Populaere Kultur Musik
Heute abend, Dienstag, 13. Mai 2008, 23 Uhr, auf 1live ist ein Hörspielmusical von Stereo Total zu hören:
Patricia Hearst
Eine 19-jährige Millionenerbin wird von der Terroristengruppe SLA entführt. Sie schließt sich ihnen an, verliebt sich in einen der Entführer, raubt Banken aus und wird im "Vietnamkriegs-Amerika" der 70er Jahre zur revolutionären Ikone. Stereo Total erzählen diese authentische Geschichte als Hörspiel-Musical mit Stargästen. Die historischen Rückblenden in eine Zeit, als weite Teile der amerikanischen Bevölkerung glaubten, dass Kriminelle das Land regieren, werden immer wieder durch Songs unterbrochen – ebenso wie der Talkshow-Auftritt der Heldin, die, egal ob an der Universität oder im revolutionären Untergrund, stets versucht, die Beste zu sein: Wir hören Lieder über Bankraub und Volksspeisung, über die sexuelle Revolution und das Stockholmsyndrom. Nach ihrer Verhaftung behauptet Patty Hearst, einer Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein. Das Urteil lautet auf sieben Jahre Gefängnis, doch bald darauf wird sie begnadigt und 2001 von Präsident Clinton gänzlich rehabilitiert. Andere Mitglieder der SLA werden aufgrund des Patriot Acts nach mehr als 30 Jahren als Terroristen verurteilt.
Zwischen Soundeffekten, Toncollagen, akustischen Vor- und Rückblenden geht es nicht nur um die Verwandlung der Patty Hearst vom High-Society-Girl zur Bankräuberin und wieder zurück, sondern auch um die trostlose Geschichte eines Medienspektakels – mit ebenso radikalen wie subjektiven Statements aller Beteiligten, die so nur im Rahmen eines Musicals erlaubt sind und unter den Händen von Stereo Total zu bunten Pop-Songs werden.
Françoise Cactus, Schlagzeugerin und Sängerin von Stereo Total, bildende Künstlerin und Autorin lebt in Berlin. Autorin der Bücher "Neurosen zum Valentinstag" (2004) und "Wollita - Vom Wollknäuel zum Superstar" (mit Wolfgang Müller, 2005).Brezel Göring, Elektronikmusiker und Komponist von Stereo Total lebt ebenfalls in Berlin.
Nach Ausstrahlung lässt sich das Ganze auch als Download nachhören, nämlich unter der Rubrik:
"1LIVE PLAN B
Soundstories
Dienstags 23 bis 24 Uhr
Hörspiele mit Groove, Comics fürs Radio. Wirklichkeit neu montiert. Die Soundstories bringen Hörspiele und Feature im regelmäßigen Wechsel. Klänge und Botschaften aus der Zone, wo die Zeitgeister herumspuken und die Regeln des guten Geschmacks versagen. Wer röhrt am lautesten beim Hirschruf-Wettbewerb? Kann man das Bewusstsein des 21. Jahrhunderts im Supermarkt kaufen? Die beste Gebrauchsanleitung, um einen Nummer eins Hit zu landen. Jeden Dienstag werden Sounds und Stories neu abgemischt."</cite
Weitere Einträge in diesem Blog zu Patty Hearst und der Symbionese Liberation Army, findet sich hier über einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004, zum Thema Live- Berichterstattung, alles eigentlich immer ziemlich tendenziös, kaum recherchiert und somit eher Gegenstand der Untersuchung, denn seriöse Quelle.
Patricia Hearst
Eine 19-jährige Millionenerbin wird von der Terroristengruppe SLA entführt. Sie schließt sich ihnen an, verliebt sich in einen der Entführer, raubt Banken aus und wird im "Vietnamkriegs-Amerika" der 70er Jahre zur revolutionären Ikone. Stereo Total erzählen diese authentische Geschichte als Hörspiel-Musical mit Stargästen. Die historischen Rückblenden in eine Zeit, als weite Teile der amerikanischen Bevölkerung glaubten, dass Kriminelle das Land regieren, werden immer wieder durch Songs unterbrochen – ebenso wie der Talkshow-Auftritt der Heldin, die, egal ob an der Universität oder im revolutionären Untergrund, stets versucht, die Beste zu sein: Wir hören Lieder über Bankraub und Volksspeisung, über die sexuelle Revolution und das Stockholmsyndrom. Nach ihrer Verhaftung behauptet Patty Hearst, einer Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein. Das Urteil lautet auf sieben Jahre Gefängnis, doch bald darauf wird sie begnadigt und 2001 von Präsident Clinton gänzlich rehabilitiert. Andere Mitglieder der SLA werden aufgrund des Patriot Acts nach mehr als 30 Jahren als Terroristen verurteilt.
Zwischen Soundeffekten, Toncollagen, akustischen Vor- und Rückblenden geht es nicht nur um die Verwandlung der Patty Hearst vom High-Society-Girl zur Bankräuberin und wieder zurück, sondern auch um die trostlose Geschichte eines Medienspektakels – mit ebenso radikalen wie subjektiven Statements aller Beteiligten, die so nur im Rahmen eines Musicals erlaubt sind und unter den Händen von Stereo Total zu bunten Pop-Songs werden.
Françoise Cactus, Schlagzeugerin und Sängerin von Stereo Total, bildende Künstlerin und Autorin lebt in Berlin. Autorin der Bücher "Neurosen zum Valentinstag" (2004) und "Wollita - Vom Wollknäuel zum Superstar" (mit Wolfgang Müller, 2005).Brezel Göring, Elektronikmusiker und Komponist von Stereo Total lebt ebenfalls in Berlin.
