Der dritte Teil der ARD-Reenactment-Reihe zum Thema Banküberfall behandelt wieder mal einen spektakulären Fall, nämlich den der sogenannten "Tunnelgangster" von Zehlendorf. Der Film von Gunther Scholz wird am Montag, 9. Juli, 21.00 Uhr in der ARD gesendet.
Die ARD-Pressemappe besagt:
27. Juni 1995. Ein schöner Sommertag. Berlin ist im Christo-Fieber,
der verhüllte Reichstag absoluter Publikumsmagnet. Um 10.20 Uhr
betreten vier schwerbewaffnete Männer eine Commerzbank-
Filiale in Berlin-Zehlendorf und nehmen 16 Geiseln. Die Polizei
umstellt das Gebäude und übergibt 5,6 Millionen Mark Lösegeld.
Zunächst, im unmittelbaren Tatverlauf, spricht alles für einen
Überfall mit Geiselnahme. Alle Anstrengungen der Polizei richten
sich auf die Befreiung der Geiseln. Das neue Ultimatum läuft um 3
Uhr nachts ab, doch plötzlich sind die Geiseln allein. Um 4 Uhr
stürmt die Polizei das Gebäude und findet die Geiseln unverletzt
vor – die Täter sind weg, geflüchtet durch einen
selbstgegrabenen Tunnel. Eine Pointe, die selbst den erfahrenen
SOKO-Leiter aus der Fassung bringt: „Das ist ja irre!“
Ganz Deutschland spricht über den sensationellen Coup. Man
glaubt es mit „Superhirnen“ zu tun zu haben. Die Geiselgangster –
vier Syrer, ein Libanese und ein Deutscher - begannen schon im
März 1994 mit den Arbeiten an ihrem Fluchttunnel. Als die Täter
durch die Tür der Bank kommen, durchbrechen gleichzeitig zwei
weitere Täter von dem Tunnel aus die Kellerdecke der Bank. Mehr
als 200 Schließfächer werden aufgebrochen, zusätzlich zum
Lösegeld schätzungsweise vier Millionen Mark an Bargeld und
Schmuck erbeutet.
Doch die Freude der Gangster währt nicht lange. Keine zwei
Wochen nach dem Überfall wird der erste festgenommen: der
38-jähriger syrische Autolackierer Moutaz Al Barazi, bekannt
geworden als „Tunnel-Toni“, neben dessen Werkstatt eine
Garage stand, von der aus die Bande den Tunnel grub. Die
Geiseln melden sich zu Wort und berichten über Misshandlungen
während der Geiselnahme. Eine SOKO von bis zu 60 Mann sucht
fieberhaft die Komplizen al Barazis, eine weggeworfene Kippe
wird zur entscheidenden Spur. Am 20. Juli - einen Tag, bevor sich
drei der Tunnelgangster ins Ausland absetzen wollen - schnappen
die Handschellen zu. Bei einem findet die Polizei den Overall, den
er in der Bank getragen hatte. Nach stundenlangen Verhören
gesteht einer Gangster.
Moutaz’ Halbbruder Khaled, der Chef der Bande, wird später zu
dreizehn Jahren Haft verurteilt, seine vier Kumpane erhalten
geringere Strafen. Ein Teil der Beute bleibt bis heute
verschwunden.
Kassierer Vogt feiert jedes Jahr den Tag des Banküberfalls wie
einen Geburtstag, aber er arbeitet heute in einer anderen
Commerzbank-Filiale. In dieser nahm er 2006 eine
Bombendrohung entgegen.
Einen ausführlichen Bericht über den Prozeßverlauf können wir bei der Berliner Morgenpost (26.06.2005) und auch bei der taz nachlesen
Die ARD-Pressemappe besagt:
27. Juni 1995. Ein schöner Sommertag. Berlin ist im Christo-Fieber,
der verhüllte Reichstag absoluter Publikumsmagnet. Um 10.20 Uhr
betreten vier schwerbewaffnete Männer eine Commerzbank-
Filiale in Berlin-Zehlendorf und nehmen 16 Geiseln. Die Polizei
umstellt das Gebäude und übergibt 5,6 Millionen Mark Lösegeld.
Zunächst, im unmittelbaren Tatverlauf, spricht alles für einen
Überfall mit Geiselnahme. Alle Anstrengungen der Polizei richten
sich auf die Befreiung der Geiseln. Das neue Ultimatum läuft um 3
Uhr nachts ab, doch plötzlich sind die Geiseln allein. Um 4 Uhr
stürmt die Polizei das Gebäude und findet die Geiseln unverletzt
vor – die Täter sind weg, geflüchtet durch einen
selbstgegrabenen Tunnel. Eine Pointe, die selbst den erfahrenen
SOKO-Leiter aus der Fassung bringt: „Das ist ja irre!“
Ganz Deutschland spricht über den sensationellen Coup. Man
glaubt es mit „Superhirnen“ zu tun zu haben. Die Geiselgangster –
vier Syrer, ein Libanese und ein Deutscher - begannen schon im
März 1994 mit den Arbeiten an ihrem Fluchttunnel. Als die Täter
durch die Tür der Bank kommen, durchbrechen gleichzeitig zwei
weitere Täter von dem Tunnel aus die Kellerdecke der Bank. Mehr
als 200 Schließfächer werden aufgebrochen, zusätzlich zum
Lösegeld schätzungsweise vier Millionen Mark an Bargeld und
Schmuck erbeutet.
Doch die Freude der Gangster währt nicht lange. Keine zwei
Wochen nach dem Überfall wird der erste festgenommen: der
38-jähriger syrische Autolackierer Moutaz Al Barazi, bekannt
geworden als „Tunnel-Toni“, neben dessen Werkstatt eine
Garage stand, von der aus die Bande den Tunnel grub. Die
Geiseln melden sich zu Wort und berichten über Misshandlungen
während der Geiselnahme. Eine SOKO von bis zu 60 Mann sucht
fieberhaft die Komplizen al Barazis, eine weggeworfene Kippe
wird zur entscheidenden Spur. Am 20. Juli - einen Tag, bevor sich
drei der Tunnelgangster ins Ausland absetzen wollen - schnappen
die Handschellen zu. Bei einem findet die Polizei den Overall, den
er in der Bank getragen hatte. Nach stundenlangen Verhören
gesteht einer Gangster.
Moutaz’ Halbbruder Khaled, der Chef der Bande, wird später zu
dreizehn Jahren Haft verurteilt, seine vier Kumpane erhalten
geringere Strafen. Ein Teil der Beute bleibt bis heute
verschwunden.
Kassierer Vogt feiert jedes Jahr den Tag des Banküberfalls wie
einen Geburtstag, aber er arbeitet heute in einer anderen
Commerzbank-Filiale. In dieser nahm er 2006 eine
Bombendrohung entgegen.
Einen ausführlichen Bericht über den Prozeßverlauf können wir bei der Berliner Morgenpost (26.06.2005) und auch bei der taz nachlesen
vabanque - am Freitag, 6. Juli 2007, 23:22 - Rubrik: Bankraub in Film und Fernsehen
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Morgen, 21 Uhr, geht es weiter in der ARD-Re-Enactement-Dokureihe zum Thema Bankraub. Verschiedentlich gab es schon kritische Auseinandersetzungen (taz) mit der Serie (vgl. a. FAZ), aber es wird nichts helfen, wir erleben eben zum x-ten Mal eine weitere Mystifikation des Themas und die Kritik daran ist Teil des Problems. Morgen wird uns aber auch noch die Visage vom Chefredakteurs- und Journalisten-Darsteller Helmut Markwort von der Glotze belästigen. Es geht um die Münchner Geiselnahme von 1971. Als Lektüre-Tip möchte ich dann doch den Beitrag von Markus Mohr in Vabanque empfehlen. Der weiss auch formal die Dramatik des Ereignisses einzufangen.
Zu Dimitri Todorov, einem der Hauptbeteiligten gibt es in diesem Blog eine Menge Informationen. Am besten mal hier starten. Ein Interview lässt sich hier herunterladen.
Aus der ARD-Pressemappen zu dieser Folge:
"Geld her - Der Todesschuss von München
Ein Film von Tom Ockers
Sendetermin: Montag, 25. Juni, 21.00 Uhr, Das Erste
Am 4. August 1971 ist die Prinzregentenstraße in München
Schauplatz eines Banküberfalls, der in einer noch nie da
gewesenen Eskalation enden wird. Zwei Täter haben an jenem
Morgen eine Filiale der Deutschen Bank überfallen. Doch statt mit
Geld zu flüchten, nehmen sie 18 Personen als Geiseln. Das ist das
erste Mal, dass in Deutschland bei einem Bankraub Menschen mit
Gewalt festgehalten werden. Die Polizei ist völlig unvorbereitet, es
gibt kein Konzept für diesen Fall. Zudem sind die Kriminalbeamten
angesichts der neuen Gefahr des Linksterrorismus extrem nervös.
Der Tag wird in einer Katastrophe enden und eine Kontroverse
um das Vorgehen der Polizei auslösen.
Die beiden Täter, der 31-jährige Georg Rammelmayr und der 24-
jährige gebürtige Grazer Dimitri Todorov, halten sich für Profis.
Todorov ist bereits mit 17 auf die schiefe Bahn geraten; er ist
schwul und versucht durch Kriminalität den harten Mann zu
mimen. Das Vorbild ist ein Bankraub in Toulouse, bei dem die
Bankräuber Geiseln nahmen und daraufhin freies Geleit durch
die Polizei erhielten.
Die Münchner, die zufällig in der Prinzregentenstraße
vorbeikommen, scheinen gar nicht so recht zu kapieren, was da
eigentlich vorgeht. Sie bleiben in Scharen stehen, schauen zu, es
herrscht Partystimmung. Gegenüber der Bank im Restaurant Käfer
drücken sich Menschen die Nasen an den Scheiben platt, unter
den Zuschauern befindet sich auch CSU-Chef Franz Josef Strauß.
Eine der Geiseln erinnert sich, wie sie nach ihrer Freilassung in die
Einsatzzentrale gebracht wird und Strauß sagen hört „... ich geh
heim und hol mir meinen Revolver und die knall ich nieder.“
Stunden um Stunden dauert das Tauziehen zwischen Polizei und
Geiselnehmern. Staatsanwalt Erich Sechser beordert „gute
Jäger“ aus den Reihen der Polizei in eine Kiesgrube und lässt sie
üben, bevor sie als vermeintliche „Präzisionsschützen“ am Tatort
Stellung beziehen.
Eine scheinbar herzkranke Frau lassen sie frei. Als kurz vor
Mitternacht das geforderte Fluchtauto bereit steht, wagt sich
Rammelmayr mit der 20-jährigen Angestellten Ingrid Reppel als
Geisel vor die Bank. Die Wochenschaukameras halten fest, wie in
Rammelmayr stirbt noch vor Ort, die Geisel in der Nacht im
Krankenhaus. Die Polizei, sie wartet rund 10 Minuten, bis sie die
Bank stürmt.
Todorov wird überwältigt. Die Einsatzkräfte schlagen auch eine
Geisel nieder, die bei der Stürmung die Polizei wüst beschimpft,
getreten und geschlagen hatte, und verletzen sie schwer.
Der Schießbefehl entfacht heftige Diskussionen in der
Öffentlichkeit. Ist Geld es wert, ein Menschenleben in Gefahr zu
bringen oder zu töten? Die Polizei verteidigt den Todesschuss:
Rammelmayr und Todorov wären zu allem fähig gewesen. Der
Fall ändert die Stimmung in der Öffentlichkeit.
Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei werden gegründet.
Todorov wird ein Jahr später in einem Aufsehen erregenden
Prozess wegen räuberischer Geiselnahme und fünffachem
Mordversuch zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe plus 15
Jahre verhaftet. 1994, nach 22 Jahren kommt er frei."
Zu Dimitri Todorov, einem der Hauptbeteiligten gibt es in diesem Blog eine Menge Informationen. Am besten mal hier starten. Ein Interview lässt sich hier herunterladen.
Aus der ARD-Pressemappen zu dieser Folge:
"Geld her - Der Todesschuss von München
Ein Film von Tom Ockers
Sendetermin: Montag, 25. Juni, 21.00 Uhr, Das Erste
Am 4. August 1971 ist die Prinzregentenstraße in München
Schauplatz eines Banküberfalls, der in einer noch nie da
gewesenen Eskalation enden wird. Zwei Täter haben an jenem
Morgen eine Filiale der Deutschen Bank überfallen. Doch statt mit
Geld zu flüchten, nehmen sie 18 Personen als Geiseln. Das ist das
erste Mal, dass in Deutschland bei einem Bankraub Menschen mit
Gewalt festgehalten werden. Die Polizei ist völlig unvorbereitet, es
gibt kein Konzept für diesen Fall. Zudem sind die Kriminalbeamten
angesichts der neuen Gefahr des Linksterrorismus extrem nervös.
Der Tag wird in einer Katastrophe enden und eine Kontroverse
um das Vorgehen der Polizei auslösen.
Die beiden Täter, der 31-jährige Georg Rammelmayr und der 24-
jährige gebürtige Grazer Dimitri Todorov, halten sich für Profis.
Todorov ist bereits mit 17 auf die schiefe Bahn geraten; er ist
schwul und versucht durch Kriminalität den harten Mann zu
mimen. Das Vorbild ist ein Bankraub in Toulouse, bei dem die
Bankräuber Geiseln nahmen und daraufhin freies Geleit durch
die Polizei erhielten.
Die Münchner, die zufällig in der Prinzregentenstraße
vorbeikommen, scheinen gar nicht so recht zu kapieren, was da
eigentlich vorgeht. Sie bleiben in Scharen stehen, schauen zu, es
herrscht Partystimmung. Gegenüber der Bank im Restaurant Käfer
drücken sich Menschen die Nasen an den Scheiben platt, unter
den Zuschauern befindet sich auch CSU-Chef Franz Josef Strauß.
Eine der Geiseln erinnert sich, wie sie nach ihrer Freilassung in die
Einsatzzentrale gebracht wird und Strauß sagen hört „... ich geh
heim und hol mir meinen Revolver und die knall ich nieder.“
Stunden um Stunden dauert das Tauziehen zwischen Polizei und
Geiselnehmern. Staatsanwalt Erich Sechser beordert „gute
Jäger“ aus den Reihen der Polizei in eine Kiesgrube und lässt sie
üben, bevor sie als vermeintliche „Präzisionsschützen“ am Tatort
Stellung beziehen.
Eine scheinbar herzkranke Frau lassen sie frei. Als kurz vor
Mitternacht das geforderte Fluchtauto bereit steht, wagt sich
Rammelmayr mit der 20-jährigen Angestellten Ingrid Reppel als
Geisel vor die Bank. Die Wochenschaukameras halten fest, wie in
Rammelmayr stirbt noch vor Ort, die Geisel in der Nacht im
Krankenhaus. Die Polizei, sie wartet rund 10 Minuten, bis sie die
Bank stürmt.
Todorov wird überwältigt. Die Einsatzkräfte schlagen auch eine
Geisel nieder, die bei der Stürmung die Polizei wüst beschimpft,
getreten und geschlagen hatte, und verletzen sie schwer.
Der Schießbefehl entfacht heftige Diskussionen in der
Öffentlichkeit. Ist Geld es wert, ein Menschenleben in Gefahr zu
bringen oder zu töten? Die Polizei verteidigt den Todesschuss:
Rammelmayr und Todorov wären zu allem fähig gewesen. Der
Fall ändert die Stimmung in der Öffentlichkeit.
Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei werden gegründet.
