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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
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"Montag als Tag der Bankräuber"

Die Wiener Bankraubwelle des Jahres 2004 geht weiter. Der Standard (1.3. 2005)- aber auch andere Zeitungen berichten ausführlich über die anhaltende und offenbar nachhaltige Entwicklung des Bankraubs in der österreichischen Hauptstadt. Berichtet wird auch über die geplanten Gegenmaßnahmen und es ist nun schon der dritten "Sicherheitsgipfel" mit den Bankinstituten anberaumt.
Positiv bewertet wird auch das jüngste Gerichtsurteil in Sachen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen, dass "hilft bei dem Bestreben, die Banken mehr einzubinden" wie es die Polizeivizepräsidentin Michaela Pfeifenberger formulierte.

Pfeifenberger




















"Bankräuber geben sich die Klinke in die Hand"

heißt es im Standard vom 23.2. 2005:

"Einzeltäter, getrieben von Geldnot, sieht Christian Grafl, Kriminologe an der Uni Wien, als eine Tätergruppe - eine von mehreren. Daneben gebe es professionelle Gruppen, die der organisierten Kriminalität zuzurechnen seien, sowie "Nachahmungstäter", die von Überfällen lesen und so die "letzte Initialzündung" bekommen.

Strafmaß ausreichend

Dass man zur Abschreckung das Strafmaß anheben soll, hält der Kriminologe für wenig sinnvoll: "Jeder Mensch weiß doch, dass das verboten ist und man im Gefängnis landet. Wer aus Verzweiflung und Not handelt, denkt aber nicht dran. Und die Professionellen gehen davon aus, dass sie nicht erwischt werden."

Gleichzeitig warnt der Kriminologe auch davor, die Sicherheit der Geldinstitute drastisch zu erhöhen: Mit technischen Sicherungen wie Schleusen könne das Risiko eines Überfalls zwar minimiert werden. Vor allem bei den professionellen Banden zeige sich aber, dass "dann die Brutalität zunimmt" - es etwa zu Geiselnahmen kommt. Außerdem müsse auch die Akzeptanz der Kunden mitbedacht werden. Grafl: "Wer will schon an drei Bewaffneten vorbei durch drei Schleusen in seine Bank gehen?"

Na das hört sich aber mal vernünftig an!
Ob es was hilft. Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Praxis ist bekanntlich nicht so einfach.


Am 1.3. lesen wir dann in der ominiösen "Heute"-Zeitung, die in Wien kostenlos in den U-Bahnen verteilt wird:

"Zu viele Räuber, Diebe: Polizei bittet um Hilfe! Und Innneministerium präsentiert neue 'Kriminalstrategie' für Wien."


Bloss was wären diese Zeitungen ohne Banküberfälle?

Nachzutragen ist auch noch ein Bericht auf der Titelseite der Stuttgarter Zeitung (16.2.2005 - leider nicht online) über einen todkranken 53jährigen Ladenbesitzer aus Ligurien, der zum Serienbankräuber geworden sei, "um seine Familie finanziell abzusichern".

In dem Artikel wird auch über das Verständnis der italienischen Zeitungen berichtet: "Niemand in Italien stellt den Mann an den Pranger."

Ja, ja, die Italiener, die haben es halt mit der Familie.

Die taz (24.2. 2005) berichtet:

Marienfelde
"Wanted-Plakate hängen wohl demnächst in Marienfelde. Dort haben drei Maskierte am Dienstagabend eine Commerzbankfiliale überfallen. Die Räuber entkamen mit einem Koffer voller Geld. Um Kunden vom Betreten der Filiale abzuhalten, postierten sie davor einen Werbeaufsteller mit dem Text: "Sehr geehrte Kunden, leider sind heute unsere EC-Automaten defekt - Wir bitten um Verständnis"

Vgl. ausführlicher die Yahoo-Nachrichten (23.2. 2005)

Der Wiener Kurier (14.2.2005) berichtet über eine Kontroverse zwischen deutschen Konsumentenschützern, die vor Einlagen über 7.000 Euro bei österreichischen Banken warnten. In diesem Zusammenhang waren die Austro-Banker empört. Inzwischen wurde der ursprüngliche Gesetzentwurf revidiert.

