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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 

Millionencoup

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Der Millionen-Coup von Belfast - Die Geschichte eines spektakulären Raubzugs.
lautete der Titel der gerade zuende gegangenen RTL-II-Reportage. Abgesehen von der ziemlich reißerisch inszenierten Rekonstruktion des Bankraubs enthielt die Reportage doch ein paar interessante Hinweise.
  1. 1. Die Polizei hat keinerlei Hinweise auf die IRA-Urheberschaft;
    2. Alle wollen trotzdem glauben, dass es die IRA war ;
    3. Die IRA ist in einem Auflösungsprozess, in dem sich die kriminallen Aktivtäten mancher Gruppen offenbar verselbständigen;
    4. Zumindest als Verschwörungstheorie wurde der britische Geheimdienst als Urheber genannt;
    5. Es gibt einfach verdammt viele, die ein Interesse an der IRA-Urheberschaft haben. Die Frage ist allerdings: Wer ist heute noch die IRA?
An manchen Stellen kam mir die Reportage doch ziemlich informiert vor. Immerhin - waren die Autoren in der Lage, den Kontext der Tat zu rekonstruieren. Das ist für so einen Tittensender doch schon mal was ...

Es gibt mal wieder Beweise, dass die IRA hinter dem Millionencoups in Nordirland stecke:


IRA

Neue Geldscheine sollen die Verwertung einer Raubbeute verhindern.

"Pfund-Noten im Wert von 343 Millionen Euro will in Nordirland die Northern Bank gegen ihre alten Scheine umtauschen

Neue Pfund-Noten im Wert von 343 Millionen Euro will in Nordirland die Northern Bank gegen ihre alten Scheine umtauschen. Damit will sie die Millionenbeute von Bankräubern unbrauchbar machen.

Fast drei Monate nach dem größten Bankraub der britischen, ja vielleicht sogar der Weltgeschichte, sind die neuen Banknoten bereit: Die Geldautomaten der Northern Bank, der größten Geschäftsbank Nordirlands, spucken seit Samstag völlig neue Noten aus. Ab heute, Montag, gibt es auch an den Bankschaltern kein altes Geld mehr.

Die Betreiber der Bank hoffen, dass die Räuber auf ihrer Beute sitzen bleiben. "Es wird der größte Diebstahl von Altpapier werden", hatte Nordirlands Polizeichef Hugh Orde schon vor Wochen hoffnungsvoll verkündet.

IRA verdächtigt

Am 7. Jänner verkündete Polizeichef Orde, die Irisch-Republikanische Armee (IRA) stehe hinter dem Überfall. Er legte keine Beweise vor, und bis heute ist niemand angeklagt worden, aber in Belfast, Dublin und London sind sich Polizisten und Politiker einig: Es war die IRA.

Die nordirische Polizei und die IRA spielten dabei Katz und Maus. Im Jänner wurde gemeldet, die ersten identifizierbaren Banknoten aus der Beute seien in der Eishalle in Dundonald bei Belfast aufgetaucht. Mancher Zeitungsleser schmunzelte heimlich, denn Dundonald gehört zum Einflussbereich von Pfarrer Ian Paisleys Stellvertreter Peter Robinson. Wie kam die Beute in den Hinterhof von strengen Protestanten, wenn die IRA hinter der ganzen Sache stand?

Doch später musste die Polizei zugeben, dass sie selbst dieses Gerücht ausgestreut hatte, um anschließend die Mobiltelefone der Tatverdächtigen abzuhören. Die rächten sich, indem sie 50.000 Pfund, sauber in fünf Zellophanpackerln verschnürt, in der Toilette eines Landklubs deponierten, der vornehmlich von Polizeibeamten besucht wird. Und das blieb seither der einzige geborgene Teil der Beute."


Weiter Spekulationen um die politischen Hintergründe im Standard (13.3. 2005)

Was lehr uns das? Zuviel darf man offensichtlich auch nicht erbeuten ...

berichtete die Netzzeitung (18. Feb 2005)

Irische Polizei stellt Geld sicher

Die Polizei geht davon aus, dass die IRA in den größten Bankraub Nordirlands verwickelt ist. Ein Teil des Geldes wurde sichergestellt.

