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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
neuere Beiträge
Hamburger Abendblatt, 22.1. 2005
"Ohne Murren ist meine Buße"
Von Alexandra zu Knyphausen

"Ulrich Tukur spielt ihn im St.-Pauli-Theater. Wer aber war der Lord von Barmbeck wirklich? Kein harmloser Kleinkrimineller, sondern der Gründer des organisierten Verbrechens in Hamburg. Er selbst nannte sich einen "bockbeinigen Mephistojünger".

Der Mann sah überzeugend aus in Bowler, schwarzem Anzug und den gewienerten Schuhen. Optisch ein Gentleman, der bei Damen gut ankam. De facto einer, dessen größter Stolz es war, Panzerknacker zu sein, und zwar ein ganz spezieller, der Tresore nicht aufbrach, sondern erst den Schlüssel stahl, um ihn dann wieder zurückzubringen. Irgendwo, das muß man zugeben, hatte er Stil.
Man gab ihm einen "Ehrennamen": Lord von Barmbeck (damals noch mit "C"). Bürgerlich hieß er Julius Adolf Petersen, wurde am 7. Oktober 1882 in einer Kellerwohnung am Borstelmannsweg in Hamm als Sohn eines Zimmermannes geboren. Später war er Kneipenwirt in einem Kellerlokal in der Bartholomäusstraße. Er wurde 51 Jahre alt."


Der ganze Text über den Lord von Barmbeck

taz, 25.1. 2005

Eigentor der IRA erleichtert neuen Anlauf zu Nordirland-Gesprächen. Sinn Féin muss mit Sanktionen rechnen

DUBLIN taz Eigentlich habe er gar keine Lust, sagte der irische Premierminister Bertie Ahern. Aber nichts zu tun sei ja auch keine Lösung. Heute trifft sich Ahern also mit dem Sinn-Féin-Präsidenten Gerry Adams. Seine Unlust rührt daher, dass die IRA, der militärische Flügel von Sinn Féin, im Dezember den größten Bankraub in der britischen Geschichte verübt haben soll.

Der ganze Artikel vom Dubliner Korrespondenten der taz

BR-Report
Die auch noch!

report MÜNCHEN am 24.01. um 21.05 Uhr
u.a. mit folgendem Thema:

Bankraub mit 65 - Rentnerbanden auf dem Vormarsch

Eine "Opa-Bande" im Alter zwischen 64 und 74 Jahren, die schwerbewaffnet 16 Banküberfälle begeht. Eine 70-jährige Oma, die mit Überfällen ihre Rente aufbessert. Immer mehr Senioren werden kriminell und müssen ihren Lebensabend im Knast verbringen. Das belegt auch eine aktuelle Studie des LKA Nordrhein-Westfalen. Wie erklärt sich diese Entwicklung und was bedeutet sie für den Strafvollzug?


Diese Studie werden wir uns noch genauer anschauen. Hier gibt es weitere Beiträge dieses Weblogs zum Thema "Seniorenbankräuber".

Was macht heute eigentlich "die eiserne FPÖ-Frau" Nationalrätin Mag. Magda Bleckmann (FPÖ), verwitwete Bleckmann-Jost?

Wir erinnern uns anno 2000:
"Am Montag, dem 29. Mai erschoss die Linzer Polizei in gewohnter Manier einen Bankraeuber. Dieser, mit einer Pistolenattrappe bewaffnet, wurde aus naechster Naehe von 7 Schuessen (von 15 abgegebenen)getoetet. Nach der Identifizierung der Leiche kam die fuer unorthoxe Geldbeschaffungsmethoden (Rosenstingl!Prinzhorn!Haider!Meischberger!) sattsam bekannte FPÖ wieder ins Gespraech. Der Tote war kein geringerer als Alexander Jost, Gatte der steirischen FPÖ-Landesraetin und Zukunftshoffnung Magda Jost-Bleckmann, in der Steiermark bekannt fuer regelmaessige rechte Aussprueche. Selbsverstaendlich meinte der FPÖ-Minister Schmid, man muesse Menschlichkeit walten lassen - unabhaengig von politischen Differenzen, die Frau Bleckmann sei ja hochschwanger. Es wuerde uns interessieren, wie weit es mit der Menschlichkeit her waere, wenn das der Gatte einer SP-Politikerin gewesen waere.

Alexander Jost, schwer verschuldet, gab auf dem Finanzamt an, er lasse sich von Frauen aushalten - ein kreativer Steuertrick, und harter Schlag fuer die Ehefrau. Sie waere ihn aber sowieso losgeworden, denn laut eines Bekannten wollte sich Jost ohnehin auf die Malediven absetzen. Warum denn nicht zur Colognia Dignidad?

Doch dank der eifrigen Linzer Polizei konnte diesem Treiben ein Ende gesetzt werden."

Quelle: (Böses Österreich 6/2000). Vgl. a. ausführlicher "FPÖ, die tun was" Vabanque, S. 139f.

Politische Biografie der Frau Abgeordneten Bleckmann:
1991 - 2000 Abgeordnete zum Steiermärkischen Landtag,
1993 - 1995 Pressesprecherin des Landesobmanns,
1995 - 2000 Klubobfrau der steirischen Freiheitlichen,
2000 - 2001 Mitglied der Steiermärkischen Landesregierung,
ab 2001 Abgeordnete zum Steiermärkischen Landtag;
ab November 2001 Obfrau der Initiative Freiheitliche Frauen Steiermark,
ab September 2002 Bundesparteiobmann-Stellvertreterin

Sie ist laut Standard (21.1.2005) in der Steiermark Wohnbaulandesrätin und galt bis zum Ableben ihres Ehemanns (der Ende Mai 2000 in Linz nach einem Bankraub erschossen ("Selbstmord durch Bankraub" - vermutete die Polizei seinerzeit) worden war als Shooting Star dieser besonderen Bagage von Kriminellen. Dann hatte ihr Mann ihr die Show gestohlen. Dieser erster Ehemann, der Serienbankräuber Alexander Jost, taucht in ihren im Internet verstreuten Biografien nicht mehr auf. Höchstens als Schicksalsschlag. That's life.

Einen überaus ausgewogenen Artikel über die steigende Zahl von Banküberfällen in der Metropole Wien liefert Christopher Wurmdobler im neuesten Wiener Falter (3/05) ab. Der Beitrag profitiert vom "Buch zum Thema" (Vabanque) und verweist auf dieses Weblog (in der Online-Ausgabe wird der Beitrag auch als Rezension inseriert).

Baba, Banküberfall
FalterCover 3/05

Der riskante Traum vom schnellen Geld: 67-mal wurden im vergangenen Jahr Wiener Banken überfallen - so oft wie noch nie und wie sonst nirgends in Europa. Wie gehen die Täter vor, was machen Geldinstitute und Polizei dagegen, und wie geht es den Opfern?
Interessant ist der konstatierte Zusammenhang zwischen Medienberichterstattung und einigen Fällen, die Ernst Geiger, "oberster Kriminalbeamter Wiens" berichtet:

"Früher diente die Fahndungssendung 'Aktenzeichen XY ungelöst' im Fernsehen als Ideengeber für Möchtegernbankräuber, heuten regen die Boulevardzeitungen Nachahmer in den Boulevardzeitungen Nachahmer an. So konnte man beobachten, dass die Serie der so genannten 'Zettelüberfälle' vergangenes Jahr mit der Berichterstattung in den Medien begann, erzählt Geiger."
Hallo Kronen-Zeitung! Zwar riecht das doch ein wenig nach einem unterkomplexen Verständnis des Verhältnisses zwischen Medienrezipient und 'Sender', aber es bestätigt zumindest den Zusammenhang zwischen populärer Kultur und Bankraub.