Nach Ausstrahlung lässt sich das Ganze auch als Download nachhören, nämlich unter der Rubrik:
"1LIVE PLAN B
Soundstories
Dienstags 23 bis 24 Uhr
Hörspiele mit Groove, Comics fürs Radio. Wirklichkeit neu montiert. Die Soundstories bringen Hörspiele und Feature im regelmäßigen Wechsel. Klänge und Botschaften aus der Zone, wo die Zeitgeister herumspuken und die Regeln des guten Geschmacks versagen. Wer röhrt am lautesten beim Hirschruf-Wettbewerb? Kann man das Bewusstsein des 21. Jahrhunderts im Supermarkt kaufen? Die beste Gebrauchsanleitung, um einen Nummer eins Hit zu landen. Jeden Dienstag werden Sounds und Stories neu abgemischt."</cite
Weitere Einträge in diesem Blog zu Patty Hearst und der Symbionese Liberation Army, findet sich hier über einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004, zum Thema Live- Berichterstattung, alles eigentlich immer ziemlich tendenziös, kaum recherchiert und somit eher Gegenstand der Untersuchung, denn seriöse Quelle.
sparkassenkunde - am Dienstag, 13. Mai 2008, 10:47 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Ab und an wird dieser Blog in der Blogosphäre erwähnt. Wie selbstverständlich fällt dann - nicht nur in Österreich - das Stichwort der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV). Die Weltbeobachterin ("Alles über Banküberfälle") spricht von "Fundgrube". In einem Fan-Blog der EAV wird eingangs über die dichterischen Qualitäten behauptet:
"EAV was my first love, will it be my last?
"Das Böse ist immer und überall". Das wahrscheinlich bekannteste Zitat der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" ist nur ein kleiner Ausschnitt des Werkes einer Band, die seit 1977 eine Brücke zwischen Humor und Gesellschaftskritik schlägt und deren Texter Thomas Spitzer es verdient hat, nicht zuletzt wegen seines sarkastisch-pessimistischen Weltbildes, zu den bedeutendsten Dichtern unserer Zeit gezählt zu werden."
Aber im Eintrag " No Money for Nothing for Woofy and Me" wird auch Rio Reiser zitiert:
"Und wenn Du Geld brauchst,
bei der Bank gibt's Geld satt.
Das kann jeder haben,
der genug davon hat.
Und wenn Du nix hast,
überleg' Dir's nicht lang.
Nimm' ne Wasserpistole
und überzeug' Deine Bank."
Rio Reiser, "Neun99zig"
Und dann wirds bei "morned" prinzipiell:
"Der Traum des antikapitalistischen Robin Hoods endet trotz Palmers-Strumpfhose über dem Zinken im Zweifelsfall hinter schwedischen Gardinen. Von den Reichen (= Sparkasse Innerbittlbach) nehmen und den Armen (= der antikapitalistische Robin Hood) geben, klingt idealistisch, doch der Rechtsstaat hat etwas dagegen. Diebstahl ist nun mal Diebstahl. Für Banken ist Bankraub jedoch nicht das größte Problem. Die Besuche von durchlöcherten Socken zahlen die Versicherungen. Doch wenn die eigenen Mitarbeiter Milliarden an der Börse verzocken, juckt es doch so manchem Aufsichtsrat am Öhrchen im Lichtensteiner Waschhaus."
So allgemein wie richtig. Und dann wird abgeklärt und nüchtern der Niedergang eines Popstars abgeleitet und uns ein "vermeintlicher Bildungsauftrag" angetragen:
"Die Geschichte des Bankraubs ist eine Geschichte des Niedergangs eines Popstars. Anders als in den 70er und 80er Jahren hört man heute kaum mehr etwas von Banküberfallen in den Medien. Sind sie aus der Mode gekommen? Die Popkultur und die politische Subkultur jedenfalls haben sie verlassen: Nach Bert Brecht ("Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"), Rio Reiser und der EAV ("Ba-Ba-Banküberfall") ist das Thema eingeschlafen. Und weil es nichts gibt, was es nicht gibt, übernimmt nun das "Weblog zur Volkskunde des Bankraubs" den vermeintlichen Bildungsauftrag."
Zwar etwas hopplahopp und Brecht und Rio Reiser mit EAV auf eine Stufe zu stellen - na ja ...
Und in Wien wird diese Behauptung vom Niedergang täglich dementiert. Nun mag es so sein, wie ich es neulich auf einer Postkarte - ausgestellt im Schaufenster gegenüber dem Hundertwasser-Haus - gelesen habe. Sinngemäss: "Die Welt mag untergehen - in Wien passiert alles 20 Jahre später." So haben wir es hier doch mit jenem kulturpessimistischen Duktus zu tun, der früher immer alles besser fand. Nun könnte man selbst in diesen Tenor verfallen: Wer EAV nach "Cafe Passé" noch gut gefunden hat, muss einen an der Waffel haben, aber das dürfte wohl das gleiche Muster sein. Anyway: "That's the way life is" - (The Clash: Daddy was a bankrobber). Und was den Bildungsauftrag angeht: Es geht hier eben vor allem um den Bankraub-Diskurs und da sind solche Quellen natürlich dankbar und ergiebig.