Wien. Über eine Reform der Einlagensicherung wollte das Finanzministerium ursprünglich den Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung von 20.000 auf 30.000 Euro ausdehnen, dabei aber (ab einem Sockelbetrag von 7.000 Euro) einen zehn-prozentigen Selbstbehalt einführen. Das hätte bedeutet: Von einer Sparsumme zwischen 7.000 und 30.000 Euro hätte der Sparer im Fall des Zusammenbruchs "seiner" Bank dann nur 90 Prozent wieder bekommen. Dieser Sparer-Selbstbehalt war innerhalb der Regierung heftig umstritten gewesen. Im neuen Entwurf des Finanzressorts, der am Dienstag im Ministerrat behandelt werden soll, findet sich weder der Selbstbehalt noch die erhöhte Sicherungsgrenze.

Die Novelle zum Bankwesengesetz (BWG) mit dem Selbstbehalt im Fall von Bankkonkursen wäre vor allem vom Bankenverband erwünscht gewesen. Denn die einzigen Pleiten von Kreditinstituten in den vergangenen Jahrzehnten betrafen jeweils den Sektor der Aktienbanken.

Für Empörung bei den österreichischen Banken hat zuletzt ein Aufruf der deutschen Stiftung Warentest gesorgt, wegen der mit dem geplanten Selbstbehalt verbundenen Unsicherheit um eine "deutliche Reduktion" der Einlagensicherung von größeren Einlagen in Österreich abzusehen: Teile der österreichischen Regierung, so hieß es im Magazin "Finanztest" der deutschen Konsumentenschutzorganisation, "wollen den Schutz für Sparer verschlechtern". Damit, so das deutsche Magzain weiter, würde sich etwa auch der Schutz für die deutschen Sparer der österreichisch-türkischen Deniz- und Vakifbank verschlechtern. Beide Banken haben ihren Hauptsitz in Wien und Zweigstellen in Frankfurt am Main. Sie böten derzeit attraktive Zinsen. Schließlich der "Tipp" der Stiftung Warentest in dem Magazin: "Kunden legen bei einer österreichischen Bank vorerst besser keine Geldbeträge über 7.000 Euro für längere Zeit fest an."

berichtete die Netzzeitung (18. Feb 2005)

Irische Polizei stellt Geld sicher

Die Polizei geht davon aus, dass die IRA in den größten Bankraub Nordirlands verwickelt ist. Ein Teil des Geldes wurde sichergestellt.

Runds zwei Monate nach dem größten Banküberfall in der nordirischen Geschichte hat die Polizei in Irland zwei Männer festgenommen. Britische Medien berichteten, beide seien Mitglieder der Partei Sinn Fein, die als politische Vertretung der Untergrundbewegung IRA gilt.

berichtete noch im Februar der Wiener "Kurier" (17.2.2005):

"Wien - Die Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) muss einer Kundin, die nach dem Beheben von 28.000 Euro in einer Filiale in Wien-Fünfhaus auf dem Heimweg überfallen wurde, die Beute zur Gänze ersetzen. Das hat das Wiener Oberlandesgericht (OLG) in einem 20 Seiten starken Urteil entschieden, in dem der Bank das Alleinverschulden zugesprochen wurde. Die BA-CA akzeptiert die Entscheidung und kündigte am Donnerstagnachmittag ein Maßnahmenpaket zum Schutz der Kunden an."
(...) Sirven
Kundenschutz ist Pflicht
"Die Bank ist nicht nur verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor Überfällen zu schützen und zu diesem Zweck - wie es manchmal geschieht - Sicherheitsbeamte in den Filialen abzustellen, sondern auch ihre Kunden", so das OLG in der Entscheidung 2 R 270/04x. Der Schutz der Kunden erstrecke sich nicht nur auf den Innenraum der Filiale, sondern auch außerhalb derselben auf den gefahrlosen Zu- und Abgang. Die BA-CA müsse dafür sorgen, "dass potenziellen Straftätern keine Möglichkeit des Ausspionierens von Opfern ermöglicht wird."


Über die Konsequenzen dieses Urteils lesen wir wiederum im Kurier (18.2. 2005):
"Nach einem spektakulären Urteil des Oberlandesgerichts Wien (OLG) muss eine Großbank einer beraubten Kundin das Geld ersetzen. Die Frau ist kurz nach dem Verlassen der Filiale von den Räubern heimgesucht worden. Die BA-CA rechnet nun mit einer "branchenübergreifenden Wirkung" des Entscheids. "Künftig werden sich wohl viele Raub-Opfer auch anderer Branchen, in denen es um viel Geld oder Luxusgüter geht, auf dieses Urteil berufen", vermutet ein Banksprecher. In der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) will man daran nicht einmal denken, die Banken-Vertretung in der Kammer spricht dem OLG-Urteil zur BA-CA auch eine Präzedenwirkung innerhalb der Kreditwirtschaft ab."