Ausserdem auf der gleichen Doppelseite, der Erlebnisbericht eines Bankräubers ("Ein Bankräuber ist wie ein Skispringer, der sich abstößt. Da stehst du jetzt in der Anlaufspur, und es geht nicht mehr anders".) mit aufschlussreichen Informationen über den Bankräuber in der Knasthierarchie und das Essen in Stein. Auf der Titelseite heißt es ein bisschen reisserisch: "Banküberfall?. Lohnt sich nicht. Ein Experte rät ab". Wieso in den Medien inzwischen allenthalben vom Bankraub abgeraten wird, das müsste nochmals eigens untersucht werden. Das ist auch so ein Modephänomen. Im Text ("Hinter der Maske - Ein Gespräch mit einem Bankräuber") wird dann aber nur die Geschichte des Scheiterns eines Bankräubers erzählt. Die ist allerdings exemplarisch.

Alles auch online:

Die Aachener Zeitung (11.1. 2004) berichtet über die Arbeit der Aachener Gesellschaft für Gesundheitsmanagement in Organisationen (GMO), die im Auftrag der Sparkasse Düren Bankangestellte betreut, die Opfer eines Banküberfalles wurden.

WOZ



Belfaster Bankraub
Fingerübung oder Zustupf für die Rentenkasse?
Mit einem Coup hat die IRA den Friedensprozess gestoppt - wenn sie es war.


War es wirklich die IRA? fragt Pit Wuhrer in der Zürcher WOZ (13.1.2005), dem ersten wirklich informierten Artikel der uns zu diesem Thema untergekommen ist.

"Auch in Friedenszeiten brauchen Armeen Geld, viel Geld sogar, das ist bei der IRA nicht anders. Die irische Untergrundorganisation hatte zwar vor rund acht Jahren einen Waffenstillstand erklärt und diesen auch strikt eingehalten, aber ihr dienen immer noch rund 500 Freiwillige, die bezahlt sein wollen - und das nicht zu knapp. In den siebziger und achtziger Jahren, als der Krieg zwischen den irisch-republikanischen Aufständischen und der britischen Besatzungsmacht besonders heftig tobte, hatten die IRA-Mitglieder ein Taschengeld erhalten. Sie kämpften für politische Ziele - die einen für die «Verteidigung der irisch-katholischen Bevölkerung», die anderen für «die irische Freiheit», manche sogar für eine soziale Revolution, und alle gegen «die Briten». Das änderte sich in den neunziger Jahren, als der Friedensprozess einsetzte und die politisch-parlamentarische Strategie der IRA/Sinn-Féin-Führung um Gerry Adams und Martin McGuinness die Oberhand gewann.

Bis dahin hatte die IRA ihre Kriegskasse durch Spenden aus Übersee und zahllose Bankräubereien aufgefüllt; die Waffen waren ja nicht umsonst zu haben. Die Ausserdienststellung der Armee führte dann paradoxerweise zu einem noch höheren Finanzbedarf. Um loyale Kader bei der Stange zu halten, hob die Führung den Sold auf einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn an, der heute noch bezahlt wird: Rund 4000 Franken im Monat mal 500 Freiwillige mal 12 Monate ergibt ein beachtliches Jahresbudget. Die Regierungen in London und Dublin wussten und wissen, dass Adams und McGuinness bei ihrem politischen Kurs auf die Unterstützung der lokalen IRA-Grössen angewiesen waren und sind und haben bis kurz vor Weihnachten illegale Finanzbeschaffungsmassnahmen stillschweigend akzeptiert. Der Schmuggel von Diesel und Zigaretten und das komplexe Geflecht von legaler und illegaler Tätigkeit (Glücksspiel, Schutzgelder, Bar- und Kneipenbetrieb) hat bis auf ein paar eifrige Polizisten nur wenige aufgeregt - obwohl Sinn Féin und der IRA auf diese Weise jährlich rund 65 Millionen Franken zufliessen.

Dennoch reagierten fast alle entsetzt auf den Bankraub am 20. Dezember. Die bis heute unbekannten Täter hatten umgerechnet 58 Millionen Franken erbeutet. Die IRA-Führung weist jede Schuld von sich, obwohl alle von ihrer Urheberschaft ausgehen: Wer sonst in Nordirland wäre zu einer solchen Operation fähig? Die von Spitzeln durchsetzten loyalistisch-protestantischen Kommandos und ebenfalls scharf beobachteten irisch-republikanischen Splittergruppen wohl kaum. Aber wieso fahren IRA-Kommandos ihrer politischen Führung derart in die Parade? Diese stand immerhin kurz vor einem Deal mit Ian Paisleys protestantischer Mehrheitspartei DUP, der den seit Jahren stillstehenden Friedensprozess wieder in Gang gesetzt hätte - allerdings um den Preis einer Selbstauflösung der IRA.

Und wer sanktionierte den Raub? Eine so gross angelegte Operation mit Geiselnahme hätte ohne Zustimmung der IRA/Sinn-Féin-Führung nicht stattfinden können, argumentieren viele. Das mag sein, ist aber kein schlüssiges Argument. Es ist zwar denkbar, dass der IRA-Armeerat mit Adams und McGuinness dem Bankraub zustimmte in der Erwartung, dass dessen Beute nicht höher ausfallen würde als bei der Beraubung eines Cash-and-Carry-Unternehmens im Mai (2,2 Millionen Franken) oder bei einem Lagerdiebstahl vor drei Monaten (Zigaretten im Wert von 2,7 Millionen). Darüber wurde wenig Aufhebens gemacht, die politischen Folgen waren gleich null. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass die Dezemberräuber eine ungefähre Ahnung davon hatten, wie viel sie aus der Zentrale der Northern Bank von Belfast holen würden (auch wenn sie die enorme Summe dann doch überrascht haben muss - zwei Stunden lang schleppten sie Geldsäcke nach draussen).

Wer also gab den Befehl? Sollte sich nachweisen lassen, dass Adams und McGuinness davon wussten, kommen sie für London, Dublin und die nordirischen ProtestantInnen auf Jahre hinaus als Verhandlungspartner nicht mehr in Frage. Der Friedensprozess wäre damit ad acta gelegt. Da die beiden Politiker bisher recht klug agierten, ist diese Variante kaum denkbar - zumal die nordirische Polizei eine IRA-Urheberschaft nur vermutet, aber bisher nicht nachweisen konnte und womöglich auch nie wird nachweisen können. In diesem Fall ist der politische Schaden erheblich, aber nicht von Dauer. Ganz anders sieht es aus, wenn der Raub die Fingerübung einer IRA-Einheit war, die wie die gesamte Armee längst überflüssig ist (da sie keine politischen Ziele mehr verfolgt), aber zeigen wollte, dass mit ihr noch zu rechnen ist. Und die auf den Friedensprozess pfeift, weil dieser ohnehin seit Jahren stagniert. Dann hätten Adams und McGuinness ein ernsthaftes Problem.

Im eigenen Lager hat das «Verbrechen des Jahrhunderts» (so die protestantische DUP) Sinn Féin eher Auftrieb verschafft. Im irisch-republikanischen Westbelfast zum Beispiel sind viele stolz darauf, dass «unsere Jungs noch so was hinkriegen». Und manche hoffen vielleicht, dass ihnen die Bankraubnoten, die die Northern Bank aus dem Verkehr ziehen will, zur Hälfte des Nennwerts angeboten werden. Dann kämen endlich auch sie in den Genuss einer Friedensdividende. "

Tv-Kritik (Die Presse, 11.1.2004):
Der Mythos des gestohlenen Geldes
VON BERNHARD BAUMGARTNER

So jede Zeitung sucht halt ihre orginelle Perspektive für die jeweilige Klientel (Die Presse gibt sich recht(s)-schaffend) :

"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", heißt es bei Brecht in der Dreigroschenoper. Diesen Leitsatz stellte der Kultursender Arte seiner Dokumentation "Ein Ding drehen" am Sonntagabend voran. Ein Satz, dem die Macher durchaus Sympathie abgewinnen konnten, so scheint es. Denn der bemerkenswerte Film erzählte das "Phänomen Bankraub" eher aus der Sicht der Täter.