Nicolas Schröder, Projektentwickler für "Unternehmen in der Gesellschaft" ("Corporate Citizenship") gibt bereitwillig zu, was er so in seiner freien Zeit treibt:
"Was ich gerne tue, wenn ich nicht arbeite und mir die Familie frei gibt:
* Nebengleise „befahren“ (Lesetipp: Klaus Schönberger (Hrsg) Va Banque. Bankraub: Theorie, Praxis, Geschichte; siehe: www.vabanque.twoday.net)"
Tja, was wohl unsereins in seiner "freien" Zeit macht ...
"EAV was my first love, will it be my last?
"Das Böse ist immer und überall". Das wahrscheinlich bekannteste Zitat der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" ist nur ein kleiner Ausschnitt des Werkes einer Band, die seit 1977 eine Brücke zwischen Humor und Gesellschaftskritik schlägt und deren Texter Thomas Spitzer es verdient hat, nicht zuletzt wegen seines sarkastisch-pessimistischen Weltbildes, zu den bedeutendsten Dichtern unserer Zeit gezählt zu werden."
Aber im Eintrag " No Money for Nothing for Woofy and Me" wird auch Rio Reiser zitiert:
"Und wenn Du Geld brauchst,
bei der Bank gibt's Geld satt.
Das kann jeder haben,
der genug davon hat.
Und wenn Du nix hast,
überleg' Dir's nicht lang.
Nimm' ne Wasserpistole
und überzeug' Deine Bank."
Rio Reiser, "Neun99zig"
Und dann wirds bei "morned" prinzipiell:
"Der Traum des antikapitalistischen Robin Hoods endet trotz Palmers-Strumpfhose über dem Zinken im Zweifelsfall hinter schwedischen Gardinen. Von den Reichen (= Sparkasse Innerbittlbach) nehmen und den Armen (= der antikapitalistische Robin Hood) geben, klingt idealistisch, doch der Rechtsstaat hat etwas dagegen. Diebstahl ist nun mal Diebstahl. Für Banken ist Bankraub jedoch nicht das größte Problem. Die Besuche von durchlöcherten Socken zahlen die Versicherungen. Doch wenn die eigenen Mitarbeiter Milliarden an der Börse verzocken, juckt es doch so manchem Aufsichtsrat am Öhrchen im Lichtensteiner Waschhaus."
So allgemein wie richtig. Und dann wird abgeklärt und nüchtern der Niedergang eines Popstars abgeleitet und uns ein "vermeintlicher Bildungsauftrag" angetragen:
"Die Geschichte des Bankraubs ist eine Geschichte des Niedergangs eines Popstars. Anders als in den 70er und 80er Jahren hört man heute kaum mehr etwas von Banküberfallen in den Medien. Sind sie aus der Mode gekommen? Die Popkultur und die politische Subkultur jedenfalls haben sie verlassen: Nach Bert Brecht ("Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"), Rio Reiser und der EAV ("Ba-Ba-Banküberfall") ist das Thema eingeschlafen. Und weil es nichts gibt, was es nicht gibt, übernimmt nun das "Weblog zur Volkskunde des Bankraubs" den vermeintlichen Bildungsauftrag."
Zwar etwas hopplahopp und Brecht und Rio Reiser mit EAV auf eine Stufe zu stellen - na ja ...
Und in Wien wird diese Behauptung vom Niedergang täglich dementiert. Nun mag es so sein, wie ich es neulich auf einer Postkarte - ausgestellt im Schaufenster gegenüber dem Hundertwasser-Haus - gelesen habe. Sinngemäss: "Die Welt mag untergehen - in Wien passiert alles 20 Jahre später." So haben wir es hier doch mit jenem kulturpessimistischen Duktus zu tun, der früher immer alles besser fand. Nun könnte man selbst in diesen Tenor verfallen: Wer EAV nach "Cafe Passé" noch gut gefunden hat, muss einen an der Waffel haben, aber das dürfte wohl das gleiche Muster sein. Anyway: "That's the way life is" - (The Clash: Daddy was a bankrobber). Und was den Bildungsauftrag angeht: Es geht hier eben vor allem um den Bankraub-Diskurs und da sind solche Quellen natürlich dankbar und ergiebig.
Nicolas Schröder, Projektentwickler für "Unternehmen in der Gesellschaft" ("Corporate Citizenship") gibt bereitwillig zu, was er so in seiner freien Zeit treibt:
"Was ich gerne tue, wenn ich nicht arbeite und mir die Familie frei gibt:
* Nebengleise „befahren“ (Lesetipp: Klaus Schönberger (Hrsg) Va Banque. Bankraub: Theorie, Praxis, Geschichte; siehe: www.vabanque.twoday.net)"
Tja, was wohl unsereins in seiner "freien" Zeit macht ...
vabanque - am Donnerstag, 24. April 2008, 07:55 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
Nach sieben Jahren findet "Vabanque" nun doch noch Erwähnung im SPIEGEL. Noch vor Erscheinen des Buches hatte die SPIEGEL-Redaktion bzw. der damalige Kulturressortleiter Höbel einiges daran gesetzt, dass sie die ersten sein würden, die über das damals druckfrische Werk berichten dürfte. So kam der SPIEGEL an die Druckfahnen. Der Ressortleiter selbst verfasste eine Rezension, die aber nie erschien, weil er nach Fertigstellung des Textes in Urlaub fuhr. Seine freundlichen KollegInnen kippten sogleich den Text aus dem "Stehsatz" und als er zurückkam, war er offenbar auch nicht mehr an einer Veröffentlichung interessiert. Soviel zum Arbeitsklima in der SPIEGEL-Redaktion. Nun ist für SPIEGEL-Verhältnisse doch eine gewisse Zeit seit Erscheinen des Buches vergangen und eine andere Redaktion interessierte sich für das Thema.
