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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
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Heute morgen aus dem Flugzeug raus, die Umsonst-"Zeitung" "Österreich" (ja die mit dem Geiselnehmer-Interview) rausgeholt und nach dem Wetter und dem neuen Schönbrunner Giraffenbaby fällt mein Blick auf die Schlagzeile "Wieder zwei Banküberfälle" und dass nun schon die Nummer 56 und 57 in diesem Jahr stattgefunden hat. Und so fehlen bis zum "Allzeitrekord" von 68 für Wiener Verhältnisse auch nicht mehr allzuviel, vor allem wenn man bedenkt, dass gegen Weihnachten die Kurve erfahrungsgemäß nochmals richtig ansteigt ...

Die Sonderausstellung des Volkskunde Museums zeigt die Geschichte der ersten Bankräuberin Deutschlands.

Im Jahr 2006 konnte das Volkskunde Museum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf zwei große polizeigeschichtliche Sammlungen in seinen Bestand übernehmen – die Sammlung von Wolfgang Kroker, dem langjährigen Beauftragten für Polizeigeschichte des Landes Schleswig-Holstein, die eine der größten privaten Polizeisammlungen Deutschlands darstellt, und die frühere Lehrmittelsammlung der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin, die bis vor wenigen Jahren im Unterricht für schleswig-holsteinische Polizeianwärter eingesetzt wurde.
Durch diese bedeutenden Schenkungen ist das Volkskunde Museum an eine in Norddeutschland einzigartige polizeigeschichtliche Sammlung gelangt, die mit ihrer Breite und Qualität überregional bedeutsam ist. Ab Oktober 2007 stellt das Volkskunde Museum dieses neue Sammlungsgebiet in regelmäßigen, themenbezogenen Sonderausstellungen der Öffentlichkeit vor.

Die erste polizeigeschichtliche Sonderausstellung des Volkskunde Museums befasst sich mit einem der spektakulärsten Kriminalfälle der Landesgeschichte: Die „Banklady“ Gisela Werler war die erste weibliche Bankräuberin Deutschlands. Von 1964-67 verübte sie mit ihren Komplizen insgesamt 19 Banküberfälle in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen, bis sie 1967 in Bad Segeberg verhaftet wurde. Der Prozess gegen die „Banklady“ vor dem Landgericht Kiel im Jahr 1968 gehörte zu den aufsehenerregendsten Medienereignissen der späten sechziger Jahre.
Schleswig

Die Ausstellung im Volkskunde Museum zeigt die originalen Waffen, Maskierungen und Ausstattungsstücke der Bankräuber in drei großen Inszenierungen, die jeweils die Perspektive der Opfer, der Ermittler und der Täter widerspiegeln. Eine Ausstellungsstation ist als Bankfiliale eingerichtet, eine zweite als Polizeistation der sechziger Jahre, und die dritte stellt die Privatwohnung der „Banklady“ dar, in der sie mit ihrem Komplizen und späteren Ehemann die erfolgreichen Überfälle gefeiert hat. Bankangestellte, Polizisten und auch die Bankräuber kommen in Video- und Hörstationen mit Zeitzeugen-Interviews selbst zu Wort, so dass die Exponate der Ausstellung von den Akteuren persönlich beschrieben und erläutert werden. Damit macht die Ausstellung „Die Banklady“ die Kriminal- und Alltagsgeschichte der sechziger Jahre in besonders lebendiger Weise nachvollziehbar.

Ausstellungseröffnung:
Sonntag, 7. Oktober 2007, 12.00 Uhr im Vortragssaal des Volkskunde Museums (Haus A).
Zur Einführung sprechen Staatssekretär Ulrich Lorenz (Innenministerium) und Dr. Klaus Schönberger (Institut für Volkskunde der Universität Hamburg).