Todorov wird ein Jahr später in einem Aufsehen erregenden
Prozess wegen räuberischer Geiselnahme und fünffachem
Mordversuch zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe plus 15
Jahre verhaftet. 1994, nach 22 Jahren kommt er frei."
vabanque - am Sonntag, 24. Juni 2007, 21:38 - Rubrik: Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
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"Die Gefahr" mit dem Stück Bankraub vom Schwarz-Weiss-Album. Irgendwie klingts' doch ziemlich nach den Ärzten:
vabanque - am Freitag, 22. Juni 2007, 00:34 - Rubrik: Populaere Kultur Musik
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In der Schweiz wurde die Buchpreisbindung abgeschafft. In der taz (20.6. 2007) zeigt sich Ilija Trojanow entsetzt, mit welcher Zustimmung die Schweizer Medien der Abschaffung der Buchpreisbindung zugestimmt haben:
"Nicht nur sind die Folgen katastrophal, sie greifen auch schneller um sich als die Pest im Mittelalter: Die Zahl der Buchhandlungen nimmt rapide ab, die Zahl der Neuerscheinungen verringert sich, die Bücher werden überwiegend teurer (in den USA etwa innerhalb von nur fünf Jahren um 62 Prozent), der Zwischenbuchhandel stirbt ab und somit die Möglichkeit, Bücher zuversichtlich und schnell zu bestellen, und die großen Filialisten wachsen ins Unermessliche, bis der Markt von einigen wenigen Ketten völlig dominiert wird. Diese Entwicklung ist allgemein bekannt und hinlänglich dokumentiert - wieso also wird die Frage der Buchpreisbindung immer wieder problematisiert, seitens der EU, seitens unserer deutschsprachigen Nachbarn und sogar von einigen Eiferern bei uns? Die Antwort ist deprimierend einfach: Einerseits ist der Glaube an den freien Markt ein Dogma, andererseits bringt seine Umsetzung für einige wenige viel Reichtum - es wirkt sich in etwa so aus, als würde in Ausnahmen Bankraub legalisiert werden."
"Nicht nur sind die Folgen katastrophal, sie greifen auch schneller um sich als die Pest im Mittelalter: Die Zahl der Buchhandlungen nimmt rapide ab, die Zahl der Neuerscheinungen verringert sich, die Bücher werden überwiegend teurer (in den USA etwa innerhalb von nur fünf Jahren um 62 Prozent), der Zwischenbuchhandel stirbt ab und somit die Möglichkeit, Bücher zuversichtlich und schnell zu bestellen, und die großen Filialisten wachsen ins Unermessliche, bis der Markt von einigen wenigen Ketten völlig dominiert wird. Diese Entwicklung ist allgemein bekannt und hinlänglich dokumentiert - wieso also wird die Frage der Buchpreisbindung immer wieder problematisiert, seitens der EU, seitens unserer deutschsprachigen Nachbarn und sogar von einigen Eiferern bei uns? Die Antwort ist deprimierend einfach: Einerseits ist der Glaube an den freien Markt ein Dogma, andererseits bringt seine Umsetzung für einige wenige viel Reichtum - es wirkt sich in etwa so aus, als würde in Ausnahmen Bankraub legalisiert werden."
contributor - am Donnerstag, 21. Juni 2007, 08:24 - Rubrik: Lotto und Bankraubphantasien
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Silke Burmester kritisiert in der taz-nord (21.6. 2007) die vierteilige Dokureihe "Geld her!" Der springende Punkt, sie erzähle von Banküberfällen und ignoriere die RAF.
Nein, die RAF benutzte bei ihren Banküberfällen nicht Autos von BMW, weil dies die Abkürzung für "Baader-Meinhof-Wagen" ist, sondern weil BMWs im Deutschland der 70er- und 80er-Jahre schnelle, sportliche Fahrzeuge waren, von denen es so viele gab, dass das einzelne Auto nicht auffiel. Doch davon, eine Bank zu überfallen, um mit dem erbeuteten Geld den Kampf für eine andere Gesellschaft zu finanzieren, erzählt die vierteilige Reihe "Geld her!" leider nicht - und das, obwohl die im Ersten ausgestrahlte NDR-Produktion die Banküberfälle als Sinnbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft verstanden wissen will.
Die Reihe beginnt Mitte der 60er-Jahre, als "Die Banklady" den braven Bürger um seine Adenauersche Nachkriegsruhe brachte. Gisela Werler, eine unscheinbare Tapetenpackerin Anfang 30, wurde von der medialen Männerwelt zum sexuellen Überweib stilisiert. In Zeichnungen zeigte die Boulevardpresse sie als Sexbiene, die "Männer in Wallung brachte".
Dass Gisela Werler sich nur mit blonder Perücke, Sonnenbrille und Kopftuch, schicken Schuhen und knielangem Mantel traute, die Femme fatale herauszulassen, arbeitet der Autor gut heraus. Manfred Uhlig lässt Szenen nachspielen, interviewt ihren Überfallpartner und späteren Mann Peter Werler und zeigt Originalaufnahmen aus der Zeit. Doch Uhlig versäumt es, ein Sittenbild dieses Deutschlands zu zeichnen. Den Zuschauer in die Zeit und Enge von 1965 zu führen, als es Frauen gerade mal seit sieben Jahre gestattet war, ohne Einverständnis des Ehemannes ein Konto zu führen und die späteren 68er noch nicht mal wussten, dass sie bald die Gesellschaft verändern würden.
Die gesellschaftliche Relevanz darzulegen, gelingt dem Autor der zweiten Folge besser. Tom Ockers schildert in "Der Todesschuss von München", wie die Geschehnisse um den 4. August 1981 die Republik verändern mussten. Dem ersten Banküberfall mit Geiselnahme stand die Polizei so hilflos gegenüber, dass die Bildung von Spezialeinheiten wie der GSG 9 einer Zwangsläufigkeit gleichkam. 500 Schaulustige sammelten sich am Tatort, feuerten die Polizisten an, die nicht mal über Funkgeräte verfügten. Weil es keine Scharfschützen gab, wurden zwei Beamte zu Schießübungen in die Kiesgrube geschickt.
Interessant ist vor allem einer der beiden damaligen Täter. Dimitri Todorov erzählt locker und distanziert von seiner Tat, als hätte er mit der Frage nach seiner Verantwortung abgeschlossen. Als sei er nicht mitschuldig an den Traumata der Opfer, den beiden Toten. Spannend die Haltung, die Todorov auf die Frage nach dem vermuteten dritten Mann zeigt: "Es ist mir zuwider, jemanden ins Gefängnis zu bringen", sagt er und geht in seine innere Ruheposition zurück. Ihn im Gespräch mit einem Psychologen zu sehen, wäre ein weiteres spannendes Fernsehstück.
Auch die Wahl für Folge drei und vier, "Der Coup von Zehlendorf" und "Die Irrfahrt der Geiselgangster", kann das Vorhaben, Überfälle von großer gesellschaftlicher Relevanz zu zeigen, nicht wirklich einlösen.
Wohl aber eine gute Wahl haben Deutschlands erste Bank-Geiselnehmer getroffen: Sie verlangten als Fluchtwagen einen BMW.
Die Serie startet am Montag mit dem Film "Die Banklady", 21.00 Uhr auf ARD.
Nein, die RAF benutzte bei ihren Banküberfällen nicht Autos von BMW, weil dies die Abkürzung für "Baader-Meinhof-Wagen" ist, sondern weil BMWs im Deutschland der 70er- und 80er-Jahre schnelle, sportliche Fahrzeuge waren, von denen es so viele gab, dass das einzelne Auto nicht auffiel. Doch davon, eine Bank zu überfallen, um mit dem erbeuteten Geld den Kampf für eine andere Gesellschaft zu finanzieren, erzählt die vierteilige Reihe "Geld her!" leider nicht - und das, obwohl die im Ersten ausgestrahlte NDR-Produktion die Banküberfälle als Sinnbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft verstanden wissen will.
Die Reihe beginnt Mitte der 60er-Jahre, als "Die Banklady" den braven Bürger um seine Adenauersche Nachkriegsruhe brachte. Gisela Werler, eine unscheinbare Tapetenpackerin Anfang 30, wurde von der medialen Männerwelt zum sexuellen Überweib stilisiert. In Zeichnungen zeigte die Boulevardpresse sie als Sexbiene, die "Männer in Wallung brachte".
Dass Gisela Werler sich nur mit blonder Perücke, Sonnenbrille und Kopftuch, schicken Schuhen und knielangem Mantel traute, die Femme fatale herauszulassen, arbeitet der Autor gut heraus. Manfred Uhlig lässt Szenen nachspielen, interviewt ihren Überfallpartner und späteren Mann Peter Werler und zeigt Originalaufnahmen aus der Zeit. Doch Uhlig versäumt es, ein Sittenbild dieses Deutschlands zu zeichnen. Den Zuschauer in die Zeit und Enge von 1965 zu führen, als es Frauen gerade mal seit sieben Jahre gestattet war, ohne Einverständnis des Ehemannes ein Konto zu führen und die späteren 68er noch nicht mal wussten, dass sie bald die Gesellschaft verändern würden.
Die gesellschaftliche Relevanz darzulegen, gelingt dem Autor der zweiten Folge besser. Tom Ockers schildert in "Der Todesschuss von München", wie die Geschehnisse um den 4. August 1981 die Republik verändern mussten. Dem ersten Banküberfall mit Geiselnahme stand die Polizei so hilflos gegenüber, dass die Bildung von Spezialeinheiten wie der GSG 9 einer Zwangsläufigkeit gleichkam. 500 Schaulustige sammelten sich am Tatort, feuerten die Polizisten an, die nicht mal über Funkgeräte verfügten. Weil es keine Scharfschützen gab, wurden zwei Beamte zu Schießübungen in die Kiesgrube geschickt.
Interessant ist vor allem einer der beiden damaligen Täter. Dimitri Todorov erzählt locker und distanziert von seiner Tat, als hätte er mit der Frage nach seiner Verantwortung abgeschlossen. Als sei er nicht mitschuldig an den Traumata der Opfer, den beiden Toten. Spannend die Haltung, die Todorov auf die Frage nach dem vermuteten dritten Mann zeigt: "Es ist mir zuwider, jemanden ins Gefängnis zu bringen", sagt er und geht in seine innere Ruheposition zurück. Ihn im Gespräch mit einem Psychologen zu sehen, wäre ein weiteres spannendes Fernsehstück.
Auch die Wahl für Folge drei und vier, "Der Coup von Zehlendorf" und "Die Irrfahrt der Geiselgangster", kann das Vorhaben, Überfälle von großer gesellschaftlicher Relevanz zu zeigen, nicht wirklich einlösen.
Wohl aber eine gute Wahl haben Deutschlands erste Bank-Geiselnehmer getroffen: Sie verlangten als Fluchtwagen einen BMW.
Die Serie startet am Montag mit dem Film "Die Banklady", 21.00 Uhr auf ARD.
vabanque - am Donnerstag, 21. Juni 2007, 00:38 - Rubrik: Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
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Irgendwie sind wir da mit als Vorschlag drauf gekommen. Keine Ahnung aber wie. Immerhin hat der Poll ein wenig Traffic produziert:
"A Fistful of Euros proudlly presents the Third Annual Satin Pajama Awards, celebrating the best of the European blogosphere. Thanks to Michael Manske and Clive Matthews for helping out."
Best Weblog from Germany
* Ahoi Polloi (62%)
* EUblog (7%)
* Gespraechsfetzen (6%)
* Where the money is … (5%)
* Indiskretion (5%)
* Netzpolitik.org (4%)
* Jump Cut (3%)
* Modeste (3%)
* Herdentrieb (2%)
* Wortfeld (2%
Total Votes: 213
Das sind immerhin 10 Stimmen für unsereins. Wenn man bedenkt, dass Netzpolitik.org nur 8 Stimmen erhalten hat ;-)
Aber ob das überhaupt etwas aussagt ....
"A Fistful of Euros proudlly presents the Third Annual Satin Pajama Awards, celebrating the best of the European blogosphere. Thanks to Michael Manske and Clive Matthews for helping out."
Best Weblog from Germany
* Ahoi Polloi (62%)
* EUblog (7%)
* Gespraechsfetzen (6%)
* Where the money is … (5%)
* Indiskretion (5%)
* Netzpolitik.org (4%)
* Jump Cut (3%)
* Modeste (3%)
* Herdentrieb (2%)
* Wortfeld (2%
Total Votes: 213
Das sind immerhin 10 Stimmen für unsereins. Wenn man bedenkt, dass Netzpolitik.org nur 8 Stimmen erhalten hat ;-)
Aber ob das überhaupt etwas aussagt ....
vabanque - am Donnerstag, 21. Juni 2007, 00:24 - Rubrik: Blog-Review
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Einer der wenigen selbst geschriebenen Artikel in den deutschen Tageszeitung zu der gestern angelaufen ARD-Bankraub-Renactment-Chose geht auf das Konto der Zeitung mit den klugen Köpfen:
Die Sendung über die Banklady sei verkitscht und harmlos gewesen. Und bei der Sendung zur Münchner Geiselnahme anno 1970 präsentiert sich der Chefredakteur der Abiturenten-BILD-Zeitung Focus auch noch als Opfer der Polizei. Querschläger und Querulanten gabs und gibt es immer wieder ...
Unter der Überschrift "Die ARD spielt Banküberfälle nach: „Geld her!“" schreibt Michael Hanfeld in der F.A.Z., 18.06.2007, Nr. 138 / Seite 38:
Es war Liebe. Und darunter leidet zumindest die erste Folge der Bankräuber-Serie „Geld her!”
18. Juni 2007
Der Titel ist zu flapsig und der Auftakt zu harmlos: Wenn es heute Abend in der ARD heißt „Geld her“ und die vierteilige Dokumentarreihe über „große Banküberfälle“ beginnt, erwartet die Zuschauer eine Geschichte über die „Banklady“ - Deutschlands erste Bankräuberin, die an Harmlosigkeit nicht zu übertreffen ist. Der Autor Manfred Uhlig erzählt vom Leben und Rauben der Gisela Werner: An neunzehn Banküberfällen war sie Mitte der sechziger Jahre beteiligt. Lange vor „Thelma und Louise“ griff sie ganz cool zum Revolver und spannte den Hahn. In ihrem anderen Leben galt die junge Frau, die als Packerin in einer Tapetenfabrik arbeitete, als fleißig, unauffällig und ein bisschen spröde. Von wegen.
Sie tat es aus Liebe, um einem Mann zu gefallen, der, wenn wir es richtig verstanden haben, dann auch seine Familie für sie verließ und sie heiratete - im Gefängnis, in dem sie neun und er dreizehn Jahre einsaß. Peter W. - so wird er in diesem Film genannt - erinnert sich scheinbar beschwingt an diese Zeit zurück, bereitwillig führt er vor, wie man einen VW Käfer knackt, die Frage, warum er bei seinem letzten Überfall auf vier Menschen schoss und diese verletzte, schiebt er locker beiseite. Die „Banklady“ indes ist vor drei Jahren im Alter von 69 Jahren gestorben.
Wie Markwort einmal in die Mündung blickte
So deplaziert verharmlosend, wie hier die Geschichte des Bankraubs beginnt, scheint sie im zweiten Teil der Reihe nicht mehr. Tom Ockers rekonstruiert in „Der Todesschuss aus München“ eine Geiselnahme aus dem August 1971, die einen Einschnitt in der deutschen Kriminalgeschichte darstellt: Zwei Bankräuber nahmen Geiseln, es endete mit einer wüsten Schießerei, bei der einer der Täter ums Leben kam, der kurz zuvor noch die junge Frau, die er ins Fluchtauto gezerrt hatte, mit fünf Schüssen mit in den Tod riss. Sein Kompagnon, der mehr als zwanzig Jahre im Gefängnis saß, gibt heute bereitwillig Auskunft, sobald aber die Frage auf seine Schuld kommt - er schoss auf die Polizisten und verfehlte einen nur um Millimeter - zieht er sich auf die Floskel zurück, keine Gewalt „außerhalb der Notwendigkeit“ angewendet zu haben.
