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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 

Lotto und Bankraubphantasien

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Was im Standard ganz simpel als ein "Bankraub in Kärnten "Pärchen erbeutete 40.000 Euro" übertitelt wurde und schließlich noch fesgestellt wird: "Von den beiden etwa 50 Jahre alten Tätern fehlt vorerst jede Spur" (Der Standard, 24.11. 2006) wird in der Printausgabe von "Österreich" (25.11. 2006) auf 52.000 Euro aufgestockt. Ausserdem steigt hier das Pärchen zum mythischen Gangsterduo "Bonnie & Clyde" auf. In der Onlineausgabe ist der ganze Quatsch nicht mehr zu finden und auch die Beute wurde auf 40.000 EUR korrgiert. Aber weil' s so schön ist, hier nochmals der Wortllaut, der zugleich ein anderes Thema anreisst, dss in unserem Blog auch immer wieder diskutiert wird. Es war mal wieder "filmreif":

"Der Überfall auf eine Wechselstube im Kärtner Dreiländer-Eck könnte direkt aus einem Hollywood-film stammen. (...)
Daraufhin türmten "Bonnie & Clyde" zu Fuß in Richtung Autobahn. (...)".

Irgendwie muss das der Österreich-Redaktion angesichts des Alters der Akteure selbst aufgefallen sein, dass nur weil jemand im Doppelpack auftritt, nicht gleich Freiheit und Abenteuer ausgebrochen sein muss.
Aber vielleicht träumt ein Redakteur des Fellner-Österreichs halt auch ab und an davon, mit seiner Freundin auf Tour zu gehen, anstatt am Karlsplatz solch depperte Zeitungsseiten füllen zu müssen.
Mensch, nimm die Buffen, steig auf's Motorrad und zeig' ihr, dass Du ein ganzer Kerl bist ... das gibt wennigstens wieder schöne Schlagzeilen.

Update:
Die Spur führt nach Deutschland
"Zeugen entlarvten das Gangsterpärchen

Die Exekutive hat eine heiße Spur nach Überfall auf ein Geldinstitut in Hart. Die Polizei fahndet nach zwei deutschen Staatsbürgern. Ein Verdächtiger (53) ist bereits wegen schweren Raubes vorbestraft. "


Der ORF veröffentlicht Fahndungsfotos - und spätestens hier blamiert sich die Phantasie von Bonnie & Clyde

Blogging Tom (12.11. 2006) über den Trojaner im vermeintlichen N24-Newsletter

Na da waren wir aber schneller ... jetzt berichten auch die Fachzeitschriften wie PC-Welt (14.11.2006):


Trojanisches Pferd in vorgeblichem N24-Newsletter


Vom angeblich größten Bankraub aller Zeiten künden Mails, die vorgeblich einen Newsletter des TV-Senders N24 zitieren. Die darin verlinkte Datei ist jedoch ein Trojanisches Pferd.

Seit Sonntag werden in der Schweiz und mutmaßlich auch in Deutschland Mails Spam-artig verbreitet, die einen Betreff wie "Grosster Raububerfall in der Weltgeschichte, Zuricher Credit-Suisse ausgeraubt" tragen. Im Text wird behauptet, die Täter hätten als Polizisten verkleidet Bargeld sowie Goldstücke im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro erbeutet.

Die Mail bezieht sich auf einen angeblichen Bericht des Fernsehsenders N24 und enthält einen Link auf eine Datei, die ein Newsletter von N24 sein soll. Bei der zurzeit immer noch verfügbaren Datei handelt es sich jedoch nicht wie angegeben um eine PDF-Datei sondern um eine EXE-Datei. Während als sichtbarer Link-Text nur "newsletter_12112006_cs.pdf" angezeigt wird, verweist der Link tatsächlich auf eine Datei namens "newsletter_12112006_cs.pdf.exe", die ein Trojanisches Pfed aus der Goldun-Familie enthält.

Wie bei dem ebenfalls am Wochenende verbreiteten falschen IE7-Downloader ( wir berichteten ) ist die Erkennung des Schädlings durch Antivirus-Programme noch recht dürftig und teilweise nur auf einen unspezifischen Code-Anteil zurück zu führen, der mehrere Programmdateien zusammenhält und diese beim Aufruf auf die Festplatte schreibt.