Runds zwei Monate nach dem größten Banküberfall in der nordirischen Geschichte hat die Polizei in Irland zwei Männer festgenommen. Britische Medien berichteten, beide seien Mitglieder der Partei Sinn Fein, die als politische Vertretung der Untergrundbewegung IRA gilt.

Die taz (14.2. 2005) macht sich lustig über die nordirische Farce und liefert doch ein paar mehr Hintergründe, die die angeblich klare Beweislage, die die deutschen Medien unbesehen übernommen haben, überaus fragwürdig erscheinen lässt:

monica und monika

Die Iren schaffen es, selbst ein relativ ernstes Thema wie den nordirischen Friedensprozess zur Farce mit hohem Unterhaltungswert zu machen. Ende vorigen Jahres ist in Belfast die Northern Bank überfallen worden, die Täter entkamen mit der Rekordbeute von 26,5 Millionen Pfund. Seitdem sind sich Polizei und Politiker einig: Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) war es.

Sinn Féin, der politische Flügel der IRA, habe den Bankraub abgesegnet. Der irische Premierminister Bertie Ahern weiß auch, wer dahinter steckt: "Es sind prominente Politiker, die andauernd im Fernsehen zu sehen sind." George Bush etwa? Nein, er denke dabei an den Sinn-Féin-Präsidenten Gerry Adams, meinte Ahern. Beweise gebe es genug. Vorgelegt hat sie bisher allerdings noch niemand.
(...)

Der ganze Text von RALF SOTSCHECK lohnt sich ... und dann löst sich auch der kryptische Titel des Artikels auf ...

taz, 25.1. 2005

Eigentor der IRA erleichtert neuen Anlauf zu Nordirland-Gesprächen. Sinn Féin muss mit Sanktionen rechnen

DUBLIN taz Eigentlich habe er gar keine Lust, sagte der irische Premierminister Bertie Ahern. Aber nichts zu tun sei ja auch keine Lösung. Heute trifft sich Ahern also mit dem Sinn-Féin-Präsidenten Gerry Adams. Seine Unlust rührt daher, dass die IRA, der militärische Flügel von Sinn Féin, im Dezember den größten Bankraub in der britischen Geschichte verübt haben soll.

Der ganze Artikel vom Dubliner Korrespondenten der taz

WOZ



Belfaster Bankraub
Fingerübung oder Zustupf für die Rentenkasse?
Mit einem Coup hat die IRA den Friedensprozess gestoppt - wenn sie es war.


War es wirklich die IRA? fragt Pit Wuhrer in der Zürcher WOZ (13.1.2005), dem ersten wirklich informierten Artikel der uns zu diesem Thema untergekommen ist.

"Auch in Friedenszeiten brauchen Armeen Geld, viel Geld sogar, das ist bei der IRA nicht anders. Die irische Untergrundorganisation hatte zwar vor rund acht Jahren einen Waffenstillstand erklärt und diesen auch strikt eingehalten, aber ihr dienen immer noch rund 500 Freiwillige, die bezahlt sein wollen - und das nicht zu knapp. In den siebziger und achtziger Jahren, als der Krieg zwischen den irisch-republikanischen Aufständischen und der britischen Besatzungsmacht besonders heftig tobte, hatten die IRA-Mitglieder ein Taschengeld erhalten. Sie kämpften für politische Ziele - die einen für die «Verteidigung der irisch-katholischen Bevölkerung», die anderen für «die irische Freiheit», manche sogar für eine soziale Revolution, und alle gegen «die Briten». Das änderte sich in den neunziger Jahren, als der Friedensprozess einsetzte und die politisch-parlamentarische Strategie der IRA/Sinn-Féin-Führung um Gerry Adams und Martin McGuinness die Oberhand gewann.

