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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
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Die Invasion der greisen Ganoven

"Alarmierende Statistik des LKA: Zahl der Tatverdächtigen nahm in neun Jahren um 48,2 Prozent zu"

so titelt der Kölner Express (7.12.2004)

Dann werden die sattsamm bekannten Oma- und Opa-Überfälle erwähnt und schließlich behauptet: "Die „greisen Ganoven“ sind auf dem Vormarsch." Dann liefert das LKA NRW die benötigten Zahlen zur Schlagzeile zur "Seniorenkriminalität", die sich aber zumeist auf andere als auf Bankraub-Delikte bezieht:

"Beim Landeskriminalamt hat man die Seniorenkriminalität untersucht und ist zu erschreckenden Ergebnissen gekommen: „Die Anzahl der Tatverdächtigen ab 60 Jahren stieg im Zeitraum 1994 bis 2003 von 20 281 auf 30 048 – also um 48,2 Prozent“, heißt es in der Untersuchung.

Die Taten sind meist weniger spektakulär als bei den Bankräubern: „Die Tatverdächtigen über 60 treten meist mit Diebstahlsdelikten in Erscheinung – 2003 waren es landesweit 14 452“, hat das LKA festgestellt.

„Beträchtliche Anstiege wurden bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (1994: 1834; 2003: 4059) sowie Körperverletzungen (1994: 1481; 2003: 4021) verzeichnet.“

(...)

Wie ist der enorme Anstieg der Seniorenkriminalität zu erklären? „Bei den Eigentumsdelikten hat es sicher nur zum Teil damit zu tun, dass es den Rentnern heute finanziell nicht so gut geht“, meint Diplompsychologin Suzan Ergün.

„Sicher spielt auch die zunehmende Vereinsamung der alten Menschen eine Rolle. Und bei Altersdemenz wird auch häufig Hemmungslosigkeit bis hin zu asozialem Verhalten beobachtet."


Wie wäre es denn mit asozialen gesellschaftlichen Existenzbedingungen ...

17_20_bi_bankraubDas Deutsche Strumpfmuseum widmet sich des männlichen Umgangs mit weiblichen Feinstrumpfhosen:

"Bis Ende der 1990er Jahre dienten Feinstrumpfhosen Männern allenfalls zum Bankraub."

Bild:
Die beiden Geschäftsführer (Jörg Bahner und Karl-Heinz Noack) des Lauinger Feinstrumpfherstellers Bi werben als Bankräuber-Models für ihr Produkt.

Weitere Abbildungen beim Online-Auftritt des Museums

Banküberfälle:
"Kunden wollen Sicherheit"
meint Die Wiener Tageszeitung, Die Presse (30.11.2004) und konstatiert einen "schwierigen Spagat", wonach sich immer mehr Banken Wachdienste leisten, aber keinesweg den Anschein, ein Hochsicherheitsbunker zu sein, vermitteln wollen. Außerdem rechnet die Wiener Polizei "in den nächsten Wochen mit weiteren Überfällen: 'Vorweihnachtszeit, Stress für Bankräuber'".

"Private Wachdienste stehen derzeit im Vorweihnachts-Stress: Sie werden immer öfter von Banken zur Sicherung angefordert. Erste, Bank Austria und Raiffeisen setzen in den Wochen vor Weihnachten verstärkt auf die sichtbare Präsenz von Sicherheitsdiensten. "Auftraggeber aus dem Bankenbereich strapazieren uns derzeit extrem stark", bestätigt Securitas-Geschäftsführer Martin Wiesinger. Group 4 Falck-Vorstand Stephan Landrock: "Die Nachfrage von Banken an unseren Dienstleistungen ist zur Zeit hoch.

Allerdings gilt es hier, einen Spagat zu schaffen: Zu martialisch darf das Ganze nicht aussehen. "Wir wollen den Leuten ja nicht suggerieren, dass in der Filiale gleich ein Armageddon bevorsteht. Unsere Kunden wollen Sicherheit, aber keine Festung", meint Dieter Pietschmann von der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich.

Landrock berichtet, dass manche Auftraggeber daher Wert darauf legen, dass ihr Sicherheitspersonal die Bank in Zivilkleidung überwacht. Für den Kunden soll der Anschein eines Hochsicherheitsbunkers vermieden werden. Securitas-Vorstand Wiesinger erklärt, seine Mitarbeiter stehen in Uniformen in den Banken: "Unsere Kleidung ist sehr dezent, von einem Kampfanzug weit entfernt."

Was sowohl Wiesinger als auch Landrock feststellen: Der Wunsch der Banken nach privatem Überwachungspersonal komme meist nach einer Überfallserie oder in der Vorweihnachtszeit. "Das ist natürlich auch eine Kostenfrage, aber jede Filiale von der Öffnung bis zur Schließung überwachen zu lassen, ist nicht unsere Philosophie", meint Pietschmann.

Sicherheitsschleusen, wie sie in Geldinstituten in Italien aber auch Spanien üblich sind, werden übrigens von den Banken einhellig abgelehnt: "Zu martialisch, zu abschreckend für den Kunden", heißt es dazu etwa beim Sparkassenverband.

Räuber nach wilder Verfolgung geschnappt

"Fast kein Tag ohne Banküberfall: Auch am Montagmorgen wurde in Wien eine Bank überfallen. Drei Täter schlugen einen Kassierer nieder und flüchteten mit einer sehr hohen Geldmenge. Nach einer wilden Verfolgungsjagd wurden die Männer geschnappt, ihr Wagen und die Beute sichergestellt."
Weiter in der Kronenzeitung (29.11.2004), die die Verhaftung der Täter photographisch dokumentiert.

Nach Bankraub 61 Privater Wächter vor Bank im Pressezentrum

Nach dem 61., überaus spektakulären, Banküberfall in Wien hofft die Polizei nun über das Fluchtauto eine heiße Spur zu den vier skrupellosen Verbrechern zu finden. Und das Bankinstitut setzt mittlerweile auf private Sicherheitskräfte: seit dem Raub überwacht ein „Security-Mann“ die Filiale im Pressezentrum.
Bei den vier flüchtigen Bankräubern, die - wie berichtet - mit Postile und Messer die Angestellten und Kunden in Schach hielten, dürfte es sich um Russen handeln. Jetzt setzt man auf die Fotos aus der Alarmkamera und auf den Fluchtwagen. Denn vermutlich handelt es sich bei dem gesuchten Pkw um einen bordeauxroten Fiat Croma, der in der Nacht zum Mittwoch im 11. Wieder Bezirk gestohlen wurde.