... aber eines muss man den Urhebern lassen, nicht schlecht ausgedacht:

Vgl. a. das Hoax-Info-Weblog der TU-Berlin (Eintrag vom 12.11. 2006):

"Malware: Grosster Raububerfall in der Weltgeschichte
Vorgeblicher N24-Newsletter ist ein Trojanisches Pferd

In Spam-artig verbreiteten Mails mit einem Betreff wie „Grosster Raububerfall in der Weltgeschichte, Zuricher Credit-Suisse ausgeraubt“ wird ein Link auf eine 92 KB große Datei namens "newsletter_12112006_pdf.exe" verschickt. Es soll sich um einen Newsletter des TV-Senders N24 handeln, tatsächlich ist es ein Trojanisches Pferd aus der Goldun-Familie. Die Erkennung durch Antivirus-Software ist noch sehr lückenhaft, Antivir meldet "TR/Spy.Agent.SD", McAfee "Spy-Agent.ba", Sophos "Troj/Cimuz-Gen"."

Derzeit kursiert eine gefälschte Geschichte über den angeblich größten Banküberfall der Weltgeschichte in der Schweiz (wo das natürlich jeder vermutet). Die Mail enthält zwei Links zu zwei .exe-Dateien, die wir hier nicht weitergeben. Ich habe allerdings auch noch keine Warnung bei den üblichen Verdächtigen gefunden:

"Größter Raubüberfall in der Weltgeschichte
Gangster erbeuten bis zu 6 Milliarden Euro

Spektakulärer Milliarden(!)-Raub in Schweiz: Als Polizisten verkleidete Gangster haben Züricher Credit-Suisse Bank überfallen und dabei mindestens 4 Millionen Euro und Goldstücken im Wert von mindestens 5 Milliarden Euro erbeutet. Die Ermittlungen zum Gesamtschaden halten noch an -möglicherweise könnten die Täter sogar bis zu 6 Milliarden Euro erbeutet haben.

Polizeisprecher Paul Gleisner: "Dies war ganz klar ein von langer Hand geplanter Raub. Wir sind sicher, dass es Insider in der Bank gegeben haben. Das bestätigen auch die Sicherheitsvideos, die wir uns schon angesehen haben"

Exclusiv bei N-24 können Sie die Videos aus der Bank unter diesem Link [Link wg. exe-Datei entfernt] ansehen.

Mit Hochdruck fahnden die Beamten nach den Tätern-bisher ergebnislos. Spekulationen der schweizerischen Presseagentur PA zufolge könnten die Täter das Gold von Wert mit bis zu 6 Milliarden Euro mitgenommen haben. Hier können Sie einen ausführlichen Bericht in Acrobat Reader Format ansehen.
//www.n24-news.com/newsletter_12112006_cs.pdf [HTML-Link enthielt ursprünglich .exe-Datei, daher hier nicht mitgeliefert]

Am frisch umbenannten Zürcher Institut für populäre Kulturen wurde in der Reihe "Zürcher Beiträge zur Alltagskultur" bereits vor geraumer Zeit eine Publikation zum Thema Schweizer Zahlenlotto veröffentlicht:
Lotto_1
Katrin Kalt: Zettel, Zahl und Zufall. Glück und Glücksspiel am Beispiel des Schweizer Zahlenlottos. Zürich 2004, 195 S., ISBN 3-908784-02-6, CHF 34.–,€ 22.50


Die Verlagsankündigung


"Seit 1970 rollen die Kugeln des Schweizer Zahlenlottos. Zahlreiche LottomillionärInnen wurden bereits gekürt, für die Mehrheit der Teilnehmenden bleibt jedoch ein Sechser im Lotto ein blosser Wunschtraum. Hinter der Schaufassade der öffentlichen Ziehung der Gewinnzahlen im Fernsehen liegt die verborgene Sehnsucht der hunderttausend LottospielerInnen in der Schweiz.
Die ethnographische Untersuchung fragt danach, wie die Menschen mit dem Zufall des Lottoglücks leben. Sie behandelt sowohl die historischen Entstehungsbedingungen, die institutionellen Strukturen und die gegenwärtige Form des Lottospiels als auch seine Bedeutung für die SpielerInnen. Welchen Platz nimmt es in ihrem Alltag ein, welche Vostellungen von Geld, Glück und Zufall werden mit ihm verknüpft, welches sind die Träume vom Riesengewinn? Zahlreiche Gesprächsdokumente geben Einblicke in individuelle Spielpraxis, Sichtweisen und Einstellungen von GlücksspielerInnen. Diese Innensichten zeichnen ein facettenreiches Bild der Alltagszusammenhänge zwischen Spielvarianten, Spannung und Glückserwartung."