Bis dahin hatte die IRA ihre Kriegskasse durch Spenden aus Übersee und zahllose Bankräubereien aufgefüllt; die Waffen waren ja nicht umsonst zu haben. Die Ausserdienststellung der Armee führte dann paradoxerweise zu einem noch höheren Finanzbedarf. Um loyale Kader bei der Stange zu halten, hob die Führung den Sold auf einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn an, der heute noch bezahlt wird: Rund 4000 Franken im Monat mal 500 Freiwillige mal 12 Monate ergibt ein beachtliches Jahresbudget. Die Regierungen in London und Dublin wussten und wissen, dass Adams und McGuinness bei ihrem politischen Kurs auf die Unterstützung der lokalen IRA-Grössen angewiesen waren und sind und haben bis kurz vor Weihnachten illegale Finanzbeschaffungsmassnahmen stillschweigend akzeptiert. Der Schmuggel von Diesel und Zigaretten und das komplexe Geflecht von legaler und illegaler Tätigkeit (Glücksspiel, Schutzgelder, Bar- und Kneipenbetrieb) hat bis auf ein paar eifrige Polizisten nur wenige aufgeregt - obwohl Sinn Féin und der IRA auf diese Weise jährlich rund 65 Millionen Franken zufliessen.

Dennoch reagierten fast alle entsetzt auf den Bankraub am 20. Dezember. Die bis heute unbekannten Täter hatten umgerechnet 58 Millionen Franken erbeutet. Die IRA-Führung weist jede Schuld von sich, obwohl alle von ihrer Urheberschaft ausgehen: Wer sonst in Nordirland wäre zu einer solchen Operation fähig? Die von Spitzeln durchsetzten loyalistisch-protestantischen Kommandos und ebenfalls scharf beobachteten irisch-republikanischen Splittergruppen wohl kaum. Aber wieso fahren IRA-Kommandos ihrer politischen Führung derart in die Parade? Diese stand immerhin kurz vor einem Deal mit Ian Paisleys protestantischer Mehrheitspartei DUP, der den seit Jahren stillstehenden Friedensprozess wieder in Gang gesetzt hätte - allerdings um den Preis einer Selbstauflösung der IRA.

Und wer sanktionierte den Raub? Eine so gross angelegte Operation mit Geiselnahme hätte ohne Zustimmung der IRA/Sinn-Féin-Führung nicht stattfinden können, argumentieren viele. Das mag sein, ist aber kein schlüssiges Argument. Es ist zwar denkbar, dass der IRA-Armeerat mit Adams und McGuinness dem Bankraub zustimmte in der Erwartung, dass dessen Beute nicht höher ausfallen würde als bei der Beraubung eines Cash-and-Carry-Unternehmens im Mai (2,2 Millionen Franken) oder bei einem Lagerdiebstahl vor drei Monaten (Zigaretten im Wert von 2,7 Millionen). Darüber wurde wenig Aufhebens gemacht, die politischen Folgen waren gleich null. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass die Dezemberräuber eine ungefähre Ahnung davon hatten, wie viel sie aus der Zentrale der Northern Bank von Belfast holen würden (auch wenn sie die enorme Summe dann doch überrascht haben muss - zwei Stunden lang schleppten sie Geldsäcke nach draussen).

Wer also gab den Befehl? Sollte sich nachweisen lassen, dass Adams und McGuinness davon wussten, kommen sie für London, Dublin und die nordirischen ProtestantInnen auf Jahre hinaus als Verhandlungspartner nicht mehr in Frage. Der Friedensprozess wäre damit ad acta gelegt. Da die beiden Politiker bisher recht klug agierten, ist diese Variante kaum denkbar - zumal die nordirische Polizei eine IRA-Urheberschaft nur vermutet, aber bisher nicht nachweisen konnte und womöglich auch nie wird nachweisen können. In diesem Fall ist der politische Schaden erheblich, aber nicht von Dauer. Ganz anders sieht es aus, wenn der Raub die Fingerübung einer IRA-Einheit war, die wie die gesamte Armee längst überflüssig ist (da sie keine politischen Ziele mehr verfolgt), aber zeigen wollte, dass mit ihr noch zu rechnen ist. Und die auf den Friedensprozess pfeift, weil dieser ohnehin seit Jahren stagniert. Dann hätten Adams und McGuinness ein ernsthaftes Problem.