Die Lesermeinungen auf der Kurier-Webseite hierzu sind auch ganz instruktiv

In Wien zählt die Kronenzeitung (22.2. 2005) anno 2005 weiter.
Nun ist sie bei Nr. 9

"Drei Banküberfälle an einem Tag in Wien

Der erste Fall - insgesamt Bankraub Nummer neun in Wien in diesem Jahr - könnte den Titel "Von Al Capone zu Al Bundy" tragen:

Innerhalb von fünf Stunden wurden Montag drei Banken in Wien überfallen. Beim dritten Raub in Wien-Döbling konnte ein vermummter Pistolenmann auf der Flucht nach 20 Minuten bei einer Tankstelle in Wien-Brigittenau verhaftet werden. Er hatte das Alarmpaket noch bei sich."


Am Sonntag, 6.2. 2005 titelte die Kronenzeitung:
"Erst ein Banküberfall wurde heuer geklärt".

Und am 20.2. 2005 weiß der Kurier

"Nach Raubserie: Geldinstitute investieren in eigene Sicherheit – und in jene der Kunden
Heuer schon doppelt so viel Banküberfälle wie im Vorjahr

Österreichs Geldinstitute – vor allem die in Wien – sollen sicherer werden. Und das nicht nur für Kunden, die Geld beheben (und dann verfolgt und „abgestiert“ werden): 2004 war zwar das Rekordjahr der Bank- und Posträuber, doch im Vergleich hat sich die Zahl der Übefälle in den dersten sieben Wochen bereits verdoppelt. Es steht sozusagen 5:10. Im Vorjahr war bis dahin ein Coup geklärt, heuer sind es vier."

Die taz (14.2. 2005) macht sich lustig über die nordirische Farce und liefert doch ein paar mehr Hintergründe, die die angeblich klare Beweislage, die die deutschen Medien unbesehen übernommen haben, überaus fragwürdig erscheinen lässt:

monica und monika

Die Iren schaffen es, selbst ein relativ ernstes Thema wie den nordirischen Friedensprozess zur Farce mit hohem Unterhaltungswert zu machen. Ende vorigen Jahres ist in Belfast die Northern Bank überfallen worden, die Täter entkamen mit der Rekordbeute von 26,5 Millionen Pfund. Seitdem sind sich Polizei und Politiker einig: Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) war es.

Sinn Féin, der politische Flügel der IRA, habe den Bankraub abgesegnet. Der irische Premierminister Bertie Ahern weiß auch, wer dahinter steckt: "Es sind prominente Politiker, die andauernd im Fernsehen zu sehen sind." George Bush etwa? Nein, er denke dabei an den Sinn-Féin-Präsidenten Gerry Adams, meinte Ahern. Beweise gebe es genug. Vorgelegt hat sie bisher allerdings noch niemand.
(...)

Der ganze Text von RALF SOTSCHECK lohnt sich ... und dann löst sich auch der kryptische Titel des Artikels auf ...

Auf die Welt (14.2. 2005) ist doch Verlass. Sie erinnert uns daran, dass die Logik des Bankraubs (nicht nur biographisch) und die des ordinären Kapitalismus eng miteinander verknüpft sind: Sirven
"Der Schattenmann der Elf-Aquitaine-Affäre ist tot
Staatsanwalt wollte demnächst schärfere Haftstrafe durchsetzen.
(...)
Paris - Nur neun Monate lang war es Alfred Sirven vergönnt, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Freiheit zu leben. Am Samstag nachmittag ist der frühere Spitzenmanager des französischen Energiekonzerns Elf Aquitaine (heute: Totalfina) im Alter von 77 Jahren in seinem Haus in dem nordfranzösischen Badeort Deauville einem Herzinfarkt erlegen.
(...)
Als 1997 die Korruptionsaffäre ruchbar wurde und die Ermittlungen begannen, tauchte Sirven unter und wurde zum meistgesuchten Mann Frankreichs. 2001 wurde er auf den Philippinen verhaftet und über Deutschland nach Frankreich ausgeliefert. "Ich könnte hundert Namen nennen, doch werde ich diejenigen schützen, die mir geholfen haben", sagte Sirven bei seiner Verhaftung, bei der er den Chip seines Handys hinunterschluckte, um den Polizeibeamten nicht seinen letzten Gesprächspartner preisgeben zu müssen. Die Bilder des Festgenommenen im Hawaii-Hemd gingen damals um die Welt.