Über Katrin Kalt

Die Schweizer Wochenzeitung "Facts" (7.4. 2004) rezensierte das Buch und betonte das Ergebnis, dass nicht nur auf den Lottogewinn abgezielt wird:

"Die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Katrin Kalt, 38, hat nun mit einer breiten Untersuchung dem Schweizer Lottospieler erstmals ein Profil geben. Ihr Befund ist überraschend: Natürlich lockt das Geld, selbstverständlich wird geträumt vom Gewinn. Der Hauptanreiz aber ist viel profaner: Schweizer spielen Woche für Woche vor allem deshalb Lotto, um ihrem Alltag eine verlässliche Struktur zu geben. «Das Zahlenlotto wird gleichgesetzt mit dem Zeitungs- oder Bahnabonnement und mit dem Abfuhrwesen», sagt Kalt. «Alles Repräsentanten immer wiederkehrender Dinge, auf die Verlass ist, die deshalb strukturierend auf den individuellen Alltag wirken.»


Der obligatorische Vergleich darf auch bei Katrin Kalt nicht fehlen:

"Die Wahrscheinlichkeit, mit drei Franken Einsatz einen Sechser zu tippen, beträgt jämmerliche 1 zu 8,145 060 Millionen. Allerdings steht für den Schweizer der Lottogewinn gar nicht im Zentrum. Der Sechser im Lotto, sagt Kalt, «ist eine Redewendung, ebenso wie ‹eine Bank ausrauben›». Eine «hypothetische Grösse», «ein Spiel mit der Vorstellung», «ein Eintrittsbillett, den Zufall abzufragen, günstiger als ein Kaffee im Restaurant ». Irrational ist deshalb der Umgang mit dem Spiel. «Auf keinen Fall», würde etwa Therapeutin Erika Z., 53, im Falle eines Gewinns die Arbeitsstelle aufgeben: «Ich wüsste echt nicht, was ich denn sonst den ganzen Tag machen sollte.»"

Im Buch (S. 7f.) selbst heißt es:
"Zahlenlotto ist ein Spiel der Konjunktive. 'Im Lotto gewinnen' ist eine Redewendung geworden ebenso wie 'eine Bank ausrauben'. Beides spielt mit der Vorstellung einmal richtig Geld zur Verfügung zu haben."

Bei Katrin Kalt wird aber auf die doch entgegengesetzten Handlungsimplikationen nicht weiter eingegangen.

Interessant ist der historische Exkurs über die Ant-Lotto-"Pädagogik" (S. 52f.):

"Die Kritik und der Kampf der Lottogegner wandte sich vordergründig gegen ein ihnen abstrus vorkommendes spiel, dessen Sinn sie über die rationale Interpretation der Wirklichkeit im Sinne der Aufklärung nicht nachvollziehen konnten. Ihre Kritik richtete sich aber gleichzeitig gegen die Hoffnungen und Träume von denjenigen, die sich nicht imstande sahen, diese mit den vorgeschriebenen Mitteln der bürgerlichen Vorstellungen realisieren zu können. Edith Sauer spricht deshalb auch von der 'Disziplinierung des Innenlebens, der Sehnsüchte jener (...), die es nötig hatten oder notwendig erachteten, dieses Spiel zu spielen, um ökonomische und soziale Barrieren zu durchbrechen' "
Spätestens hier ergeben sich wiederum Paralellen zum Bankraub, die jedoch nicht thematisiert werden. Für die Analyse der Bankraubphantasien zeigen sich hier aber interessante Anknüpfungspunkte. Denn wenn die Lottogewinn-Phantasien gleichermaßen eher randständige Tagträume darstellen, dann ist es vermutlich nicht so verwunderlich, dass sie mit dem Bankraub in einem Atemzug Erwähnung finden.

"Hot Latin boys want to put their spicy muscular bodies to filthy action ... " -

Wer auf schwule Ästhetik steht, der mag die folgende kleine Photogeschichte cool finden. Unsereins weiss natürlich, das Bankraub sexy macht, und daher gibt' es auch entsprechende schwule Phantasien hierzu:

Safe Breaker

"Klar mache ich das auf ..."

Safe Breaker2

"... und natürlich auch noch mehr ..."

Safe Breaker3

"... und Kohle bedeutet mir zwar nicht alles ... aber doch 'ne ganze Menge"


Safe Breaker4

"...aber wer alles sehen will, der muss jetzt weiterklicken ..."