Vor allem anhand historischer Fälle aus den sechziger Jahren wurde dem "Mythos Bankraub" nachgespürt. Mythos deshalb, da der klassische Bankraub in Zeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehr "vom Aussterben bedroht ist", wie die Macher meinten. Und so erzählte etwa Dimitri Todorov über seinen Überfall 1971, der mit Toten endete. Hochinteressant, wie nach vielen Jahren noch immer die Stimme bricht, wenn es um die Todesschüsse geht - die übrigens nicht von ihm, sondern von der Polizei (auf den Komplizen) abgegeben wurden. Lockerer sah da schon Margit Czenki im Interview ihren Überfall aus politischen Motiven - man brauchte Geld für den politischen Kampf. Dass sie dabei Menschen in Todesangst versetzen musste, habe sie vorher nicht bedacht, meinte sie. Und erklärte, schockiert über deren panische Reaktion gewesen zu sein.

Opfer der Bankräuber oder Stimmen aus der Polizei, waren im Film eher unterrepräsentiert. Das hätte schon interessiert, wie sich jene gefühlt haben, auf die die Pistole gerichtet war. Aber sie sind vermutlich eher schwer ausfindig zu machen und wenn, dann reden sie nicht gerne darüber. Dass sich manche Bankräuber, wie etwa der britische Posträuber Biggs, als Volksheld fühlen, ist dabei nur schwer nachzuvollziehen. Auch das eine Frage, die man bei Arte ruhig hätte stellen können."


Es kann einem ja stinken, dass das Publikum diese Form von Eigentumsübertretung toll findet. Und die Opfer sind manchmal hier eben nicht das Thema und das war auch gut so, weil es zu ergründen galt, wieso Bankraub die Phantasien so beflügelt.

Das ist hier die Frage. Der Millionencoup von Belfast hat ernsthafte Auswirkungen auf die politische Entwicklung in Nordirland. Interessierte protestantische Kreise versuchen der IRA die Sache in die Schuhe zu schieben, um damit den Friedensprozess aufzuhalten. In einer ausführlichen Erörterung des Londoner Korrespondenten der Frankfurter Rundschau (11.1. 2005) wird das Für und Wider abgewogen:

Das Rätsel des Millionencoups
Der Bankraub in Belfast soll auf das Konto der IRA gehen, weil sie Geld für die "Rentenkasse" braucht - nun stockt der Friedensprozess
VON PETER NONNENMACHER (LONDON)

Vor Weihnachten war es nur ein Banküberfall, wiewohl von erstaunlichen Proportionen: 26,5 Millionen Pfund (38 Millionen Euro) entwendeten nordirische Gangster in einem frechen Coup aus den Tresoren der Northern Bank in Belfast. Inzwischen ist der Raub zu einem Politikum ersten Ranges in Großbritannien und in Irland geworden - eine Aktion, die den Fortgang des nordirischen Friedensprozesses bedroht. Der Banküberfall nämlich, einer der größten der britischen Geschichte, wird der Irisch-Republikanischen Armee, der IRA, zur Last gelegt. Da die aufs engste mit der Republikaner-Partei Sinn Fein verknüpft ist, die zur Neubelebung einer Regierungskoalition mit Ulsters (protestantischen) Unionisten noch im Dezember die völlige IRA-Stilllegung anbot, sehen die Unionisten nun guten Grund, sich jeder Zusammenarbeit mit Sinn Fein auf absehbare Zeit zu verweigern.

(...)

Ein Rätsel blieb beiden Regierungschefs freilich, warum die Republikaner ein derartiges Risiko hätten eingehen sollen - angesichts ihres eigenen Interesses an einer neuen politischen Vereinbarung. Einige Kommentatoren kamen zu dem Schluss, dass möglicherweise eine Renegaten-Einheit der IRA den Überfall ausgeführt habe, um die Autorität der Führung zu untergraben. Andere spekulierten, Adams und McGuinness hätten der unzufriedenen Basis womöglich mit einem Millionenbeitrag für die "Pensionskasse" der IRA die geplante Auflösung des legendären Kampfverbandes erleichtern wollen. Ernstere Vermutungen zielten darauf, dass Sinn Fein sich Geld für Wahlkämpfe und politische Aktivitäten im Norden wie im Süden der Insel habe besorgen wollen. Und dass der IRA Gelegenheit gegeben werden sollte, auf "nicht-terroristische" Weise noch einmal ihre spezifischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

In der Tat herrschte zum Jahreswechsel in einigen republikanischen Ecken Irlands unverhohlene Bewunderung für den gelungen Millionen-Coup: Was den Polizeichef zu der Bemerkung veranlasst: "Das war keine Robin-Hood-Episode." Im Übrigen hätten sich die Bankräuber leider ganz umsonst in dieses Abenteuer gestürzt: Ihre Großtat werde wohl als "größter Diebstahl von Altpapier" in die Geschichte eingehen. Die Seriennummern der geraubten Scheine nämlich sind den Provinz-Behörden bekannt, und die Northern Bank hat angekündigt, dass alle nordirischen Banknoten umgehend in neuen Farben aufgelegt werden, was das gestohlene Geld vollends wertlos macht."

In mehreren Schweizer Zeitungen (z.B. Oltner Tagblatt) taucht nun eine Vorschau zu «Dinger drehen» auf (HEUTE ABEND auf Arte, Sonntag, 22.15 Uhr), die Thomas Palzers Filmessay als die filmische Version von "Vabanque" anpreist:

"Indem sie Bankangestellte und -kunden mit Schusswaffen in Todesangst versetzen, versuchen Bankräuber ihren Traum finanzieller Unabhängigkeit zu realisieren. Geht etwas schief, bleibt es oft nicht nur beim Schreck: Dann sind verletzte, traumatisierte oder tote Opfer die Folge. Bankräuber wandeln auf einem moralisch bedenklichen Terrain. Es gibt gute Gründe, sie auf eine Stufe mit gewöhnlichen Schwerkriminellen zu stellen. Vor vier Jahren gab der Kulturwissenschafter Klaus Schönberger das Buch «Vabanque» (dt.: «alles oder nichts») heraus, das das Handeln der Bankräuber nicht aus einer moralischen Perspektive, sondern aus dem Blickwinkel derer betrachtete, die zwar gern Millionär wären, aber dann doch lieber Lottoscheine ausfüllen – einem grossen Teil der Bevölkerung also. Die TV-Dokumentation zu Schönbergers Buch legt nun Thomas Palzer vor. Er beschränkt sich nicht nur auf den Typus des handwerklich perfekten und menschlich integren Gentleman-Gangsters. Ihm geht es um den Mehrwert, jenen Teil der Tat, der sich mit Geldgier allein nicht erklären lässt. Mal sind es linke Kinderläden der Siebziger- jahre, die finanziert werden sollen, mal schwingt ein sportiv-humoristisches Element mit, wie bei Bernhard Kimmel, der am Tag nach der Tat die Rezensionen seiner Brüche in der Zeitung genoss. Am deutlichsten aber verkörpert der französische Obergangster Jacques Mesrine die heikle Ambivalenz der Panzerknackerbranche. Brutale Überfälle, gar Mord, konnten seiner Popularität nichts anhaben, zu sehr entsprach Mesrine der existenzialistischen Bonny-and-Clyde-Romantik.
Palzer will nicht nur Heldengeschichten erzählen, nicht Tat und Täter verteidigen. Er will einfach nur einmal die «Kleine Geschichte des Bankraubs» erzählen. Vor 20 Jahren hätte diese Doku noch den Kitzel der Handlungsanleitung haben können. Aber, darauf wird hingewiesen, diese Zeiten sind vorbei. Mit dem Ende der Blockkonfrontation und der politischen Utopien kam auch Bankraub aus der Mode. Zwischen den Polen Moral und Faszination ist Palzer ein erfrischend vorurteilsfreier und zugleich hintergründiger Beitrag gelungen. (N. M.)