Als junger Mann hatte Sirven im Koreakrieg als Soldat gekämpft. Eine "Jugendsünde" leistete er sich in Japan, wo er mit einem Kameraden einen bewaffneten Bankraubversuch unternahm und dafür ins Gefängnis gehen mußte. Seiner Karriere geschadet hat dies nicht. "


Vgl. a. den Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (5.02.2001), bei dem zudem eine gewisse heimliche (?) Bewunderung durchschimmert.

Die taz (12.2.2005) veröffentlicht eine Interview mit dem Erlanger Bankwissenschaftler Wolfgang Gerke, in dem er betont, dass das Trachten der Deutschen Bank, tausende von Arbeitsplätzen zu streichen, nicht so absonderlich sei, sondern in der Logik des Systems liege:
Wolfgang Gerke
"taz: In seltener Einmütigkeit wird die Deutsche Bank beschimpft. Herr Stoiber beklagt Geschmacklosigkeit, der Betriebsrat Unmoral. Was halten Sie von solcher Schelte?

Wolfgang Gerke: Gar nichts. Die Politiker betreiben ihr Spielchen. Es ist der ganz normale Kapitalismus, den die Deutsche Bank lebt. Wenn man dagegen ist, muss man nicht gegen ein einzelnes Institut vorgehen, sondern gegen diese Art von Kapitalismus."


Na endlich, ich bin das Geseiere all derjenigen langsam satt, die die Unmoral der Deutschen Bank bejammern, aber ansonsten alles für richtig befinden.

die geheimagentur lädt ein: asche zu asche geht in die nächste Runde.

In Frankfurt meldete sich in einer Performance eine "bank of burning money" zur wort und philosophierte über das Geldverbrennen. Der text ist etwas kryptisch, aber irgendwie kriege ich den Eindruck nicht los, dass das auch etwas mit unserem Thema zu tun hat:

die mobile bank of burning money fährt durch frankfurt/main und besucht die deutsche bank, die commerzbank und die europäische zentralbank. geld wird verbrannt oder einfach verschenkt, verschwenderische akte werden gefeiert. unser geldtransporter wird zum fluchtwagen aus der logik der verknappung: in bewegung geraten, in bewegung bleiben, erduften.

"solange die welt auf geld gegründet ist, wird es zu wenig davon geben."
ach echt? in kontrafaktischer tollkühnheit lautet das geschäftsprinzip der bank of burning money: "geld gratis". und wenn das noch nicht reichen sollte, so ist ja mit der gründung einer bank auch die einladung zum banküberfall ausgesprochen. in diesem sinne: die geheimagentur.

via Blogchronik der Kommunikationsguerilla

Die Westfälische Rundschau (7.2. 2005) portraitiert einen Profi-Geldschranknacker und -Restaurator ("Tresortechniker Michael Maisel kennt sich aus mit Panzerschränken. In seiner Werkstatt an der Borker Straße knackt er nicht nur Safes, er restauriert auch betagte Modelle"):

Lünen. Rund 1 000 Safes hat Michael Maisel in den vergangenen sechs Jahren geknackt, auf legalem Wege versteht sich. Der 46-Jährige Lüner arbeitet als Tresortechniker und half schon so manchem Kunden aus der Not.

nennt Spiegel Online (5.2. 2005) XY Zimmermann das Missgeschick des ollen Ganoven-Edes, ja der, der mit "Neppern, Schlepper, Bauernfängern " im öffentlich-rechtlichen Fernsehen begann und dann mit "Aktenzeichen XY - ungelöst" Jagd auf alles machte, was er für kriminell hielt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, heisst ein altes Sprichwort. Und nun hat es ihn selbst erwischt. Diebe haben ihm seinen Koffer mit 2000 EUR Bargeld geklaut. Das sagt einem doch jede Bank, dass das unvernünftig ist ... und wie gut sind nun die Tips des Herrn Zimmermann, der ein Sicherheitsportal im Internet betreibt?

XY Zimmermann"Die einen schauten unter dem Bett nach Einbrechern, die anderen hinter dem Vorhang. Manche sperrten die Haustür zweimal ab, viele junge Frauen trauten sich nicht mehr, abends allein auszugehen. Schuld war die erste Reality-Schau des Fernsehens: Eduard Zimmermanns "Aktenzeichen XY ungelöst"."