Anlässlich des neuerlichen Wettskandals in den Fußballbundesligen kommentiert die Märkische Oderzeitung (10.3.2006):

"Wett-Manipulationen sind für die Betreiber viel zu lukrativ, als dass
sie sich vom ersten Rückschlag davon abhalten ließen. Wie es
aussieht, müssen wir damit leben - wie mit Bankraub und Anlagebetrug. Will heißen: Wo viel Geld im Spiel ist, sind automatisch auch Kriminelle mit am Werk. Natürlich könnte man die Wetten verbieten, doch neben der Tatsache, dass dann illegale Anbieter ins Kraut schießen würden, wäre das auch eine Kapitulation ersten Ranges. Denn Wetten gehört für viele Fans zum Fußball wie das Tor - erst recht
drei Monate vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land."

Ob Zufall oder ob es Ausdruck eines Stimmungswechsels oder gar ob es eine geplante Strategie ist, muss an dieser Stelle gar nicht entschieden werden. Aber es fällt doch auf, dass gegenwärtig intensiv die Folgewirkungen von Banküberfällen bei Bankangestellteb, aber auch bei Geiseln thematisiert wird. Ich möchte das an drei Beispielen diskutieren:

1. Die mediale Aufbereitung des Tiger-Kidnapping anhand des jüngsten "Millionenraubes" in UK.
2. Ein SPIEGEL-Artikel in Heft 7/2006 über die psychischen Schäden bei Opfern von Banküberfällen.
3. Die öffentliche Präsentation als auch der Katalog der Frankfurter Ausstellung "Geld oder Leben".


ad 1.)
Die mediale Aufbereitung des Millionengeldraubs von Kent war einerseits geprägt von der Bewunderung der angeblich "militärischen Präzision" der Räuber, zugleich wurde auch immer wieder die Brutalität der Gangster hervorgehoben, die gegenüber ihren Opfern zum Ausdruck gekommen sei. Insbesondere die Penetranz, mit der auch die Polizei immer wieder versucht(e), diesen überaus unschönen Aspekt des Geldraubs in den Mittelpunkt zu stellen, deutet darauf hin, dass es eine bewußte Strategie der Verfolgungsbehörden war und von den Medien aufgrund der berichtbaren Brutalität willig aufgenommen worden war. Klares Ziel: Das Aufkommen von Symphatie zu erschweren.

ad 2.)
Bereits eine oder zwei Wochen vor dem Kenter "Millionenraub", liefe rte der Spiegel im Februar in einem mehrseitigen Artikel ("Das zweite Leben") folgenden Problemaufriss:

"Jeden Werktag gibt es im Schnitt drei bis vier Überfälle auf Bank- oder Postfilialen, die meisten jetzt, in der dunklen Jahreszeit. Der Coup dauert meist nicht mal fünf Minuten. Viele Angestellte aber, die in den Lauf einer Pistole gestarrt haben, werden die Angst nie wieder los."

Eingangs schildert der Verfasser zwei besonders drastische Fälle, um dann auf das Phänomen insgesamt zu sprechen zu kommen und die psychologischen Unterstützungmaßnahmen zu schildern, die Banken ihren betroffenen Mitarbeitern anbieten.

Im wesentlichen dreht sich der Artikel aber um ein Beispiel. Um die Situation besonders drastisch zu illustrieren, scheut sich der Autor auch nicht vor einer Art Re-Enactment des erwähnten Falles, bei dem ein psychisch kranker Bankräuber offenbar durchgeknallt war. Der Artikel soll zum Mitleiden anregen. Immerhin kommt zum Schluß dann auch noch jener Aspekte zur Sprache, wonach "in acht von zehn Fällen (...) die Überfallenen gleich nochmal zum Opfer - von einzelnen Kollegen und Vorgesetzten", von Kunden, aber auch von Freunden, Familie und Partnern würden (- Das Böse ist immer und überall -").

ad 3.)
Auch die AusstellungsmacherInnen im Frankfurter Museum für Kommunikation bemühen sich diesen Aspekte in den Vordergrund zu stellen. So berichten die meisten Medien über die Hinweise, dass das Museum eine Romantisierung vermeiden möchte. Im Katalog lassen sie Dr. phil. Christian Lüdke zu Wort kommen, der auch eine Human Protect Consulting GmbH samt Webpage ("//www.bankueberfall.de/) betreibt, die vor allem der Opferhilfe dienen soll. Auch dieser Text soll der Emphatie für die Opfer der Bankkräuber auf die Strünge helfen. Ungeachtet dessen kann und will die Frankfurter Mitarbeiterin Gaby Sonnabend nicht verhehlen:

Die Frage ist, warum es dennoch nicht funktioniert. Auch die FrankfurterInnen müssen zugeben: "Die Ausstellung kann sich einer gewissen Romantisierung der Räuber und Räuberbanden nicht entziehen" und auch die Mitarbeiterin muss bekennen: "Die Wissenschaftlerin Sonnabend ist nach eigener Einschätzung selbst nicht frei von der Bewunderung für die schweren Jungs."

