztes Mal.

Ausbrecherkönig Theo Berger nahm sich im Knast das Leben

Franz Dobler schrieb in der Jungen Welt, 26.11.2003 eine Würdigung seines Lebens: DIE LETZTE FLUCHT: Theo Berger, der "Al Capone vom Donaumoos", hat sein Leben beendet



berger_ausbruchDie Dinge aus seiner Sicht hat er dargestellt in einem 1989 als gebundene Ausgabe im AV-Verlag, Augsburg erschienenen autobiographischen Buch:
Theo Berger: Ausbruch. Erinnerungen des 'Al Capone vom Donaumoos'.



Ebenfalls die Dinge aus seiner Sicht beschreibt der Dokumentarfilm
Der Al Capone vom Donaumoos, an dem er selbst mitgewirkt hat:
  1. L (Land) BR Deutschland, J (Jahr) 1986, Dokumentarfilm, P (Produktionsfirma) Oliver Herbrich Filmprod., Länge: 59 Minuten, FSK: , Erstaufführung: 1986, Pd (Produzent) Oliver Herbrich, R (Regie) Oliver Herbrich, B (Drehbuch) Oliver Herbrich, Theo Berger,
    K (Kamera) Ludolph Weyer, S (Schnitt) Romy Schumann,




Theo Bergers Leben "jenseits des Gesetzes" aus Blick des Donaukuriers:

62 Jahre wurde er alt, 36 Jahre davon musste er im Gefängnis verbringen. Ein Monster? Ein moderner Matthias Kneissl? Einer,
der sich nichts gefallen lässt, der sich gegen jeden Zwang, gegen sämtlich Autoritäten zur Wehr setzt? (25.11.2003)


Mit Unfällen und Raufereien fing alles an Ludwigsmoos. Im April 1961, gerade einmal 20 Jahre alt, saß das zweite von sieben Kindern der Familie Berger aus Ludwigsmoos das erste Mal ein. Drei Jahre Jugendstrafe nach mehreren Unfällen und Raufereien.
Am 29. März 1963 wurden Theo Berger zwar die letzten zehn Monate auf Bewährung erlassen · sehr viel Zeit in Freiheit sollte er in den
nächsten rund 40 Jahre seines Lebens aber nicht haben.(25.11.2003)


Die letzte Flucht endete auf der Donaubrücke Ingolstadt.
Am Ende seiner letzten spektakulären Flucht im September 1983 wirkte der Ausbrecherkönig müde: Als an der südlichen Auffahrt zur alten Donaubrücke in Ingolstadt die Handschellen klickten, fanden sich in der blauen Jacke Hausschlüssel, Nagelzwicker und ein Taschentuch · eine Pistole hatte Theo Berger nicht bei sich, nicht einmal einen Geldbeutel. Den hatte er gerade in einer Telefonzelle
vergessen. "Ich hätt´ mich in der nächsten Zeit selbst gestellt. Aber
dass ihr so früh kommts?" sagte er nur. Fast schon resigniert. (25.11.2003)


Wo Polizisten im Straßengraben auf der Lauer lagen
Gegen Mittag im Stehcafé von Ludwigsmoos. Josef Karl (65) nippt an seiner Tasse. "Freilich hab´ ich den Theo Berger gekannt. Sogar recht gut." Er erinnert sich noch ziemlich genau. Damals, in Schrobenhausen, da habe er einmal Ärger gehabt in einer Kneipe. "Ich hab´ nur den Namen Theo erwähnt, und schon war Ruhe."
So sei er gewesen, der Theo. "Wenn du in Schwierigkeiten gewesen wärst, hätte er dir immer geholfen." (25.11.2003)