Die Kronenzeitung beklagt am 28.11. 2004:
"Die geschockten Opfer des 61. (!) Bankraubs in diesem Jahr müssen schon wieder ihren Dienst versehen. Und können über die dummen Scherze mancher Kunden, die über den Überfall witzeln, gar nicht lachen."

"Fast kein Tag ohne Banküberfall: Auch am Montagmorgen wurde in Wien eine Bank überfallen. Drei Täter schlugen einen Kassierer nieder und flüchteten mit einer sehr hohen Geldmenge. Nach einer wilden Verfolgungsjagd wurden die Männer geschnappt, ihr Wagen und die Beute sichergestellt."
Kronenzeitung (25.11. 2004)

Westfälische Forschungen 54 (2004)
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Themenschwerpunkt (hg. von Barbara Krug-Richter und Herbert Reinke):
Von rechten und unrechten Taten. Zur Kriminalitätsgeschichte Westfalens von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert


Die Historische Kriminalitätsforschung zählt seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu den boomenden Themenbereichen der sozial- und kulturhistorischen Forschung in Deutschland. Historische Kriminalitätsforschung untersucht abweichendes Verhalten im Spannungsfeld von Normen, Instanzen und Medien sozialer Kontrolle. Im Unterschied zu älteren rechtsgeschichtlichen Forschungen rücken in der modernen historischen Kriminalitätsforschung auch die gesellschaftlichen Konstruktionsprozesse von Devianz und Kriminalität in ihren historischen und kulturellen Bezügen ins Blickfeld. Kriminalitätsgeschichte fungiert somit zugleich als Sonde, die es erlaubt, gesellschaftliche und politische Verhältnisse zu analysieren. Der von Barbara Krug-Richter und Herbert Reinke betreute Themenschwerpunkt setzt sich zum Ziel, die Geschichte der Kriminalität in Westfalen von der Frühen Neuzeit bis in die 1970er Jahre - auch - als Geschichte der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu deuten. Neben Beiträgen zur Delinquenz einzelner gesellschaftlicher Gruppen (u.a. Studenten, Adel, Bauern und
ländliche Unterschichten, Rocker) stehen solche, die bestimmte Delikte in den Blick nehmen (Gewalt, Diebstahl, Sexualdelikte, Schmuggel etc.).

Barbara Krug-Richter:
Von rechten und unrechten Taten: Eine Einführung, S. 1-17

Erika Münster-Schröer:
„Vort sullen wir roiff ind brandt ... weren mit unser gantzer macht“ - Brand und Mordbrand: Regionale Befunde und Überlegungen zur Deutung, S. 19-37

Margarete Wittke:
Vollzug und Androhung von Geldstrafen - Die pekuniäre Strafpraxis in der Stadt Warendorf und im Kirchspiel Füchtorf um 1600, S. 39-55

Arnold Beuke:
Diebe im Münsterland. Pferdediebstahl und andere
Beschaffungskriminalität vor und während des Dreißigjährigen Krieges, S. 57-98

Christine Schmidt:
„Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch?“ - Jüdische
Delinquenz im Fürstbistum Münster während der Frühen Neuzeit, S. 99-120

Barbara Krug-Richter:
„Mordsache“ Canstein 1677 - Formen und Kontexte adliger Konfliktkultur im frühneuzeitlichen Westfalen, S. 121-143

Marian Füssel:
Devianz als Norm? Studentische Gewalt und akademische Freiheit in Köln im 17. und 18. Jahrhundert, S. 145-166

Jutta Nowosadtko:
Der Militärdienst als Räuberschule? Anmerkungen zu einer verbreiteten Argumentationsfigur der historischen Kriminalitätsforschung, S. 167-175

Urte Evert:
Fußspuren, Blut und Samenflecken. Polizeiliche Ermittlungsarbeit am
Beispiel eines Sexualmordes im Münsterland des späten 19. Jahrhunderts, S. 177-207

Uwe Fraunholz:
Verkehrssünder, Attentäter und Denunzianten. Anti-automobile Gewalt und polizeiliche Aufsicht über den Straßenverkehr in Westfalen während des Kaiserreichs, S. 209-226

Gerburg Harenbrock:
„... vielleicht etwas illegal, aber eigentlich machten das alle“:
Kriminalität in Münster nach 1945, S. 227-263

Klaus Weinhauer:
Jugendsubkulturen und Polizei in Ostwestfalen in den 1960/70er Jahren, S. 265-277



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Westfälische Forschungen. Münster: Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung. ISBN 3-402-09233-6; ISSN 3-402

Geschäftsführende Redaktion:
Thomas Küster

Dr. Thomas Küster
Westfälisches Institut für Regionalgeschichte
Warendorfer Str. 14
D-48145 Münster
Tel. 0251-591 5703
Fax 0251-591 3282

Homepage <http://www.wir-muenster.de>

Weitere Informationen zu dieser Zeitschrift
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/zeitschriften/id=200>

Ein gegenüber dem anekdotischen Artikel über "Che und das Geld" substantielles Interview findet sich im Neuen Deutschland (27.11.2004) mit Burkhard Schröder über „Die Ränder – ein Symptom für die Mitte“, indem der Journalist, der seit Jahren die Neonazi-Szene beobachtet, sich über jenen Diskurs auslässt, der nirgends geführt wird. Nämlich dass eigentlich nicht die Nazis das Problem sind, sondern jene politische Mitte, die im hegemonialen politischen Diskurs das Gute repräsentiert. Dabei gelingt ihm in wenigen Sätzen und unter Rekurs auf den hier schon häufiger verhandelten Brechtspruch zum Bankeinbruch eine erhellende Analyse gesellschaftlicher Diskursverhältnisse.