Im KulturSPIEGEL (Heft 9 / September 2007, der vergangenen Montag dem SPIEGEl beilag (inzwischen wohl nicht mehr nur für Abonnenten), verfasste Ilka Kreutzträger unter dem Titel "Geld oder Leben! In Comics, Filmen, Büchern und Popsongs sind Bankräuber die Helden. Denn sie sorgen für Gerechtigkeit" einen launigen Beitrag, der unter anderem auf einem Hintergrundgespräch mit dem Herausgeber von Vabanque zugrundeliegt:"'In einer Welt, in der alle Macht vom Geld ausgeht und in der seit je die großen Summen in den Händen einiger weniger sind, scheint es ein Bedürfnis nach Gegenwehr zu geben und einen nicht zu zerstörenden Sinn für Gerechtigkeit', sagt der Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger, Herausgeber des Standardwerks 'Vabanque. Bankraub - Theorie. Praxis. Geschichte'."
Dass das alles noch etwas differenzierter formuliert werden müsste, steht auf einem anderen Blatt (In einer schriftlichen Analyse, würde man vielleicht doch noch mehr auf das Kapitalverhältnis an sich eingehen und nicht nur die Geldebene betonen).
Nach der Erwähnung des Brechtzitates und der Betonung des verbrecherischen Charakters eines Bankraubs:
"Das gilt heute wie damals, denn an der sozialen Schieflage in der Gesellschaft hat sich nichts geändert.
Und ebendiese soziale Gerechtigkeit ist laut Schönberger entscheidend für das positive Bild des Bankräubers. Immer noch haben die einen viel und die anderen wenig. Werden die, die viel haben, ausgeraubt, dann weckt das große Sympathien beim Publikum und wird als gerecht empfunden."
Es folgen noch einige weitere Zitate und Erwähnungen. Ist leider nicht online...
vabanque - am Montag, 10. September 2007, 14:39 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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"Die Gefahr" mit dem Stück Bankraub vom Schwarz-Weiss-Album. Irgendwie klingts' doch ziemlich nach den Ärzten:
vabanque - am Freitag, 22. Juni 2007, 00:34 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Noch so eine EVA-Parodie - quasi die Parodie zur Parodie
Die Avatar-Version
Die Avatar-Version
vabanque - am Dienstag, 17. April 2007, 16:38 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Der band Millionaire aus Belgiën macht nicht nur gute Musik aber hat auch ein sehr schöner video bei dem song "Champagne" gemacht. Thema Bankraub. Und die rechtfertigung dafür...(ähnlich wie bei Carter McCoy in "Thank you, see ya!")
Das video ist an zu schauen bei Youtube.
Das video ist an zu schauen bei Youtube.
thomasw - am Mittwoch, 14. März 2007, 15:29 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Annett Busch (*) schreibt in der aktuellen Ausgaben "die Springerin" 2/2006 über "Lovely Scam // 419 State of Mind" über Nigeria, Scams und die populäre Kultur. Darin finden sich auch ein paar Hinweise auf den Song "I go chop your dollar", der in diesem Blog bereits auch recht ausführlich besprochen wurde:
"Die nigerianische Stadt Lagos gilt gemeinhin als Welthauptstadt des Internetbetrugs. Was wiederum eine wichtige Informationsquelle für lokalen HipHop darstellt.
(...)
Unbeschwert erklingen die Takte einer einfachen Melodie – ein traditionell anmutendes Xylophon, spärlich eingesetzte Keyboard-Akkorde, pointierte Bläser. Wir sehen freundlich lächelnde, leicht bekleidete Backgroundtänzerinnen in den Nationalfarben Nigerias ihre Hüften schwingen, dazwischen erhebt ein Herr im langen weißen Gewand seine Stimme. Nach wenigen Schnitten sitzt er am Schreibtisch, die Beine hochgelegt. Die Einstellung zeigt vor allem die Fußsohlen von schräg unten. »I get sense poverty no good at all … 419 is just a game … I am the master«. Der Refrain allerdings bereitet ihm die größte Genugtuung: »u are da looser i am da winner«. Wir sehen unseren Winner am Murtala-Muhammed-Flughafen in Lagos, wie er Geschäftsleute aus aller Welt begrüßt und in spärlich eingerichteten Zimmern bei dubiosen Businessmeetings Stapel an Geldbündeln einstreicht. »I go chop your Dollar … I will eat your dollars, will take your money and disappear.«
Der Clip ist Teil eines Films namens »The Master« von Uzodinma Okpechi; viele nennen Okpechi einen »funny guy«. Er ist Schauspieler, Regisseur und Produzent, der auf dem besten Weg war, Arzt zu werden. Nun ist er einer der wenigen innerhalb der noch immer wachsenden Home-Movie-Filmindustrie Nigerias, der auf technische Standards Wert legt, auf Licht und Bewegung und den vor kurzem auch international herumgereichten Tunde Kelani sein Vorbild nennt. Das Stück wurde letztes Jahr in Lagos schnell zum Hit und zog etliche Aufregung nach sich – darf man dem Kommentar auf der Seite http://www.naijajams.com Glauben schenken (hier findet man auch den Clip zum Download). Vielen ZuschauerInnen war die Ironie dabei entgangen, und in Blogs und Foren wurde spekuliert, ob das nun tatsächlich eine unverfrorene Aufforderung zum 419-Betrug sei oder nicht."
