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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
- Das ist ein dankbares Thema (Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen Einträge unter Bankraub in Film und Fernsehen in diesem Blog).

Neuere Versuche von Göttler und Jansen


In Vabanque wurde das Thema vom Tübinger/Stuttgarter Filmkritiker Klaus-Peter Eichele (che )(Verbrechen mit menschlichem Antlitz - Kleine Typologie des Kino-Bankraubs) aufgegriffen.

Das Sujet wurde jüngst aber auch wieder von anderer Seite wieder aufgenommen.

Etwas überraschend tauchte das Thema "Geldraub Thema vieler Kino-Filme" auf Seite 2 (Themen des Tages) der gestrigen Süddeutschen Zeitung (22.2. 2006) auf. Unter dem Titel "Fasziniert vom Verbrechen" und mit einem Photo von Schauspieler Don Sutherland gibt SZ-Filmkritiker Fritz Göttler Einblick in die Geschichte des Kino-Bankraubs.

Zunächst diagnostiziert er den Zusammenhang von Inhalt (Überfall) und Technik des Kinos sui generis:

"Bewegungsbilder, motion picture, so wird das Kino gern definiert. Es gilt die Dinge in Bewegung zu halten, und alle jene Kräfte abzuwehren, die sie zum Innehalten zu zwingen versuchen. Aus diesen beiden widerstrebenden Rhythmen entsteht die Spannung des Kinos und am einfachsten und effektivsten wird das im filmischen Überall verwirklicht uaf Züge, Postkutschen und Autos."

Wie Klaus-Peter Eichele verweist Fritz Göttler darauf, dass das Erzählkino 1903 mit einem solchen Überfall begonnen hat : The Great Train Robbery, R. Edward S. Porter. Hierzu gehören

"das Hin und Her der verschiedenen Schauplätze, das Wechselspiel von Banditen und Verfolgern, die Konfrontation im Shootout. Immer wieder hat Hollywood in seinen Western Postkutschen- und Zugüberfälle kunstvoll inszeniert, und es sind wahre Meisterstücke dabei herausgekommen."

Die Inszenierung der Geschwindigkeit wird zum Markenzeichen solcher caper movies, die insbesondere in den 40er Jahren sich als Genre in Hollywood etablierten. Interessant ist, dass Göttler ganz andere Filme als Eichele erwähnt wie er überhaupt mehr auf die Machart als auf die Rezeption eingeht. Eichele widmet sich dem Sozialkonflikt Bankraub (Vabanque, S. 285) - etwa am Beispiel des nun via Dokumentarfilm (Based on a true story) wieder thematisierten Dog Day Afternoon mit Al Pacino. Göttler sieht im caper movie eine Feier auf den amerikanischen Professionalismus:

"Es ist einfach cool, wenn Profis ihre Arbeit exakt planen und dann mit Phantasie und Lust ausführen. Wenn ein paar Leute so großartig zusammenspielen, dass sie ihre Umgebung beherrschen und die Menschen dort. In der Präzisionsarbeit der Profis vor der Kamera spielgetl sich die der Profis hinter der Kamera."

Nach dem Abfeiern von Filmen wie The Killers und The Italian Job schließt Göttler dann doch noch mit der Moral des Genres und das löst auch auf, warum Sutherland abgebildet wird:

"Die Moral der Genres liefert Donald Sutherland, der alte Mann des Teams [in der Italian Job-Version von 2003]: 'Es gibt zwei Arten von Dieben', erklärt er: 'Die einen, die stehen, um ihr Leben zu bereichern, die anderen, die steheln, um ihr Leben zu definieren."

Ein tatsächlich informativer und aufschlussreicher Text, bloss was das mit dem Heros-Betrugsfall sui generis zu tun hat, das erschließt sich nach der Lektüre immer noch nicht, weil da geht es gerade nicht um einen Überfall, sondern um Unterschlagung.

Ein weiterer Versuch über das Genre unternahm ebenso unlängst Peter W. Jansen, der zu den "führenden Köpfen der deutschen Filmpublizistik" (Perlentaucher) gezählt wird,im Katalog der Ausstellung Geld oder Leben des Frankfurter Museums für Kommunikation. Unter dem Titel "Postraub & Posträuber im Kino" (S. 116-119.). Er zieht sein Thema über die Postzug- und Postkutschüberfälle in den Western auf, den er historisch auf das Jahr 1866 datiert:

"Dieser vermutlich erste Postraub-Zugüberfall der Geschichte erfreute sich sofort der Zustimmung weiter Bevölkerungskreise. So groß war der Hass auf den räuberischen Kapitalismus der Eisenbahngesellschaften, dass nicht nur weitere Zug- und Banküberfälle von der Mehrheit des Publikums gedeckt wurden, sondern dass man sich dergleich auch gern auf den Jahrmärkten ansah, wo das Kino inzwischen den Moritaten- und Bänkelsänger verdrängt hatte. Man zahlte locker einen Nickel für das risikolose Vergnügen, den Stellvertretern der eigenen anarchischen Gelüste zuszusehen."

Peter W. Jansen betont den "Kapitalismushass der kleinen Leute" as dem Hollywood "sofort und instinktiv (...) Kapital [zu] schlagen" weiss. Auch er verweist auf Edwin S. Porters Pionierfilm. Doch nähert er sich über inhaltliche Aspekte. Sein Augenmerk liegt vor allem auf den Train-Robbery-Filmen, die "kaum zu zählen sind":

"Das Publikum hat sich nie satt genug freuen können, wenn Institutionen wie Bahn, Post und Banken in ihrer Selbstsicherheit demoliert wurden."

Schließlich wendet sich Jansen auch dem Thema Postkutschenüberfälle zu (das im übrigen im Unterschied zu Vabanque einen erklecklichen Teil des Frankfurter Katalogs ausmacht).

Und dann kommt er etwas abrupt auf "das Gesetz und Selbstzensur". wonach "niemand im Publikum (...) nämlich glauben (soll), die Raubgeschichten seinen Erfolgsgeschichten", mit wem immer man sich auch zu identifizieren wagt: "Crime doesn't pay."

Damit ist der Schluss zahlreicher Filme angesprochen. Aber warum soll es im Kino anders sein, wie im wirklich Leben, wo auch "die da oben" bestimmen, was ein richtiges Leben ist?

Der Beitrag von Jansen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die Faszination des Themas für das Publikum und die Gründe hierfür anspricht. Nämlich soziale Ungleichheit.
 

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