„Die Ränder sind ein Symptom der Mitte, und man sollte sich nicht über den Spiegel aufregen, der einem etwas Hässliches zeigt, sondern über sich selbst. Deshalb sage ich auch: Zum Glück haben wir die NPD, die uns zeigt, wie die Mitte ist. Der demokratische Konsens der Mitte ist brüchig, die Ränder bröckeln ab. Der diskursive Mainstream der Gesellschaft weigert sich, die eigentlichen Probleme anzusprechen. Das sind nicht die wirtschaftlichen Probleme, nicht Hartz IV! Die Kernfrage ist: Wie gehen wir mit Einwanderern um? Wie verändern die unsere Gesellschaft, und wer ist Teil der deutschen Nation? Und wenn ich – boshaft wie ich bin – mit Schönbohm darüber redete und das Kleingedruckt bei ihm zu Vorschein käme, dann ist der Unterschied zur NPD nur noch marginal.“

In diesem Zusammenhang äußert er sich auch über den Gewaltdiskurs im Hinblick auf linke Gegenkulturen, wonach im Osten die Pfaffen die Diskussion dominieren. Dabei äußert er sich im wesentlichen positiv über das „Räuber- und Gendarm-Antifa“-Spiel; sieht es aber im wesentlichen als politischen Initiationsritus und damit kann man übereinstimmen. Bloss sollte das jemand den Kids auch ab und an sagen. Dann kommt aber jene Argumentation, die ihn als jemanden ausweist, der im Gegensatz zu diesem vorherschenden Betroffenheitsgestus wirklich zu denken in der Lage ist, wenn er den Gewaltdiskurs im Habitus der Mittelklasse verortet (und wir erlauben uns dabei ganz im Sinne von Burks Schröder auch auf Bourdieu zu verweisen, der im Zusammenhang mit Fußballfans darauf hingewiesen hat, in welcher Weise die angebliche Abscheu vor Gewalt einem Klassenhabitus entspricht, der im übrigen ganz ähnlich argumentiert):

Und dann sind wir auch bei dem Thema angelangt, warum das Interview in diesem Blog verhandelt wird:

„Der Gewaltdiskurs ist typisch für die Mittelschichten. Sie haben den sozialen Aufstieg erreicht, weil sie die Regeln und Konventionen der Gesellschaft verinnerlicht haben. Die botschaft der sozialen Aufsteiger an die Herrschenden war immer: Bitte haltet Euch an die Regeln, die uns unsere kleinen Privilegien sichern. Und denen, die von unten drängeln. Akzeptiert die Regeln, sonstn könnten wir absteigen. Wer wirklich Macht hat, interessiert sich für den 'Keine Gewalt'-Diskurs überhaupt nicht. Da zitiere ich Bertolt Brecht: Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Und wenn die Bundeswehr am Hindukuswch die Demokratie verteidigt, dann muss ich fragen, was hat das jetzt mit 'keine Gewalt' zu tun?. Es geht immer darum, dass ich definieren darf, wer die Bösen sind und dann schlage ich drauf.“

Insofern zeigt auch diese Verwendung des Brechtspruchs, in welcher Weise die Definition von kriminellem Handeln und Devianz von Macht und Hegemonie abhängig ist.

Etwas zweites ist dann allerdings, inwiefern sich diese Militanzrituale gerade im Kontext dieses ideologischen und habituellen Gemengelages auf dem politischen Feld nicht tatsächlich ein Faktor des hegemonialen Diskurses darstellt, der den Initiationsritus zwar nicht entwertet, in realiter aber dennoch kontraproduktiv erscheinen lässt. Wobei es nicht darum geht, dass linke Subkulturen – gerade im Osten - sich nicht wehren dürfen oder müssen, sondern nur darum immer wieder darauf einzuwirken, dass erkannt werden kann, dass das Notwehr ist und kein Selbstzweck und auch keine politische Strategie sein kann.


Glückwunsch zu diesem Interview, Burks!

„Ein Banker, der den Mammon verachtete“

che_sign_klein„Che und das Geld – Vor 45 Jahren wurde Ernesto Guevara Präsident der Nationalbank von Kuba:

Im einstigen SED-Organ und heutiger PDS-Parteizeitung „Neues Deutschland“ (27.11.2004) finden wir in der Samstagsausgabe einen Artikel von Hans-Volkmar Gaitzsch über Che Guevaras Zeit als Präsident der Nationalbank von Kuba, zu dem er am 26.11. 1959 ernannt wurde. Um die Ernennung herum gibt es eine Anekdote, die vor allem auf die Zufälligkeit derselben verweisen soll, von der aber auch niemand wirklich sagen kann, ob sie sich so zugetragen hat. Der Beitrag des Historikers und Numismatikers, der bereits eine Broschüre über „Das Geld des Che“ publizierte und von dem ein Buchmanuskript in Arbeit ist, thematisiert die Widersprüche einer Revolution bzw. eines Revolutionärs, der eigentlich das Geld abschaffen will und nunmehr in die Situation geraten ist, dasselbe zu verwalten. Der Artikel ist aber auch angereichert mit all jenen Geschichten, wie Che die Bankverwaltung umkrempelte und natürlich über seinen unbeugsamen Arbeitswillen und seine naiven Vorstellungen über den neuen Menschen, der von seinem Idealismus auf den anderer schloss. Inwiefern das denunziatorisch gemeint ist bzw. denunziatorisch wirkt, kann hier nicht diskutiert werden.

„Wie Sie alle wissen, bin ich gebürtiger Argentiner, von Beruf Arzt, zur Zeit jedoch in Ausübunge meiner revolutionären Pflicht Präsident der Nationalbank Kubas.“ (Che Guevara, Januar 1960)

Das eigentlich interessierende Thema, in welcher Weise Ernesto Che Guevara seine widersprüchliche Lage versuchte zu meistern, wird nicht thematisiert. Ist es doch in der Tat ein Problem für jedes Projekt gesellschaftlicher Umwälzung mit den Zwängen der von der früheren Gesellschaft übernommenen Rahmenbedingungen zu umzugehen. Das alles bleibt anekdotisch und thematisiert allenfalls seine Versuche, etwas in selbstironischer Weise und auf symbolische Weise Veränderungen zu inszenieren. Substantielle Möglichkeiten bestanden vermutlich auch nur wenige und so wird das Thema auf dieser Ebene verhandelt. Vielleicht waren eben diese Formen der Revolution mit militärischer Machteroberung schon 1950/60 schon damals ein Anachronismus und spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden die Akteure mit dieser Widersprüchlichkeit konfrontiert. Das Geldsystem konnte eben auch diesem Wege nicht wirklich revolutioniert werden. Aber dieser Streit mit den Parteikommunisten ist ja schon etwas älter und vom "Neuen Deutschland" ist nicht wirklich zu erwarten gewesen zu weiterführenden Einsichten beizutragen.