Theo Berger als "kommunistischer Bankräuber" in illustrer Gesellschaft im Impressum der
Agit 883 als Redaktionskollektivmitglied
Untertitel: Zeitschrift für Agitation und sozialistische Praxis (ab
Nr.13 im Impressum); Flugschrift für Agitation und sozialistische Praxis (ab Nr.37-51 im Impressum); Kampfblatt der kommunistischen Rebellen (Nr.63-65); Revolutionäre Aktion (ab Nr.84); Nr.65:
"Redaktionskollektiv 883: Fritz Teufel, Renate Sami, Andreas
Baader, Ulli Fischer, Heinz Brodemann, Gerd Mehrer, Ulrike Meinhof,
Michael Baumann, Horst Mahler, Theo Berger, Günther Maschke, Hans Holzbauer, Gudrun Ensslin, Siegfried Hecker und alle Verfolgten und Inhaftierten des Pigregimes"

Gefunden bei im ZVAB - Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher (Order Antiquarian Books Online)

"WALSER, Martin, deutscher Schriftsteller, geb. 1927, Friedenspreis d. dt. Buchhandels 1998. Eigenhändiges Manuskript "Zweite Begegnung", nachträglich signiert, über den Bankräuber-Künstler Bernhard Kimmel.
O.O. u. D. (IV. 2000). 7 1/2 Seiten Folio. Mit eigenhändigen Korrekturen und Streichungen. Auf Makulaturpapier. -
<Bestellnr. C317541>
CHF 900,-"


900 Schweizer Fränkli!
Wegen Kimmel oder Walser?


Rede über den berüchtigten "Al Capone von der Pfalz" Bernhard Kimmel, der wegen zahlloser Bankeinbrüche und Tötung eines Polizisten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Walser setzt sich für eine Begnadigung des 64jährigen ein, wie auch der vorliegende Text belegt bei dem es sich wohl um die Rede handelt, die Walser am 3. April 2000 anlässlich einer Ausstellungseröffnung Kimmels in Pforzheim hielt. Auf den ersten fünf Seiten beschreibt Walser in einfühlsamer Weise verschiedene ausgestellte Objekte, von deren letztem, "Übermächtig" er zu einem ergreifenden Appell für den gefangenen Künstler überleitet.
"... 'Übermächtig' ... ist auch die Darstellung einer Sehnsucht, der
Sehnsucht nämlich, daß das Übermächtige auch das Schützende sei. Die Entenmutter hat mit ihren zwei Jungen auf dem Leib des Adlers Platz genommen. Die jungen Enten sind auf die Mutter konzentriert, die Mutter ist im strengsten Blickkontakt mit dem übermächtigen Adlerkopf. Weil du mich töten könntest, mußt du mich schützen. Schützen vor dir. Vor deiner Übermacht. Das hat man bisher als Utopie bezeichnet. Ins Deutsche übersetzt heißt das: Schön wär's. Aber schön ist es doch schon, als Plastik, als Ausdruck. Es darf einem dazu einfallen, daß Bernhard Kimmel dieses Schutzbegehren an uns alle richtet. Wir sollten ihn jetzt erleben, wie er jetzt ist. Er hat in seinen friedenssüchtigen Figurationen ausgedrückt, daß er von uns aufgenommen werden möchte. Er liefert sich uns aus. Unserem Verständnis. Vielleicht sogar unserer Teilnahme. Wer sind wir, daß wir sie ihm verweigern dürften! ..."


Da fragt man sich, was schwülstiger ist und wer nun wirklich im Knast war?
Vorschlag zur Güte: Lasst den Kimmel raus! Und sperrt den Walser dafür ein!

Nun zum Geschäftlichen:
"Beiliegend eine signierte Originalphotographie Walsers mit Katze (7, 3 : 9, 5). Versandkostenfreie Lieferung nach Deutschland, Oesterreich und in die Schweiz, lediglich nach Deutschland wird eine anteilige Verzollungsgebühr von CHF 3,- bis max. CHF 10,- berechnet. [SW: Deutsche Literatur / German Literature]
Found in the catalogue: Varia (2545 further titles)
Vendor: Erasmushaus - Haus der Bücher AG [CH-4051 Basel]

Vendor offers free delivery at Surface Mail to G E R M A N Y for order values from EUR 0.00. Price: EUR 584.42
Shipping (surface): EUR 0.00
Total: EUR 584.42"

Der Mann der aus dem Fenster sprang
Das abenteuerliche Leben des Schriftstellers Ludwig Lugmeier

Ein Radio-Feature des NDR (Sendetermin: 5. Oktober 2003, 11.05 Uhr) schildert das Leben des Ludwig Lugmeier, zwischen Geldrausch, Gefängnis. Einen Mann, den der erfolgreiche Abschluss eines Verbrechens mehr reizte als Reichtum.