Die Frankfurter Rundschau (8.1.2005) widmet dem ARTE-Themenabend gleichermaßen einen ausführlichen Artikel:

Räuber, Rollen, Rituale
Arte-Themenabend über den Bankraub
"Themenabend: Hände hoch und Geld her!", Arte, So., ab 20.40 Uhr.
VON HARALD KELLER

Wenn es auf Arte einen Abend lang um das Thema Bankraub geht, dann ist das auch ein Abend der nachgeahmten Posen. Schon in dem eröffnenden spanischen Spielfilm Vier Frauen gegen eine Bank verschaffen sich die Amateur-Räuberinnen das nötige Fachwissen, indem sie vorweg einen Spielfilm anschauen. Natürlich: Der Ablauf eines Bankraubes mit seinen ritualisierten Gesten hat per se kinematografische Qualitäten. Im anschließenden Filmessay Dinger drehen: Kleine Geschichte des Bankraubs (22.15 Uhr) verweist neben anderen Margit Czenki, 1971 an einem politisch motivierten Bankraub beteiligt, auf das Vorbild Kino: Ihre männlichen Komplizen orientierten sich damals vornehmlich an den Italowestern, die sich besonders in der linken politischen Szene großer Beliebtheit erfreuten.

Häufig wurden Bankräuber romantisiert, manche sogar nach Art moderner Robin Hoods zu Volkshelden stilisiert. Das reicht zurück bis ins Berlin der zwanziger-Jahre, als die Brüder Sass per Tunnelbau gerade jene Bank ausräumten, die im Schaufenster mit ihrem modernen Stahltresor geworben hatte. Der ausgeklügelte Coup machte Furore, fand Eingang in die Literatur, zum Beispiel Kästners Emil und die Detektive, und wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2001 mit Ben Becker und Jürgen Vogel als Franz und Erich Sass.

Bleibt das Verbrechen unblutig, wird es vom Publikum eher mal als Streich gesehen oder als Akt des Aufbegehrens gegen ein abstraktes Die-da-oben. Auch die Taten eines Bernhard Kimmel konnte man zeitweilig mit Vergnügen betrachten, wenn dieser "Al Capone von der Pfalz" Bedürftigen Bargeld in den Vorgarten warf, am Tatort noch ein Trinkgeld für die Putzfrauen hinterließ und ein ums andere Mal seine Verfolger foppte.

Ohne dass dies explizit angesprochen würde, erweist sich Thomas Palzers Kleine Geschichte des Bankraubs vor allem als Mediengeschichte des Bankraubs. Früh schon verarbeitete das Filmgewerbe die Taten der Bankräuber und bewirkte deren Mythologisierung: Butch Cassidy & Sundance Kid, die auch in Popsongs besungenen Bonnie & Clyde, Al Capone und in jüngster Zeit Andreas Baader erlangten ikonischen Rang. Wobei selbstredend die medial geprägte Gestalt mit dem Original meist wenig übereinstimmt.

Mesrine, der Theatermann

Umgekehrt begriffen viele Kriminelle ihre Taten bereits bei der Aufführung als Rollenspiel und genossen das Rampenlicht - manche lasen anderntags die Zeitungsberichte über ihre Verbrechen so begierig, wie ein Schauspieler die erste Kritik einer Premierenvorstellung liest. Die Journalistin Isabelle Pelletier beschreibt einen der Auftritte von Jacques Mesrine, zeitweilig Frankreichs Staatsfeind Nummer eins, mit den Worten: "Das war ein Mann, der sich sagte: Wir sind hier nicht vor dem Schwurgericht, sondern beim Theater."

Thomas Palzer präsentiert sein Material episodisch, mitunter sprunghaft und ohne formvollendetes Resümee. Die Schlussfolgerungen bleiben dem Betrachter überlassen. Das muss kein Manko sein. Schaut man Spielfilm und Dokumentation in unmittelbarem Zusammenhang, ergeben sich die Erkenntnisse ganz von selbst.

Harald Fricke weist in der taz vom 8.1.2005 auf dem ARTE-Themenabend am Sonntag (9.1.2005) Bankraub hin:

"Hände hoch!
Der Gesellschaft die Pistole auf die Brust gesetzt: ein Arte-Themenabend über Banküberfälle (So. ab 20.40 Uhr)

Ihre Vorbilder heißen Al Capone oder Bonnie & Clyde. Ihre Überfälle haben sie auf die Titelseiten gebracht, danach saßen sie jahrzehntelang im Gefängnis. Bankräuber, so zeigt es der Themenabend "Hände hoch und Geld her!", gelten immer noch als romantische Helden.

Folgt man den Erinnerungen in Thomas Palzers Dokumentation "Dinger drehen" (22.15 Uhr), dann waren Banküberfälle in den 70er-Jahren zudem Ausdruck einer Gesellschaft, deren Modernität sich eben auch in den ausgetüftelten Plänen ihrer Verbrecher spiegelte. Mehr noch, bei Palzer gehört der Bankraub zum Zeitgeist, weil er "das rasant gelebte Leben", wie es sonst im Kino zu sehen war, alltäglich machte. Heute, da aber Geld wie jeder andere Datenstrom bloß noch virtuell fließt, ist aus dem einst Aufsehen erregenden Überfall eine Gelegenheitstat geworden.
Einer der schockierendsten Fälle spielte sich dagegen schon 1959 in Rumänien ab ("Der große kommunistische Bankraub" 23.00 Uhr). Fünf Männer und eine Frau plünderten einen Banktransport und entkamen mit 1,6 Millionen Lei - das entsprach gut 2.000 Monatslöhnen. Daraufhin setzte eine brutale Verhaftungswelle ein. Bald wurden die Täter dingfest gemacht: Es handelte sich um Juden in hohen Ämtern, die von der Parteispitze fallen gelassen worden waren. Mit dem Geld wollten sie sich ihre Ausreise nach Palästina erkaufen. Stattdessen folgte ein perfider Schauprozess, für den sie in einer filmischen Rekonstruktion des Überfalls sich selbst spielen mussten. Obwohl man ihnen mildernde Umstände versprochen hatte, wurde das Material schließlich gegen sie verwendet. Sie waren dem Staat ein zweites Mal in die Falle gegangen: als willige Zeugen der eigenen Anklage.

Dass dem Todesurteil zahllose Entlassungen folgten, bei denen sämtliche Juden aus den Ministerien entfernt wurden, wundert angesichts der antisemitischen Propaganda im Rumänien der späten 50er nicht. Dass Filmemacher Alexandru Solomon diese Haltung allerdings 45 Jahre später noch bei alten Securitate-Schergen angetroffen hat, ist erschreckend.

Die nordirische Polizeit macht die IRA für den Millionencoups in Belfast verantwortlich. Das schlägt Wellen in der Medienlandschaft. Wir bevorzugen die NZZ (7.1.2005):

"(ap/rel) Die Polizei in Nordirland hat am Freitag offiziell die IRA für den bislang grössten Bankraub der Weltgeschichte verantwortlich gemacht. Die Ermittler seien überzeugt, dass Mitglieder der IRA die Geiselnahme und den Raub vom 20. Dezember geplant und ausgeführt hätten, sagte Polizeichef Hugh Orde.
(...)
Die Schuldzuweisung an die IRA ist politisch nicht unproblematisch. Polizeichef Orde erklärte zwar, die Polizei sei nicht unter politischem Druck gestanden. Aber die Sinn Fein drohte bereits vorgängig mit Folgen für den Friedensprozess, sollte die IRA verantwortlich gemacht werden. Die Sinn Fein behauptet, dass es Hinweise auf Bestrebungen im britischen und unionistischen Lager gebe, den Bankraub dazu zu benutzen, den Friedensprozess scheitern zu lassen.
(...)
Die Northern Bank kündigte am Freitag den Austausch aller von ihr ausgegebenen Banknoten bis zu einem Wert von 100 Pfund durch neue Muster an. Damit wäre ein Grossteil des erbeuteten Geldes auf einen Schlag wertlos. Mehr als die Hälfte der Beute bestand aus Pfundnoten, die von der Northern Bank ausgegeben worden waren. Für den Druck der neuen Noten veranschlagte die Bank rund acht Wochen. Die Kosten schätzte sie auf rund fünf Millionen Pfund (11 Mio. Franken)."