Auf der Webpage von Vabanque findet sich ein Artikel aus der taz (9.11.2000)
von TOBIAS NAGL ("Zürich im Herbst"). Darin heißt es u.a.

"Die Hamburger Filmemacherin Margit Czenki
wurde in der Schweiz verhaftet

Im April 1971 überfiel Margit Czenki zusammen
mit Rolf Heißler, Roland Otto und Karl-Heinz
Roth die Münchner Hypotheken- und
Wechselbank."


Ein genauer aufmerksamer Leser machte uns darauf aufmerksam:
Es war aber nicht Karl-Heinz Roth, der bekanntermaßen auch mit Otto und Heißler in Verbindung war und bei einer Schießerei am 9.5.75 schwer verwundet wurde, sondern Karl-Heinz Kuhn, wie sich an anderer Stelle im Buch "Va Banque" selbst nachlesen lässt.

DALLAS. Der als "ältester Bankräuber der USA" bekannt gewordene J. L. Hunter "Red" Rountree ist tot. Er starb bereits am 12. Oktober im Alter von 92 Jahren, wie ein Sprecher eines Krankenhauses für Häftlinge in Springfield im US-Staat Missouri bestätigte. Rountree sei dort kurz nach seiner Verurteilung im Januar wegen eines Bankraubs in Abilene, Texas, eingeliefert worden. Rountree hatte erst mit 86 Jahren die erste Bank überfallen. In einem Interview sagte er, der Kassierer bei dem Überfall in Abilene habe ihn gefragt: "Soll das ein Witz sein?" Er habe aber dennoch die Anweisungen befolgt. Rountree wurde später verhaftet und zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. "Sie wollen wissen, warum ich Banken überfalle?", fragte Rountree in dem Interview. "Es macht Spaß. Ich fühle mich gut dabei, furchtbar gut."
taz, 26.11. 2004

Der Rest der AP-Meldung findet sich bei Yahoo (23.11. 2004):
"Geboren am 11. Dezember 1911 bei Brownsville in Texas machte er zunächst ein Vermögen mit der in Houston gegründeten Firma Rountree Machinery. Etwa ein Jahr nach dem Tod seiner Frau 1986 heiratete der damals 76-Jährige eine 31-jährige Frau. Er gab nach eigenen Angaben eine halbe Million Dollar für Drogenentzugsprogramme für seine junge Frau aus. 1998 überfiel er dann in Biloxi, Missouri, seine erste Bank, wurde verhaftet und zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein Jahr später überfiel er eine Bank in Pensacola, Florida. Diesmal wurde er zu drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. 2002 wurde er aus der Haft entlassen und im August 2003 überfiel er die Bank in Abilene.

Rountree wurde nach Angaben eines Gefängnissprechers auf einem Friedhof bei Springfield beerdigt."

Pacal Kurz, der Torwart des Oberliga-Fußballvereins TSG Sprockhövel wird des Bankraubs verdächtigt:


"Kurz, der in Marl wohnt, wird ein versuchter Banküberfall im Kreis Borken zur Last gelegt. Nach einem Bericht der Polizei hatte ein 21-Jähriger aus Marl am 10. November maskiert mit einer Stoffmaske mit Sehschlitzen und einer Pistole im Anschlag die Sparkasse Westmünsterland betreten und Geld verlangt. Da die bedrohten beiden Sparkassenangestellten jedoch in den hinteren Bereich der Bank flüchten konnten, zog der Täter ohne Beute wieder ab."


Offensichtlich kann so ein gescheiterter Banküberfall leistungsfördernd sein:

"Dem Torwart, der zwischen Tat und Festnahme beim 1:0 gegen Schermbeck eines seiner besten Spiele für die TSG absolviert hat, drohen nun mehrere Jahre Haft."
(Westfälische Rundschau, 25.11. 2004)

Na ja, und dann das übliche. Kein Mensch kann es fassen, was ja nur mal wieder die Erkenntnis bestätigt: Verdächtig sind wir alle!

"Leumund und Lebensdaten des 21-Jährigen aus Marl passen so gar nicht zur Geschichte, mit der der Torwart den Ermittlern der Kriminalpolizei jetzt ins Netz gegangen ist. Der Vorsitzende der TSG-Fußballabteilung nennt ihn einen "sympathischen Kerl", der Trainer schwärmt von ihm als "Super-Torwart", die Mitspieler sind sprachlos."
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 25.11. 2004)

Und jetzt:
"Die Oberliga-Fußballer der TSG Sprockhövel müssen zurzeit einiges wegstecken - während der Woche den Wirbel um Ex-Torwart Pascal Kurz und am gestrigen Sonntag die 0:2-Niederlage gegen SF Lotte."

So langsam fällt die Affinität zwischen Torhütern und Bankraub doch ins Auge. Wir erinnern uns: Auch René Vignal stand im Fußballtor und avancierte zum Bankräuber.
Der Eishockey-Torwart Attila Ambrus (32) vom Drittligisten Ujpest Budapest hat bei 20 Bank- und Postüberfällen binnen sechs Jahren (1993 und 1999) umgerechnet rund eine Million Mark erbeutet.

"Auf gut Deutsch: Coup
Was ist ein Coup? Da sprechen die Lexika von einem kühn bis geradezu frech angelegten, überraschend durchgeführten und jedenfalls erfolgreichen Unternehmen: Ein Coup, der fehlschlägt, ist ein Coup gewesen. Der Gott des grossen Coups ist der so ingeniös diebische wie ingeniös erfinderische Hermes: Ein Banküberfall mit Millionenbeute ist ein Coup so gut wie eine Bankenfusion mit Millionengewinn. Aber was reden wir da von Millionen? Eigentlich ist ein Coup eine Ohrfeige."


meint jedenfalls Klaus Bartels. Die Kolumne ist gleichermaßen abgedruckt in: «Internet à la Scipio. Neue Streiflichter aus der Antike»:

Klappentext: "Über drei Jahrzehnte hinweg, seit 1972, ist die Rubrik "Streiflichter aus der Antike" regelmäßig vierzehntäglich in der "Neuen Zürcher Zeitung" erschienen. Diese jüngste, fünfte Sammlung vereinigt wiederum siebzig ausgewählte Kolumnen zu einem lebensvollen, farbenreichen Spektrum."