Der „Focus“Chefredakteur Helmut Markwort wiederum erinnert sich daran, wie er damals als junger Lokalreporter auf einen Polizisten zulief, der wie die anderen wild um sich schoss, ihn bat, das zu lassen, damit keine Geiseln getötet wurden und - plötzlich selbst in den Lauf einer Pistole blickte. Da sei auch noch eine Kugel für ihn drin, bekam der Reporter zu hören. Wie überfordert die Polizei damals war, das wird überdeutlich. Im Jahr darauf sollte sich die fehlende Vorbereitung auf solche Gewalttaten beim Olympia-Attentat in München abermals und noch grausamer zeigen.
Der zweite Film zeigt, was der erste verkitscht: was ein Bankraub - eine Geiselnahme - bedeutet, vor allem für die Opfer. Ein Bild der Zeit sollen die Filme zudem abgeben, und das tun sie auch, zum Auftakt allerdings mit wenig Tiefe.
Montags um 21 Uhr im Ersten.
Die Sendung über die Banklady sei verkitscht und harmlos gewesen. Und bei der Sendung zur Münchner Geiselnahme anno 1970 präsentiert sich der Chefredakteur der Abiturenten-BILD-Zeitung Focus auch noch als Opfer der Polizei. Querschläger und Querulanten gabs und gibt es immer wieder ...
Unter der Überschrift "Die ARD spielt Banküberfälle nach: „Geld her!“" schreibt Michael Hanfeld in der F.A.Z., 18.06.2007, Nr. 138 / Seite 38:
Es war Liebe. Und darunter leidet zumindest die erste Folge der Bankräuber-Serie „Geld her!”
18. Juni 2007
Der Titel ist zu flapsig und der Auftakt zu harmlos: Wenn es heute Abend in der ARD heißt „Geld her“ und die vierteilige Dokumentarreihe über „große Banküberfälle“ beginnt, erwartet die Zuschauer eine Geschichte über die „Banklady“ - Deutschlands erste Bankräuberin, die an Harmlosigkeit nicht zu übertreffen ist. Der Autor Manfred Uhlig erzählt vom Leben und Rauben der Gisela Werner: An neunzehn Banküberfällen war sie Mitte der sechziger Jahre beteiligt. Lange vor „Thelma und Louise“ griff sie ganz cool zum Revolver und spannte den Hahn. In ihrem anderen Leben galt die junge Frau, die als Packerin in einer Tapetenfabrik arbeitete, als fleißig, unauffällig und ein bisschen spröde. Von wegen.
Sie tat es aus Liebe, um einem Mann zu gefallen, der, wenn wir es richtig verstanden haben, dann auch seine Familie für sie verließ und sie heiratete - im Gefängnis, in dem sie neun und er dreizehn Jahre einsaß. Peter W. - so wird er in diesem Film genannt - erinnert sich scheinbar beschwingt an diese Zeit zurück, bereitwillig führt er vor, wie man einen VW Käfer knackt, die Frage, warum er bei seinem letzten Überfall auf vier Menschen schoss und diese verletzte, schiebt er locker beiseite. Die „Banklady“ indes ist vor drei Jahren im Alter von 69 Jahren gestorben.
Wie Markwort einmal in die Mündung blickte
So deplaziert verharmlosend, wie hier die Geschichte des Bankraubs beginnt, scheint sie im zweiten Teil der Reihe nicht mehr. Tom Ockers rekonstruiert in „Der Todesschuss aus München“ eine Geiselnahme aus dem August 1971, die einen Einschnitt in der deutschen Kriminalgeschichte darstellt: Zwei Bankräuber nahmen Geiseln, es endete mit einer wüsten Schießerei, bei der einer der Täter ums Leben kam, der kurz zuvor noch die junge Frau, die er ins Fluchtauto gezerrt hatte, mit fünf Schüssen mit in den Tod riss. Sein Kompagnon, der mehr als zwanzig Jahre im Gefängnis saß, gibt heute bereitwillig Auskunft, sobald aber die Frage auf seine Schuld kommt - er schoss auf die Polizisten und verfehlte einen nur um Millimeter - zieht er sich auf die Floskel zurück, keine Gewalt „außerhalb der Notwendigkeit“ angewendet zu haben.
Der „Focus“Chefredakteur Helmut Markwort wiederum erinnert sich daran, wie er damals als junger Lokalreporter auf einen Polizisten zulief, der wie die anderen wild um sich schoss, ihn bat, das zu lassen, damit keine Geiseln getötet wurden und - plötzlich selbst in den Lauf einer Pistole blickte. Da sei auch noch eine Kugel für ihn drin, bekam der Reporter zu hören. Wie überfordert die Polizei damals war, das wird überdeutlich. Im Jahr darauf sollte sich die fehlende Vorbereitung auf solche Gewalttaten beim Olympia-Attentat in München abermals und noch grausamer zeigen.
Der zweite Film zeigt, was der erste verkitscht: was ein Bankraub - eine Geiselnahme - bedeutet, vor allem für die Opfer. Ein Bild der Zeit sollen die Filme zudem abgeben, und das tun sie auch, zum Auftakt allerdings mit wenig Tiefe.
Montags um 21 Uhr im Ersten.
vabanque - am Dienstag, 19. Juni 2007, 00:29 - Rubrik: Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
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Was die Rosenheimer Oberbürgermeisterin hier hinlegt, ist das, was die Situationisten einstmals als Rekuperation bezeichnet haben. Das meint, wenn die Kritik eines Sachverhaltes zur Apologie desselben umgedeutet wird:
Aus den "Rosenheimer Nachrichten" (14.6. 2007) erfahren wir unter der Überschrift «Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte» wie man Bert Brecht auch umdeuten kann:
"Rosenheim - Mit einem stilvollen Festakt hat die Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG im Kultur- und Kongresszentrum ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 650 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgten am Dienstag Abend der Einladung zu einem Streifzug durch «100 Jahre Rosenheimer Bankgeschichte».
«Mit Mut, Selbstlosigkeit, Idealismus und Pioniergeist gründete im Juni 1907 der Hafnermeister Georg Gradl gemeinsam mit 23 Gewerbetreibenden die Handwerker- und Gewerbe-Kreditgenossenschaft Rosenheim», erinnerte Vorstandsvorsitzender Dietmar Dambach an die Geburtsstunde der Genossenschaftsbank. Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zitierte in ihrem Grußwort Bertolt Brecht, der einmal sagte, «ein Bankraub ist das Werk von Idioten, wahre Profis gründen eine Bank». Bauers Folgerung: «Die Gründer der Handwerker- und Gewerbe-Kreditgenossenschaft Rosenheim, der heutigen Volksbank Raiffeisenbank, müssen Vollprofis gewesen sein». Die Rathauschefin würdigte das Kreditinstitut als «tragende Säule des Finanzplatzes Rosenheim». Platz 1 unter allen Finanzdienstleistern im Rosenheimer Kundenspiegel, die wiederholte Auszeichnung als einer der besten 100 Arbeitgeber Deutschlands, 73.000 Kunden, 23.000 Mitglieder und ein Bilanzgewinn von 1,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2006 seien eindrucksvolle Belege."
Aus den "Rosenheimer Nachrichten" (14.6. 2007) erfahren wir unter der Überschrift «Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte» wie man Bert Brecht auch umdeuten kann:
"Rosenheim - Mit einem stilvollen Festakt hat die Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG im Kultur- und Kongresszentrum ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 650 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgten am Dienstag Abend der Einladung zu einem Streifzug durch «100 Jahre Rosenheimer Bankgeschichte».
«Mit Mut, Selbstlosigkeit, Idealismus und Pioniergeist gründete im Juni 1907 der Hafnermeister Georg Gradl gemeinsam mit 23 Gewerbetreibenden die Handwerker- und Gewerbe-Kreditgenossenschaft Rosenheim», erinnerte Vorstandsvorsitzender Dietmar Dambach an die Geburtsstunde der Genossenschaftsbank. Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zitierte in ihrem Grußwort Bertolt Brecht, der einmal sagte, «ein Bankraub ist das Werk von Idioten, wahre Profis gründen eine Bank». Bauers Folgerung: «Die Gründer der Handwerker- und Gewerbe-Kreditgenossenschaft Rosenheim, der heutigen Volksbank Raiffeisenbank, müssen Vollprofis gewesen sein». Die Rathauschefin würdigte das Kreditinstitut als «tragende Säule des Finanzplatzes Rosenheim». Platz 1 unter allen Finanzdienstleistern im Rosenheimer Kundenspiegel, die wiederholte Auszeichnung als einer der besten 100 Arbeitgeber Deutschlands, 73.000 Kunden, 23.000 Mitglieder und ein Bilanzgewinn von 1,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2006 seien eindrucksvolle Belege."
sparkassenkunde - am Donnerstag, 14. Juni 2007, 15:24 - Rubrik: Brecht-Zitat
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Verschiedene Medien bringen gerade eine dpa-Meldung, wonach ein nehemaliger nordbadischer Bankangestellter "jahrelang Gelder von Konten bestimmter Kunden zu Gunsten bedürftiger Kunden verschoben" habe. Derzeit läuft das Gerichtsverfahren gegen ihn:
"Ein ehemaliger leitender Bankangestellter hat eine Millionensumme zu Gunsten bedürftiger Kunden veruntreut und muss daher für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Das Landgericht Mosbach in Baden-Württemberg verurteilte den 45-Jährigen wegen Untreue in 168 Fällen.
Laut Anklage hatte er von Januar 2001 an fünf Jahre lang Gelder bestimmter Bankkunden auf Konten solcher Kunden verschoben, die seiner Ansicht nach an Geldmangel litten und keine Bankkredite mehr bekommen konnten. Insgesamt soll er 2,1 Millionen Euro unterschlagen haben.
Der 45-Jährige hatte gestanden: "Ich hatte Mitleid mit Arbeitslosen und sozial Schwachen und wollte ihnen helfen", erklärte der Vater eines 13-jährigen Sohnes.
"Ich habe das seelisch nicht ertragen"
"An Weihnachten 2005 war ich nahe daran, mir selbst etwas anzutun. Ich habe das seelisch nicht ertragen", schilderte der Angeklagte. Kurz darauf informierte der Bankangestellte den Vorstand des Kreditinstituts über seine Geldschiebereien. Anfang Februar 2006 stellte er sich der Polizei. Dank seiner Mithilfe konnten von den verschobenen 2,1 Millionen Euro etwa 1,4 Millionen Euro ausgeglichen werden. Auf dem Restschaden von derzeit rund 640.000 Euro bleiben der Anklage zufolge nicht die Kunden sitzen, sondern die Sparkasse Tauberfranken.
"Ich habe nicht alles manipuliert", betonte der Angeklagte vor Gericht. Er habe teilweise auch mit dem Wissen der Kunden gehandelt. Allmählich habe er aber den Überblick über seine Geldschiebereien verloren. "Im Jahr 2005 war ich nur noch damit beschäftigt, die Sache zu vertuschen."
(ZEIT online, Tagesspiegel, 14.06.2007 mit dpa)
Bei N24 (14.6. 2007) ist von 179 Fälle von Untreue die Rede:
"Der 45-Jährige hat gestanden: "Ich hatte Mitleid mit Arbeitslosen und sozial Schwachen und wollte ihnen helfen", sagte der Vater eines 13-jährigen Sohnes. Die Staatsanwaltschaft wies dem Beschuldigten insgesamt 179 Fälle von Untreue zwischen 2001 und 2006 nach. "
Für die Financial Times (14.6. 2007) ist dann nocht wichtig:
"«Im Jahr 2005 war ich nur noch damit beschäftigt, die Sache zu vertuschen.» Der Ex-Bankangestellte arbeitet derzeit als freiberuflicher Vermittler von Bausparverträgen und Versicherungen und zahlt monatlich 300 Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurück."
Merke: Wunder gibt es immer wieder ... und nur so wird heute nachmittag diese Meldung zumindest ein paar Stunden lang die Topmeldung im Google-Newsportal.
"Ein ehemaliger leitender Bankangestellter hat eine Millionensumme zu Gunsten bedürftiger Kunden veruntreut und muss daher für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Das Landgericht Mosbach in Baden-Württemberg verurteilte den 45-Jährigen wegen Untreue in 168 Fällen.
Laut Anklage hatte er von Januar 2001 an fünf Jahre lang Gelder bestimmter Bankkunden auf Konten solcher Kunden verschoben, die seiner Ansicht nach an Geldmangel litten und keine Bankkredite mehr bekommen konnten. Insgesamt soll er 2,1 Millionen Euro unterschlagen haben.
Der 45-Jährige hatte gestanden: "Ich hatte Mitleid mit Arbeitslosen und sozial Schwachen und wollte ihnen helfen", erklärte der Vater eines 13-jährigen Sohnes.
"Ich habe das seelisch nicht ertragen"
"An Weihnachten 2005 war ich nahe daran, mir selbst etwas anzutun. Ich habe das seelisch nicht ertragen", schilderte der Angeklagte. Kurz darauf informierte der Bankangestellte den Vorstand des Kreditinstituts über seine Geldschiebereien. Anfang Februar 2006 stellte er sich der Polizei. Dank seiner Mithilfe konnten von den verschobenen 2,1 Millionen Euro etwa 1,4 Millionen Euro ausgeglichen werden. Auf dem Restschaden von derzeit rund 640.000 Euro bleiben der Anklage zufolge nicht die Kunden sitzen, sondern die Sparkasse Tauberfranken.
"Ich habe nicht alles manipuliert", betonte der Angeklagte vor Gericht. Er habe teilweise auch mit dem Wissen der Kunden gehandelt. Allmählich habe er aber den Überblick über seine Geldschiebereien verloren. "Im Jahr 2005 war ich nur noch damit beschäftigt, die Sache zu vertuschen."
(ZEIT online, Tagesspiegel, 14.06.2007 mit dpa)
Bei N24 (14.6. 2007) ist von 179 Fälle von Untreue die Rede:
"Der 45-Jährige hat gestanden: "Ich hatte Mitleid mit Arbeitslosen und sozial Schwachen und wollte ihnen helfen", sagte der Vater eines 13-jährigen Sohnes. Die Staatsanwaltschaft wies dem Beschuldigten insgesamt 179 Fälle von Untreue zwischen 2001 und 2006 nach. "
Für die Financial Times (14.6. 2007) ist dann nocht wichtig:
"«Im Jahr 2005 war ich nur noch damit beschäftigt, die Sache zu vertuschen.» Der Ex-Bankangestellte arbeitet derzeit als freiberuflicher Vermittler von Bausparverträgen und Versicherungen und zahlt monatlich 300 Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurück."
Merke: Wunder gibt es immer wieder ... und nur so wird heute nachmittag diese Meldung zumindest ein paar Stunden lang die Topmeldung im Google-Newsportal.
sparkassenkunde - am Donnerstag, 14. Juni 2007, 15:05 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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TV-Spielfilm (12/07) und TV Today (12/07) veröffentlichten in ihren aktuellen Ausgaben eine ausführlicheren Artikel zum am Montag startenden ARD-Bankraub-Doku-Vierteiler. Hierfür griff der Verfasser Christian Holst auf Vabanque und dieses Weblog zurück und führte darüber hinaus ein Interview mit Klaus Schönberger. Bei TV Today gibt es auch eine Fotostrecke mit Bildern aus den Re-Enactments der vier Dokus.
© NDR/cinecentrum
Die ausgewählten Fotos sind ein wenig reißerisch und mit entsprechendenen Untertiteln versehen: "Bankraub extrem: Eine ARD-Doku stellt die spektakulärsten Überfälle der BRD-Geschichte nach"
Neu im TV: Geld her, oder es knallt!