Der Titel des Vortrags von Klaus Schönberger lautet:
"Jeder will doch Geld haben ..."
Volkskundliche Anmerkungen zur Geschichte und Gegenwart des Bankraubs in der Praxis und der populären Kultur



Dauer: Sonntag, 07.10.2007 bis Montag, 31.12.2007


Adresse:
Volkskunde Museum Schleswig - Stiftung Schleswig Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf
Haus A
Suadicanistr. 46-54
24837 Schleswig
Tel.: (04621) 96 76 0
Fax: (04621) 96 76 34
eMail: volkskunde[at]schloss-gottorf.de
Web: www.schloss-gottorf.de

Weitere Einträge zur Banklady in diesem Blog:
Zum ARD/NDR-Portrait

Das Thema wurde im übrigen in Vabanque erstmals aufgegriffen. Der Beitrag von Franziska Roller behandelt das Schicksal von Gisela Werler etwas allgemeiner - im Kontext des weiblichen Bankraubs insgesamt: "Bankladies - Wenn Frauen zu sehr rauben"

spiegel1-Nach sieben Jahren findet "Vabanque" nun doch noch Erwähnung im SPIEGEL. Noch vor Erscheinen des Buches hatte die SPIEGEL-Redaktion bzw. der damalige Kulturressortleiter Höbel einiges daran gesetzt, dass sie die ersten sein würden, die über das damals druckfrische Werk berichten dürfte. So kam der SPIEGEL an die Druckfahnen. Der Ressortleiter selbst verfasste eine Rezension, die aber nie erschien, weil er nach Fertigstellung des Textes in Urlaub fuhr. Seine freundlichen KollegInnen kippten sogleich den Text aus dem "Stehsatz" und als er zurückkam, war er offenbar auch nicht mehr an einer Veröffentlichung interessiert. Soviel zum Arbeitsklima in der SPIEGEL-Redaktion.

Nun ist für SPIEGEL-Verhältnisse doch eine gewisse Zeit seit Erscheinen des Buches vergangen und eine andere Redaktion interessierte sich für das Thema.

spiegel3Im KulturSPIEGEL (Heft 9 / September 2007, der vergangenen Montag dem SPIEGEl beilag (inzwischen wohl nicht mehr nur für Abonnenten), verfasste Ilka Kreutzträger unter dem Titel "Geld oder Leben! In Comics, Filmen, Büchern und Popsongs sind Bankräuber die Helden. Denn sie sorgen für Gerechtigkeit" einen launigen Beitrag, der unter anderem auf einem Hintergrundgespräch mit dem Herausgeber von Vabanque zugrundeliegt:

"'In einer Welt, in der alle Macht vom Geld ausgeht und in der seit je die großen Summen in den Händen einiger weniger sind, scheint es ein Bedürfnis nach Gegenwehr zu geben und einen nicht zu zerstörenden Sinn für Gerechtigkeit', sagt der Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger, Herausgeber des Standardwerks 'Vabanque. Bankraub - Theorie. Praxis. Geschichte'."

Dass das alles noch etwas differenzierter formuliert werden müsste, steht auf einem anderen Blatt (In einer schriftlichen Analyse, würde man vielleicht doch noch mehr auf das Kapitalverhältnis an sich eingehen und nicht nur die Geldebene betonen).

Nach der Erwähnung des Brechtzitates und der Betonung des verbrecherischen Charakters eines Bankraubs:

"Das gilt heute wie damals, denn an der sozialen Schieflage in der Gesellschaft hat sich nichts geändert.
Und ebendiese soziale Gerechtigkeit ist laut Schönberger entscheidend für das positive Bild des Bankräubers. Immer noch haben die einen viel und die anderen wenig. Werden die, die viel haben, ausgeraubt, dann weckt das große Sympathien beim Publikum und wird als gerecht empfunden."


Es folgen noch einige weitere Zitate und Erwähnungen. Ist leider nicht online...