* Annett Busch schreibt über Film und Musik für spex, Camera Austria, taz und verleiht Videos.
"Die nigerianische Stadt Lagos gilt gemeinhin als Welthauptstadt des Internetbetrugs. Was wiederum eine wichtige Informationsquelle für lokalen HipHop darstellt.
(...)
Unbeschwert erklingen die Takte einer einfachen Melodie – ein traditionell anmutendes Xylophon, spärlich eingesetzte Keyboard-Akkorde, pointierte Bläser. Wir sehen freundlich lächelnde, leicht bekleidete Backgroundtänzerinnen in den Nationalfarben Nigerias ihre Hüften schwingen, dazwischen erhebt ein Herr im langen weißen Gewand seine Stimme. Nach wenigen Schnitten sitzt er am Schreibtisch, die Beine hochgelegt. Die Einstellung zeigt vor allem die Fußsohlen von schräg unten. »I get sense poverty no good at all … 419 is just a game … I am the master«. Der Refrain allerdings bereitet ihm die größte Genugtuung: »u are da looser i am da winner«. Wir sehen unseren Winner am Murtala-Muhammed-Flughafen in Lagos, wie er Geschäftsleute aus aller Welt begrüßt und in spärlich eingerichteten Zimmern bei dubiosen Businessmeetings Stapel an Geldbündeln einstreicht. »I go chop your Dollar … I will eat your dollars, will take your money and disappear.«
Der Clip ist Teil eines Films namens »The Master« von Uzodinma Okpechi; viele nennen Okpechi einen »funny guy«. Er ist Schauspieler, Regisseur und Produzent, der auf dem besten Weg war, Arzt zu werden. Nun ist er einer der wenigen innerhalb der noch immer wachsenden Home-Movie-Filmindustrie Nigerias, der auf technische Standards Wert legt, auf Licht und Bewegung und den vor kurzem auch international herumgereichten Tunde Kelani sein Vorbild nennt. Das Stück wurde letztes Jahr in Lagos schnell zum Hit und zog etliche Aufregung nach sich – darf man dem Kommentar auf der Seite http://www.naijajams.com Glauben schenken (hier findet man auch den Clip zum Download). Vielen ZuschauerInnen war die Ironie dabei entgangen, und in Blogs und Foren wurde spekuliert, ob das nun tatsächlich eine unverfrorene Aufforderung zum 419-Betrug sei oder nicht."
* Annett Busch schreibt über Film und Musik für spex, Camera Austria, taz und verleiht Videos.
contributor - am Samstag, 10. Juni 2006, 20:28 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Nicht nur Schwule öffnen gerne einen Tresorraum und zeigen dann auch noch ihre anderen Schätze. Auch "die" Hetereos denken selbst beim Einddringen in den Tresorraum offenbar immer nur an das eine. Wesentlich anzüglicher als die Gay-Tresor-Phantas, sprich: pornographischer, kommt diese Bildergeschichte bei Hustler Online daher, bei der aus Jesse James, eine digitalisierte beziehungsweise stark 'aufgepumpte' "Jessica James" wird:
"Jessica James Hammered Hard By A Guard Inside A Money Vault"
Zunächst ist es natürlich unangenehm, im Tresorraum mit soviel Geld auf eine Wache zu stolßen. Die einzige Frage ist, warum wird Jessica James dort derart leicht bekleidet angetroffen?
Ach so, dass sind ihre Waffen .... - vorsichtshalber wird der Guard aber auch konventionell entwaffnet

Wie es dann weitergeht, kann sich jedeR selbst ausmalen ....
Wobei es nach dem BlowJob dann noch etwas "intimer" wird ...
Bankraub, Sex, Geld ... irgendwie hängt doch alles mit allem zusammen.
"Jessica James Hammered Hard By A Guard Inside A Money Vault"
Zunächst ist es natürlich unangenehm, im Tresorraum mit soviel Geld auf eine Wache zu stolßen. Die einzige Frage ist, warum wird Jessica James dort derart leicht bekleidet angetroffen?
Ach so, dass sind ihre Waffen .... - vorsichtshalber wird der Guard aber auch konventionell entwaffnet

Wie es dann weitergeht, kann sich jedeR selbst ausmalen ....
Wobei es nach dem BlowJob dann noch etwas "intimer" wird ...
Bankraub, Sex, Geld ... irgendwie hängt doch alles mit allem zusammen.
sparkassenkunde - am Mittwoch, 17. Mai 2006, 14:25 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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Der Songtext zu "Banküberfall" aus dem vierten Album "Gilp" (1997) von "Die Schroeders" ist inzwischen auch online. War wohl kein Kunststück, den Text abzutippen:
BANKÜBERFALL
FEUER IN MEINER SEELE
STRASSEN UN ROTATION
FEHLER IN DEN SYSTEMEN
VOLLE KONZENTRATION
HÄNDE HOCH DIES IST EIN ÜBERFALL
HÄNDE HOCH WIR KOMM MIT ÜBERSCHALL
BANKÜBERFALL
TAGE WIE EWIGKEITEN
KLICKEN IN MEINEM OHR
ZIELE IN LABYRINTHEN
MAUERN SCHIESSEN EMPOR
HÄNDE HOCH DIES IST EIN ÜBERFALL
HÄNDE HOCH WIR KOMM MIT ÜBERSCHALL
BANKÜBERFALL...