Die Oberösterreichischen Nachrichten (15.01.2005) besprechen einen Sammelband, der sich Ede Zimmermann und seine Doku-Soap vorgenommen hat:

"Bis zu 30 Millionen Menschen saßen in den Glanzzeiten der Sendung vor dem Fernseher, auch in Österreich war oft die Hälfte der Bevölkerung dabei, um bei der Aufklärung von Verbrechen zu helfen - oder sich ganz einfach am morbiden Schauder der gezeigten Fälle satt zu sehen.

Im Romaeus-Verlag ist jetzt die erste umfassende Dokumentation über 37 Jahre Ganovenjagd im Fernsehen (370 Sendungen!) erschienen. Das Buch des Journalisten Stefan Ummenhofer und des Politikwissenschafters Michael Thaidigsmann beleuchtet das Phänomen "Aktenzeichen XY" in allen Facetten."
(...)
Eduard Zimmermann selbst erzeugte mittels seines Auftretens eine "Wohnzimmeratmosphäre". Er sprach das Publikum direkt an, die Distanz zwischen der konstruierten Realität des Fernsehstudios und der häuslichen Realität schwand.

Wirkungsvoller Stil

Den entscheidenden Beitrag zu diesem Phänomen leistete laut Schneider aber die Einspielung der Filmfälle, deren Ästhetik sich weniger an den Gepflogenheiten professioneller Fernsehproduktionen als an den Ergebnissen ambitionierter Hobbyfilmer zu orientieren schien.

Das bewirkte die holzschnittartige, amateurhafte Schauspielerführung, vor allem aber die Kameraarbeit mit langen, statischen Einstellungen statt schneller Schnittfolgen sowie häufigen Zooms statt Kamerafahrten. Diese vordergründige Verletzung der Krimi-Konventionen entpuppte sich als wirkungsvolles Stilmittel und machte das Dargestellte schockierend authentisch.


XY Zimmermann2

Stefan Ummenhofer & Michael Thaidigsmann: "Aktenzeichen XY ungelöst. Kriminalität, Kontroverse, Kult." Romaeus Verlag, 296 Seiten, 66 Abbildungen, 25,60 Euro.

Irgendwie habe sie es jetzt alle mit der Deutschen Bank. Die soll unmoralisch sein, ist sie wahrscheinlich auch. Die Frage ist nur, wer ist eigentlich krimineller, die die kapitalistische Logik exekutieren, also tatsächlich das tun, was sie müssen, oder diese Regierung, die ständig behauptet, dass das notwendig ist (wg. Standort) und dann so tut, als ob sie - wenn es jemand tut - damit nichts zu tun hätte. SPD-Generalsekretär Benneter beispielsweise, ja diese intellektuelle Stamokap-Beleidigung aus den 70ern, den sollen sie mal in den Tresorraum in einer dieser Frankfurter Türme sperren und am Besten beim Geiselaustausch gegen Standort"vorteile" vergessen und als Derivat auf die kommenden SPD-Niederlagen meistbietend (sofern das mit dem möglich ist) verzocken.

Die taz erinnert an das lange Sündenregister der Deutschen Bank:

Eine sehr deutsche Bank
Unmoralisch aus Prinzip und Tradition: Trotz glänzender Bilanzen will die Deutsche Bank 6.400 Stellen streichen

Es gibt in Frankfurt so viele Banken wie Bordelle in Berlin. Aber keines der 920 Geldinstitute ist so verhasst wie die Deutsche Bank. Bereits 1995 übertraf ihre Bilanzsumme die des Bundeshaushalts, ihr Gewinn lag bei rund 10 Milliarden Mark.

Da hatte das größte europäische Kreditinstitut gerade 7.000 Arbeitsplätze abgebaut, nun sollen wieder 6.400 Mitarbeiter entlassen werden: "Wir müssen konkurrenzfähig bleiben!"

Vorstandsvorsitzender Hilmar Kopper, der den Posten nach der Ermordung von Alfred Herrhausen durch die RAF ergattert hatte, prägte 1994 das "Unwort des Jahres", als er nach der Pleite des Immobiliensammlers Schneider die ausstehenden Forderungen der Handwerker als "Peanuts" bezeichnete. Später ehelichte Kopper die Kanzlerwitwe Brigitte Seebacher-Brandt. Der derzeitige Chef, Josef Ackermann, ließ sich 2004 im Mannesmann-Prozess zu einem ähnlichen "Kommunikations-GAU" (Spiegel) hinreißen, als er im Gerichtssaal die Hand zum Victory-Zeichen hob.