Im eigenen Lager hat das «Verbrechen des Jahrhunderts» (so die protestantische DUP) Sinn Féin eher Auftrieb verschafft. Im irisch-republikanischen Westbelfast zum Beispiel sind viele stolz darauf, dass «unsere Jungs noch so was hinkriegen». Und manche hoffen vielleicht, dass ihnen die Bankraubnoten, die die Northern Bank aus dem Verkehr ziehen will, zur Hälfte des Nennwerts angeboten werden. Dann kämen endlich auch sie in den Genuss einer Friedensdividende. "

Das ist hier die Frage. Der Millionencoup von Belfast hat ernsthafte Auswirkungen auf die politische Entwicklung in Nordirland. Interessierte protestantische Kreise versuchen der IRA die Sache in die Schuhe zu schieben, um damit den Friedensprozess aufzuhalten. In einer ausführlichen Erörterung des Londoner Korrespondenten der Frankfurter Rundschau (11.1. 2005) wird das Für und Wider abgewogen:

Das Rätsel des Millionencoups
Der Bankraub in Belfast soll auf das Konto der IRA gehen, weil sie Geld für die "Rentenkasse" braucht - nun stockt der Friedensprozess
VON PETER NONNENMACHER (LONDON)

Vor Weihnachten war es nur ein Banküberfall, wiewohl von erstaunlichen Proportionen: 26,5 Millionen Pfund (38 Millionen Euro) entwendeten nordirische Gangster in einem frechen Coup aus den Tresoren der Northern Bank in Belfast. Inzwischen ist der Raub zu einem Politikum ersten Ranges in Großbritannien und in Irland geworden - eine Aktion, die den Fortgang des nordirischen Friedensprozesses bedroht. Der Banküberfall nämlich, einer der größten der britischen Geschichte, wird der Irisch-Republikanischen Armee, der IRA, zur Last gelegt. Da die aufs engste mit der Republikaner-Partei Sinn Fein verknüpft ist, die zur Neubelebung einer Regierungskoalition mit Ulsters (protestantischen) Unionisten noch im Dezember die völlige IRA-Stilllegung anbot, sehen die Unionisten nun guten Grund, sich jeder Zusammenarbeit mit Sinn Fein auf absehbare Zeit zu verweigern.

(...)

Ein Rätsel blieb beiden Regierungschefs freilich, warum die Republikaner ein derartiges Risiko hätten eingehen sollen - angesichts ihres eigenen Interesses an einer neuen politischen Vereinbarung. Einige Kommentatoren kamen zu dem Schluss, dass möglicherweise eine Renegaten-Einheit der IRA den Überfall ausgeführt habe, um die Autorität der Führung zu untergraben. Andere spekulierten, Adams und McGuinness hätten der unzufriedenen Basis womöglich mit einem Millionenbeitrag für die "Pensionskasse" der IRA die geplante Auflösung des legendären Kampfverbandes erleichtern wollen. Ernstere Vermutungen zielten darauf, dass Sinn Fein sich Geld für Wahlkämpfe und politische Aktivitäten im Norden wie im Süden der Insel habe besorgen wollen. Und dass der IRA Gelegenheit gegeben werden sollte, auf "nicht-terroristische" Weise noch einmal ihre spezifischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

In der Tat herrschte zum Jahreswechsel in einigen republikanischen Ecken Irlands unverhohlene Bewunderung für den gelungen Millionen-Coup: Was den Polizeichef zu der Bemerkung veranlasst: "Das war keine Robin-Hood-Episode." Im Übrigen hätten sich die Bankräuber leider ganz umsonst in dieses Abenteuer gestürzt: Ihre Großtat werde wohl als "größter Diebstahl von Altpapier" in die Geschichte eingehen. Die Seriennummern der geraubten Scheine nämlich sind den Provinz-Behörden bekannt, und die Northern Bank hat angekündigt, dass alle nordirischen Banknoten umgehend in neuen Farben aufgelegt werden, was das gestohlene Geld vollends wertlos macht."