Ganovenglück:
Beim größten Raub, den Großbritannien je erlebt hat, erbeuten sechs Männer in einer Lagerhalle in London Heathrow 6.800 Goldbarren im Wert von mehr als 104 Millionen Mark und entkommen zunächst unerkannt.

"Brutaler Banküberfall: ein Täter tot"

Polizist mit Bauchdurchschuss im Krankenhaus

Zwei als Weihnachtsmänner verkleidete Bankräuber haben sich in Ratingen bei Düsseldorf eine Schießerei mit der Polizei geliefert. Einer der mehrfach vorbestraften Gewaltverbrecher starb noch am Tatort, der zweite lag am Freitag mit mehreren Schusswunden in einem künstlichen Koma. Ein zunächst durch einen Bauchschuss lebensgefährlich verletzter Polizist konnte mit einer Notoperation gerettet werden. Sein Zustand war am Freitag stabil, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft.
(...)
Die Lebensgefährtin des verletzten Bankräubers will von den kriminellen Plänen ihres Freundes nichts gewusst haben. Sie habe die beiden Männer in dem Glauben nach Ratingen gebracht, dass sie in ihren roten Kostümen für einen Auftritt bei einer Weihnachtsfeier gebucht gewesen seien."

Soweit die Meldung bei N24 (27.11.2004)
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Der Stern (26.11. 2004) berichtet auf der Grundlage derselben dpa-Meldung noch etwas ausführlicher über den :

Banküberfall:
"Weihnachtsmänner" in Wild-West-Manier
Tödliche Schießerei in Ratingen: "besondere Brutalität der Gangster"

Zufällig beobachteten zwei Polizisten in Ratingen "Weihnachtsmänner" beim Banküberfall. Als die Räuber aus der Filiale stürmen, eröffnet einer das Feuer und verletzt einen Beamten schwer. Der schafft es noch zurückzuschießen.


Angesichts dieser Blutlachen und Opfer fragt man sich dann doch, ob es nicht besser gewesen wäre, an diesem Tag nicht das Gesetz durchzusetzen. Aber sowas gibt es in Deutschland ja nicht ...

Anscheinend verdichten sich die Indizien und Beweise laut SWR, so dass der Bäcker von Siegelsbach demnächst angeklagt werden wird.

Hamburg galt bis vor kurzem noch als die Hauptstadt des Bankraubs in Deutschland (Vgl. a. Vabanque). Jetzt ist auch hier die Zahl rückgängig, wie "Die Welt am Sonntag" (21.11. 2004) berichtet:

Weniger Banküberfälle in Hamburg
Polizei meldet Rückgang bei Raubkriminalität

Die Zahl der Banküberfälle wird 2004 voraussichtlich einen neuen Tiefststand in Hamburg erreichen. Damit hält ein jahrelanger Trend an. Auch in anderen Bereichen der Raubkriminalität geht die Zahl der Straftaten zurück. Die Polizei verzeichnete bislang weit weniger Überfälle auf Geldboten, Geschäfte, Spielhallen oder Restaurants als noch im Vorjahr.

Insgesamt 15 Banken und Sparkassen wurden nach Angaben der Polizei in diesem Jahr in Hamburg überfallen. In 13 Fällen traf es Filialen der Haspa. In einem Fall war es die Vereinsbank, in einem anderen Fall die Sparda-Bank, die Ziel von Überfällen wurden. Auffallend ist, daß sich die Banküberfälle zu einem großen Teil Anfang des Jahres ballten. Zwölf der Taten ereigneten sich im ersten Quartal. Im Juli, August und Oktober wurde in Hamburg kein Geldinstitut überfallen.

Im vergangenen Jahr hatte es noch 19 Raubtaten zum Nachteil von Banken oder Sparkasse gegeben. 2002 waren es 30, im Jahr davor sogar 38 Fälle gewesen. Für den Rückgang dürften mehrere Gründe ausschlaggebend sein. So haben die Kreditinstitute in den vergangenen Jahren zahlreiche zusätzliche Sicherungsmaßnahmen eingeführt. "Wir haben in diesem Bereich viel getan", sagt Haspa-Sprecher Ulrich Baumert. "Wichtiger ist aber noch die gute Zusammenarbeit mit den Behörden."

Eine illegale Aktion der Gruppe hai gorgai - µ5-project (Till Nikolaus von Heiseler, Michaela Caspar, Andres Fuentes Cannobbio, Achim Kubinski, Petra Fromm, Sebastian Hoppe, Christian Maria Goebel, mARS Agardtha, Sebastian Chmielarz).

hg_062Ein komponierter, teilweise gesprochener, teilweise gesungener Text wird in einer geprobten und choreographierten
Inszenierung unangemeldet in einer Bank aufgeführt. Die nach kürzester Zeit im Sturmschritt erscheinenden Kampf-
geschwader der Polizei stehen einer einzigen, dünnhäutig wirkenden Perfomerin in einem weißes Papierkleid gegenüber...


"Als mir Heiseler von der Sache erzählt hat, hab ich sofort gesagt: klar, machen wir. Ich beantrag dafür Geld beim Ministerium. In unserem Gespräch wurde ziemlich schnell klar: als Aufführungsort kommt nur eine Bank infrage. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat uns dann mit einem fünfstelligen Betrag ausgestattet. Das Kostüm wurde entworfen, die Musik komponiert; dann haben die Proben angefangen." «Michaela Caspar, Performerin»

hg_015"Eine Performerin in leichten weißen Gewändern begann zunächst melodisch, dann kreischend einen Text zu zelebrieren, kniete vor einem der Heiligtümer der Bank, dem Kontoauszugsdrucker, stand auf, flog leichtfüßig durch die Schalterhalle. Musik aus mitgebrachten Tonbandgeräten plätscherte leise. Ein Kind lachte." «Mario Stumpfe, Berichterstatter für das Neue Deutschland»

"Als ich Michaela in Hamburg aus dem Polizeigewahrsam abgeholt habe, hat mich ein Polizist von einer Spezialeinheit gefragt: 'Und wie ist denn das jetzt so bei euch in der Kunstszene?'" «Christian Maria Goebel, Darsteller»