Die 1870 von Siemens eingetragene Deutsche Bank fiel seit der Gründerzeit durch ihre "robusten Geschäftspraktiken" auf, finanzierte Auschwitz und profitierte von der Arisierung jüdischer Banken und Firmen. Hermann Josef Abs, Chef der Deutschen Bank im Dritten Reich, war nebenbei auch für die belgischen Solvay-Werke verantwortlich, in deren polnischen Kalksteinbrüchen unter anderen der junge Priester Wojtyla zwangsarbeitete. Als Papst Johannes Paul II. holte Wojtyla ausgerechnet seinen früheren Peiniger Abs in die Vatikanbank, damit der den ruinierten Haushalt der Kirche saniere.

Die Frankfurter Twin-Towers der Deutschen Bank sind wahrlich ein Schandfleck in Mitteleuropa. Aber, wie Brigitte Seebacher-Brandt einmal so schön sagte: "Bankmenschen sind nicht zum Lieben da." Höchstens zum Heiraten."


Das war Helmut Höge in der taz (8.2.2005)

Angesichts der formidablen Aussicht, dass die Deutsche Bank trotz Steigerung ihrer Gewinne um 87 % gleichzeitig 6400 Arbeitsplätze abbauen will, bemüht nun auch die Junge Welt (5.2.2005) den alten Brechtspruch:

Deutsche Bank kapitalistisch

»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie, was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« fragt Brecht. Aber die sogenannten Anständigen in diesem Land nehmen ihn, weiß der Kuckuck warum, nicht zur Kenntnis. Obwohl sie sich, schon stark beansprucht von der permanenten Ankündigung von Aufständen gegen Neonazis, nun auch noch mit dem schlechten Benehmen der Deutschen Bank auseinandersetzen müssen. Trotz eines gewaltigen Gewinnsprungs um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro will der deutsche Branchenprimus 6400 Arbeitsplätze abbauen, vermelden die Agenturen.

»Das ist eine Schweinerei«, empörte sich der SPD-Fraktionsvize Michael Müller in der Berliner Zeitung. »Die Gewinnerwartung so (!) zu Lasten der Arbeitsplätze zu überziehen, ist eine Unverschämtheit.« Die Anständigkeit der CDU allerdings, gemessen an ihrer moralischen Entrüstung, war noch größer: »Dies ist ein Zeichen, daß die Wirtschaftsethik verloren zu gehen droht«, sagte der derzeitige Vorsitzende des sogenannten Arbeitnehmerflügels der Partei, Gerald Weiß.

Wirtschaftsethik? Verstößt ein in die Luft geworfener Stein gegen die Ethik, wenn er wieder zur Erde zurückfällt? Er folgt wohl vielmehr den Gesetzen der Schwerkraft. So wie die Deutsche Bank sich nach den ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus verhält und zu jedem Zeitpunkt genau jene Zahl von Stellen vorhält, die für die Kapitalverwertung gerade am effektivsten ist. Das ist weder anständig noch unanständig, sondern die Existenzgrundlage der kapitalistischen Gesellschaft.

Im vergangenen Jahr sind die Einkommen aus Gewinn und Vermögen um fast elf Prozent in die Höhe geschossen, während die Löhne der Beschäftigten bekanntlich stagnierten. Eines der Hauptergebnisse dieser Gewinnexplosion ist der Anstieg der offiziellen Gesamtarbeitslosenzahlen auf inzwischen über fünf Millionen. Das ist der Vorgang in der gesellschaftlichen Dimension, den die Deutsche Bank jetzt im Bereich ihres Konzerns durchsetzt. Doch darüber hat sich niemand empört. Statt dessen wurde mit »Hartz IV« eine in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellose Hatz auf die Arbeitslosen eröffnet. Die Initiatoren sind dieselben Politiker, die sich im Fall der Deutschen Bank jetzt so entrüstet geben. Dagegen machen könne man natürlich nichts. Auf »unternehmerische Entscheidungen« habe man »nicht viel Einfluß«, ließ die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel die Öffentlichkeit wissen.

Wo sie recht hat, hat sie recht. Denn die Sache ist umgekehrt eingerichtet: Die Politik ist zu gar nichts anderem da, als die Interessen der Unternehmer zur Staatsräson zu machen. Damit das so bleibt, gehört ein bißchen Empörung wie das Klingeln zum Geschäft."

