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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 

Biographien des Bankraubs

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heißt ein Artikel auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung am 1.9. 2004 über drei Tunnel unter dem Pariser Santé-Gefängnis (Vgl. a. den Standard vom 1.9. 2004:

"Die Tunnels wurden offenbar bereits im August entdeckt, als Häftlinge meldeten, sie hätten regelmäßig nächtliche Geräusche gehört. Zu jener Zeit war die Verlegung einer Reihe gefährlicher Sträflinge in andere Haftanstalten geplant.
Nach den Berichten sollen die Tunnels jeweils etwa 20 Meter lang sein. Sie befinden sich in Tiefen zwischen vier und 17 Metern. Zwei der alten Steinbrüche führen unter Wachtürmen des Santé-Gefängnisses hindurch, der dritte unter dem Haupteingang. Ihre Existenz war seit jeher bekannt, und sie waren deshalb mit Gittern versehen.
Die mehr als zehn Meter hohen Mauern und mehrere Sicherheitsschleusen haben nicht verhindert, dass es immer wieder zu spektakulären Ausbrüchen aus der Santé gekommen ist."

Dieser Sachverhalt wird zum Anlass genommen um über historische Ausbrüche aus dem Gefängnis zu berichten:

"Der Gangster Jacques Mesrine und zwei Komplizen brachen mit Hilfe von Waffen aus, die sie durch Bestechung eines Wärters beschafft hatten.
Die Flüchtige nahmen Gefängniswächtern deren Uniformen ab und entkamen über die Außenmauer, nachdem sie Bauarbeiter gezwungen hatten, Leitern anzulegen.
Mesrine wurde später von Polizisten erschossen."

Auf was der Stürm-Biograf Reto Kohler eigentlich mit seiner Darstellung hinauswill, ergibt sich aus einem Facts-Artikel (Nr. 33/12.08.2004). Alte Rechnungen begleichen:

Auf dem linken Auge blind

"Walter Stürm, Dieb und Ausbrecherkönig: In den Achtzigerjahren stilisierte ihn die Linke zu ihrem Idol. Dabei sei er Kapitalist gewesen, schreibt Autor Reto Kohler in einem neuen Buch. Für FACTS zeigt er auf, wie sich Politiker und Journalisten blenden liessen.
(...)
Es war die Zeit der Achtzigerrevolte. Ungehorsam zu sein, gehörte sich. Die Leute bewunderten Stürms Courage. Die Abenteuer des «Ausbrecherkönigs» waren bald in aller Munde. «Hopp Stürm» war in grossen Lettern an Hauswänden zu lesen, wenn er grad wieder auf der Flucht war. Schriftsteller Niklaus Meienberg bewunderte Stürms «Freiheitsdurst», Erica Pedretti «sein Talent auszubrechen». Regisseur Rolf Lyssy, Psychoanalytiker Paul Parin und SP-Nationalrätin Lilian Uchtenhagen unterschrieben Zeitungsinserate für das Idol hinter Gefängnismauern. Journalisten zollten Respekt: Die Schreibe war vom «Gentleman- Gangster» («Neue Luzerner Zeitung») und vom «cleveren Stürm» («Die Weltwoche »). Bald flogen ihm, der dem Staat so furchtlos die Stirn bot, auch die Herzen des kleinen Mannes zu. «Dieser Mann hat ein Denkmal verdient», stand in einem Leserbrief der «Berner Zeitung». Aus Walter Stürm, dem gelernten Karosseriespengler, dem rechtskräftig verurteilten Bankräuber, war ein Rebell geworden und ein Held der politischen Linken im Land."


Das ist schon ein Missverständnis, dass nur politisch Unbedarften unterläuft, nämlich dass wenn man sich für Personen wie Stürm einsetzt, tatsächlich glauben könnte, dass das Helden sind.

Die WOZ (Marcel Elsener) vom 26.08.2004 rezenseniert eine neue Biographie über Walter Stürm

Kohler, Reto: «Stürm. Das Gesicht des Ausbrecherkönigs». Verlag: Zytglogge. Bern 2004, 320 Seiten. 36 Franken

kohler-stuerm«I bi jo dusse»

Der Basler Journalist Reto Kohler hat die Biografie des Ostschweizer «Ausbrecherkönigs» geschrieben, der im Zuge der Knastdebatte zum Idol der Linken wurde.