Das ist offenbar der richtige Stoff für das Boulevard-Theater. Das Hamburger Abendblatt (5.1. 2005) sprach mit der Regisseurin:


"Mit Sicherheit wird ihr "Keen Geld för Dösbaddels" helfen, im neuen Umfeld die eigene Note erkennen zu lassen. Denn die Kriminalkomödie bietet eine Ausgangssituation, die den theatralischen Vorlieben der Regisseurin Harten entgegenkommt: Es ist nicht alles so, wie es scheint. Und es kommt ganz anders als erwartet. Der Plot jedenfalls ist an sich schon skurril: zwei Rentner - gezeichnet nach dem Motto: Gegensätze ziehen sich an - überfallen eine Bank und werden unfreiwillig zu Geiselnehmern. Doch das ist erst der Anfang ihrer Pechsträhne: Denn ihre Opfer, der Filialleiter mit Gattin und Geliebter, sind um einiges bösartiger als die Möchtegern-Bankräuber."

Ohnsorg


Die Welt (11.1. 2005) lässt sich auch noch über das Ohnsorg-Theaterstück und verquickt die Besprechung mit den Rezeptionserfahrungen des Schreibers anlässlich des ARTE-Bankraub-Themenabends:

Zwei alte Trottel humpeln ums Goldene Kalb

Mit mäßigem Erfolg versuchte Meike Harten, das fehlkonstruierte Stück "Keen Geld för Dösbaddels" am Ohnsorg Theater zu retten

von Lutz Lesle

"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", läßt Bertolt Brecht seinen Helden Mackie Messer in der "Dreigroschenoper" sagen. Seit es Geldinstitute gibt, geht von Bankräubern eine ungeheure Faszination aus. Zumal wenn sie so tolldreist vorgehen wie die Brüder Sass in den zwanziger und dreißiger Jahren, Bonnie & Clyde, Ronald Biggs oder Kimmel & Co. Von ihnen, auch von Deutschlands erstem Geiselnehmer Dimitri Todorov, erzählte der Arte-Themenabend eben in dem Moment, als ich mich - vom jüngsten Bühnen-Kriminalfall bei "Ohnsorgs" müde heimkehrend - dem Fernseher überantwortete, um angeregter schlafen zu können.

Dabei war auch zu erfahren, daß die Zahl der Banküberfälle stetig abnimmt, seit sich der Geldverkehr auf virtuelle Datenbahnen verlagert. Was Unterhaltungsautoren nicht davon abhält, der theatralischen Zugkraft des Geldraubs in Kassenhallen zu vertrauen, zumal wenn die Umstände etwas zu lachen hergeben. So schnitt der Aachener Humanmediziner, Chirurg und Freizeitschauspieler Markus Voell, Mitglied des dortigen Blackout Theaters, aus einschlägigen Stoffquellen wie den oben erwähnten eine Kriminalkomödie zurecht, die er "Oslo-Syndrom" betitelte - in Anlehnung an das so genannte "Stockholm-Syndrom". (...)

"Keen Geld för Dösbaddels", so der plattdeutsche Titel - für Nichtniederdeutsche: ein Dösbaddel ist ein Tölpel, ein "zerstreuter Barthold" (der Name bedeutet ursprünglich "Haudegen") - ist nicht halb so spannend wie der spanische Spielfilm "Vier Frauen gegen eine Bank", obwohl sich alle hinreißend bloßstellen und für dumm verkaufen: Frank Grupe als filialleitender Bangbüx und Sandra Keck als listige Liebhaberin, Edda Loges als betrogene Betrügerin, Jürgen Lederer und Karl-Ulrich Meves als gotterbärmliches Gaunerpaar. Kleine Anregung am Rande: Ohnsorg-Intendant Christian Seeler, hier zwischendurch als TV-Moderator eingesetzt, sollte sich vielleicht bei N3 als Nachrichtensprecher bewerben.

Der Lord von Barmbek ist in diesem Weblog bereits gewürdigt worden. Nun hat auch der Schauspieler Ulrich Tukur denselben für das Hamburger St.Pauli Theater entdeckt und zeigt Sympathien. In einem Interview mit der Hamburger Morgenpost (4.1. 2005) will er seinen Lord fein geschieden wissen von anderen Halunken.

Ulrich Tukur & Ulrich Waller: »Das waren sportive Unternehmer!«

Edel-Schurke auf dem Kiez - Am Sonnabend betritt »Der Lord von Barmbeck« die Bühne des St. Pauli Theaters

Zwischen organisiertem Verbrechen und irrwitzigen Einbruchstouren verlief die kriminelle Karriere von Julius Adolf Petersen. Als "Gentlemangangster" machte sich der "Lord von Barmbeck" nach dem Ersten Weltkrieg einen Namen - und nahm sich später einsam in einer Gefängniszelle das Leben. Im St. Pauli Theater bringen Autor-Regisseur Ulrich Waller und Autor-Hauptdarsteller Ulrich Tukur seine Geschichte auf die Bühne.

MOPO: Was macht die Geschichte des "Lord von Barmbeck" heute noch interessant?

Tukur: Julius Adolf Petersen hat eine sehr pfiffige Lebensgeschichte hinterlassen. Und wir dachten, man sollte auf der Bühne was über ihn erzählen. Das ist ja auch ein Stück Hamburger Geschichte. Wir schließen unsere "Kriminellentrilogie" - nach "Blaubarts Orchester" und "Dreigroschenoper" - mit einem authentischen Hamburger Mackie Messer ab.

Waller: Das Lokalkolorit interessiert uns aber nur als Hintergrund, es geht um den "Lord" als Prototyp. Wie so ein Mann, der den staatlich verordneten Weg zu Reichtum und Glück nicht einhält, in die Mühlen eines Systems gerät, wie ihm jede Lebensperspektive genommen wird. Der "Lord" ist eine merkwürdig unzeitgemäße Figur, er verschwand 1922 im Knast und kam wieder, als die Weimarer Republik kippte, in ein Deutschland, das sich komplett verändert hatte. Auch die Verbrecherszene war viel amerikanischer geworden war, es wurde mehr geschossen.

MOPO: Wie viel Rechercheaufwand steckt in dem Stück?

Waller: Wir haben ein Jahr recherchiert, konnten auch Originalakten im Staatsarchiv einsehen.

Tukur: Man muss sich entscheiden, was für eine Geschichte man erzählen will: Was ist interessant an dieser Figur? Warum sind diese Verbrechertypen Identifikationsfiguren?

MOPO: Ist Petersen für Sie eine Heldenfigur?

Tukur: Er hat sich zu einer gemacht, und er ist ein Mythos geworden. Seine Truppe war über 400 Mann stark, die haben Gelder verschoben bis in die USA. Witzig war es nicht wirklich. Er war sicherlich ein charmanter, intelligenter und aus gutem Holz geschnitzter Typ - in Maßen. Aber diese Geschichte endet elend, wie immer bei Menschen, die verzweifelt versuchen, in der Gesellschaft anzukommen, die aber ein anarchisches Grundpotenzial haben und bestimmte Regeln einfach nicht akzeptieren können.

MOPO: Aber Sie begegnen ihm mit einer gewissen Grundsympathie.

Tukur: Na klar! Er hat immer gesagt: Bei mir wird nicht geschossen. Das waren Geldschrankknacker, deren größter Traum die Bettentour war: den Schlüssel für den Tresor der Reichen vom Nachttisch klauen, alles rausholen und den Schlüssel wieder zurücklegen. Das war das Größte! Das waren sportive Unternehmer.