Die ARD rollt vier der spektakulärsten deutschen Bankraub-Fälle noch einmal auf
Mal ehrlich: Fast jeder hat sich schon mal vorgestellt, wie es wäre, eine Bank zu überfallen. Reinspazieren, Wasserpistole auf den Kassierer richten, "Geld her!" brüllen und danach für immer alle Sorgen los sein. "Bankraub ist eine fast ebenso verbreitete Fantasie vom schnellen Geld wie der Traum vom Lottogewinn", hat der Hamburger Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger herausgefunden. "Darum werden Bankräuber in den Medien oft zu Helden verklärt."
Mit der Wirklichkeit haben Legenden wie die von Bonnie und Clyde aber nur wenig zu tun. "Die meisten Bankräuber sind weder clever noch charismatisch, sondern Leute wie du und ich", weiß Schönberger. Viele Banküberfälle werden von Amateuren begangen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Das Täterspektrum reicht vom Drogenabhängigen, der Geld für den nächsten Schuss braucht, bis zum verschuldeten Handwerker, der seinen Betrieb vor dem Bankrott retten will.
Erfolg haben damit die wenigsten. Das liegt nicht nur an der vergleichsweise hohen Aufklärungsquote, die 2006 bei 67,4 Prozent lag. Bankraub lohnt sich in den seltensten Fällen. Im Vergleich mit anderen Delikten wie Unterschlagung oder Untreue stehen beim Bankraub Ertrag und Risiko in einem reichlich unattraktiven Verhältnis zueinander. Die meisten Bankräuber erbeuten nicht mehr als ein paar Tausender. Dem stehen drastische Strafen für bewaffneten Raubüberfall von mindestens fünf Jahren Gefängnis gegenüber.
So verwundert es nicht, dass die Zahl der Banküberfälle in Deutschland rückläufig ist. 463 Fälle hat die Kriminalstatistik 2006 registriert. Im Vorjahr waren es noch 547. Verantwortlich für den Rückgang sind auch die immer aufwändigeren Sicherheitsmaßnahmen der Banken.
Doch die sicherheitstechnische Aufrüstung hat noch weitere Folgen. Klaus Schönberger beobachtet eine Tendenz zur Professionalisierung. Während klassische Banküberfälle seltener werden, nehmen Überfälle auf Geldtransporter zu. Häufiger werden auch Anschläge auf Geldautomaten. Solche Coups setzen hohen logistischen Aufwand und viel kriminelle Energie voraus. Für den Normalbürger bleiben solche Maßnahmen gegen die Ebbe auf dem Konto entlastende Tagträume. Dann schon lieber Lotto spielen."
Über die vier Folgen heißt es weiter:
DIE DOKUREIHE IM ERSTEN
Trickreiche oder extrem brutale Banküberfälle stoßen stets auf großes Interesse der Öffentlichkeit. Vier Aufsehen erregende Fälle der deutschen Kriminalgeschichte hat die ARD für ihre Dokureihe rekonstruiert. In ihr kommen nicht nur die Täter zu Wort, sondern auch die Opfer. Die Filme, ein Mix aus authentischem Material und nachgestellten Szenen, zeigen auch, wie die Medien Bankräuber immer wieder stilisiert haben - mal zur maliziösen Femme fatale wie die "Bank-Lady" Gisela Werle, mal zu Superhirnen wie die Tunnelgräber von Berlin.
"Teil 1: "Die Bank-Lady"
Mit Sonnenbrille, Revolver und blonder Perücke erbeutet Gisela Werle von 1965 bis 1967 rund 400 000 Mark. Bei ihrem 19. Überfall wird sie geschnappt: neun - ein halb Jahre Haft.
Teil 2: "Die Todesschüsse"
1971 überfallen zwei Täter eine Münchner Bank und nehmen vier Geiseln. Die Polizei ist überfordert, erschießt eine Geisel und einen der Täter. Der andere wandert für 15 Jahre ins Kittchen.
Teil 3: "Der Tunnel"
Berlin 1995: Bankräuber nehmen 16 Geiseln. Die Polizei umstellt die Bank, doch die Gangster ent - kommen mit 5,6 Millionen Mark durch einen Tunnel. Nach zwei Wochen werden sie gefasst.
Teil 4: "Die Irrfahrt"
Mit zwei Geiseln und 240 000 Euro im Auto fliehen Gangster 2002 nach einem Banküberfall in Uelzen. Ihre Flucht führt sie bis in die Ukraine, wo sie schließlich überwältigt werden."
© NDR/cinecentrum
Die ausgewählten Fotos sind ein wenig reißerisch und mit entsprechendenen Untertiteln versehen: "Bankraub extrem: Eine ARD-Doku stellt die spektakulärsten Überfälle der BRD-Geschichte nach"
Neu im TV: Geld her, oder es knallt!
Die ARD rollt vier der spektakulärsten deutschen Bankraub-Fälle noch einmal auf
Mal ehrlich: Fast jeder hat sich schon mal vorgestellt, wie es wäre, eine Bank zu überfallen. Reinspazieren, Wasserpistole auf den Kassierer richten, "Geld her!" brüllen und danach für immer alle Sorgen los sein. "Bankraub ist eine fast ebenso verbreitete Fantasie vom schnellen Geld wie der Traum vom Lottogewinn", hat der Hamburger Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger herausgefunden. "Darum werden Bankräuber in den Medien oft zu Helden verklärt."
Mit der Wirklichkeit haben Legenden wie die von Bonnie und Clyde aber nur wenig zu tun. "Die meisten Bankräuber sind weder clever noch charismatisch, sondern Leute wie du und ich", weiß Schönberger. Viele Banküberfälle werden von Amateuren begangen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Das Täterspektrum reicht vom Drogenabhängigen, der Geld für den nächsten Schuss braucht, bis zum verschuldeten Handwerker, der seinen Betrieb vor dem Bankrott retten will.
Erfolg haben damit die wenigsten. Das liegt nicht nur an der vergleichsweise hohen Aufklärungsquote, die 2006 bei 67,4 Prozent lag. Bankraub lohnt sich in den seltensten Fällen. Im Vergleich mit anderen Delikten wie Unterschlagung oder Untreue stehen beim Bankraub Ertrag und Risiko in einem reichlich unattraktiven Verhältnis zueinander. Die meisten Bankräuber erbeuten nicht mehr als ein paar Tausender. Dem stehen drastische Strafen für bewaffneten Raubüberfall von mindestens fünf Jahren Gefängnis gegenüber.
So verwundert es nicht, dass die Zahl der Banküberfälle in Deutschland rückläufig ist. 463 Fälle hat die Kriminalstatistik 2006 registriert. Im Vorjahr waren es noch 547. Verantwortlich für den Rückgang sind auch die immer aufwändigeren Sicherheitsmaßnahmen der Banken.
Doch die sicherheitstechnische Aufrüstung hat noch weitere Folgen. Klaus Schönberger beobachtet eine Tendenz zur Professionalisierung. Während klassische Banküberfälle seltener werden, nehmen Überfälle auf Geldtransporter zu. Häufiger werden auch Anschläge auf Geldautomaten. Solche Coups setzen hohen logistischen Aufwand und viel kriminelle Energie voraus. Für den Normalbürger bleiben solche Maßnahmen gegen die Ebbe auf dem Konto entlastende Tagträume. Dann schon lieber Lotto spielen."
Über die vier Folgen heißt es weiter:
DIE DOKUREIHE IM ERSTEN
Trickreiche oder extrem brutale Banküberfälle stoßen stets auf großes Interesse der Öffentlichkeit. Vier Aufsehen erregende Fälle der deutschen Kriminalgeschichte hat die ARD für ihre Dokureihe rekonstruiert. In ihr kommen nicht nur die Täter zu Wort, sondern auch die Opfer. Die Filme, ein Mix aus authentischem Material und nachgestellten Szenen, zeigen auch, wie die Medien Bankräuber immer wieder stilisiert haben - mal zur maliziösen Femme fatale wie die "Bank-Lady" Gisela Werle, mal zu Superhirnen wie die Tunnelgräber von Berlin.
"Teil 1: "Die Bank-Lady"
Mit Sonnenbrille, Revolver und blonder Perücke erbeutet Gisela Werle von 1965 bis 1967 rund 400 000 Mark. Bei ihrem 19. Überfall wird sie geschnappt: neun - ein halb Jahre Haft.
Teil 2: "Die Todesschüsse"
1971 überfallen zwei Täter eine Münchner Bank und nehmen vier Geiseln. Die Polizei ist überfordert, erschießt eine Geisel und einen der Täter. Der andere wandert für 15 Jahre ins Kittchen.
Teil 3: "Der Tunnel"
Berlin 1995: Bankräuber nehmen 16 Geiseln. Die Polizei umstellt die Bank, doch die Gangster ent - kommen mit 5,6 Millionen Mark durch einen Tunnel. Nach zwei Wochen werden sie gefasst.
Teil 4: "Die Irrfahrt"
Mit zwei Geiseln und 240 000 Euro im Auto fliehen Gangster 2002 nach einem Banküberfall in Uelzen. Ihre Flucht führt sie bis in die Ukraine, wo sie schließlich überwältigt werden."
vabanque - am Mittwoch, 13. Juni 2007, 08:20 - Rubrik: Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
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Es ist eine neue Biographie des jungen Stalin in englischer Sprache erschienen:
Simon Sebag Montefiore, "The Young Stalin", Orion Publishing, 39,39 Euro.
Die Welt (11.6. 2007) rezensiert unter der Überschrift "Die Flegeljahre des Josef Stalin. In der Einleitung heißt es:
"Simon Sebag Montefiore beschreibt in seinem neuen Buch "The Young Stalin" anekdotenreich die Jugend des Diktators. Der Autor enthüllt einen kriminellen, gewalttätigen, zynischen und rücksichtslosen Mann, der sich weder für seine Frauen noch für seine Kinder interessierte."
Natürlich ist in der Welt wenn man Stalin sagt, eigentlich immer Lenin gemeint (wobei ohne eigenen Blick auf das Buch noch nicht klar ist, ob das die Darstellung von Montefiore geschuldet ist, oder selbst zusammengebastelt wurde):
Vor hundert Jahren, im Juni 1907, machte ein spektakulärer Bankraub Schlagzeilen in ganz Europa: Im georgischen Tiflis, schräg gegenüber der blütenweißen und säulenreichen Residenz des russischen Vizekönigs, überfiel eine bewaffnete Bande trickreich, gewalttätig und überaus blutig einen Geldtransport.
Als sich der Rauch der Handgranaten verzogen hatte, war der zentrale Jerewanplatz mit Glassplittern und Pferdeleichen übersät. 40 Tote und genauso viele Verwundete waren zu beklagen – und die Staatsbank hatte etwa die Summe Geldes verloren, die sich Zar Nikolaus II. jährlich als Apanage auszahlen ließ.
Stalin beraubte für Lenin eine Bank
Auftraggeber dieses Massakers war Lenin, um seiner Partei das für den revolutionären Kampf benötigte Kleingeld zu beschaffen – geplant und ausgeführt wurde der Überfall jedoch von Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt unter dem Namen Stalin.
Mit dieser Episode beginnt die neue Biografie über die Jugend des Diktators des britischen Historikers Simon Sebag Montefiore, der mit „Young Stalin“ sozusagen die Vorgeschichte zu seinem 2004 erschienenen Bestseller „Stalin: At the Court of the Red Tsar“ nachschiebt.
(...)
Im konspirativen Jargon sportlicher Menschenverachtung nannte man diese Verbrechen „Enteignungen“, die dazu dienten, Geld zu beschaffen für den Mann, dem er sich verschrieben hatte: Lenin.
Der Führer der radikalen russischen Sozialdemokraten, der Bolschewiki, wurde auf Stalins Qualitäten aufmerksam. Hier war jemand, der die Drecksarbeit übernehmen konnte, aber durchaus fähig war, politisch zu denken.
(...)
Lenin hielt sich nicht an die Gesetze
Dies ist die entsetzliche Essenz Stalins, und Lenin bediente sich ihrer, um den Anschein eigenen Anstandes bewahren zu können. Die Tatsache, dass er mehrmals öffentlich Stalin verleugnete, hatte einen einfachen Grund: Die Partei hatte Überfälle verboten, Lenin aber keineswegs die Absicht, sich daran zu halten.
Während Montefiore die Geschichte des jungen Stalin quasi als Räuberpistole ohne sympathischen Helden erzählt, klärt er zwei wichtige Fragen. Beide gehen auf Stalinkritiker zurück, die ihn beschuldigten, selbst ein Doppelagent der Geheimpolizei gewesen zu sein und an der Oktoberrevolution von 1917 keinen besonderen Anteil gehabt zu haben.
Beide Vorwürfe werden überzeugend widerlegt, und man wird sich von Trotzkijs berühmtem Diktum über Stalin als den Mann, „der die Revolution verpasste“, doch verabschieden müssen.
Immer noch empfehlenswert, und wesentlich weniger ideologisch, die Sisyphusarbeit von Wladislaw Hedeler: Josef der Räuber - Revolutionärer Terror in Rußland. In: Schönberger, Klaus (Hg.): Vabanque. Bankraub.Theorie.Praxis. Hamburg u.a. 2000, S. 134-147.
Simon Sebag Montefiore, "The Young Stalin", Orion Publishing, 39,39 Euro.
Die Welt (11.6. 2007) rezensiert unter der Überschrift "Die Flegeljahre des Josef Stalin. In der Einleitung heißt es:
"Simon Sebag Montefiore beschreibt in seinem neuen Buch "The Young Stalin" anekdotenreich die Jugend des Diktators. Der Autor enthüllt einen kriminellen, gewalttätigen, zynischen und rücksichtslosen Mann, der sich weder für seine Frauen noch für seine Kinder interessierte."
Natürlich ist in der Welt wenn man Stalin sagt, eigentlich immer Lenin gemeint (wobei ohne eigenen Blick auf das Buch noch nicht klar ist, ob das die Darstellung von Montefiore geschuldet ist, oder selbst zusammengebastelt wurde):
Vor hundert Jahren, im Juni 1907, machte ein spektakulärer Bankraub Schlagzeilen in ganz Europa: Im georgischen Tiflis, schräg gegenüber der blütenweißen und säulenreichen Residenz des russischen Vizekönigs, überfiel eine bewaffnete Bande trickreich, gewalttätig und überaus blutig einen Geldtransport.
Als sich der Rauch der Handgranaten verzogen hatte, war der zentrale Jerewanplatz mit Glassplittern und Pferdeleichen übersät. 40 Tote und genauso viele Verwundete waren zu beklagen – und die Staatsbank hatte etwa die Summe Geldes verloren, die sich Zar Nikolaus II. jährlich als Apanage auszahlen ließ.
Stalin beraubte für Lenin eine Bank
Auftraggeber dieses Massakers war Lenin, um seiner Partei das für den revolutionären Kampf benötigte Kleingeld zu beschaffen – geplant und ausgeführt wurde der Überfall jedoch von Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt unter dem Namen Stalin.
Mit dieser Episode beginnt die neue Biografie über die Jugend des Diktators des britischen Historikers Simon Sebag Montefiore, der mit „Young Stalin“ sozusagen die Vorgeschichte zu seinem 2004 erschienenen Bestseller „Stalin: At the Court of the Red Tsar“ nachschiebt.
(...)
Im konspirativen Jargon sportlicher Menschenverachtung nannte man diese Verbrechen „Enteignungen“, die dazu dienten, Geld zu beschaffen für den Mann, dem er sich verschrieben hatte: Lenin.
Der Führer der radikalen russischen Sozialdemokraten, der Bolschewiki, wurde auf Stalins Qualitäten aufmerksam. Hier war jemand, der die Drecksarbeit übernehmen konnte, aber durchaus fähig war, politisch zu denken.
(...)
Lenin hielt sich nicht an die Gesetze
Dies ist die entsetzliche Essenz Stalins, und Lenin bediente sich ihrer, um den Anschein eigenen Anstandes bewahren zu können. Die Tatsache, dass er mehrmals öffentlich Stalin verleugnete, hatte einen einfachen Grund: Die Partei hatte Überfälle verboten, Lenin aber keineswegs die Absicht, sich daran zu halten.