Die nordirische Polizeit macht die IRA für den Millionencoups in Belfast verantwortlich. Das schlägt Wellen in der Medienlandschaft. Wir bevorzugen die NZZ (7.1.2005):

"(ap/rel) Die Polizei in Nordirland hat am Freitag offiziell die IRA für den bislang grössten Bankraub der Weltgeschichte verantwortlich gemacht. Die Ermittler seien überzeugt, dass Mitglieder der IRA die Geiselnahme und den Raub vom 20. Dezember geplant und ausgeführt hätten, sagte Polizeichef Hugh Orde.
(...)
Die Schuldzuweisung an die IRA ist politisch nicht unproblematisch. Polizeichef Orde erklärte zwar, die Polizei sei nicht unter politischem Druck gestanden. Aber die Sinn Fein drohte bereits vorgängig mit Folgen für den Friedensprozess, sollte die IRA verantwortlich gemacht werden. Die Sinn Fein behauptet, dass es Hinweise auf Bestrebungen im britischen und unionistischen Lager gebe, den Bankraub dazu zu benutzen, den Friedensprozess scheitern zu lassen.
(...)
Die Northern Bank kündigte am Freitag den Austausch aller von ihr ausgegebenen Banknoten bis zu einem Wert von 100 Pfund durch neue Muster an. Damit wäre ein Grossteil des erbeuteten Geldes auf einen Schlag wertlos. Mehr als die Hälfte der Beute bestand aus Pfundnoten, die von der Northern Bank ausgegeben worden waren. Für den Druck der neuen Noten veranschlagte die Bank rund acht Wochen. Die Kosten schätzte sie auf rund fünf Millionen Pfund (11 Mio. Franken)."

Die NZZ (24.12.2004) bringt ein paar Hintergrundinformationen zum Belfaster Millionencoup:

Erfolgreiche Bankräuber in Schwierigkeiten
Die IRA dementiert Urheberschaft des Belfaster Überfalls


Nach dem aufsehenerregenden Überfall auf die grösste Geschäftsbank Nordirlands vom Montag bleiben fast 50 Millionen Franken spurlos verschwunden. Doch die grossteils druckfrischen lokalen Banknoten sind nicht leicht abzusetzen.

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hat am Donnerstag über Gewährsleute verlauten lassen, dass sie nichts mit dem spektakulären Überfall auf das Hauptquartier der Northern Bank im Belfaster Stadtzentrum vom Montagabend zu tun habe. 22 Millionen Pfund waren in Kunststoffkisten gepackt, auf Gitterkarren geladen und mit einem speziell umgebauten Lieferwagen abtransportiert worden. Bei mehr als der Hälfte des Bargeldes handelte es sich indessen um frisch gedrucktes Geld, denn wie andere Banken druckt auch die Northern Bank ihre eigenen Noten. Zum Leidwesen von Reisenden werden diese in England nie, in Schottland nur sehr sporadisch als Zahlungsmittel akzeptiert, obwohl es sich um gültige Sterling-Noten handelt. Diese Gepflogenheiten engen den Spielraum der Räuber beträchtlich ein, zumal die Seriennummern den Behörden bekannt sind. Ein Experte für Geldwäscherei wurde mit der Bemerkung zitiert, die Täter hätten ebenso gut Monopoly-Geld stehlen können.

Kriminelle oder subversive Täter?

Die nordirische Polizei engte ihre Fahndung auf insgesamt fünf Gruppen ein, denen sie die Durchführung dieses tollkühnen Überfalls zutraut: zwei kriminelle Banden und drei paramilitärische Organisationen, darunter die IRA. Deren jüngstes Dementi wird mit Vorsicht behandelt, denn die politischen Folgen wären unabsehbar, sollte die IRA tatsächlich hinter dem Raub stehen. Die besorgte Frage der letzten Wochen, ob der Rückzug der IRA aufs Altenteil auch einen Verzicht auf kriminelle Methoden mit sich bringen würde, wäre damit endgültig beantwortet. Ihre politische Weggefährtin, die Sinn-Fein-Partei, müsste sich noch etwas länger gedulden, bis sie als Koalitionspartnerin in Nord und Süd ernst genommen würde. Die Behörden selbst allerdings mussten sich am Mittwoch gegen den Vorwurf der Inkompetenz verteidigen. Denn ein Parkwächter hatte die Polizei am Montagabend auf den verdächtigen Lieferwagen aufmerksam gemacht. Als die Fusspatrouille endlich am Tatort eintraf, war sie exakt drei Minuten zu spät. Tatsächlich erfuhr die Polizei erst kurz vor Mitternacht vom Verschwinden des Geldes - mehr als 24 Stunden nach dem Beginn der kriminellen Handlungen."


Der ganze Text in der NZZ

 

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