MOPO: Welchen Ruf hatte der "Lord" in der Hamburger Gesellschaft?

Waller: Wenn man sich durch die Ermittlungsakten arbeitet, zeigt sich, dass er ein sehr guter PR-Stratege war. Er hat Presseerklärungen abgegeben und an Eides statt erklärt, dass er kein Ein-, sondern ein Ausbrecher sei. Er war rotzfrech, und das hat den Leuten gefallen.

MOPO: Warum eine solche Geschichte auf die Bühne bringen - damit sie erhalten bleibt?

Tukur: Definitiv. Das ist eine Art Demokratie für die Toten, denn die können nicht mehr reden. Wenn wir uns nicht um sie kümmern, sind deren Leiden und Kämpfe für immer vergessen
.

Ja dann, hoch die ....

update nach fast zwei Jahren (10.10.2007):
Hier beim datenhamster.org gibts ein Blogeintrag von der NDR-TV-Übertragung des Theaterstücsk

Die Leipziger Volkszeitung (5.1. 2005) berichtet über einen Tresoraufbruch, dessen Machart offensichtlich die Antwort auf die zunehmenden Sicherheitsmaßnahmen im Innern ist. Die "Schränker" verlegen das Geschehen an eine andere Frontlinie. Immer wieder war in letzter Zeit von Fällen zu lesen, bei denen mit Brachialgewalt gegen das Bankgebäude vorgegangen wurde. Aber immerhin aus Bankräubern, die bewaffnet gegen Personal und Kunden vorgehen, werden so wieder "Schränker", deshalb sin die Äußerungen über die neue Form von "Brutalität" am Ende des Artikels doch etwas überzogen:

Räuber heben mit Bagger Geld in Glesien ab

Glesien. (...) Mit einem geklauten Bagger rissen gestern Nacht gegen 3 Uhr Unbekannte die Fassade der Volksbank in Glesien ein und stahlen den Tresor samt Geldautomaten. Ihr Tatwerkzeug, den Bagger, klauten die Bankräuber zuvor aus dem Gewerbegebiet in Wiedemar. Ihr ursprünglicher Plan, den Bagger mit einem Tieflader zur Bank zu fahren, misslang offenbar. So entschlossen sich die Räuber kurzerhand, direkt mit dem Bagger zur Bank zu fahren.

(....) Spezialisten des Landeskriminalamtes Sachsen kamen gestern Morgen, um die Spuren zu sichern. "Ich kann leider keine Angabe zum entwendeten Geldbetrag machen, da die Summe nicht zum Nachahmen animieren soll", bittet Polizeisprecher Michael Hille um Verständnis. Ein Brancheninsider vermutet aber, dass in dem Geldautomaten bis zu 300 000 Euro gewesen sein könnten.
(...)

"Ich arbeite seit 15 Jahren bei der Volksbank in Delitzsch und wir haben schon einige Überfälle erlebt, aber dass mit solch einer Brutalität vorgegangen wurde, das ist neu", erklärte gestern Wolfgang Schuster, Leiter der Volksbank Delitzsch.

Lizenz zum Schnüffeln
Unter dieser Überschrift bespricht Peter O. Chotjewitz in Konkret 1/2005 die von Klaus Viehmann und Markus Mohr herausgegebene Spitzel-Anthologie.

In einer vergleichsweisen langen Einleitung lässt Chotjewitz sich über den Verlag Assoziation A und dessen Bücher aus, wobei diese 'Dramaturgie' in Besprechungen offensichtlich sein Markenzeichen ist über andere Bücher zu schreiben. In der folgenden 'Laudatio' hat auch Vabanque einen gebührenden Platz; hatte er den Band doch selbst für Konkret 5/2001 besprochen.

"Weil Marx von der Ablösung der Staatsgewalt durch die »freie Assoziation der Produzenten« sprach, nannte sich ein Verlag Anfang der siebziger Jahre »Verlag Association«. Daraus wurde in den Achtzigern die »libertäre Assoziation«, die sich kürzlich mit der Kooperative »Schwarze Risse« zum Verlag »Assoziation A« vereinigte.
Ein traditionsreiches Verlagshaus also, in dem viele schöne Bücher erscheinen, mit denen sich trefflich die Zeit vertreiben läßt, die vor uns liegt, bis endlich mal so viele Produzenten frei sich vereinigt haben, daß wir die blöde Staatsgewalt ohne das übliche Geballere und lästige Kaputtgemache auf den Misthaufen der Geschichte fegen können.
Unter www.assoziation-a.de finden wir die drei lesenswerten Romane des einst polizeilich gesuchten Italieners Nanni Balestrini (einen davon in meiner beispiellosen Übersetzung: Wir wollen alles!). Vieles über Flüchtlinge, Emigranten und die Segnungen der Globalisierung ist da erschienen, auch Gaby Webers Die Verschwundenen von Mercedes Benz, Die Geburt der dritten Welt von Mike Davis und Dario Azzelinis Buch über Paramilitärs, Warlords, Privatarmeen und die neue Kriegsordnung stehen auf der Backlist.
So besteht das Programm fast ganz aus geistigen Spreng- und Stinkbomben, nicht frei von Sympathie für handfeste Schandtaten wie Klaus Schönbergers Theorie und Praxis des Bankraubs – Lesefutter für Subversive, deren Abneigung gegen obrigkeitliches Getue so weit geht, daß sie dem Staat nicht einmal das Recht auf Selbstverteidigung einräumen. Auf die Knie mit dem Monster.
Soviel zur A-Assoziation, und soviel Lob muß sein, da die Enttäuschten der Sechziger-Revolten nur noch wehklagen können, daß es keine richtige Opposition mehr gebe, keinen Widerstandsgeist und keine latente Gewaltbereitschaft. Es gibt sie, man kann sie kaufen, im Buchladen, und natürlich auch bei Libri und Amazon."


Hhm, also unsereins macht seine Online-Bestellungen über die Basis-Buchhandlung in München oder für englischsprachige Werke bei Missing Link in Bremen. Für französische Bücher würden wir uns über einen Kommentar freuen ...

From: Thomas Köhler <Doc.Koehler@web.de>
Date: 02.01.2005
Subject: Konf: 16. Kolloquium zur Polizeigeschichte in Düsseldorf -
Düsseldorf 06/05
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Dr. Carsten Dams (Dokumentations- und Forschungsstelle für Polizei- und Verwaltungsgeschichte der FHöV NRW), Polizeihauptkommissar Klaus-Friedrich Dönecke (Polizeipräsidium Düsseldorf), Thomas Köhler (wiss. Mitarbeiter im Projekt „Dienst am Volk? Düsseldorfer Polizisten im Spannungsfeld der Umbrüche 1919-49“); unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e.V. und dem Verein „Geschichte am Jürgensplatz“ e.V., Düsseldorf 30.06.2005-02.07.2005, Polizeipräsidum Düsseldorf, Jürgensplatz 5-7, 40219 Düsseldorf

Deadline: 21.03.2005

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das 16. Kolloquium zur Polizeigeschichte findet in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf statt. Tagungsort ist das dortige Polizeipräsidium am Jürgensplatz. Veranstalter sind Dr. Carsten Dams (Dokumentations- und Forschungsstelle für Polizei- und
Verwaltungsgeschichte der FHöV NRW), Polizeihauptkommissar
Klaus-Friedrich Dönecke (Polizeipräsidiums Düsseldorf), Thomas Köhler (wiss. Mitarbeiter im Projekt „Dienst am Volk? Düsseldorfer Polizisten im Spannungsfeld der Umbrüche 1919-49“), unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e.V. und dem Verein „Geschichte am Jürgensplatz“ e.V.