Während Montefiore die Geschichte des jungen Stalin quasi als Räuberpistole ohne sympathischen Helden erzählt, klärt er zwei wichtige Fragen. Beide gehen auf Stalinkritiker zurück, die ihn beschuldigten, selbst ein Doppelagent der Geheimpolizei gewesen zu sein und an der Oktoberrevolution von 1917 keinen besonderen Anteil gehabt zu haben.
Beide Vorwürfe werden überzeugend widerlegt, und man wird sich von Trotzkijs berühmtem Diktum über Stalin als den Mann, „der die Revolution verpasste“, doch verabschieden müssen.
Immer noch empfehlenswert, und wesentlich weniger ideologisch, die Sisyphusarbeit von Wladislaw Hedeler: Josef der Räuber - Revolutionärer Terror in Rußland. In: Schönberger, Klaus (Hg.): Vabanque. Bankraub.Theorie.Praxis. Hamburg u.a. 2000, S. 134-147.
vabanque - am Dienstag, 12. Juni 2007, 10:20 - Rubrik: Politischer Bankraub
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Unter der Überschrift
Die größten Raubfälle der letzten Jahrzehnte
strickt die Augsburger Allgemeine Zeitung (11.6. 2007) die sattsam bekannte Legende vom Superposträuber "Ronald Biggs" weiter (Zur vernünftigen Darstellung des Postraubs online und in Buchform vgl.
Dirk Schindelbeck: "Ronnie Biggs Superstar - vom Wert der Öffentlichkeitsarbeit beim Postraub". In: Schönberger, Klaus (Hg.): Vabanque. Bankraub.Theorie.Praxis. Hamburg u.a. 2000, S. 64-77.
Das sollten erstmal alle lesen, die sich über die Legende Biggs auslassen.
"Kaum ein Verbrechen ist so bekannt wie der Postraub von Großbritannien. 1963 erbeutete eine Bande um Ronald Biggs aus einem Zug mehrere Millionen Pfund Bargeld. Ähnlich spektakulär sind auch der Kunstraub von Oslo, der Bargeldraub in Frankfurt und der größte Online-Bankraub.
Postraub: Ronald Biggs ist eine Legende. Am 8. August 1963 überfielen er und 15 weitere Männer einen Postzug der Royal Mail, der auch Bargeld von Glasgow nach London transportierte. Die Beute betrug 2,6 Millionen Pfund, nach heutigem Wert über 30 Millionen Euro. Der Überfall war monatelang geplant worden. Mit einer roten Haltelampe stoppten die Räuber den Zug. Die hinteren Waggons, in denen sich die Passagiere befanden, wurden abgekoppelt und die Diebe fuhren mit der Beute bequem davon. Später luden sie die Postsäcke auf einen Lastwagen um und flohen. Doch ihre Fingerabdrücke überführten die Täter. Anführer Ronald Biggs wurde zur Höchststrafe von 30 Jahren verurteilt. Nicht zuletzt seine Flucht nach 15 Monaten und ein jahrelanges Versteckspiel machten ihn zur Legende.
Bargeldraub: In Deutschland sind die Beutesummen bislang deutlich geringer ausgefallen. Im Jahr 2002 überfielen zehn Täter in Frankfurt einen Geldtransporter. Von den über acht Millionen Euro, die sich als Bargeld dort befanden, ließen die Täter jedoch auf der Flucht über eine Million Euro zurück. Die Räuber wurden nach europaweiter Fahndung schließlich in Italien und Marokko festgenommen. Knapp fünf Millionen Euro sind bis heute verschollen.
(...)
Online-Bankraub: In Schweden konnten Kriminelle den bislang größten Online-Raub durchziehen. Ihnen gelang es, etwa 900 000 Euro von ahnungslosen Internetnutzern durch die Phishing-Methode zu stehlen. Dabei leiteten sie die Kunden der Nordea-Bank auf Seiten um, die genau so aussahen wie die der Bank. Die dort eingegebenen Daten und Geheimnummern nutzen die bislang unbekannten Personen von mehr als 250 Kunden jeweils mehrere tausend Euro abzubuchen.
Die größten Raubfälle der letzten Jahrzehnte
strickt die Augsburger Allgemeine Zeitung (11.6. 2007) die sattsam bekannte Legende vom Superposträuber "Ronald Biggs" weiter (Zur vernünftigen Darstellung des Postraubs online und in Buchform vgl.
Dirk Schindelbeck: "Ronnie Biggs Superstar - vom Wert der Öffentlichkeitsarbeit beim Postraub". In: Schönberger, Klaus (Hg.): Vabanque. Bankraub.Theorie.Praxis. Hamburg u.a. 2000, S. 64-77.
Das sollten erstmal alle lesen, die sich über die Legende Biggs auslassen.
"Kaum ein Verbrechen ist so bekannt wie der Postraub von Großbritannien. 1963 erbeutete eine Bande um Ronald Biggs aus einem Zug mehrere Millionen Pfund Bargeld. Ähnlich spektakulär sind auch der Kunstraub von Oslo, der Bargeldraub in Frankfurt und der größte Online-Bankraub.
Postraub: Ronald Biggs ist eine Legende. Am 8. August 1963 überfielen er und 15 weitere Männer einen Postzug der Royal Mail, der auch Bargeld von Glasgow nach London transportierte. Die Beute betrug 2,6 Millionen Pfund, nach heutigem Wert über 30 Millionen Euro. Der Überfall war monatelang geplant worden. Mit einer roten Haltelampe stoppten die Räuber den Zug. Die hinteren Waggons, in denen sich die Passagiere befanden, wurden abgekoppelt und die Diebe fuhren mit der Beute bequem davon. Später luden sie die Postsäcke auf einen Lastwagen um und flohen. Doch ihre Fingerabdrücke überführten die Täter. Anführer Ronald Biggs wurde zur Höchststrafe von 30 Jahren verurteilt. Nicht zuletzt seine Flucht nach 15 Monaten und ein jahrelanges Versteckspiel machten ihn zur Legende.
Bargeldraub: In Deutschland sind die Beutesummen bislang deutlich geringer ausgefallen. Im Jahr 2002 überfielen zehn Täter in Frankfurt einen Geldtransporter. Von den über acht Millionen Euro, die sich als Bargeld dort befanden, ließen die Täter jedoch auf der Flucht über eine Million Euro zurück. Die Räuber wurden nach europaweiter Fahndung schließlich in Italien und Marokko festgenommen. Knapp fünf Millionen Euro sind bis heute verschollen.
(...)
Online-Bankraub: In Schweden konnten Kriminelle den bislang größten Online-Raub durchziehen. Ihnen gelang es, etwa 900 000 Euro von ahnungslosen Internetnutzern durch die Phishing-Methode zu stehlen. Dabei leiteten sie die Kunden der Nordea-Bank auf Seiten um, die genau so aussahen wie die der Bank. Die dort eingegebenen Daten und Geheimnummern nutzen die bislang unbekannten Personen von mehr als 250 Kunden jeweils mehrere tausend Euro abzubuchen.
vabanque - am Dienstag, 12. Juni 2007, 09:59 - Rubrik: Millionencoup
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Manchmal stößt man erst nach geraumer Zeit auf ein interessantes Bankraub-Projekt oder einen Dokumentarfilm wie diesen. Bereits am 6.03.2003, strahtle das schweizerische SF1
die Doku
DER JAHRHUNDERTPOSTRAUB - Gauner, Geld und grosse Träume
Am 1. September 1997 wird in Zürich die Fraumünsterpost ausgeraubt. Fünf junge Männer fahren mit dem Auto in den Posthof und laden 5 Geldkisten ein. Sie entkommen mit 53 Millionen Schweizer Franken. Nach einigen Wochen sind sie verhaftet. Nur etwas fehlt: die Hälfte der Beute ist bis heute spurlos verschwunden. Wo sind die 26 fehlenden Millionen geblieben? Wer sind diese Männer, die mit ihrem aufsehenerregenden Coup die ganze Schweiz in Atem hielten? Diesen Fragen geht DOK-Autorin Andrea Pfalzgraf nach.
Die Autorin über die Vorarbeiten zum Film
Wie wird man zum Verbrecher? Es gibt im Leben Zufälle und Begegnungen, die in kürzester Zeit die Situation eines Individuums komplett verändern und für immer beeinflussen. Davon handelt der Film.
Der sogenannte Jahrhunderpostraub hat 1997 die Gemüter nicht nur in der Schweiz bewegt. „Ich überfalle eine Bank“. Davon zu reden ist das Eine, die Tat dann wirklich durchzuführen, das Andere. Dieses Andere interessiert mich. Warum entscheidet sich ein junger Mann mit unspektakulärer Biografie, ein Verbrechen zu begehen? Was treibt ihn? Warum setzt er seine Freiheit, seine Zukunft aufs Spiel? Seine Chancen sind praktisch null. Das weiss er. Trotzdem tut er es.
Warum? Diese Frage hat mich beschäftigt seit ich verschiedene Nachrichten-Beiträge für 10v10 zum Thema Fraumünster-Postraub realisiert hatte. Ich habe den Berufungsprozess im Jahr 2000 verfolgt und dabei versucht, das Phänomen und die Hintergründe des Ueberfalls zu verstehen.
Aufgefallen ist mir damals, dass sich die Täter äusserlich kaum von den sie begleitenden Polizeibeamten unterschieden haben. Auch die Gerichtszeichnerin hatte Mühe und zeichnete prompt einen Beamten anstelle eines Gangsters. Dieser Umstand gab mir zu denken und bewog mich, der Sache nachzugehen. Ich schrieb dem Drahtzieher Marcello Di Santo in die Strafanstalt Thorberg und besuchte ihn dort. Nach langem Zögern hat er dann eingewilligt, vor der Kamera seine Geschichte zu erzählen.
Auch mit dem jüngsten der Täter, mit Zoran Veljkovic brauchte es viele Gespräche bis er sich dazu entschliessen konnte, beim Film mitzumachen.
Erstaunt hat mich der Umstand, wie schwierig es offenbar für die ehemaligen Mitarbeiter von Marcello heute noch ist. Sie können ihm die Tat, den Verrat nicht verzeihen. In diversen Telefongesprächen wogte mir eine Welle von Verachtung, Enttäuschung und Wut über Marcello entgegen. Vor allem von jenen, welche beim Ueberfall direkt mit einer Waffe bedroht wurden.
Einzelne brauchten viele Monate psychologischer Betreuung, um das Geschehene zu verdauen. Einer meinte, er sei über 40 Jahre bei der Post gewesen und hätte eher 5 Franken in die Kaffeekasse gelegt als auch nur 5 Rappen zu entwenden. Ein Anderer hat gedroht, wenn er Marcello in die Finger kriege, dann könne er für nichts garantieren. Von ihnen konnte ich leider niemanden dazu bewegen, vor der Kamera von dieser Enttäuschung zu erzählen.
Der Fraumünsterpostraub ist ein Fall der Superlative. Noch nie wurde in der Schweiz so viel Geld gestohlen. Noch nie waren so viele Räuber an einem Ueberfall beteiligt, noch nie hatten Polizei und Justiz einen so grossen Fall zu lösen und noch nie hatte ein Delikt so viel Sympathie in der Bevölkerung, mindestens solange nicht klar war, dass es sich nicht um clevere Superhirne handelte sondern um eine Handvoll ziemlich dilettantischer junger Männer. Ueber jeden dieser Aspekte hätte ein Film gemacht werden können.
Gesammelt habe ich Stoff für einen mindestens 2stündigen Film. Deshalb entsteht nebst dem DOK noch ein Spielfilm fürs Kino. Ein Drehbuchautor ist an der Arbeit, der Kinofilm wird von Cobra-Film (Valerie Fischer) produziert und soll im Jahr 2004 gedreht werden.
Autorin und Team
Andrea Pfalzgraf:
Bei SF DRS seit 1995. 6 Jahre Redaktorin beim Nachrichtenmagazin 10v10. Seither Realisation von längeren Beiträgen für SF Spezial (Jenseits von Leutschenbach) und DOK (Gekaufte Schönheit, Co-Autorin bei Doku-Soaps Airline und Zirkus).
Produzentin bei SF Spezial (Fernweh), 10stunden Reportagen (Tierischer Tag und SBB).
Begeisterter Bildmensch und menscheninteressierte Geschichtenerzählerin. Liebt Fernsehmachen weil es immer Teamwork ist. Dank dem grandiosen Team, Kameramann Emil Fischhaber, Tönler Ruedi Müller und Cutterin Therese Huber-Fässler, ist der Film überhaupt erst möglich geworden.
Als
Literaturhinweis gibt die Webseite des Senders SF1 an:
Va banque - Bankraub, Theorie, Praxis. Geschichte
von Klaus Schönberger (Hg) ISBN 3-922611-83-4
die Doku
DER JAHRHUNDERTPOSTRAUB - Gauner, Geld und grosse Träume
Am 1. September 1997 wird in Zürich die Fraumünsterpost ausgeraubt. Fünf junge Männer fahren mit dem Auto in den Posthof und laden 5 Geldkisten ein. Sie entkommen mit 53 Millionen Schweizer Franken. Nach einigen Wochen sind sie verhaftet. Nur etwas fehlt: die Hälfte der Beute ist bis heute spurlos verschwunden. Wo sind die 26 fehlenden Millionen geblieben? Wer sind diese Männer, die mit ihrem aufsehenerregenden Coup die ganze Schweiz in Atem hielten? Diesen Fragen geht DOK-Autorin Andrea Pfalzgraf nach.
Die Autorin über die Vorarbeiten zum Film
Wie wird man zum Verbrecher? Es gibt im Leben Zufälle und Begegnungen, die in kürzester Zeit die Situation eines Individuums komplett verändern und für immer beeinflussen. Davon handelt der Film.
Der sogenannte Jahrhunderpostraub hat 1997 die Gemüter nicht nur in der Schweiz bewegt. „Ich überfalle eine Bank“. Davon zu reden ist das Eine, die Tat dann wirklich durchzuführen, das Andere. Dieses Andere interessiert mich. Warum entscheidet sich ein junger Mann mit unspektakulärer Biografie, ein Verbrechen zu begehen? Was treibt ihn? Warum setzt er seine Freiheit, seine Zukunft aufs Spiel? Seine Chancen sind praktisch null. Das weiss er. Trotzdem tut er es.
Warum? Diese Frage hat mich beschäftigt seit ich verschiedene Nachrichten-Beiträge für 10v10 zum Thema Fraumünster-Postraub realisiert hatte. Ich habe den Berufungsprozess im Jahr 2000 verfolgt und dabei versucht, das Phänomen und die Hintergründe des Ueberfalls zu verstehen.
Aufgefallen ist mir damals, dass sich die Täter äusserlich kaum von den sie begleitenden Polizeibeamten unterschieden haben. Auch die Gerichtszeichnerin hatte Mühe und zeichnete prompt einen Beamten anstelle eines Gangsters. Dieser Umstand gab mir zu denken und bewog mich, der Sache nachzugehen. Ich schrieb dem Drahtzieher Marcello Di Santo in die Strafanstalt Thorberg und besuchte ihn dort. Nach langem Zögern hat er dann eingewilligt, vor der Kamera seine Geschichte zu erzählen.
Auch mit dem jüngsten der Täter, mit Zoran Veljkovic brauchte es viele Gespräche bis er sich dazu entschliessen konnte, beim Film mitzumachen.
Erstaunt hat mich der Umstand, wie schwierig es offenbar für die ehemaligen Mitarbeiter von Marcello heute noch ist. Sie können ihm die Tat, den Verrat nicht verzeihen. In diversen Telefongesprächen wogte mir eine Welle von Verachtung, Enttäuschung und Wut über Marcello entgegen. Vor allem von jenen, welche beim Ueberfall direkt mit einer Waffe bedroht wurden.