Stürm! Der Name ist SchweizerInnen eingebrannt, als überlebensgrosse Ikone, als einer der wenigen Stars, die dieses Land je hatte, in den achtziger Jahren so berühmt wie nur die populärsten Sportler, ein Begriff wie Regazzoni, Colombin, Odermatt. An den Mauern vieler Städte, beileibe nicht nur der grössten, prangten Sprayaufschriften wie «Hopp Stürm!» - offensichtlich genoss da ein moderner Eidgenosse Volksheldenstatus fast wie Robin Hood oder Tell (wie damals auch das Leibblatt der «Bewegung» hiess). Tatsächlich ist Walter Stürm (1942-1999) nicht nur in der Person des Einbrecherprofis und «Ausbrecherkönigs» in die Geschichte eingegangen, sondern auch mit einem legendären Satz, den noch heute alle über Dreissigjährigen im Lande mit ihm verbinden: «Bin Eier suchen gegangen», schrieb er frivol auf den Zettel, den er beim erneuten Ausbruch aus dem Zuchthaus Regensdorf kurz vor Ostern 1981 hinterliess. Stürm befand sich auf dem Gipfel seines Ruhms: Linke und Jugendbewegte, die ihn zur Leitfigur im Kampf gegen Isolationshaft und Knastwillkür erkoren hatten, applaudierten der Flucht ebenso wie zehntausende DurchschnittsbürgerInnen, denen es imponierte, wie ein Einzelner den scheinbar übermächtigen Staatsapparat foppte. In jenen Jahren glaubte nicht nur ein Enkel, der gerade die Autobiografie von Frankreichs «Staatsfeind Nr. 1», Jacques Mesrine, las, in Stürm einen Quasiverbündeten zu haben, sondern auch dessen Grossvater, der sich über Steuern und Parkbussen nervte.
(...)
Am Ende bleibt vom angeblichen Frauenhelden ebenso wenig übrig wie vom «Gentleman-Ganoven», der verklärte Rebell ist als Spiessbürger entlarvt. Stürm, eher verklemmt als enthemmt, von seinem brutalsten Komplizen und besten Freund Hugo Portmann mal als «Buchhalter Nötzli» bezeichnet, soll zumindest in zwei Fällen nicht vor Gewalt zurückgeschreckt sein - einmal bei einem frühen Banküberfall gegen eine wehrhafte Alte, ein andermal gemäss seiner damaligen Freundin auf einer Ferienreise in der Türkei, als er einen Radkappendieb auf frischer Tat ertappte und verprügelte («Der wollte mich bestehlen, dieser Vagant!»). Nicht gewusst oder verdrängt haben dürften viele LeserInnen, dass Stürm offenbar zwei Entführungen geplant, aber nicht ausgeführt hatte - in beiden Fällen milliardenschwere Promis: Paul Sacher und Marc Rich.

(...)
Trotzdem bleiben nach der Lektüre einige Fragen nach den Absichten des Autors. Das liegt weniger am Moralin, von dem er nicht lassen kann, oder an einigen Ausrutschern im Tonfall - zuweilen raunt es am Ende der Kapitel so spannungserzeugend wie in den Trailern der Hollywood-Produktionen. Bedenklicher als kleinere Ungereimtheiten allerdings ist der Beigeschmack der betonten «Ideologiefreiheit». Man wird den Verdacht nicht los, dass es Kohler auch um eine Abrechnung mit den linken Protestbewegungen ging, zumal er sein Buch mit einem in dieser Hinsicht zugespitzten Artikel im «Facts» lancierte (Titel: «Auf dem linken Auge blind»).