BANKÜBERFALL
FEUER IN MEINER SEELE
STRASSEN UN ROTATION
FEHLER IN DEN SYSTEMEN
VOLLE KONZENTRATION
HÄNDE HOCH DIES IST EIN ÜBERFALL
HÄNDE HOCH WIR KOMM MIT ÜBERSCHALL
BANKÜBERFALL
TAGE WIE EWIGKEITEN
KLICKEN IN MEINEM OHR
ZIELE IN LABYRINTHEN
MAUERN SCHIESSEN EMPOR
HÄNDE HOCH DIES IST EIN ÜBERFALL
HÄNDE HOCH WIR KOMM MIT ÜBERSCHALL
BANKÜBERFALL...
contributor - am Dienstag, 9. Mai 2006, 15:58 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (16.4. 2006 - leider nicht online) gibt es zur Abwechslung nun einen lesenswerten Artikel in Sachen Bankraub. Während im Februar-Dossier anläßlicher der Frankfurter Postraub-Ausstellung die in das Dossier eingeflossenen Vorarbeiten der AutorInnen von Va Banque und dieses Blogs quasi verschleiert wurden, stellen sie im vorliegenden Artikel von Matthias Heine den Ausgangspunkt dar. Der Anlaß für den Artikel sind die Entwicklungen der Kriminalstatistik.
[Zum FAZ-Autor: Wegen eines anderen Artikels bekommt Matthias Heine auch im Netz schon mal Gegenwind. ]
"Der Bankraub wird im Kino zwar immer zelebriert. Aber in der Kriminalstatistik ist dieses Delikt kaum noch von Bedeutung."
Ausgehend vom Kino-Klassiker Bonnie & Clyde wird unter Berufung auf den Herausgeber von "Va Banque", Klaus Schönberger, auf den Zusammenhang zwischen der Zahl der Ersttäter und der Popularität des Bankraubs hingewiesen.
"'Das Faszinierende an dem Delikt ist ja auch, daß es hier so viele Anfänger gibt, in Österreich sind etwa 80 Ersttäter', stellt der Tübinger Kulturwissenschaftler 2001 anläßlich des von ihm herausgegebenen Standardwerks 'Va Banque! Bankraub, Theorie, Praxis, Geschichte' fest. Verschuldete Verzweiflungstäter spielten eine große Rolle und natürlich auch Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen, so der Experte."
Heine zitiert hier aus einem Interview mit Christian Schachinger vom Wiener "Standard" (26.4. 2001), wobei allerdings der Begriff "Drogensüchtige" von FAZ-Autor stammt. Darüber hinaus wird in diesem Interview dieser Typus von Bankräuber als einer neben anderen aufgeführt.
Abgesehen davon, dass es das Wesen eines Mythos ist, dass er mit der Realität nur wenig zu tun hat, ist es schon richtig, dass die soziale Wirklichkeit des Bankraubs und seine popkulturelle Aufbereitung nur wenig gemein haben:
"Der Mythos vom kriminellen Genie hinter dem Bankraub, den der Film 'Inside Man' gerade noch mal im Kino beschwört, entspricht also selten der Realität."
Heine zieht die Zahlen der Kriminalstatistik heran und verweist darauf, dass es bundesweit im Jahr 2005 nur 667 Banküberfälle gegeben habe. Als Ursache sieht er wie die meisten Beobachter die gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen. Und er erweist sich als gelehriger Leser dieses Blogs:
"Wer mehr erbeuten will, muß Transporte überfallen oder gleich den ganzen Automaten mitnehmen. Als orginelle Alternative daraf auch die Gründung eines Geldtransportunternehmens gelten, bei dem man dann einfach die anvertrauten Summen unterschlägt. So machten es vor kurzem Mitarbeiter der pleite gegangenen Firma Heros."
Schließlich prognostiziert Heine die möglichen Konsequenzen für die Popukultur:
"Der Niedergang des Bankraubs wird Folgen für die Popkultur haben. Denn gerade diese Hohe Beteiligung von Anfängern, Amateuren und Spontis macht den Bankraub so populär: Anders beim Kneipenüberfall wo Unterschicht auf Unterschicht trifft, steht beim Banküberfall geradezu idealtypisch der Mann des Volkes (Frauen sind wie bei allen Schwerverbrechen in der Minderheit) einer der verhaßtesten Institutionen des Kapitalismus gegenüber."
Die Aussage im ersten Teil des Absatzes würde ich so nicht unterschreiben. Die Popularität von Banküberfällen dürfte sich weniger aus der Beteiligung der Anfänger ergeben, die waren ja nicht filmreif, sondern aus den wenigen spektakulären und gelungenen mit Stil und Format. Aber die Frage ist berechtigt: Wird der Rückgang Folgen in der Popkultur haben? Ich vermute eher nicht, weil diese Mythen ihre Nahrung sowieso aus den spektakulären Einzelfällen und Millionencoups beziehen.
Schließlich liefert der Artikel eine Reihe von interessanten (historischen) Aspekten zur Geschichte und Gegenwart des Bankraubs und zeichnete sich dadurch aus, dass er immer wieder den gesellschaftlichen Kontext herzustellen vermag. Und der Verfasser erzählt nicht einfach das nach, was überall behauptet wird ,sondern fragt sich, ob die Statistiken und gegenwärtigen Vergleiche tatsächlich das realistische Abbild der Entwicklung liefern. Schließlich bemerkt Heine als erster unter den Journalisten, dass es methodisch zweifehaft ist, die Zahlen der alten BRD mit dem wiedervereinigten Deutschland unisono gleichzusetzen [Aber das erwarten wir auch von einem FAZ-Journalisten].