Einzelne brauchten viele Monate psychologischer Betreuung, um das Geschehene zu verdauen. Einer meinte, er sei über 40 Jahre bei der Post gewesen und hätte eher 5 Franken in die Kaffeekasse gelegt als auch nur 5 Rappen zu entwenden. Ein Anderer hat gedroht, wenn er Marcello in die Finger kriege, dann könne er für nichts garantieren. Von ihnen konnte ich leider niemanden dazu bewegen, vor der Kamera von dieser Enttäuschung zu erzählen.
Der Fraumünsterpostraub ist ein Fall der Superlative. Noch nie wurde in der Schweiz so viel Geld gestohlen. Noch nie waren so viele Räuber an einem Ueberfall beteiligt, noch nie hatten Polizei und Justiz einen so grossen Fall zu lösen und noch nie hatte ein Delikt so viel Sympathie in der Bevölkerung, mindestens solange nicht klar war, dass es sich nicht um clevere Superhirne handelte sondern um eine Handvoll ziemlich dilettantischer junger Männer. Ueber jeden dieser Aspekte hätte ein Film gemacht werden können.
Gesammelt habe ich Stoff für einen mindestens 2stündigen Film. Deshalb entsteht nebst dem DOK noch ein Spielfilm fürs Kino. Ein Drehbuchautor ist an der Arbeit, der Kinofilm wird von Cobra-Film (Valerie Fischer) produziert und soll im Jahr 2004 gedreht werden.
Autorin und Team
Andrea Pfalzgraf:
Bei SF DRS seit 1995. 6 Jahre Redaktorin beim Nachrichtenmagazin 10v10. Seither Realisation von längeren Beiträgen für SF Spezial (Jenseits von Leutschenbach) und DOK (Gekaufte Schönheit, Co-Autorin bei Doku-Soaps Airline und Zirkus).
Produzentin bei SF Spezial (Fernweh), 10stunden Reportagen (Tierischer Tag und SBB).
Begeisterter Bildmensch und menscheninteressierte Geschichtenerzählerin. Liebt Fernsehmachen weil es immer Teamwork ist. Dank dem grandiosen Team, Kameramann Emil Fischhaber, Tönler Ruedi Müller und Cutterin Therese Huber-Fässler, ist der Film überhaupt erst möglich geworden.
Als
Literaturhinweis gibt die Webseite des Senders SF1 an:
Va banque - Bankraub, Theorie, Praxis. Geschichte
von Klaus Schönberger (Hg) ISBN 3-922611-83-4
sparkassenkunde - am Donnerstag, 7. Juni 2007, 11:00 - Rubrik: Bankraub-Dokus - Themenabende usw.
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wird ein Beitrag Margrit Klingler-Clavijo für den Büchermarkt des Deutschlandfunks (06.06.2007) über die in Romanform gegossene Biographie des venezolanischen Soziologen und Guerillero Oswaldo Barreto Miliani überschrieben:
Lisa St Aubin de Terán: Deckname Otto. Roman. Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen. 573 Seiten. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007. 22,80 Euro
"Die Journalistin und Autorin Lisa St. Aubin hat mit "Deckname Otto" die Lebensgeschichte des venezolanischen Soziologen, Publizisten, Philosophen und Guerillero Oswaldo Barreto Miliani zu einem spannenden Roman verarbeitet. Anfang der 70er Jahre hatte sie ihn in London kennen gelernt, wo er nach einem Bankraub in Venezuela mit ein paar Freunden untergetaucht war; darunter war auch der künftige Ehemann der Autorin. Als Oswaldo Barreto Miliani Anfang der 90er Jahre an Krebs erkrankt war, hat er ihr seine bewegte Lebensgeschichte erzählt, die Lisa St. Aubin de Terán später als Rohmaterial für den Roman diente.
(...)
Oswaldo Barreto Miliani ist weit mehr als ein gesellschaftskritischer Soziologe! Praktisch veranlagt wie er ist, erkennt er im Osten Venezuelas rasch, dass gute Absichten allein rein gar nichts am Elend der Fischer ändern und beschließt, die Royal Bank of Canada in Caracas zu überfallen.
"Ich gehörte zu einer Gruppe, die merkte, dass sie, wenn sie sich tatsächlich in das Dorf eingliedern und nicht herumkommandieren wollte, eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit benötigte und wir eine Zeitung gründen sollten. (...) Da, wo wir mit der Guerilla anfingen, bei den Fischern des Ostens - das sind die Opfer der Fischgroßhändler - und diese Fischer hatten keine Kühlhäuser, und wir wollten mit denen ein Netzwerk aufbauen, Kühlschränke beschaffen, damit sich die Fischer von den Fischgroßhändlern unabhängig machen konnten. Wir brauchten folglich Geld, das uns weder die Sowjets noch die Chinesen geben würden. Die Banken hatten Geld und ich habe nie diesen Generälen geglaubt, die sagten, bewaffnen wir uns und fahren aus. Ich gehörte zu der Gruppe, die den Überfall machte (...) Wir unterstützten damit die Befreiungsbewegungen Mittelamerikas mit mehr oder weniger Erfolg."
Doch bevor Oswaldo Barreto Milani hinter Gitter wanderte, setzte er sich mit ein paar Freunden nach London ab. Als er in den 90er Jahren in Venezuela wegen dieses Banküberfalls gerichtlich belangt werden sollte, hatte er so viele einflussreiche Fürsprecher, allen voran den Schriftsteller Miguel Otero Silva, mit dessen Tochter Mariana er damals liiert war, dass das Gerichtsverfahren vorzeitig eingestellt wurde. Schade, dass die Autorin nicht näher auf die soziologischen Schriften von Otto Barreto Miliani eingegangen ist, wichtige Werke der algerischen Befreiungsbewegung oder der lateinamerikanischen Linken referierte. Da hätte der Roman politische Kontur gewonnen, was seinen Abenteuercharakter keineswegs geschmälert hätte."
Zum Thema Banküberfall hier auch noch ein Zitat aus einem Newsletter über Literatur vom "Unkultur"-Blog (8.4. 2007):
"Packend schildert Lisa St Aubin de Terán die revolutionäre "Zum Laufbahn des Intellektuellen und Guerilla-Kämpfers Oswaldo Barreto Miliani. In den venezolanischen Anden aufgewachsen, schlittert er als rhetorisch begabter Halbwüchsiger gleichsam ungewollt in die kommunistische Bewegung hinein. Erst im Exil in Paris beschäftigt er sich mit deren Ideologien. Auch wenn er sich schon bald nicht mehr mit den Kommunisten identifizieren kann, beginnt nun eine jahrzehntelange Karriere als Revolutionär und Stratege in Algerien, Prag, Kuba, wieder Venezuela, Bolivien und vielen anderen Ländern. Ein perfekt geplanter Banküberfall, den er zur Aufstockung der revolutionären Kasse organisiert, lässt ihn im Mutterland nachhaltiger in Ungnade fallen als seine Guerilla-Aktivitäten. Parallel dazu und mit langen Unterbrüchen baut Oswaldo Barreto Miliani eine akademische Karriere auf, übersetzt Sartre ins Spanische und lehrt wiederholt an der Universität. Seine grossen Lieben, durchaus leidenschaftlich und auch mit Nachwuchs gesegnet, kommen in diesem erfüllten Leben manchmal etwas zu kurz."
Weitere Rezensionen finden sich in der Netzzeitung (23.2. 2007), im Freitag (23.3.2007), und eine Rezension Gustavo Perez-Firmat aus der Washington Post (12.3. 2006) ist überschrieben: "A Lover and a Fighter A Venezuelan revolutionary aims to set the record straight with a fictionalized version of his life."
Lisa St Aubin de Terán: Deckname Otto. Roman. Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen. 573 Seiten. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007. 22,80 Euro
"Die Journalistin und Autorin Lisa St. Aubin hat mit "Deckname Otto" die Lebensgeschichte des venezolanischen Soziologen, Publizisten, Philosophen und Guerillero Oswaldo Barreto Miliani zu einem spannenden Roman verarbeitet. Anfang der 70er Jahre hatte sie ihn in London kennen gelernt, wo er nach einem Bankraub in Venezuela mit ein paar Freunden untergetaucht war; darunter war auch der künftige Ehemann der Autorin. Als Oswaldo Barreto Miliani Anfang der 90er Jahre an Krebs erkrankt war, hat er ihr seine bewegte Lebensgeschichte erzählt, die Lisa St. Aubin de Terán später als Rohmaterial für den Roman diente.
(...)
Oswaldo Barreto Miliani ist weit mehr als ein gesellschaftskritischer Soziologe! Praktisch veranlagt wie er ist, erkennt er im Osten Venezuelas rasch, dass gute Absichten allein rein gar nichts am Elend der Fischer ändern und beschließt, die Royal Bank of Canada in Caracas zu überfallen.
"Ich gehörte zu einer Gruppe, die merkte, dass sie, wenn sie sich tatsächlich in das Dorf eingliedern und nicht herumkommandieren wollte, eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit benötigte und wir eine Zeitung gründen sollten. (...) Da, wo wir mit der Guerilla anfingen, bei den Fischern des Ostens - das sind die Opfer der Fischgroßhändler - und diese Fischer hatten keine Kühlhäuser, und wir wollten mit denen ein Netzwerk aufbauen, Kühlschränke beschaffen, damit sich die Fischer von den Fischgroßhändlern unabhängig machen konnten. Wir brauchten folglich Geld, das uns weder die Sowjets noch die Chinesen geben würden. Die Banken hatten Geld und ich habe nie diesen Generälen geglaubt, die sagten, bewaffnen wir uns und fahren aus. Ich gehörte zu der Gruppe, die den Überfall machte (...) Wir unterstützten damit die Befreiungsbewegungen Mittelamerikas mit mehr oder weniger Erfolg."
Doch bevor Oswaldo Barreto Milani hinter Gitter wanderte, setzte er sich mit ein paar Freunden nach London ab. Als er in den 90er Jahren in Venezuela wegen dieses Banküberfalls gerichtlich belangt werden sollte, hatte er so viele einflussreiche Fürsprecher, allen voran den Schriftsteller Miguel Otero Silva, mit dessen Tochter Mariana er damals liiert war, dass das Gerichtsverfahren vorzeitig eingestellt wurde. Schade, dass die Autorin nicht näher auf die soziologischen Schriften von Otto Barreto Miliani eingegangen ist, wichtige Werke der algerischen Befreiungsbewegung oder der lateinamerikanischen Linken referierte. Da hätte der Roman politische Kontur gewonnen, was seinen Abenteuercharakter keineswegs geschmälert hätte."
Zum Thema Banküberfall hier auch noch ein Zitat aus einem Newsletter über Literatur vom "Unkultur"-Blog (8.4. 2007):
"Packend schildert Lisa St Aubin de Terán die revolutionäre "Zum Laufbahn des Intellektuellen und Guerilla-Kämpfers Oswaldo Barreto Miliani. In den venezolanischen Anden aufgewachsen, schlittert er als rhetorisch begabter Halbwüchsiger gleichsam ungewollt in die kommunistische Bewegung hinein. Erst im Exil in Paris beschäftigt er sich mit deren Ideologien. Auch wenn er sich schon bald nicht mehr mit den Kommunisten identifizieren kann, beginnt nun eine jahrzehntelange Karriere als Revolutionär und Stratege in Algerien, Prag, Kuba, wieder Venezuela, Bolivien und vielen anderen Ländern. Ein perfekt geplanter Banküberfall, den er zur Aufstockung der revolutionären Kasse organisiert, lässt ihn im Mutterland nachhaltiger in Ungnade fallen als seine Guerilla-Aktivitäten. Parallel dazu und mit langen Unterbrüchen baut Oswaldo Barreto Miliani eine akademische Karriere auf, übersetzt Sartre ins Spanische und lehrt wiederholt an der Universität. Seine grossen Lieben, durchaus leidenschaftlich und auch mit Nachwuchs gesegnet, kommen in diesem erfüllten Leben manchmal etwas zu kurz."
Weitere Rezensionen finden sich in der Netzzeitung (23.2. 2007), im Freitag (23.3.2007), und eine Rezension Gustavo Perez-Firmat aus der Washington Post (12.3. 2006) ist überschrieben: "A Lover and a Fighter A Venezuelan revolutionary aims to set the record straight with a fictionalized version of his life."
vabanque - am Donnerstag, 7. Juni 2007, 08:42 - Rubrik: Politischer Bankraub
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Eröffnet wird der Reigen mit einem Portrait von Gisela Werler, die in den 60er Jahren als Banklady Furore macht (Vgl. dazu auch den Beitrag "Wenn Frauen zu sehr rauben" von Franziska Roller in "Va Banque. Bankraub. Theorie. Praxis. Geschichte". Der Titel lautet schlicht und einfach "Geld her!". Das 45minütige Opus wird von Manfred Uhlig verantwortet. Die ARD kündigt den Beitrag wie folgt an:
"Als sie 30 wurde, beschloss die Hamburgerin Gisela Werler, dass ihr das Leben als Packerin in einer Tapetenfabrik nicht mehr genügte. Sie wurde Bankräuberin. Und eine erfolgreiche dazu. Anfang der 60er Jahre überfiel sie mit ihrem Komplizen Peter Sparkassen und Banken in Serie. Ihre Beute nach heutigem Wert: eine Million Euro.
Drei Jahre lang verfolgte die Polizei ein Phantom. Ihr Sexappeal und ihre schönen Beine machten Schlagzeilen, sogar die Polizei bewunderte ihre Kaltblütigkeit. Am Ende wurde sie gefasst. Doch ein großer Teil ihrer Beute wurde nie gefunden.
Das Leben der Packerin, die als "Banklady" Verbrechensgeschichte schrieb, hat der Hamburger Filmemacher Manfred Uhlig anhand ihres Tagebuchs rekonstruiert. Sein Fazit dieser außergewöhnlichen Biografie: Geld macht eben doch glücklich."
Geld her! - Die Banklady
Ein Film von Manfred Uhlig
Sendetermin: Montag, 18. Juni, 21.00 Uhr, Das Erste
Von 1965 bis 1967 erleichtert Gisela Werler 19 Banken in Norddeutschland mit bis zu drei Komplizen um 400.000 Mark - ein neuer Nachkriegsrekord. Zwei Jahre lang sorgt sie als „Die
Banklady“ für erotische Ausnahmezustände in der deutschen Presse. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen sorgt jeder ihrer Überfälle für Schlagzeilen auf Seite eins. Mal verkündet sie
ironisch: „Machen Sie schnell, Zeit ist Geld“, mal herrscht sie ihre Komplizen in der Bank an: „Los! Diesmal machst du mit, du Feigling!“. Die Presse stellt die Banklady als abgebrühte, eiskalte
Bandenchefin dar. Umso größer ist das Erstaunen, als sich Gisela Werler nach ihrer Festnahme als Mädchen aus einfachen Verhältnissen mit fröhlichem Gemüt herausstellte. Sollte sie, wie sie
bereits in ihrem ersten Verhör angab, tatsächlich nur aus Liebe geraubt haben? Nur, um bei ihrem geliebten Komplizen Peter W. Eindruck zu schinden? Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Gericht, das ihr eine fehlende Schuldeinsicht attestiert und sie zu einer 4 Jahre geringeren Haftstrafe verurteilt als ihren Geliebten.
Noch 1975 wird der Kriminologe Franz Czaszar Frauen grundsätzlich die Eignung zum Banküberfall absprechen: Sie brächten nicht die notwendige Mentalität mit, um Delikte zu begehen, die Gewaltanwendung erforderten.
Gisela Werler wird am 18. August 1934 in Hamburg-Altona als älteste von drei Töchtern eines Bauschlossers geboren. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, wird streng erzogen. Nachbarn
beschreiben sie als bildhübsch, nett und lieb. Nach ihrem Abschluss an der Volksschule Thedestraße muss Gisela zum Familienunterhalt beitragen. Sie arbeitet u. a. in einem Supermarkt, später in einer Tapetenfabrik. Sie wird geschätzt als hilfsbereite und pünktliche Mitarbeiterin, die gerne feiert und viele Freunde hat.