Drei thematische und eine offene Sektion sind während der
zweieinhalbtägigen Veranstaltung angedacht und werden im folgenden kurz umrissen.
Die einzelnen Referate sollten die Dauer von zwanzig Minuten nicht überschreiten, 40 Minuten Diskussion im Anschluss sind vorgesehen. Auch Präsentationen in Form von Werkstattberichten sind erwünscht.

Zu Beginn der Veranstaltung werden den Tagungsteilnehmern zwei aktuelle Düsseldorfer Forschungsprojekte inhaltlich wie methodisch präsentiert, deren Maximen zu den unten beschriebenen Themenfeldern überleiten sollen: Das polizeihistorische Projekt „Dienst am Volk? Düsseldorfer Polizisten im Spannungsfeld der Umbrüche 1919-1949“ sowie „Die Geschichte der Bezirksregierung Düsseldorf 1917-1955“.
Während des Kolloquiums ist zudem eine Führung durch den
Gewahrsamsbereich des Polizeipräsidiums geplant.

1. Methodenreflexion: Umsetzung polizeigeschichtlicher Projekte auf
regionaler und lokaler Ebene Ansatzpunkt der Veranstalter ist es, die Gelegenheit zu nutzen, im Kollegenkreis offen und kritisch über Probleme, Möglichkeiten und Strategien der methodischen Umsetzung von Projekten auf lokale oder regionale Ebenen zu diskutieren. Dabei geht es um Erfahrungen bereits durchgeführter Projekte einerseits, Problemstellungen und Lösungsansätze
aktueller Beispiele andererseits. Ins Blickfeld der Diskussion sollen
Projekte mit möglichst unterschiedlichen Umsetzungsstrategien rücken: von Ausstellungen, Filmbeiträgen, über didaktischen Mappen, Lern-DVD´s, bis hin zu Sammelbänden und Dissertationsprojekten.

2. Amts- und Machtmissbrauch: Polizisten als Täter
Polizisten sind als Exekutivorgan des Staates mit weitreichenden
Machtmitteln, wenn nötig auch unter Einschließung von Gewalt,
ausgestattet. Welche Faktoren führen dazu, dass dieses Mandat
missbraucht werden kann? Sei es, dass Polizisten mit staatlicher Duldung oder sogar in seinem Auftrag zu Tätern werden. Sei es, dass in gesetzlichen wie alltäglichen Grauzonen oder durch Amtsmissbrauch der „Freund und Helfer“ sich zum Verfolgungsorgan wandelt. Es sollen Themenfelder angeregt werden, die sich u.a. mit Fragen der ideologischen wie persönlichen Motivation und Verführbarkeit von Polizisten und des Amts- und Machtmissbrauchs der Institution Polizei auseinandersetzen.
Dabei unterliegt die Sektion keiner epochalen Eingrenzung. Biographische Ansätze sind erwünscht.

3. Erinnerungskulturen (und deren Selbstdarstellung) in der Polizei
Gibt es ein spezifisches Selbstbild der Polizei in unterschiedlichen
Epochen, Regionen, Sparten und wie wird dies in den breit gefächerten Quellengattungen (u.a. Zeitschriften, Kalender, Jahrbücher, Jubiläumsschriften, Chroniken, Autobiographien, Filme) konkretisiert? Welche Zielvorstellungen verfolgen solcherlei Erinnerungskulturen, Innen- und Außendarstellungen, welche Rezipienten wurden und werden angesprochen, wie ist das Spannungsverhältnis Realität vs. Selbstinszenierung?


4. freie Sektion
Wie schon in den vergangenen Jahren gut bewährt, soll auch 2005 im Rahmen einer thematisch offenen Sektion Vortragenden die Möglichkeit gegeben werden, Projekte vorzustellen.


Organisatorisches
Fahrt- und Übernachtungskosten können zunächst wie immer nicht übernommen werden. Als Unterbringungen stehen ein kostengünstiges Hotel in der Altstadt sowie optional eine Jugendherberge zur Verfügung.
------------------------------------------------------------------------
Thomas Köhler
Waldweg 2
48163 Münster

Tel: 0251-47348
Mail: Polizeikolloquium2005@web.de

DIE ZEIT-Redaktion (01/2005)
äußert ihre Wünsche an das Jahr 2005:

Ukrainischer Mut gegen die Diktaturen dieser Welt, Tour-Sieg für Jan Ullrich und RWE-Verträge für alle: Der radikal hoffnungsfrohe Wunschkatalog der ZEIT-Redaktion für die kommenden zwölf Monate

Aber es wird niveaulos, wenn sich der ideelle Gesamtbildungsbürger seinen Wunschbankräuber imaginiert ...

"Dass, wenn schon Banküberfall, die Methode »Bankräuber mit Dieter-Bohlen-Maske« Schule macht. "

Also 1. war das ein Tankstellen-Überfall und 2. kann kein Bankräuber so dumm sein, Bohlen die hierfür notwendigen Fähigkeiten zuzutrauen. Bohlen-Masken-Räuber bleibt bei Euren Tankstellen - wo ihr hingehört ...

Der ARTE-Themenabend "Hände hoch und Geld her" wurde deutlich durch Vabanque inspiriert ...

Eine Besprechung wird noch nachgeliefert ...


Sonntag, 9. Januar 2005 um 20:40
Hände hoch und Geld her

Seien es Billy the Kid und Jessy James, Bonnie & Clyde oder die Brüder Sass, Banküberfälle wecken in der Bevölkerung häufig Sympathie, werden sie doch als Racheakt an einem Gesellschaftssystem angesehen, das Geld zum Maßstab von Erfolg und Glück macht. Der Themenabend erzählt die Geschichte des Bankraubs, seiner Täter und seiner Opfer.

Seit es Banktresore gibt, beflügeln sie die Fantasie der Menschen. Hier lagert im Übermaß, woran es den meisten Menschen mangelt: Geld. Wir verbringen einen Großteil unserer Lebenszeit damit, unter mehr oder weniger befriedigenden Umständen Geld zu verdienen - in der Regel eher weniger als mehr. Wer also hat nicht schon einmal den Traum vom erfolgreichen Bankraub gehabt? Die Vorstellung, danach finanziell erst einmal ausgesorgt zu haben, ist zu verführerisch. Kein anderes Verbrechen kann derart große Sympathien in der Bevölkerung hervorrufen wie ein gelungener Überfall auf eine Bank, vorausgesetzt, die Vorgehensweise stimmt: Die Aktion muss gewaltfrei, klug eingefädelt und erfolgreich sein. Die Faszination am Bankraub begründet sich jedoch nicht allein in der Sehnsucht über Nacht reich und glücklich zu werden. Der Bankraub begeistert auch als gelungener Racheakt an einem System, das Glück weitgehend in Geld misst. Der Themenabend berichtet von Underdogs und Überfliegern, Tätern und Opfern der hohen Kunst des Bankraubs und erkundet dessen gesellschaftlichen Bedingungen.

Der Abend umfasst einen Spielfilm und zwei Dokus:
1. Vier Frauen gegen eine Bank
2. Dinger drehen - Kleine Geschichte des Bankraubs
3. Der große kommunistische Bankraub

Im Rahmen des ARTE-Themenabend "Hände hoch - Geld her" wird der spanische Spielfilm "Vier Frauen gegen eine Bank" ausgestrahlt:

Sonntag, 9. Januar 2005 um 20:40
VPS : 20.45
Wiederholungen :
11.01.2005 um 01:10
20.01.2005 um 15:15

Vier Frauen gegen eine Bank
Spielfilm, Spanien 2001
Regie: Eva Lesmes, Drehbuch: Luis Marias, Musik: Manuel Villalta, Schnitt: María Elena Sáinz de Rozas, Produktion: Luis Vallés, Produzent: César Benitez
Carmen Maura (Maite), Adriana Ozores (Lola), Maribel Verdú (Silvia), Malena Alterio (Pecholata), Juan Gea (Direktor), Jaime Pujol (Gustavo), Joaquim Climent (Enrique), Antonia Martinez (Großmutter), Alejandro Sigüenza (Daniel), Omar Munoz (Felipe), Pep Guinyol (Cajero), Francisco Casares (Kommissar), Chelo Vivares (Monja), Diana Palazon (Luisa), Lina Mira (Vanessa)


Vier Frauen kommen mit ihrem Leben, den Männern und dem Geld nicht zurecht. Das ungleiche Quartett plant einen Bankraub, der sich seiner Realisierung zunächst vehement widersetzt und der am Ende doch auf sehr weibliche Art und Weise verwirklicht wird.