Gegen Ende des Artikels liefert Heine noch ein nettes Bild:
"Doch dieser Wiedervereingigungsboom ist lange vorbei. Heute ist Bankraub gewissermaßen die Vinyl-Schallplatte unter den Verbrechen: nur noch etwas für Liebhaber, Spinner und Ewiggestrige. Bezeichnenderweise waren die populärsten Serienbankräuber des neuen Millenniums eine Gang von tradtionsbewußten alten Herren, die 1999 bis 2004 in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Geldinstitute überielen. Zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung waren sie 63, 72 und 74 Jahre alt."
Na ja, das ist so ein nachträglicher Medienhype gewesen, vorher wusste man nicht, dass die Burschen so alt waren. Man sollte die wirkliche Popularität von Gangstern auch nicht aus der Anzahl der über sie geschriebenen Zeitungsartikel ableiten. Aber so ein Artikel braucht natürlich elegante Übergänge und dann macht er auch Spaß zu lesen.
"Dagegen fallen junge Männer, die heute eine Bank überfallen, auf einen Mythos herein."
Stimmt schon. Das Problem ist bloß, dass es eben nicht nur junge Männer sind. Vielmehr fällt es sehr schwer, eine bestimmte Tätergruppe zu isolieren. Sprich: Jeder ist verdächtig oder um es mit den Sexpistols zu sagen: No one is innocent.
"Der bewaffnete Bankraub war von Anfang an ein besonders medienaffines Verbrechen (...)
Die Medien leiben den Bankraub vielleicht deshalb so sehr, weil er schon von seinem ganzen Ablauf einem Bühnenauftritt ähnelt [Matthias Heine ist im übrigen auch Theaterkritiker]: Aus der Unsichtbarkeit rein ins Rampenlicht, großer Monolog ('Geld oder Leben'), dann wieder der Abgang."
Hinzukommt, dass die Medien in ihrer Berichterstattung Banküberfälle genau entlang dieser Anforderung taxieren (Hierzu finden sich in diesem Blog zahlreiche Hinweise).
Und dann weist er am Ende des sehr ausführlichen Artikels noch auf einen Fall unter "Kollegen" hin:
"Manchmal wird sogar ein Medienangestellter Opfer der Fiktionen, die er mitschuf. Legendär ist die Geschichte eines Redakteurs beim Berliner Boulevardblatt 'BZ', der in den neunziger Jahren eine Bank in Neukölln überfiel. Das Fahndungsfoto, das die Polizei herausgab, ließ er seelenruhig im eigenen Blatt drucken. Geschnappt wurde er nur, weil ihn eine Freundin verriet. Ansonsten war er in jeder Beziehung ein klassischer Bankräuber, wie ihn Klaus Schönberger beschreibt: Ersttäter, hoch verschuldet und wegen seiner Heroinsucht in Geldnot."
Das sagt vielleicht auch mehr über das BILD-Zeitungs-Milieu aus, in dem diese Schreiberlinge verkehren.
Unabhängig von einzelnen hier kritisch vermerkten Aspekten: insgesamt ein Artikel, der sich positiv abhebt.
[Zum FAZ-Autor: Wegen eines anderen Artikels bekommt Matthias Heine auch im Netz schon mal Gegenwind. ]
"Der Bankraub wird im Kino zwar immer zelebriert. Aber in der Kriminalstatistik ist dieses Delikt kaum noch von Bedeutung."
Ausgehend vom Kino-Klassiker Bonnie & Clyde wird unter Berufung auf den Herausgeber von "Va Banque", Klaus Schönberger, auf den Zusammenhang zwischen der Zahl der Ersttäter und der Popularität des Bankraubs hingewiesen.
"'Das Faszinierende an dem Delikt ist ja auch, daß es hier so viele Anfänger gibt, in Österreich sind etwa 80 Ersttäter', stellt der Tübinger Kulturwissenschaftler 2001 anläßlich des von ihm herausgegebenen Standardwerks 'Va Banque! Bankraub, Theorie, Praxis, Geschichte' fest. Verschuldete Verzweiflungstäter spielten eine große Rolle und natürlich auch Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen, so der Experte."
Heine zitiert hier aus einem Interview mit Christian Schachinger vom Wiener "Standard" (26.4. 2001), wobei allerdings der Begriff "Drogensüchtige" von FAZ-Autor stammt. Darüber hinaus wird in diesem Interview dieser Typus von Bankräuber als einer neben anderen aufgeführt.
Abgesehen davon, dass es das Wesen eines Mythos ist, dass er mit der Realität nur wenig zu tun hat, ist es schon richtig, dass die soziale Wirklichkeit des Bankraubs und seine popkulturelle Aufbereitung nur wenig gemein haben:
"Der Mythos vom kriminellen Genie hinter dem Bankraub, den der Film 'Inside Man' gerade noch mal im Kino beschwört, entspricht also selten der Realität."