"Eine Bank ist ja nicht irgendein öffentlicher Ort. Die Sorge um Sicherheit schafft eine ständige Spannung. Die kleinste Abweichung von der Norm wird in so einem Raum sofort deutlich. Das ist äußerst theatralisch." «Sebastian Hoppe, Fotograf»

Die Bookcrosser sind los (s.a. Free your Books). Und unser Tauschring liest eifrig
Vabanque. Dieser Leser (etwas scrollen) ist aus Wien ;-)

"Ich fand das Buch sehr unterhaltsam und interessant. Die Mischung aus Biographien und kurzen Artikeln zu den verschiedenen Aspekten von "Theorie und Praxis des Bankraubs" ist abwechslungsreich und macht das Schmökern leicht. Es wird klar, dass Bankraub kein gewöhnliches Verbrechen ist. Auch wenn die Motive üblicherweise profan sind (Verzweiflung, Geldmangel), wirkt der Bankraub immer auch als politisches Zeichen gegen die herrschenden Besitzverhältnisse, das von der normalen, nicht bankräuberischen Bevölkerung durchaus verstanden und goutiert wird. Besonders gefallen hat mir der Artikel über die quasi-religiösen Inszenierungen moderner Bankenarchitektur ("Kathedralen" aus Marmor, Stahl und Glas, Absperrungen zwischen den öffentlich zugänglichen Bereichen und denen der "Priester", der Tresor als "Allerheiligstes" etc.). Wirklich schlimm an dem Buch ist leider die verwendete Schrift, noch dazu auf dunklem Papier, die das Lesen unnötig anstrengend macht."

book rating: 8 out of 10


Einem Stuttgarter Leser hat natürlich die "Bewegung 2. Juni" "am besten gefallen":

"Nein, ich war nicht in Untersuchungshaft, ich habe nur aus Begeisterung über ein Bankraubhandbuch sofort dem Lehrgang begonnen anstatt einen Journaleintrag zu machen.
Zu meinem Bedauern eigne ich mich leider nicht zum Bankräuber, schade eigentlich.
Am besten haben mir die Überfälle der Bewegung 2. Juni gefallen (Mohrenköpfe zu Beruhigung der angstvollen Kunden zu verteilen ist einfach genial), die sehr professionell durchgezogen wurden, sowie der fiktive Hightechbankraub den es so (noch) nicht gibt, sowie die "Verbrechen mit menschlichem Antlitz", wobei mich die Vorgehensweise des sanften Rosenheimer besonders beeindruckt hat (könnte als Vorbild dienen).
Eine sehr kurzweilige Lektüre, mal ernst, mal tragisch, mal heiter. Es fehlt nur der Hinweis: Nicht zur Nachahmung empfohlen ;o)

book rating: 8 out of 10"

"Brickfilms" nennt sich dieses Genre. Vielleicht auch kein Zufall, dass denen zuerst ein Banküberfall einfällt:

catchcoverCatch up Heinz!
Ein Bankräuber rast durch die Stadt. Quietschende Reifen, schnelleSchnitte - Szenen, die The Fast and the Furious ziemlich blass aussehen lassen. Der Clou daran: Alles wurde mit Legosteinen verfilmt. Denn Hollywood-Regisseur Steven Spielberg hat zusammen mit der dänischen Spielzeugfirma einen Baukasten für Nachwuchsfilmer heraus gebracht, das Moviemaker-Set, Digitalkamera und Schnittsoftware inklusive. Witzige Idee, aber kann man damit wirklich einen Film drehen? Mit bewegten Bildern und so? Man kann, wie der Film "Catch up, Heinz" beweist, der von einer Testcrew des Hochschulmagazins UNICUM gedreht wurde.


Download von "Catch up Heinz" hier

Eine Filmbesprechung:

Catch up, Heinz
Temporeicher Film Noir-Klassiker

BRD 2001; 3 Min.; R: Alan Smithee; Kamera & Schnitt: Oliver Baentsch; Animation: Marco Bokies, Joachim Seeger, Florian Klebs, Nina Schmulius; Art Direction: Christiane Drüll

Banküberfall, Explosionen, Schüsse, Flucht - gleich in den ersten Einstellungen des Films geht's zur Sache. Und auch danach bleibt das Tempo in "Catch up, Heinz" Atem beraubend: Bei der wilden Verfolgungsjagd quer durch die düsteren Ruinen der Stadt hat der Zuschauer keine Zeit zum Verschnaufen. Szenenfolgen in gewohnt rasanter MTV-Ästhetik, ohne die es heute anscheinend nicht mehr geht, fegen über die Leinwand hinweg.

"Catch up, Heinz" ist der erste Film Noir des neuen Jahrtausends. Hier hat keiner Freunde - jeder ist auf sich allein gestellt. Und auch die angedeutete Romanze des Cops wird in einer Katastrophe enden. Der Film bedient sich ungeniert in der Zitatenkiste der Filmgeschichte, aber mixt sie gekonnt zu einem furiosen Action-Potpourri. Unbedingt ansehen!


Legomania im Filmfoyer - Weitere Filme zum Download

Wer unser Weblog jetzt eine geraume Zeit verfolgt, der wird den Eindruck nicht los, als ob es in Österreich, insbesondere in Wien gewisse Affinitäten gibt.

Welche Pfadabhängigkeit begünstigt eine solche Clusterbildung?
Gibt es hierfür andere Erklärungen als die "osteuropäischen Banden"?

Kommentare erwünscht.

Vienna Online (16.11. 2004) weiß zu berichten:

"Wien hält Banküberfall-Rekord
Bis Oktober wurden in Österreich um ein Viertel mehr Banken überfallen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres - Wien ist Spitzenreiter bei Banküberfällen.

Gerade in den Monaten vor Weihnachten steigt die Zahl der Banküberfälle stark an, wie ORF on berichtet. Mit einer Aktion scharf in ganz Österreich und speziell in Wien solle Bankräubern aber heuer das Leben schwer gemacht werden, sagte der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Herwig Haidinger. Ein dichtes Überwachungsnetz soll den Räubern das Leben schwermachen.


Als Ursache werden vor allem Banden osteuropäische Nachbarstaaten erwähnt.

"Den Banken kommt dabei zu Gute, dass das BKA die Überfallsdaten der vergangenen 30 Jahre analysiert hat und daher sahen kann, welche Tage, Zeiten und Bankfilialen von den Tätern bevorzugt werden."