Und das ist auch nicht verwunderlich, da das Begehren, das die Banküberfälle ansprechen eben nur wenig mit den Opfern zu tun hat. Es kann auch nicht damit neutralisiert, indem man die Opfer betont. Dem stehen eine lange Tradition der Populärkultur entgegen, die sich schon immer einen Teufel um die Wirklichkeit scherte und erfolgreich andere Tiefenschichten der Menschen anzusprechen vermochte. Insofern dient das im Falle des Frankfurter Musuems als Absicherung gegenüber Vorwürfen wie der Indifferenz. Aber auch die Polizeistrategien wird nicht aufgehen. Die Popularität von Bankraub basiert auf sozialer Ungleichheit und dem Wunsch der Subjekt dies zu ändern. Solange es die gibt, werden die Unterlegenen und Subalternen sich immer wieder freuen, wenn ein Ding wie in Kent gedreht wird. Die Leiden und Schmerzen der Bankangestellten wie anderen Opfer sind dabei jener mentale Kolleratalschaden unpräziser Salven der Akteure der Populärkultur, die die alltäglichen Opfer von ungezügelter Kapitalakkumulation, von Lohnraub und Ausbeutung noch nie zu zählen vermochten.

Irgendwie haben es alle gerade mit dem Bankraub. Angesichts des Kenter Millionenraubes sind die Phantasien offenbar mal wieder beflügelt. Selbst in Beiträgen zu bestimmten Heilmethoden, sind die Assoziationen gerade ziemlich eng geführt. Etwa auch im Online-Portal der Rheinischen Post (28.2. 2006):

"Reiki ist aber kein Wundermittelchen, das Dir das Ding schon schaukelt, so wie DU es Dir vorstellst. Der perfekte Bankraub wird Dir damit genausowenig gelingen, wie ein 6-er im Lotto oder dasss privates Glück dir zufliegt. Du bist nicht Ruck-Zuck von schwerer Grippe und Schlimmerem geheilt, bloß weil Du Dir Reiki gibst oder es empfängst. "

Der Bankraub wird auch als Vergleichsmatrix in der Bewertung von anderen Straftaten herangezogen. So auch von DORON RABINOVICI in der Wiener Zeitung Die Presse (25. Februar 2006). Anlässlich der Verurteilung des notorischen Holocaust-Leugners David Irving ("Märtyrer schauen anders aus") antwortet er dem Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker ("An den Grenzen der
Meinungsfreiheit", 22. 2. 2006):

Seit Monaten bemühen die Gegner des Verbotsgesetzes jedes noch so abstruse Argument, um gegen die gerichtliche Verfolgung von David Irving und das Wiederbetätigungsverbot in Österreich zu polemisieren. Das Verfahren gegen die britische Ikone der internationalen Nazi-Szene, lautete etwa einer der Einwände, bewirke bloß, dass er zum Märtyrer stilisiert werde. Deshalb sollte das Gesetz gleich abgeschafft werden. Mit derselben kruden Rabulistik könnte einer dafür plädieren, Bankräuber nicht mehr zu verurteilen, weil sie dann durch den Verkauf ihrer Geschichte an Hollywood Millionen scheffeln würden.

Nun ja. Ähem. Also, auch wenn ich der Meinung bin, dass das österreichische Verbotsgesetzt überhaupt nicht überflüssig ist (angesichts dessen - was hierzulande so alles öffentlich gesagt werden darf) und dass auch Irving seine drei Jahre verdient hat, erscheint mir dieser Vergleich nicht überzeugend zu sein. Vielleicht sollte man Meinungsdelikte nicht mit Raub-Delikten auf eine Ebene stellen.

Klar ist das hier nicht der Punkt. Interessant ist vielmehr, in welcher Weise der Bankraub immer wieder die Referenz für die Bewertung anderer Formen von Kriminalität darstellt.

 

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