Die ganze Rezension


Eine weitere Rezension von Marianne Fehr "Der Vogel" in der Weltwoche Nr. 34/2004 ("Linke und Nette stilisierten ihn zu ihrem Helden – und waren seine Opfer: die Biografie des Verbrechers Walter Stürm" hält das Buch zwar für lesenswert, doch stellt sie zugleich einige Vereinfachungen und Mißverständnisse richtig:

"Mit einiger Verzweiflung stellt Reto Kohler Deutungsversuche an und kommt zu keinem Schluss: «Weshalb nur beharrte er so stur auf seinem Kurs? Über die wahren Gründe dieses Stillstands könnte man lange psychologisieren. Man könnte der Mutter die Schuld geben, oder dem Vater, oder dem materiellen Hintergrund der Familie. Und bei jedem Erklärungsansatz würde man feststellen, dass der gegenteilige Zugang ebenfalls zutrifft. [...] Einen Schuldigen für die Tragödie des Walter Stürm wird man nie überführen können. Die Gründe seines Scheiterns sind glitschiger als eine frische Forelle.» Vielleicht weil die Antwort so einfach ist? Stürm machte dasselbe wie ein braver Tischler, der den eigenen Fertigkeiten vertraut und bis zur Pensionierung Tische baut. Stürms Fertigkeiten lagen im Autoklauen, Aufschweissen von Tresoren, Sichdurchmischeln als Häftling oder meistgesuchter Flüchtiger."




Eine Auswahl verschiedenster Artikel zu Walter Stürm hat Alain Kessi beim Pressebüro Savanne zusammengestellt. Hier findet sich auch die ungekürzte Version des Kessi-Beitrags für das Vabanque-Buch von Klaus Schönberger.

Ein Geburtstag ist noch nachzutragen:

"Der legendäre Posträuber Ronald Biggs feiert am Sonntag 75. Geburtstag - im Gefängnis

gr_650040_1BERLIN, 6. August. Noch vor fünf Jahren feierte er am Fuße des Zuckerhuts seinen Geburtstag mit einem einwöchigen Fest. Heute sitzt Ronald Biggs in einer Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London. Viele glauben, er sei längst tot. Stimmt aber nicht. Er wird am Sonntag 75 Jahre alt. Als Geschenk wünscht er sich nichts sehnlicher, als in Freiheit mit seinem Sohn ein kaltes Bier zu trinken. "

Weiter in der Berliner Zeitung vom 8.8. 2004

wurde auf Wikipedia unter die Kategorie " Mann | US-Amerikaner | Räuber | Mörder" einsortiert.

John Herbert Dillinger (* 22. Juni 1903 in Oak Hill bei Indianapolis; † 22. Juli 1934 in Chicago) war der erste Mensch, den das FBI als Staatsfeind Nr. 1 bezeichnete.

Er und seine Bande waren auf Bankraub spezialisiert. Auf ihn wurde damals vom FBI das zu dieser Zeit größte Kopfgeld aller Zeiten ausgesetzt - 25.000 US-Dollar. John Dillinger genießt den Ruf, ein moderner Robin Hood gewesen zu sein. Am 22. Juli 1934 wurde er von der Zimmergenossin seiner Freundin verraten. Er wurde beim Verlassen eines Kinos von einem FBI-Beamten erschossen.


Der ganze Text

dillingerHeute vor 70 Jahren wurde John Herbert Dillinger (geb. 1903), amerikanischer Bankräuber erschossen.

taz-Interview mit einem Bankräuber (28.6.2004)
"Ich hoffe, dass mir noch Zeit bleibt"
Roland B.

Das Haus III, ein alter Backsteinbau in der Justizvollzugsanstalt Tegel, wird im Knastjargon "Mutterschiff" genannt. Hier sitzen die Häftlinge mit den längsten Strafen - der "Bodensatz der Gesellschaft", sagt Roland B. Das Mutterschiff ist seine Heimat. Von Brandstiftung bis Bankraub hat B., 48, in seinem Leben das halbe Strafgesetzbuch durchdekliniert. Der gelernte Schriftsetzer, aufgewachsen in einem Dorf am Bodensee, der Vater Dorfpolizist, sitzt seit einem Vierteljahrhundert mehr oder weniger ununterbrochen hinter Gittern. Ebenso lange ist er heroinabhängig.