Michael Schulte ;-) erzählt die Geschichte eines Mannes, der schon zu Lebzeiten eine Legende geworden ist – wenigstens in „gewissen“ Kreisen. Ein Mann, der als Kind zu stehlen begann, der in früher Jugend erste Erfahrungen im Knast sammelte, der Arbeit beim Zirkus fand – als Bärenkämpfer -, der Geldtransporte überfiel und den seine dauernde Flucht um die ganze Welt führte.

Im Februar 1975 schrieb die gesamte deutsche Presse über ihn. Während seines Prozesses war er aus dem Fenster des Gerichtssaales gesprungen und entkommen. Ludwig Lugmeier lebte in Italien, Mexiko, Brasilien, im Iran, in Afghanistan, auf Island... – und viele Jahre im Gefängnis. Dort liest er Nietzsche und die anderen großen Philosophen und studiert die Werke der Weltliteratur. Er beginnt zu schreiben. Erzählungen und Gedichte werden noch während seiner Haft veröffentlicht.

Der Autor schildert das Leben des Kriminellen zwischen Geldrausch, Gefängnis und dem Gefühl der Leere, das ihn immer befiel, wenn er einen großen Coup gelandet hatte – denn mehr als Reichtum reizte Lugmeier die Vorbereitung und der erfolgreiche Abschluss eines Verbrechens"


Ein Dokumentarfilm über Ludwig Lugmeier
LUGGI Luggi L ist nicht zu fassen

L (Land) Deutschland, J (Jahr) 1995, Dokumentarfilm, P (Produktionsfirma) Viet Fimprod./ZDF, Länge: 74 Minuten, FSK: , Erstaufführung: 10.12.1995 ZDF Pd (Produzent) Hans-Erich Viet, R (Regie) Hans-Erich Viet, B (Drehbuch) Hans-Erich Viet, K (Kamera) Peter van den Reek, S (Schnitt) Mona Bräuer

Franz Doblers
Ode an Luggi Lugmeier, den kommunistischen
Bankräuber, findet sich in "NACHMITTAG EINES REPORTERS"
(Edition Belleville, München).

Bücher & Texte von Ludwig Lugmeier
Lugmeier, Ludwig, Wo der Hund begraben ist. Roman. Basel, Frankfurt: Stroemfeld/Roter Stern 1992. 272 S. Ln m.U.

Klappentext:
"Ein Buch aus dem Geiste Fassbinders - wenn RWF noch lebte, hätte er Ludwig Lugmeiers Roman bewundert und - womöglich verfilmt. Ein erzählerisches Meisterwerk - lakonisch und drängend - das endringliche Memorial für einen, "dem sein Recht nicht ward" (Hölderlin)." Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau

Ludwig Lugmeier: i. Ackerpresse, Berlin 1998. DM 15. Erhältlich im Antiquariat Wiederhold & Mink, Ackerstr. 18.
"Wer kein Bairisch kann, möge sich jemanden suchen, der es kann und der ihm laut aus diesem schönen Büchlein vorliest."

Klink, Vincent /Droste, Wiglaf (Hg.): Häuptling Eigener Herd, Bd. 12: Herbst 2002 128 S.
In diesem Band erzählt Ludwig Lugmeier erzählt von einem Festessen im Knast.

Ludwig Lugmeier über Dimitri Todorov

Und heute?

 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this page (summary)

xml version of this topic

powered by Antville powered by Helma

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany License.