Lola lebt mit ihrem kleinen Sohn mehr schlecht als recht von ihrem Lohn als Putzfrau. Die Rechnungen wachsen ihr über den Kopf, sie muss aus ihrer Wohnung und ihr Mann bedrängt sie, zu ihm zurückzukommen. Lola aber will mehr aus ihrem Leben machen: Ein Computerkurs soll ihr Sprungbrett sein. Ein Zimmerbrand zerstört jedoch ihren neuen Computer und damit ihre Träume. Und so putzt Lola weiterhin in der Bankfiliale, in der sie allenfalls als Inventar wahrgenommen wird. In ihrem zweiten Job im Haushalt von Maite ergeht es Lola anders. Die elegante Frau benimmt sich ihrer Putzfrau gegenüber freundschaftlich und großzügig. Nach einiger Zeit findet Lola heraus, dass auch Maite verzweifelt ist. Ihr kürzlich verstorbener Mann hat weit über seine Verhältnisse gelebt und nur Schulden hinterlassen. Aber Maite will ihrer Tochter, die kurz vor der Hochzeit steht, auf keinen Fall etwas davon sagen. Sie wahrt den Schein, bezahlt alles und steuert auf ein finanzielles Desaster zu. Silvia, Lolas beste Freundin, arbeitet als Friseurin und hat ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Chef, der seine Versprechungen, sich von seiner Frau zu trennen, natürlich nicht hält. Als Silvia schwanger wird, droht ihr Geliebter, ihr das Kind wegzunehmen und es mit seiner Frau aufzuziehen. Dann ist da noch Pecholata. Sie überfällt Lola im Park und stiehlt ihr die Geldbörse. Ein paar Tage später wird sie von Lola gestellt. Lola heuert sie an, um sich ihrer kriminellen Kenntnisse zu bedienen. Das ungleiche Quartett macht sich auf seine sehr eigene Art an das Projekt eines Bankraubs. Ein Plan wird ausgeheckt, dessen Realisierung nicht ohne Hindernisse verläuft und der am Ende auf sehr weibliche Art und Weise verwirklicht wird.

Sonntag, 9. Januar 2005 um 22:15
VPS : 22.15
Im Rahmen des ARTE-Themenabend "Hände hoch - Geld her" wird in einem Filmessay die auch in diesem Blog immer wiederkehrende Frage gestellt: Wie kommt es zu dieser Faszination (die ARTE immer wieder bewegt, dieses Thema aufzugreifen)? Mit von der Partie, der Volkskundler Klaus Schönberger, Herausgeber von Vabanque sowie einige nette historische Aufnahmen.

Der Autor des Filmes, Thomas Palzer, ist nebenbei erwähnt, auch Redakteur des Zündfunks beim Bayrischen Rundfunk.


Dinger drehen: Kleine Geschichte des Bankraubs

Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Regie: Thomas Palzer


Diese "Kleine Geschichte des Bankraubs" erzählt von der Faszination, die dieser Akt der Kriminalität ausübt. Seien es die Brüder Sass im Deutschland der 20er und 30er Jahre oder Bonnie & Clyde im Amerika der großen Depression, die Täter stießen bei der Bevölkerung immer auf ein gewisses Maß an Sympathie. Die Dokumentation forscht nach den Ursachen.

"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", schrieb Bertolt Brecht in der "Dreigroschenoper". Banken sind Institute, die Geld verwalten. Unser aller Geld. Sie sind sichtbarer Ausdruck dessen, dass nur der Glück auf Erden hat, der auch Geld besitzt. Aber auch der gut Betuchte kennt Geldsorgen als ständig nagendes Gefühl der Bedrohung. Da kommt es nicht von ungefähr, dass sich wohl jeder schon einmal - gedanklich - mit Bankraub befasst hat. Natürlich ist es vom vagen Gedankenspiel zur Realität ein weiter Weg. Dennoch - geben wir es zu - werden wir beim Thema Bankraub hellhörig, egal, ob er als schöne Kunst betrachtet wird oder das mit ihm verbundene Elend uns ängstigt. Der Film erzählt eine "Kleine Geschichte des Bankraubs", eine Geschichte, die von den Brüdern Sass über Bonnie & Clyde, Ronald Biggs sowie Kimmel & Co. bis zur Gegenwart reicht. Außerdem gehören zu dieser Geschichte Frankreichs ehemaliger Staatsfeind Nr. 1 Jacques Mesrine, die Ex-"Banklady" Margit Czenki und Dimitri Todorov, der erste Geiselnehmer Deutschlands. Eines war ihnen allen gemeinsam: Der feste Wille, Dinger zu drehen!

Im Rahmen des ARTE-Themenabend "Hände hoch - Geld her" wird nun der zweite Dokumentarfilm zum gefaketen rumänischen Bankraub gesendet.
Zur Version von Irène Lusztig gibt es bereits einige Beiträge in diesem Blog.

Sonntag, 9. Januar 2005 um 23:00
VPS : 23.00


Der große kommunistische Bankraub
Dokumentation, Deutschland / Frankreich / Großbritannien 2004, Erstausstrahlung
Regie: Alexandru Solomon


Der Film erzählt die unglaubliche Geschichte eines Bankraubs in Rumänien und des Prozesses, der den Tätern gemacht wurde. Sie wurden gezwungen, an der filmischen Rekonstruktion des Tathergangs teilzunehmen und kurze Zeit später zum Tode verurteilt und exekutiert.


An einem ruhigen Augustmorgen 1959 wird in Bukarest ein Wagen der Nationalen Bank von Rumänien ausgeraubt. Eine Gruppe bewaffneter und maskierter Männer entkommt mit 1,6 Millionen Lei, einer Summe, die damals dem Gegenwert von 5.000 Gehältern entsprach. Kaum ein Jahr später faszinierte ein einstündiger Film das rumänische Publikum, denn er erzählte die eigentlich unglaubliche Geschichte dieses Bankraubs. Und die echten Bankräuber spielten in diesem Film mit. Nur zwei Monate nach dem Überfall waren die fünf Männer und eine Frau gefasst worden, die nun ihre eigenen Rollen in dieser Polizei-Rekonstruktion übernahmen. Von der Regierung waren ihnen dafür mildernde Umstände zugesichert worden. Das Publikum war von den Tätern ebenso überrascht wie die Geheimpolizei Securitate: Hochrangige frühere Parteimitglieder, Männer, die zuvor selbst für die Securitate gearbeitet hatten, einer war sogar der Schwager des Ministers für Innere Angelegenheiten. Alle sechs waren Juden und gehörten während des Zweiten Weltkrieges zur kommunistischen Widerstandsbewegung. Ihnen wurde ein Aufsehen erregender Schauprozess gemacht und die Tat als Bedrohung des kommunistischen Regimes dargestellt. Und noch während der Film dem entsetzten Publikum vorgeführt wurde, verurteilte das Gericht die "roten Gangster" zum Tode und sie wurden exekutiert. "Rekonstruktion" ist der Titel des Films, der damals entstand und der mehr verbirgt als enthüllt. Warum sollte eine Gruppe von Apparatschiks das System angreifen, für das sie gekämpft hatten? Was sollten sie mit dem Geld anfangen in einem Land, das sie nicht verlassen konnten? Nach über 40 Jahren sind noch immer viele Fragen offen.

 

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