Ihre längsten Strafen - siebeneinhalb und zwölf Jahre - haben Sie wegen diverser Banküberfälle bekommen. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Aber man stellt automatisch Vergleiche an. Wenn ich in den Nachrichten höre: Den Haag, Kriegsverbrecherprozess, Vergewaltigung, Brandstiftung, Massenmord - 20 Jahre, dann sage ich mir: Roland, du bist ja noch schlimmer als dieser Typ, weil du mehr Knast hast. Du bist ja ein ganz schlimmer Finger.

Das ganze Interview

2002 legte die Edition Nautilus die Autobiographie des französischen Staatsfeindes Nr 1., Jacques Mesrine, nochmals in deutscher Sprache auf:
todestrieb
DER TODESTRIEB
Autobiographie eines Staatsfeindes
Paperback, 384 Seiten, (D) 14,80 / sFr 26,90
ISBN 3-89401-390-7

Bis zu seinem Tod 1979 Staatsfeind Nummer eins in Frankreich und Kanada, Algerienkämpfer, Einbrecher und Bankräuber – Mesrine avancierte vom kleinen Gangster aus dem Pariser Milieu zum meistgesuchten Killer. Ihm gelangen drei spektakuläre Ausbruchsversuche, bevor ihn Spezialeinheiten der Pariser Polizei schließlich in seinem Wagen erschossen.
Jacques Mesrine schrieb seine Autobiographie im Hochsicherheitstrakt eines Pariser Gefängnisses. Nach seinen Kriegserfahrungen in Algerien und erfolglosen Versuchen, einer geregelten Arbeit nachzugehen, bricht Mesrine mit allen Konventionen des bürgerlichen Lebens und sagt der Gesellschaft den Kampf an. Die »Risiken eines Lebens am Rande der Gesellschaft« nimmt Mesrine mit konsequenter Entschlossenheit auf sich, er zeigt weder Reue noch Selbstmitleid.
Als »Superstar« und »Ausbrecherkönig« hatte er breite Sympathien auf seiner Seite, darüber hinaus wurde er einer der – im wahrsten Sinne des Wortes – radikalsten Gegner der Hochsicherheitstrakte.

Alert #5 (Oktober 2001 - Februar 2002) - Das Interviewmagazin druckte nochmals das berühmte Interview mit Jacques Mesrine aus den 70er Jahren nach:

titel5midEr war Algerienkämpfer, Bankräuber, Polizistenmörder und Ausbrecherkönig. Er wurde zur Ikone der Anarchisten. Am 24. Oktober 1979 erschoss ihn die Polizei. Das Interview löste seinerzeit einen handfesten Skandal in Frankreich aus.

"Gewalt ist ein Mittel zum Zweck. Für den einstigen französischen und kanadischen Staatsfeind Nummer eins, Jacques Mesrine, war die 38er Spezial ein Arbeitswerkzeug. Beruf: Bankräuber. Geführt wurde das Gespräch von einer Journalistin der Zeitung «La Liberation» am 3. und 4. Januar 1979 im Untergrund, zehn Monate vor Mesrines Erschießung durch ein Kommando der Sondereinheit «Mesrine» in Paris. Wir erfahren den Blickwinkel eines Polizistenmörders und mehrfachen Ausbrechers, der zu einer Ikone der anarchistischen Bewegung wurde. Die Journalistin wurde nach Bekanntwerden ihres Coups verhaftet. Sie hatte auf der Suche nach einer sensationellen Story nicht nur eine Festnahme vereitelt, viel schlimmer: sie hatte Mesrine das Wort gegeben."

Fast hätten wir es vergessen

HBgVEBFzBonnie&Clyde vor 70 Jahren von Kugeln durchsiebt
(Rheinische Post, 23.05.04)

Düsseldorf (rpo). Sie waren das berühmteste Verbrecher-Paar der Geschichte: Bonnie und Clyde. Am 23. Mai vor 70 Jahren fand ihr kompromissloses und abenteuerliches Leben nach zahlreichen Banküberfällen und Rauben in den Südstaaten der USA ein jähes Ende.

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