Thüringer Landeszeitung (7.2. 2005)
Der sanfte Druck der Olsens

Altstadt. (tlz/el/fk) Büttenreif wurden schon am Nachmittag die Karnevalisten in der Sparkasse begrüßt: Mit einer kleinen Rede übergab hier Vorstandsmitglied Hans-Georg Dorst unter sanftem Druck der Olsen-Bande zwei Schecks: Einen über 8500 Euro für den Festumzug 2006, einen über 111,11 Euro für das Tierschutz-Engagement des Prinzenpaares Ralph I. und Marion I. Seit 46 Jahren sei er Kunde der Sparkasse, bekannte GEC-Präsident Rolf Fliedner - doch nie sei er lieber in die Filiale am Anger gegangen. Denn mit ihrem Scheck hätte die Sparkasse der "denkwürdigen Entscheidung gegen das Brauchtum", gefällt im Stadtrat, etwas Hochlöbliches entgegen gesetzt.

Und weil der närrische Banküberfall nach Egon Olsens Plan zwar wie üblich nicht klappte, so war der TLZ die ausgebuffte Narretei von Egon alias Otto Göldner doch einen Orden wert, den er zum Sturm aufs Pressehaus überreicht bekam. (...)


Und die Thüringer Allgemeine (4.2. 2005) berichtet über das gleiche Ereignis:

Tresor sprang von allein auf

Die Mannen der Sparkasse wirkten alles andere als siegesgewiss, als das Gardekorps gestern um 12.11 Uhr vor dem Geldhaus am Anger anrückte. Ein Kanonenböller und grimmiger Trommelwirbel brachen die Gegenwehr, so dass die Olsen- bande eindringen konnte.

ALTSTADT. Der Banküberfall war einer der Höhepunkte eines närrischen Streifzugs durch die Innenstadt. Das Preußische Infanterieregiment hatte sich mit dem Anger-Karnevalsclub (AKC) und dem Prinzenpaar verbündet, um mehr oder weniger friedlich milde Gaben einzufordern.

Bei der Sparkasse hofften die Schar auf dicke Beute. War ihnen doch im städtischen Haushalt der Zuschuss für den Festumzug gekappt worden, 8480 Euro. Folglich besetzte das bunte Komitee die Bank in voller Stärke. An der Spitze hatte Egon Olsen sich den perfekten Plan gebastelt, doch er musste scheitern: Zuerst weigerte sich das Mikrofon, seine Forderungen mit Nachdruck zu übermitteln, dann verhaspelte sich der greise Bankräuber im Text. Der Chef, der Lange und der Dicke sangen dann aber so herzzerreißend, dass der Tresor schon aus Mitleid aufgehen musste.

Dem Geist der Zeit verpflichtet
Hier Auszüge aus einem taz-Bericht (29.1. 2005) über eine Krimi-Tagung an der Evangelischen Akademie Iserlohn (den gehen offensichtlich auch die Themen aus):

Wenn der Verbrecher von heute im Unterschied zum Bürger lediglich der ungeduldigere Kapitalist ist, bleibt dem Detektiv nur noch die Flucht in den Alkohol: "Wiederkehr des Bösen? Der Kriminalroman auf neuen Wegen", eine Tagung in der Evangelischen Akademie Iserlohn.

Und den folgenden Kalauer wollen wir mal getrost übersehen:

"Verbrechen lohnt sich - und wer immer noch Schwierigkeiten hat, diesen Allgemeinplatz zu akzeptieren, sollte in die Bestsellerlisten der letzten Jahre schauen: Dan Brown, Donna Leon, Henning Mankell oder Elizabeth George erreichen Millionenauflagen, und auch hierzulande können immer mehr Autoren von ihren Krimis leben."


Und einem Bielefelder Soziologen (Systemtheoretiker?) gelingt die Einsicht des Tages, die nun auch nicht so überraschend kommt:

"Der Bielefelder Soziologe Otthein Rammstedt glaubt auch im Krimi nicht an das Böse als anthropologische Konstante außerhalb der Definitionen einer Gesellschaft, es ist ihr mit seinen Verbrechen immanent und folgt ihrer Zweck-Mittel-Rationalität. Der Krimi zeige sich dem Geist der Zeit verpflichtet, und so sei der Verbrecher im Unterschied zum Bürger lediglich der ungeduldigere Kapitalist. Allein der Detektiv glaube noch an eine Moral jenseits dieser Systemlogik und könne sich, zunehmend desillusioniert, nur noch mit immer mehr Alkohol vor der finalen Verzweiflung retten: von Philip Marlowe zu Bella Block."