Heine zieht die Zahlen der Kriminalstatistik heran und verweist darauf, dass es bundesweit im Jahr 2005 nur 667 Banküberfälle gegeben habe. Als Ursache sieht er wie die meisten Beobachter die gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen. Und er erweist sich als gelehriger Leser dieses Blogs:
"Wer mehr erbeuten will, muß Transporte überfallen oder gleich den ganzen Automaten mitnehmen. Als orginelle Alternative daraf auch die Gründung eines Geldtransportunternehmens gelten, bei dem man dann einfach die anvertrauten Summen unterschlägt. So machten es vor kurzem Mitarbeiter der pleite gegangenen Firma Heros."
Schließlich prognostiziert Heine die möglichen Konsequenzen für die Popukultur:
"Der Niedergang des Bankraubs wird Folgen für die Popkultur haben. Denn gerade diese Hohe Beteiligung von Anfängern, Amateuren und Spontis macht den Bankraub so populär: Anders beim Kneipenüberfall wo Unterschicht auf Unterschicht trifft, steht beim Banküberfall geradezu idealtypisch der Mann des Volkes (Frauen sind wie bei allen Schwerverbrechen in der Minderheit) einer der verhaßtesten Institutionen des Kapitalismus gegenüber."
Die Aussage im ersten Teil des Absatzes würde ich so nicht unterschreiben. Die Popularität von Banküberfällen dürfte sich weniger aus der Beteiligung der Anfänger ergeben, die waren ja nicht filmreif, sondern aus den wenigen spektakulären und gelungenen mit Stil und Format. Aber die Frage ist berechtigt: Wird der Rückgang Folgen in der Popkultur haben? Ich vermute eher nicht, weil diese Mythen ihre Nahrung sowieso aus den spektakulären Einzelfällen und Millionencoups beziehen.
Schließlich liefert der Artikel eine Reihe von interessanten (historischen) Aspekten zur Geschichte und Gegenwart des Bankraubs und zeichnete sich dadurch aus, dass er immer wieder den gesellschaftlichen Kontext herzustellen vermag. Und der Verfasser erzählt nicht einfach das nach, was überall behauptet wird ,sondern fragt sich, ob die Statistiken und gegenwärtigen Vergleiche tatsächlich das realistische Abbild der Entwicklung liefern. Schließlich bemerkt Heine als erster unter den Journalisten, dass es methodisch zweifehaft ist, die Zahlen der alten BRD mit dem wiedervereinigten Deutschland unisono gleichzusetzen [Aber das erwarten wir auch von einem FAZ-Journalisten].
Gegen Ende des Artikels liefert Heine noch ein nettes Bild:
"Doch dieser Wiedervereingigungsboom ist lange vorbei. Heute ist Bankraub gewissermaßen die Vinyl-Schallplatte unter den Verbrechen: nur noch etwas für Liebhaber, Spinner und Ewiggestrige. Bezeichnenderweise waren die populärsten Serienbankräuber des neuen Millenniums eine Gang von tradtionsbewußten alten Herren, die 1999 bis 2004 in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Geldinstitute überielen. Zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung waren sie 63, 72 und 74 Jahre alt."
Na ja, das ist so ein nachträglicher Medienhype gewesen, vorher wusste man nicht, dass die Burschen so alt waren. Man sollte die wirkliche Popularität von Gangstern auch nicht aus der Anzahl der über sie geschriebenen Zeitungsartikel ableiten. Aber so ein Artikel braucht natürlich elegante Übergänge und dann macht er auch Spaß zu lesen.
"Dagegen fallen junge Männer, die heute eine Bank überfallen, auf einen Mythos herein."
Stimmt schon. Das Problem ist bloß, dass es eben nicht nur junge Männer sind. Vielmehr fällt es sehr schwer, eine bestimmte Tätergruppe zu isolieren. Sprich: Jeder ist verdächtig oder um es mit den Sexpistols zu sagen: No one is innocent.
"Der bewaffnete Bankraub war von Anfang an ein besonders medienaffines Verbrechen (...)
Die Medien leiben den Bankraub vielleicht deshalb so sehr, weil er schon von seinem ganzen Ablauf einem Bühnenauftritt ähnelt [Matthias Heine ist im übrigen auch Theaterkritiker]: Aus der Unsichtbarkeit rein ins Rampenlicht, großer Monolog ('Geld oder Leben'), dann wieder der Abgang."
Hinzukommt, dass die Medien in ihrer Berichterstattung Banküberfälle genau entlang dieser Anforderung taxieren (Hierzu finden sich in diesem Blog zahlreiche Hinweise).
Und dann weist er am Ende des sehr ausführlichen Artikels noch auf einen Fall unter "Kollegen" hin:
"Manchmal wird sogar ein Medienangestellter Opfer der Fiktionen, die er mitschuf. Legendär ist die Geschichte eines Redakteurs beim Berliner Boulevardblatt 'BZ', der in den neunziger Jahren eine Bank in Neukölln überfiel. Das Fahndungsfoto, das die Polizei herausgab, ließ er seelenruhig im eigenen Blatt drucken. Geschnappt wurde er nur, weil ihn eine Freundin verriet. Ansonsten war er in jeder Beziehung ein klassischer Bankräuber, wie ihn Klaus Schönberger beschreibt: Ersttäter, hoch verschuldet und wegen seiner Heroinsucht in Geldnot."
Das sagt vielleicht auch mehr über das BILD-Zeitungs-Milieu aus, in dem diese Schreiberlinge verkehren.
Unabhängig von einzelnen hier kritisch vermerkten Aspekten: insgesamt ein Artikel, der sich positiv abhebt.
vabanque - am Mittwoch, 19. April 2006, 11:37 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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