Peter W. ist ein Taxiunternehmer aus Hamburg-Eidelstedt, geboren 1928, blond, von kräftiger Statur. Er wird als ihr Lehrmeister bezeichnet, Gisela Werler als verliebte und abhängige "Räuberbraut“. „Ich raubte nur aus Liebe“, sollen ihre Worte direkt nach der Festnahme gewesen sein. Doch war es so?
Gisela und Peter lernen sich nach seinem ersten Banküberfall kennen. Gisela und Peter lernen sich nach seinem ersten Banküberfall kennen. Sein Komplize Hugo Warncke macht die beiden miteinander bekannt, als Giselas Schlafzimmerschrank als Lagerort dienen soll. Am 29. Juli 1965 schließlich debütiert Gisela als Solistin mit Perücke und Revolver in der Hamburger Volksbank an der Elbgaustraße. Vor der Bank herrscht nach dem Überfall ein unheimlicher Tumult:
Streifenwagen preschen heran, erregte Passanten stürmen vor die Eingangstür. Polizisten verteilen Sahnebonbons, um die Masse zu beruhigen. Giselas Debüt bringt zwar nur 3100 Mark Beute ein, aber Respekt. Dass es einer Frau gelingt, eine Bank zu erleichtern, überrascht die Öffentlichkeit – und regt die Fantasie an. Die „Banklady“ ist geboren. Die Fahndung läuft auf Hochtouren, jedem Hinweis wird nachgegangen. Doch die Polizei findet keine heiße Spur. Die einzige Chance – sie in flagranti zu erwischen.
Insgesamt 19 Mal schlägt die Banklady-Bande zu - am liebsten freitags kurz vor Kassenschluss. Selbst vor Familie und Nachbarn gelingt es ihr und ihrem Geliebten, ihr Doppelleben zu verbergen.
Beide haben keine Vorstrafen, machen keine auffälligen Ausgaben.
Am 15. Dezember 1967, einem trüben, verregnetem Tag, machen sich Gisela Werler und Peter W. im Auto auf den Weg in Richtung Bad Segeberg. Die Beute soll diesmal besonders groß ausfallen: 100.000 Mark auf einen Schlag. Danach wollen sie aufhören. Doch die Angestellten reagieren anders als erwartet, leisten Widerstand. Das Räuberpärchen flüchtet über den Hintereingang auf den Parkplatz, auf dem das Auto steht. Vier junge Angestellte folgen ihnen, kommen ihnen gefährlich nahe. Peter W. verliert die Nerven und feuert mit seiner Maschinenpistole in Richtung der jungen Menschen. Alle vier werden getroffen.
Die alarmierte Polizei kann nach einer Verfolgungsjagd die Banklady und Peter W. festnehmen. Am 27.12. 1968 wird der Prozess gegen die Banklady Gisela Werler und ihre Komplizen eröffnet. In den Medien wird sie immer noch als eiskalte, gelassene Lady beschrieben. Das Gericht kommt zu einem anderen Ergebnis: Sie sei sich der Schwere ihrer Taten nicht bewusst gewesen. Sie erhält mit 9 ½ Jahren eine 4 Jahre geringere Haftstrafe als ihr Geliebter.
Im Gefängnis hatte sie ihren Peter geheiratet, 31 Jahre waren sie zusammen. Zuletzt lebten die beiden gemeinsam in Hamburg Altona, bescheiden. 2004 ist Gisela Werler gestorben.
Das Leben der Packerin, die als „Banklady“ Verbrechensgeschichte schrieb, hat der Hamburger Filmemacher Manfred Uhlig anhand ihres Tagebuchs rekonstruiert. Sein Fazit dieser außergewöhnlichen Biografie: Geld macht eben doch glücklich."
Dann gibt's hier noch Produktionsnotizen, die unterschlagen, dass es vor acht Jahren schon mal einen Film über Gisela Werler und Peter W. gegeben hat, in dem er - im Gegensatz zu Gisela W. sein Gesicht gezeigt hat. Nämlich: "Der geplatzte Traum: Die Banklady. Autor: Martin Niggeschmidt. Süddeutsche TV/Vox, 30.8.1999.
"„Die Banklady“ – Produktionsnotizen
Er grüßt seine Nachbarn. Er liebt seine Katze. Und er schätzt seine Anonymität. Wie bringt man einen ehemaligen Bankräuber dazu, die Fassade des Biedermanns zu lüften? Über eine Zeit zu berichten, in der er als Komplize und Partner der „Banklady“ einer der meistgesuchten Schwerverbrecher Deutschlands war?
Wir brauchen viele Stunden, viele Gespräche, er trinkt das eine oder andere Bier. Am Ende ist Vertrauen entstanden. Peter W. weiß, dass die NachWir brauchen viele Stunden, viele Gespräche, er trinkt das eine oder andere Bier. Am Ende ist Vertrauen entstanden. Peter W. weiß, dass die Nachbarn ihn auf seine Vergangenheit ansprechen werden, sobald der Film gelaufen ist. Er wird auf der Straße erkannt werden, er wird sich bekennen müssen.
Sein Motiv, trotzdem auszupacken? Vielleicht der Wunsch, einmal reinen Tisch zu machen. Und seine Geschichte mit Gisela zu erzählen. Gisela, das Mädchen aus der Tapetenfabrik, die aus Liebe zur Bankräuberin wurde. Vor drei Jahren ist sie gestorben. Sie fehlt ihm.
Noch einmal lässt er die ersten gemeinsamen Jahre Revue passieren. Die Überfälle, der Geldrausch, die gemeinsamen Stunden in ihrem Liebesnest. „Auch Bankräuber sind mal sentimental“, sagt Peter. Dann geht er zum Kühlschrank und holt sich noch ein Bier. "
"Als sie 30 wurde, beschloss die Hamburgerin Gisela Werler, dass ihr das Leben als Packerin in einer Tapetenfabrik nicht mehr genügte. Sie wurde Bankräuberin. Und eine erfolgreiche dazu. Anfang der 60er Jahre überfiel sie mit ihrem Komplizen Peter Sparkassen und Banken in Serie. Ihre Beute nach heutigem Wert: eine Million Euro.
Drei Jahre lang verfolgte die Polizei ein Phantom. Ihr Sexappeal und ihre schönen Beine machten Schlagzeilen, sogar die Polizei bewunderte ihre Kaltblütigkeit. Am Ende wurde sie gefasst. Doch ein großer Teil ihrer Beute wurde nie gefunden.
Das Leben der Packerin, die als "Banklady" Verbrechensgeschichte schrieb, hat der Hamburger Filmemacher Manfred Uhlig anhand ihres Tagebuchs rekonstruiert. Sein Fazit dieser außergewöhnlichen Biografie: Geld macht eben doch glücklich."
Geld her! - Die Banklady
Ein Film von Manfred Uhlig
Sendetermin: Montag, 18. Juni, 21.00 Uhr, Das Erste
Von 1965 bis 1967 erleichtert Gisela Werler 19 Banken in Norddeutschland mit bis zu drei Komplizen um 400.000 Mark - ein neuer Nachkriegsrekord. Zwei Jahre lang sorgt sie als „Die
Banklady“ für erotische Ausnahmezustände in der deutschen Presse. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen sorgt jeder ihrer Überfälle für Schlagzeilen auf Seite eins. Mal verkündet sie
ironisch: „Machen Sie schnell, Zeit ist Geld“, mal herrscht sie ihre Komplizen in der Bank an: „Los! Diesmal machst du mit, du Feigling!“. Die Presse stellt die Banklady als abgebrühte, eiskalte
Bandenchefin dar. Umso größer ist das Erstaunen, als sich Gisela Werler nach ihrer Festnahme als Mädchen aus einfachen Verhältnissen mit fröhlichem Gemüt herausstellte. Sollte sie, wie sie
bereits in ihrem ersten Verhör angab, tatsächlich nur aus Liebe geraubt haben? Nur, um bei ihrem geliebten Komplizen Peter W. Eindruck zu schinden? Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Gericht, das ihr eine fehlende Schuldeinsicht attestiert und sie zu einer 4 Jahre geringeren Haftstrafe verurteilt als ihren Geliebten.
Noch 1975 wird der Kriminologe Franz Czaszar Frauen grundsätzlich die Eignung zum Banküberfall absprechen: Sie brächten nicht die notwendige Mentalität mit, um Delikte zu begehen, die Gewaltanwendung erforderten.
Gisela Werler wird am 18. August 1934 in Hamburg-Altona als älteste von drei Töchtern eines Bauschlossers geboren. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, wird streng erzogen. Nachbarn
beschreiben sie als bildhübsch, nett und lieb. Nach ihrem Abschluss an der Volksschule Thedestraße muss Gisela zum Familienunterhalt beitragen. Sie arbeitet u. a. in einem Supermarkt, später in einer Tapetenfabrik. Sie wird geschätzt als hilfsbereite und pünktliche Mitarbeiterin, die gerne feiert und viele Freunde hat.
Peter W. ist ein Taxiunternehmer aus Hamburg-Eidelstedt, geboren 1928, blond, von kräftiger Statur. Er wird als ihr Lehrmeister bezeichnet, Gisela Werler als verliebte und abhängige "Räuberbraut“. „Ich raubte nur aus Liebe“, sollen ihre Worte direkt nach der Festnahme gewesen sein. Doch war es so?
Gisela und Peter lernen sich nach seinem ersten Banküberfall kennen. Gisela und Peter lernen sich nach seinem ersten Banküberfall kennen. Sein Komplize Hugo Warncke macht die beiden miteinander bekannt, als Giselas Schlafzimmerschrank als Lagerort dienen soll. Am 29. Juli 1965 schließlich debütiert Gisela als Solistin mit Perücke und Revolver in der Hamburger Volksbank an der Elbgaustraße. Vor der Bank herrscht nach dem Überfall ein unheimlicher Tumult:
Streifenwagen preschen heran, erregte Passanten stürmen vor die Eingangstür. Polizisten verteilen Sahnebonbons, um die Masse zu beruhigen. Giselas Debüt bringt zwar nur 3100 Mark Beute ein, aber Respekt. Dass es einer Frau gelingt, eine Bank zu erleichtern, überrascht die Öffentlichkeit – und regt die Fantasie an. Die „Banklady“ ist geboren. Die Fahndung läuft auf Hochtouren, jedem Hinweis wird nachgegangen. Doch die Polizei findet keine heiße Spur. Die einzige Chance – sie in flagranti zu erwischen.
Insgesamt 19 Mal schlägt die Banklady-Bande zu - am liebsten freitags kurz vor Kassenschluss. Selbst vor Familie und Nachbarn gelingt es ihr und ihrem Geliebten, ihr Doppelleben zu verbergen.
Beide haben keine Vorstrafen, machen keine auffälligen Ausgaben.
Am 15. Dezember 1967, einem trüben, verregnetem Tag, machen sich Gisela Werler und Peter W. im Auto auf den Weg in Richtung Bad Segeberg. Die Beute soll diesmal besonders groß ausfallen: 100.000 Mark auf einen Schlag. Danach wollen sie aufhören. Doch die Angestellten reagieren anders als erwartet, leisten Widerstand. Das Räuberpärchen flüchtet über den Hintereingang auf den Parkplatz, auf dem das Auto steht. Vier junge Angestellte folgen ihnen, kommen ihnen gefährlich nahe. Peter W. verliert die Nerven und feuert mit seiner Maschinenpistole in Richtung der jungen Menschen. Alle vier werden getroffen.
Die alarmierte Polizei kann nach einer Verfolgungsjagd die Banklady und Peter W. festnehmen. Am 27.12. 1968 wird der Prozess gegen die Banklady Gisela Werler und ihre Komplizen eröffnet. In den Medien wird sie immer noch als eiskalte, gelassene Lady beschrieben. Das Gericht kommt zu einem anderen Ergebnis: Sie sei sich der Schwere ihrer Taten nicht bewusst gewesen. Sie erhält mit 9 ½ Jahren eine 4 Jahre geringere Haftstrafe als ihr Geliebter.
Im Gefängnis hatte sie ihren Peter geheiratet, 31 Jahre waren sie zusammen. Zuletzt lebten die beiden gemeinsam in Hamburg Altona, bescheiden. 2004 ist Gisela Werler gestorben.
Das Leben der Packerin, die als „Banklady“ Verbrechensgeschichte schrieb, hat der Hamburger Filmemacher Manfred Uhlig anhand ihres Tagebuchs rekonstruiert. Sein Fazit dieser außergewöhnlichen Biografie: Geld macht eben doch glücklich."
Dann gibt's hier noch Produktionsnotizen, die unterschlagen, dass es vor acht Jahren schon mal einen Film über Gisela Werler und Peter W. gegeben hat, in dem er - im Gegensatz zu Gisela W. sein Gesicht gezeigt hat. Nämlich: "Der geplatzte Traum: Die Banklady. Autor: Martin Niggeschmidt. Süddeutsche TV/Vox, 30.8.1999.
"„Die Banklady“ – Produktionsnotizen
Er grüßt seine Nachbarn. Er liebt seine Katze. Und er schätzt seine Anonymität. Wie bringt man einen ehemaligen Bankräuber dazu, die Fassade des Biedermanns zu lüften? Über eine Zeit zu berichten, in der er als Komplize und Partner der „Banklady“ einer der meistgesuchten Schwerverbrecher Deutschlands war?
Wir brauchen viele Stunden, viele Gespräche, er trinkt das eine oder andere Bier. Am Ende ist Vertrauen entstanden. Peter W. weiß, dass die NachWir brauchen viele Stunden, viele Gespräche, er trinkt das eine oder andere Bier. Am Ende ist Vertrauen entstanden. Peter W. weiß, dass die Nachbarn ihn auf seine Vergangenheit ansprechen werden, sobald der Film gelaufen ist. Er wird auf der Straße erkannt werden, er wird sich bekennen müssen.
Sein Motiv, trotzdem auszupacken? Vielleicht der Wunsch, einmal reinen Tisch zu machen. Und seine Geschichte mit Gisela zu erzählen. Gisela, das Mädchen aus der Tapetenfabrik, die aus Liebe zur Bankräuberin wurde. Vor drei Jahren ist sie gestorben. Sie fehlt ihm.
Noch einmal lässt er die ersten gemeinsamen Jahre Revue passieren. Die Überfälle, der Geldrausch, die gemeinsamen Stunden in ihrem Liebesnest. „Auch Bankräuber sind mal sentimental“, sagt Peter. Dann geht er zum Kühlschrank und holt sich noch ein Bier. "
vabanque - am Dienstag, 5. Juni 2007, 09:43 - Rubrik: Bankraub in Film und Fernsehen
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Start mit Banklady
Am Montag 18.6. strahlt die ARD eine vierteilige NDR-Dokumentationsreihe (Sendetermine: montags, 18./25. Juni und 9./16. Juli, 21.00 Uhr,) zum Thema Bankraub aus. Dabei werden vier spektaktuläre Fälle beispielhaft herausgegriffen, was letztlich zwar der Mystifizierung weiteren Vorschub leisten wird, da es dem Bedürfnis des Publikums geschuldet ist, das Spektakuläre in den Mittelpunkt zu stellen:
Die Pressemappe der ARD bewirbt die Reihe mit dem bekannten Brecht-Zitat und ist deutlich inspiriert durch die Darstellung und Argumentation von Va Banque, ohne es zu erwähnen:
„Geld her!“: vierteilige NDR Dokumentarreihe über große
Banküberfälle
„Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?
Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“
(Bertolt Brecht, Die Dreigroschenoper)
Nein, Brecht konnte sich mit dieser Ansicht nicht durchsetzen. Auch wenn neuerdings sogar mächtigste Bankmanager vor Gericht stehen - sie müssen nicht mit dem Strafmaß rechnen, das dem gemeinen Bankräuber droht. Ein Blick auf einschlägige Gerichtsurteile zeigt, wie sehr der Überfall auf ein Geldinstitut immer noch der gesellschaftlichen Ächtung unterliegt. Gleichwohl umgibt den Bankräuber eine ungleich faszinierendere Aura als den gemeinen Straßendieb. Wer hätte nicht bei „Rififi“ mit den Gangstern mitgefiebert oder die technische Intelligenz und die kaltblütige Perfektion der englischen Posträuber bewundert? Die allgemeine Faszination für Bankräuber gibt Rätsel auf – ist es die Bewunderung für den Gentleman-Gangster, wenn nur materieller Schaden entsteht und den Bankangestellten nicht die private Brieftasche geleert wird? Oder erfüllt der Räuber stellvertretend den heimlichen Traum vom schnellen Reichtum – denselben Traum, der Millionen allwöchentlich zur Lotto-Annahmestelle treibt? Es ist eine gefährliche Faszination. Unter den alljährlichen abgeurteilten Räubern sind viele Unbedarfte und Verzweifelte, die, berauscht von diesem Traum, „das große Ding“ wagten und sich auf Fahndungsplakaten, im Gefängnis und vielleicht sogar in der TV-Reihe „Deutschlands dümmste Verbrecher“ wiederfinden.
Das Geld der anderen zu rauben ist ein uralter Trieb. Die Mittel und Wege, es zu bekommen, haben sich im Lauf der Zeit geändert, und seit Alarmanlagen, Tresore und Wachmannschaften die Schätze bewachen, herrscht ein inoffizieller Wettbewerb zwischen Räuber und Gendarm um die Vormacht im High-Tech-Bereich. Die Geschichte einzelner Banküberfälle ist aber auch eine andere Geschichte der Gesellschaft, die sie erschütterten. Sie erzählen von sozialen Spannungen, politischen Verwerfungen, Skandalen und Schicksalen, die der Banküberfall schlaglichtartig beleuchtet. Die Karriere der Banklady in den Sechzigerjahren war ein Affront gegen das Frauenbild der Zeit, der Todesschuss von München wäre ohne den Hintergrund des aufkommenden Terrorismus vermutlich nicht passiert. Die Geschichte der Tunnelgangster von Berlin zeigt, dass die modernen Ermittlungsmethoden der Polizei selbst den brillantesten Coup irgendwann aufklären können. Und die absurde Entwicklung des Banküberfalls von Uelzen verdankte sich der verzweifelten Perspektivlosigkeit junger Aussiedler, die gedanklich nicht in Deutschland angekommen waren.
Die Reihe erzählt deshalb nicht allein eine packende „crime story“, sondern nutzt Zeitgeschichte als Banderole der Handlung, bindet die Erzählung zurück an den Zeitgeist. Was erzählt das Verbrechen über die Zeit, in der es stattfindet, über die Gesellschaft, über die Menschen? Insofern ist die Reihe auch – ohne die weltanschauliche Prämisse Brechts zu teilen – eine Sittengeschichte des Bankraubs durch die deutsche Geschichte hindurch.
Am Montag 18.6. strahlt die ARD eine vierteilige NDR-Dokumentationsreihe (Sendetermine: montags, 18./25. Juni und 9./16. Juli, 21.00 Uhr,) zum Thema Bankraub aus. Dabei werden vier spektaktuläre Fälle beispielhaft herausgegriffen, was letztlich zwar der Mystifizierung weiteren Vorschub leisten wird, da es dem Bedürfnis des Publikums geschuldet ist, das Spektakuläre in den Mittelpunkt zu stellen:
Die Pressemappe der ARD bewirbt die Reihe mit dem bekannten Brecht-Zitat und ist deutlich inspiriert durch die Darstellung und Argumentation von Va Banque, ohne es zu erwähnen:
„Geld her!“: vierteilige NDR Dokumentarreihe über große
Banküberfälle
„Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?
Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“
(Bertolt Brecht, Die Dreigroschenoper)
Nein, Brecht konnte sich mit dieser Ansicht nicht durchsetzen. Auch wenn neuerdings sogar mächtigste Bankmanager vor Gericht stehen - sie müssen nicht mit dem Strafmaß rechnen, das dem gemeinen Bankräuber droht. Ein Blick auf einschlägige Gerichtsurteile zeigt, wie sehr der Überfall auf ein Geldinstitut immer noch der gesellschaftlichen Ächtung unterliegt. Gleichwohl umgibt den Bankräuber eine ungleich faszinierendere Aura als den gemeinen Straßendieb. Wer hätte nicht bei „Rififi“ mit den Gangstern mitgefiebert oder die technische Intelligenz und die kaltblütige Perfektion der englischen Posträuber bewundert? Die allgemeine Faszination für Bankräuber gibt Rätsel auf – ist es die Bewunderung für den Gentleman-Gangster, wenn nur materieller Schaden entsteht und den Bankangestellten nicht die private Brieftasche geleert wird? Oder erfüllt der Räuber stellvertretend den heimlichen Traum vom schnellen Reichtum – denselben Traum, der Millionen allwöchentlich zur Lotto-Annahmestelle treibt? Es ist eine gefährliche Faszination. Unter den alljährlichen abgeurteilten Räubern sind viele Unbedarfte und Verzweifelte, die, berauscht von diesem Traum, „das große Ding“ wagten und sich auf Fahndungsplakaten, im Gefängnis und vielleicht sogar in der TV-Reihe „Deutschlands dümmste Verbrecher“ wiederfinden.
Das Geld der anderen zu rauben ist ein uralter Trieb. Die Mittel und Wege, es zu bekommen, haben sich im Lauf der Zeit geändert, und seit Alarmanlagen, Tresore und Wachmannschaften die Schätze bewachen, herrscht ein inoffizieller Wettbewerb zwischen Räuber und Gendarm um die Vormacht im High-Tech-Bereich. Die Geschichte einzelner Banküberfälle ist aber auch eine andere Geschichte der Gesellschaft, die sie erschütterten. Sie erzählen von sozialen Spannungen, politischen Verwerfungen, Skandalen und Schicksalen, die der Banküberfall schlaglichtartig beleuchtet. Die Karriere der Banklady in den Sechzigerjahren war ein Affront gegen das Frauenbild der Zeit, der Todesschuss von München wäre ohne den Hintergrund des aufkommenden Terrorismus vermutlich nicht passiert. Die Geschichte der Tunnelgangster von Berlin zeigt, dass die modernen Ermittlungsmethoden der Polizei selbst den brillantesten Coup irgendwann aufklären können. Und die absurde Entwicklung des Banküberfalls von Uelzen verdankte sich der verzweifelten Perspektivlosigkeit junger Aussiedler, die gedanklich nicht in Deutschland angekommen waren.
Die Reihe erzählt deshalb nicht allein eine packende „crime story“, sondern nutzt Zeitgeschichte als Banderole der Handlung, bindet die Erzählung zurück an den Zeitgeist. Was erzählt das Verbrechen über die Zeit, in der es stattfindet, über die Gesellschaft, über die Menschen? Insofern ist die Reihe auch – ohne die weltanschauliche Prämisse Brechts zu teilen – eine Sittengeschichte des Bankraubs durch die deutsche Geschichte hindurch.
vabanque - am Dienstag, 5. Juni 2007, 09:05 - Rubrik: Bankraub in Film und Fernsehen
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Der Handelsblatt-Kommentar ("Zahnlose Justiz", 5.6. 2007) verkündete im Kontext von Kapitalanlagebetrug eine Erkenntnis als Neuigkeit, die gelinde gesagt, schon ziemlich schal riecht. Aber, der Neuigkeitswert besteht für uns darin, dass immerhin mal zugegeben wird, dass Kapitalanlagebetrug ein vielfaches an "Ertrag" bringt, als ordinärer bewaffneter Banküberfall. Damit wird die Frage gestellt, was denn der Unterschied ist, zwischen Kapitalanlage (und den dahinter liegenden Bedürfnissen) und Bankraub. Das Handelsblatt (bzw. Autor F. Wiebe) geht aber nicht so weit zuzugeben, dass es die Profitgier Ihrer Leserschaft ist, sozusagen deren strukturellen Charakterdefizit, der letztlich ihre Gier nach Mehr und Profit den Unterschied zum Bankräuber nivelliert:
"Endlich! Das ist die erste Reaktion auf die Nachricht, dass das Amtsgericht Göttingen gegen Jürgen Rinnewitz als führenden Kopf und zahlreiche weitere Manager der „Göttinger Gruppe“ Haftbefehle erlassen hat.
Etwas ernüchternd ist allerdings der Grund für die Haftbefehle: Es geht keineswegs darum, Betrüger hinter Schloss und Riegel zu bringen. Die Damen und Herren sollen lediglich dazu gezwungen werden, Auskunft über ihr Vermögen zu geben. Das Gericht versucht, noch etwas für die geprellten Anleger der Gruppe herauszuholen. Das Göttinger System, in den frühen 90er-Jahren installiert, ist schnell erklärt. Im Kern beruht es wie in vielen ähnlich gelagerten Fällen darauf, Anlegern gute Renditen zu versprechen, ihr Geld einzusammeln und diese Renditen dann aus dem Geld neuer Anleger herzuzaubern. Jedem, der bis drei zählen kann, ist klar, dass so ein System nicht ewig weiterlaufen kann. Nun, Rinnewitz und seine Freunde haben es auch nicht ganz so nackt laufen lassen, sondern in ein ganzes Geflecht von Tochterfirmen verpackt: Das Geld der Anleger wurde in diese Tochterunternehmen investiert, die aber direkt oder indirekt allein davon gelebt haben, neue Anleger anzuwerben. Auf diese Weise handelte es sich juristisch um eine Anlage in Unternehmensbeteiligungen – und unterlag damit nicht der Bankaufsicht, gehörte also zum „grauen“ Kapitalmarkt. Dies hat das fröhliche Treiben überhaupt erst ermöglicht.
(...)
Ein Grundproblem, das hat die Göttinger Gruppe gezeigt, besteht darin, dass die Justiz nicht das ganze System einer Kapitalanlage analysiert und daraus Rückschlüsse, zum Beispiel auf betrügerische Absichten, zieht. Das mag auch damit zusammenhängen, dass es in Deutschland zwar massenhaft Sachverständige für jedes Komma in der Bilanz oder die hinterletzten steuerlichen Abschreibungsregeln gibt, aber bisher nur sehr wenige für Kapitalanlage. Entsprechend hat es die Göttinger Gruppe geschafft, zahllose Prozesse gegen Kritiker in Detailfragen der Bilanzierung oder steuerlicher Würdigung versanden zu lassen und dann mit einem imposanten Aufgebot von zum Teil prominenten Sachverständigen ihre Korrektheit in diesen Nebensächlichkeiten nachzuweisen. Die Frage, ob das ganze System überhaupt einem anderen Zweck dienen kann, als Kunden um ihr Geld zu erleichtern, wurde so trotz jahrelanger Verhandlungen mit Bergen von Akten letztlich nie gestellt.
Irgendwann passierte, was passieren musste: Die Gruppe geriet in Zahlungsschwierigkeiten. Aber selbst dann ist es, wenn sich niemand das gesamte System anschaut, schwierig, direkt eine betrügerische Absicht nachzuweisen. Wollen wir wetten, dass die Justiz mit ihren Haftbefehlen jetzt lauter „arme Leute“ erwischt, die keinerlei Vermögen haben, jedenfalls kein greifbares? Deutschland ist ein Paradies für dubiose Geldjongleure. Alles, was bei uns beaufsichtigt wird wie Banken und Versicherungen, wird zwar relativ gut beaufsichtigt. Wo keine Aufsicht zuständig ist, zum Beispiel auch bei Geldtransporten, sind der Phantasie dagegen keine Grenzen gesetzt. Brecht fragte: Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank? Heute können wir präziser sagen: Wer Banken überfällt, ist dumm. Man kann mit geringerem Risiko zu viel mehr Geld kommen. "
"Endlich! Das ist die erste Reaktion auf die Nachricht, dass das Amtsgericht Göttingen gegen Jürgen Rinnewitz als führenden Kopf und zahlreiche weitere Manager der „Göttinger Gruppe“ Haftbefehle erlassen hat.
Etwas ernüchternd ist allerdings der Grund für die Haftbefehle: Es geht keineswegs darum, Betrüger hinter Schloss und Riegel zu bringen. Die Damen und Herren sollen lediglich dazu gezwungen werden, Auskunft über ihr Vermögen zu geben. Das Gericht versucht, noch etwas für die geprellten Anleger der Gruppe herauszuholen. Das Göttinger System, in den frühen 90er-Jahren installiert, ist schnell erklärt. Im Kern beruht es wie in vielen ähnlich gelagerten Fällen darauf, Anlegern gute Renditen zu versprechen, ihr Geld einzusammeln und diese Renditen dann aus dem Geld neuer Anleger herzuzaubern. Jedem, der bis drei zählen kann, ist klar, dass so ein System nicht ewig weiterlaufen kann. Nun, Rinnewitz und seine Freunde haben es auch nicht ganz so nackt laufen lassen, sondern in ein ganzes Geflecht von Tochterfirmen verpackt: Das Geld der Anleger wurde in diese Tochterunternehmen investiert, die aber direkt oder indirekt allein davon gelebt haben, neue Anleger anzuwerben. Auf diese Weise handelte es sich juristisch um eine Anlage in Unternehmensbeteiligungen – und unterlag damit nicht der Bankaufsicht, gehörte also zum „grauen“ Kapitalmarkt. Dies hat das fröhliche Treiben überhaupt erst ermöglicht.
(...)
Ein Grundproblem, das hat die Göttinger Gruppe gezeigt, besteht darin, dass die Justiz nicht das ganze System einer Kapitalanlage analysiert und daraus Rückschlüsse, zum Beispiel auf betrügerische Absichten, zieht. Das mag auch damit zusammenhängen, dass es in Deutschland zwar massenhaft Sachverständige für jedes Komma in der Bilanz oder die hinterletzten steuerlichen Abschreibungsregeln gibt, aber bisher nur sehr wenige für Kapitalanlage. Entsprechend hat es die Göttinger Gruppe geschafft, zahllose Prozesse gegen Kritiker in Detailfragen der Bilanzierung oder steuerlicher Würdigung versanden zu lassen und dann mit einem imposanten Aufgebot von zum Teil prominenten Sachverständigen ihre Korrektheit in diesen Nebensächlichkeiten nachzuweisen. Die Frage, ob das ganze System überhaupt einem anderen Zweck dienen kann, als Kunden um ihr Geld zu erleichtern, wurde so trotz jahrelanger Verhandlungen mit Bergen von Akten letztlich nie gestellt.
Irgendwann passierte, was passieren musste: Die Gruppe geriet in Zahlungsschwierigkeiten. Aber selbst dann ist es, wenn sich niemand das gesamte System anschaut, schwierig, direkt eine betrügerische Absicht nachzuweisen. Wollen wir wetten, dass die Justiz mit ihren Haftbefehlen jetzt lauter „arme Leute“ erwischt, die keinerlei Vermögen haben, jedenfalls kein greifbares? Deutschland ist ein Paradies für dubiose Geldjongleure. Alles, was bei uns beaufsichtigt wird wie Banken und Versicherungen, wird zwar relativ gut beaufsichtigt. Wo keine Aufsicht zuständig ist, zum Beispiel auch bei Geldtransporten, sind der Phantasie dagegen keine Grenzen gesetzt. Brecht fragte: Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank? Heute können wir präziser sagen: Wer Banken überfällt, ist dumm. Man kann mit geringerem Risiko zu viel mehr Geld kommen. "
contributor - am Dienstag, 5. Juni 2007, 08:25 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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