Wir empfehlen den Beitrag von Ralph Winkle in Vabanque:
Bankraub als komplexes System - Zugänge zum Kriminalroman (S. 290-299), da ist der Gag mit der Systemtheorie schon mal durchdekliniert worden.

Im Zeit-Weblog "Geldseligkeiten" fordert Jörg Stroisch seine LeserInnen auf, ihre Erfahrungen mit Banken zu berichten:

"Ratlosigkeit rund um die privaten Finanzen? Als freier Journalist Jörg Stroisch schreibt über alle Themen, die unser Geld betreffen. Im Blog Geldseligkeiten lädt er Sie zur Diskussion über aktuelle und altbekannte Fragen ein."


Am 02.02.2005 heißt es:
Wahre Profis gründen eine Bank
"Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank." – Berholt Brecht
In letzter Zeit kommen Banken wieder ins Gerede:


Dann folgen ein paar Beispiele ... und schließlich die Frage und Aufforderung ...

"Stimmt das Zitat nach Bertholt Brecht also, berauben uns die Banken?

Schreiben Sie mir von Ihren Erlebnissen mit den Banken! Welche Produkte wurden Ihnen als Altersvorsorge empfohlen (doch nicht etwa Renten- und Kapitallebensversicherungen?) Welche Art der Immobilienfinanzierung sollten Sie abschließen (doch nicht etwa das vorfinanzierte Bauspardarlehen?). Schreiben Sie auch gute Erfahrungen, denn eine generelle Verurteilung der gesamten Branche ist ungerecht! Ich selbst mache gerade sehr gute Erfahrungen mit einer Großbank, obwohl ich als 'kleiner' Selbstständiger eigentlich zu einer sehr unattraktiven Zielgruppe gehöre."

Diverse Medien (Welt, NZZ, und Spiegel) berichten am 3.2. 2004:

Ein schwedischer Polizist hat einen bewaffneten Banküberfall gestanden, in dem er selbst die Ermittlungen führte. Nach Angaben eines Gerichts der Stadt Bollnas vom Dienstag bekannte sich der 36-Jährige für schuldig, Mitte Dezember eine Bank ausgeraubt und dabei eine „beträchtliche“ Summe erbeutet zu haben.

Nur eine Stunde nach der Tat sei der Mann an den Tatort zurückgekehrt, um die Ermittlungen in dem Fall zu leiten. Kollegen waren dem Gericht zufolge misstrauisch geworden, nachdem der Beamte sich ein neues Auto für umgerechnet rund 24.000 Euro gekauft und in bar mit Banknoten aus dem Überfall gezahlt hatte.

Im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der RAF gelingt Norbert »Knofo« Kröcher, Gründungsmitglied der Bewegung 2. Juni, in der Jungle World Nr. 4 , 26.1. 2005 in einem Interview mit Ivo Bozic (»Kritiker wurden diffamiert«) anlässlich der RAF-Ausstellung in Berlin folgender Satz:

JW: Ist Kunst ein Mittel, mit dem man diese Geschichte vermitteln oder aufarbeiten kann?

NK: Im Prinzip darf Kunst fast alles. Aber ich glaube, dass in diesem Fall, also bei dieser RAF-Ausstellung, die da jetzt beginnt, nur Schwachsinn herauskommt. Abgesehen davon ist beispielsweise auch ein Banküberfall ein wirkliches Gesamtkunstwerk. Und den kann man nicht im Museum an die Wand hängen.

Hagen vom Kieler Stadtmagazin "Station" verfasste irgendwann mal eine Rezension von "Vabanque" (die Datierung ist nicht ersichtlich) aus anarchistischer Perspektive.

Etwas wirr bleibt seine Kritik:

"Nerven tun einzelne Beiträge. Warum muß die Enteignung ideologisiert werden? Die Ideologie, der Mythos von »freier Marktwirtschaft«, Geld, Bankgeschäften und entsprechenden Geheimnissen, was nicht für SozialhilfeempfängerInnen gilt, ist unerträglich genug, demokratisierenden Bestrebungen abträglich. Lotto schön und gut, für die GewinnerInnen. Das ist in erster Linie der Staat, oder? Hier wird auch wieder bestätigt, daß Filmtheorie oftmals mehr über die Schreibenden sagt, als über das, was sie »analysieren« /beschreiben. Egal, eine gelungene vielfältige Projektumsetzung, denkt Hagen."


Aber wichtig ist ja vielleicht eher, dass sich da jemand reibt ...

 

twoday.net AGB

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