Das wissen die alles schon seit den 70er Jahren und es hat auch nichts geholfen.

Die Presse (16.11.2004) verweist auf die spezifischen Eigenarten der Vorweihnachtszeit:

Ein Viertel mehr Banküberfälle
Gerade in der Vorweihnachtszeit steigt die Zahl der Banküberfälle stark. Mit einer Aktion scharf soll den Räubern das Leben schwer gemacht werden.


Die Zahlen sind hier konkreter:
"Die "umsatzstarke" Vorweihnachtszeit der Bankräuber steht noch bevor, trotzdem wurden heuer bereits 102 Geldinstitute ausgeraubt. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr wurden 106 Banküberfälle verzeichnet. Von Jahresbeginn 2004 bis Oktober wurden fast um ein Viertel mehr Banken ausgeraubt als im Vergleichszeitraum 2003.

Die meisten Überfälle - mehr als die Hälfte aller Banküberfälle - wurden in Wien verübt. 2003 wurden österreichweit knapp 50 Prozent der Delikte geklärt. Heuer liegt die Erfolgsquote bei nur mehr 42 Prozent. "


Der Standard (16.11. 2004) will es wieder veranschaulichen und begeht jene journalistische Sünde, die Pseudo-Anschaulichkeit verspricht, aber eine doch verzerrte Wahrnehmung produzieren hilft, weil das nicht - auf das jeweilige persönliche Umfeld bezogen nicht berücksichtigt, wo und unter welchen Umständen, etc.:

"Fast jeden zweiten Arbeitstag ein Banküberfall
Jetzt gemeinsame Strategie von Bundeskriminalamt und Banken
In Österreich wird grob gerechnet schon an jedem zweiten Arbeitstag eine Bank überfallen."


Gegenmaßnahmen (Die Presse):

"Nun will das Bundeskriminalamt gemeinsam mit den Banken dieser negativen Tendenz entgegensteuern. Noch in diesem Jahr soll das Überwachungsnetz enger geknüpft werden, vor und in Banken soll es eine "unsichtbare" Polizei geben, sagte der Chef des Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, im Ö1-"Mittagsjournal". Außerdem werden die Streifen zu unregelmäßigen Zeiten verschärft.

Weiters sollen die vorhandenen Sicherheitsroutinen in den Banken perfektioniert werden, also dass Überwachungskameras funktionieren oder Alarmpakete bereitstehen. In Punkto Videoüberwachung wurde der technische Standard angehoben, die Gesichter können nun besser erkannt werden. Auch weitere technische Maßnahmen werden von den Banken überlegt."


Der Standard (s.o.):
"Details, wie man den Räubern zu Leibe rückt, werden vom BK naturgemäß nicht genannt - schließlich will man potenziellen Tätern keine Verhaltenstipps geben. Behörden-Sprecher Gerald Hesztera verwies im Gespräch mit der APA lediglich auf Schulungsmaßnahmen auf der Basis von Analysen des BK. Dort haben Fachleute sich angesichts der unerfreulichen Lage nämlich die Mühe gemacht, Banküberfälle der vergangenen 30 bis 35 Jahre zu untersuchen. Dabei stellten sie bestimmte Regelmäßigkeiten fest, unter anderem wann Bankräuber wo tätig zu werden pflegen."

Na klar, könnte man sagen, die Anzahl der Alten nimmt auch immer mehr zu. Inzwischen wird auch ein Bezug zu ihrer sozialen Lage hergestellt. So etwa in der Süddeutschen Zeitung (15.11.2004):

"Knast für alte Gauner

Sie begehen Ladendiebstähle, überfallen Banken oder fahren schwarz: Straftäter der Klasse Ü60. In Niedersachsen könnte für solche Fälle bald die passende Unterkunft entstehen. Dort prüft man den Bau eines Senioren-Gefängnisses.
(...)
Mit der Bevölkerung im Allgemeinen werden auch die Kriminellen im Besonderen immer älter. Viele Senioren, die bis ins Alter ein unbescholtenes Leben führten, bessern sich das allzu karge Altersgeld mit Gaunereien auf. Vor allem Ladendiebstähle und Schwarzfahren sind beliebte Delikte in der Klasse Ü60.

Eher selten ist eine filmreife Renter-Gang, wie sie der Polizei vergangene Woche ins Netz ging. Die drei Männer im Alter von 63, 72 und 74 Jahren erbeutete bei insgesamt sechs Banküberfällen in Nordrhein-Westfalen 400.000 Euro - mit Pistolen, Handgranaten und Vorschlaghammer. Über Alterskriminalität sind nur wenige Zahlen bekannt.

Das Statistische Bundesamt meldet seit Mitte der neunziger Jahre einen Anstieg der Kriminalität bei den über 60-Jährigen um 28 Prozent. Das Land Sachsen weist allein 2003 über 8000 ältere Herrschaften unter Tatverdacht aus.

Was noch kommen könnte, zeigt ein Blick nach Japan. Vergangenes Jahr wurden dort 30.000 mindestens 65 Jahre alte Straftäter festgenommen, und die Zahl der polizeiauffälligen Pensionäre stieg in den vergangenen zehn Jahren um 320 Prozent.

Forscher der Universität Fukushima haben herausgefunden, dass für viele ältere Menschen das geregelte Leben im Knast einfacher und sicherer ist als in Freiheit. Logische Konsequenz: eine späte Karriere auf der schiefen Bahn und das erste Altersgefängnis des Landes in Onichimi.

So weit ist es in Niedersachsen noch nicht, bis Ostern 2005 sollen das Vorhaben und mögliche Standorte geprüft werden. Für die Bankräuberin aus Düsseldorf käme die Verlockung einer seniorengerechten Zelle wohl ohnehin zu spät."

Die Online-Ausgabe der Kronenzeitung (15.11.2004) meldet Bankraub Nr. 56 für Wien:

Bankräuber zünden ihr Fluchtauto an
Am Montag kam es im dritten Wiener Gemeindebezirk zum 56. Banküberfall in der Bundeshauptstadt im heurigen Jahr. Diesmal wurde eine Filiale der BA-CA am Rennweg überfallen. Während des Bankraubs wollte eine Oma, die anscheinend nichts von dem Überfall mitbekommen hat, Geld an der Kasse beheben (siehe Bild). Die Täter sind flüchtig, die Polizei fand lediglich das in Flammen stehende Fluchtfahrzeug.


Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht eine etwas wahrnehmungsbeeinträchtigte Frau ("Oma"), die von all dem alles nichts mitbekommen haben soll.

Zwischenzeitlich ist der Kronenzeitung offensichtlich das Zählen vergangen. Wir haben noch einen Bericht in der Sonntagskrone (7.11. 2004) über nicht laufende Videokameras in einem Geldinstitut in Wien-Hernals ("Pistolenmänner bei Raub nicht gefilmt")

Etwas informativer ist dieses Mal der Standard, der die APA-Meldung bringt:

Bankräuber verwischen Spuren: Fluchtwagen angezündet

Trio raubte Bank in Wien-Landstraße aus - Täter mit Hut und falschen Bärten getarnt

Wien - Wenig Spuren wollten drei Bankräuber am Montagvormittag in Wien-Landstraße hinterlassen: Nach ihrem Coup in einer Bank Austria/CA-Filiale am Rennweg 33a zündeten sie wenige Gassen weiter ihr gestohlenes Fluchtauto an und rannten zu Fuß weiter. Bei dem Banküberfall wurde laut Ermittlern der Kriminaldirektion 1 niemand verletzt.

Um 10.49 Uhr stürmten zwei mit Hut und falschen Oberlippen- sowie Kinnbärten getarnte Männer in das Geldinstitut. Der eine bedrohte Kunden und Angestellte mit einer Faustfeuerwaffe, während sein Komplize sich bei der Kassa selbst bediente und einen nach ersten Aussagen nicht außergewöhnlich hohen Betrag erbeutete. Dann verließen die beiden die Bank, der Bewaffnete ließ seine - vermutlich unechte - Pistole zurück.

Audi A6 verbrannt

Vor der Filiale wartete ein dritter Mann in einem silbergrauen Audi A6 auf seine Kumpanen. Gemeinsam fuhren sie bis in die Gerlgasse 17. Dort sprangen sie aus dem Wagen und zündeten ihn an. Dann verschwanden die Räuber spurlos.

Wann das Auto gestohlen wurde, konnten die Ermittler zunächst nicht genau sagen. Der Besitzer, ein 75-jähriger Universitätsmitarbeiter, wusste bisher nichts von dem Abhandenkommen seines Pkw. Die beiden Räuber in der Bank wurden als 40 bis 45 Jahre alt und eher kräftig beschrieben. Bekleidet waren sie unter anderem mit einem hellbraunen bzw. einem beigen Parka.(APA)

So jetzt gibt es ein paar portugiesische Links zum Tunnelcoup von Sao Paulo (Anfang Oktober)

Grupo invade empresa em SP, faz 70 reféns e rouba R$ 6 milhões (Persis Telekom, 12.10.2004)

Ein Bericht von der Polizeigewerkschaft:(Mural SINPEF-RS
SICREDIPOL FINANCIA COMPRA DE ARMAS PARA POLICIAIS FEDERAIS)
GRUPO CAVA TÚNEL DE 110 METROS E ROUBA R$4,7 MI

Hier die ersten Verdächtigen

Montag, 15.11.2004 , 17-18 Uhr

Karl Painer, ehemaliger Bankräuber und Autor eines enzyklopädischen Werkes in Sachen Bankraub in Österreich wird uns heute abend auf Pro 7 "taff" erscheinen. Nach Themen wie "GQ Men of the year", "Bauer Rolf sucht eine Frau" oder "Promigeheimnissen" wird sich heute nachmittag dem Thema Bankraub gewidmet:

"UDF-System Cheftrainer Painer Karl analysiert einen Bankraub mit Kalaschnikow welcher vor wenigen Tagen in München durchgeführt wurde. Die Redaktion befragt auch über die Möglichkeiten der Bankmitarbeiter Weiterbildung zum Thema Sicherheit und spricht über die angebotenen Kurse von UDF-System.

So auch die Stuttgarter Nachrichten (9.11. 2004) . Zur Erinnerung, drei angeblich schon seit den 60er Jahren aktive und inzwischen in die Jahre gekommene Bankräuber wurden jüngst auf frischer Tat ertappt (vgl. die erste Meldung ber ihren nachhaltigen Gelderwerb in diesem Blog):

"Wenn jemand im Kassenraum eine Pistole demonstrativ durchlädt, braucht der nicht mehr viel zu sagen", beschrieb Biermann das Vorgehen der Bande. Trotz der langjährigen Bankraub-Serie habe es lange gedauert, bis die Polizei auch Täter über 60 Jahren ins Auge gefasst habe, sagte Biermann. Die mehrfach vorbestraften Männer sind nach Polizeiangaben seit mehr als 30 Jahren "im Geschäft".

Neben den sechs Überfällen, die der Älteste des Trios bereits zugegeben habe, rechnen die Ermittler der Rentner-Bande noch zehn weitere Banküberfälle hinzu. Dann würde sich die Summe der Beute, von der ein sechsstelliger Bargeldbetrag sichergestellt wurde, auf 1,3, Millionen Euro erhöhen. "Das ist aber noch nicht bewiesen", sagte Biermann.


Das beeindruckt natürlich auch die Wiener Kronen-Zeitung
Das unscharfe dpa.photo mit den angeblichen Opas, das die Stuttgarter Nachrichten etwas kleiner anbietet, wird bei denen auch noch aufgeblasen präsentiert.

BILD-T-Online spricht von der "Panzerknacker-AG" (wohl so eine Steigerungsform der Ich-AG) und zeigt sich angesichts der angenommenen Beute (1,3 Millonen EUR) ob des bescheidenden Lebenswandels fast gerührt:

"Die kriminelle Karriere der „Panzerknacker AG“ begann vor mindestens 40 Jahren, die Täter saßen 7 bis 16 Jahre lang im Gefängnis. Seit 16 Jahren ging das Trio gemeinsam auf Tour. Die Polizei glaubt, daß die Opas mindestens 15 Überfälle begangen und rund 1,3 Mio. Euro Beute gemacht haben.

Ein Polizei-Sprecher: „Trotzdem lebten sie bescheiden. Die Rentner haben das Geld wohl als Altersvorsorge zurückgelegt...“ "


Von "Rentnerbande", "Seniorenräuber", "Opabande", "Kriminellen Greisen" und auch "Altersvorsorge" usw. ist die Rede.

 

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