Im Sommerloch kommen sie wieder aus ihren Puschen. In Wien sind sie beim Bankraub Spitze und das ist das Problem eines jeden Sicherheitspolitikers. Im Gratis-Blatt heute (9.8. 2007) - ja das Schmierblatt das neulich ein Foto der Kampusch mit einem vermeintlichen Verehrer publiziert - versucht das Bankraub-Thema zu skandalisieren, wenn auch substanziell keinerlei Information verbreitet wird, die nicht über das bereits Gesagt hinausgeht. Die Überschrift "Überfälle: SPÖ nimmt die Banken ins Gebet" suggeriert dann mal wieder kritische Aktivität gegenüber den Banken, wobei der Anlasß auch nur dafür herhalten muss, die übliche Panikmache für ganz andere Zwecke auszunutzen:

"Rudolf Parnigoni, Vorsitzender des parlamentarischen Innenausschusses, fordert eine Sicherheitsinitiative gegen Banküberfälle. Anlass ist die europaweit beispiellose Raubserie in der Bundeshauptstadt, wo heuer bereits 46 Geldinstitute von Kriminellen heimgesucht wurden. Gegenmaßnahmen fordert der SP-Politiker nicht nur von Seiten der Exekutive, auch die Betroffenen selbst seien gefordert.

46 Banküberfälle bisher – das ist selbst für Wien ein Negativrekord. Im Vergleich: Andere EU-Großstädte wie etwa Hamburg oder Berlin bringen’s auf eben mal zwölf – im Jahr. Gründe seien, so Rudolf Parnigoni, eine verstärkte Präsenz der Exekutive vor den Instituten und der Einsatz privater Security-Bewacher. Parnigoni wünscht sich deshalb für Österreich eine Sicherheitsinitiative, die neben polizeilichen Aktivitäten „auch geeignete Maßnahmen der Bankinstitute selbst umfasst“. So sei etwa die Videoüberwachung nicht auf dem Stand der Technik, kritisiert er die schleppend fortschreitende Modernisierung. „Die Banken sind aber auch aufgefordert, die Arbeit der Polizei mit eigenem Sicherheitspersonal zu unterstützen.“

Parallel dazu fordert Parnigoni ein eigenes Gesetz für private Sicherheitsdienstleister, das eine Qualitätssicherung bringen soll.

Javier Cáceres teilt uns in der Süddeutschen Zeitung (25.7.2007) mit:

Spaniens gefährlichster Bankräuber festgenommen
Portugiesische und Spanische Polizisten stellen Jaime Jiménez Arbe
Madrid - Jaime Jiménez Arbe, 51, unternahm noch einen letzten Versuch, seine Waffe auf die Polizisten zu richten. Doch da war es bereits zu spät. Zwei Dutzend portugiesische Beamte stürzten sich, von einer Handvoll spanischer Kollegen unterstützt, auf ihn und nahmen Jiménez fest, noch ehe er den Finger an den Abzug bekam. Es war das Ende der schillernden, schwerkriminellen Karriere eines Mannes, der in den letzten 14 Jahren zum rätselhaftesten Bankräuber Spaniens geworden war: zum "öffentlichen Feind Nummer eins", wie es am Dienstag in den spanischen Zeitungen hieß.


Phantom
Arbe
Zum Verhängnis wurde Jiménez der Plan, 130 Kilometer südlich von Porto die Kasse der Caixa de Crédito Agrícola in Figueira da Foz zu plündern. "El Solitario", der Solitär - so hatte ihn Spaniens Polizei in ihrer Ohnmacht getauft. Denn bis vor ein paar Monaten war ihr völlig schleierhaft, welche Identität sich hinter dem Mann mit der Perücke, der falschen Brille und dem angeklebtem Bart verbarg. So kannte man ihn von den Bildern der Überwachungskameras.

Tödlicher Schusswaffengebrauch

"Mindestens 36 Überfälle auf Kreditinstitute werden ihm seit 1993 angelastet, sein Operationsgebiet erstreckte sich auf das ganze Staatsgebiet. Dabei erbeutete er kaum mehr als 600 000 Euro, das reichte ihm offenbar, um seinen Jahresetat zu sichern. Intensiviert wurde die Suche nach dem 9. Juni 2004, da erschoss er zwei Beamte der Guardia Civil, der paramilitärischen Polizei, mit 23 Schüssen aus einem Schnellfeuergewehr. Zuletzt, so erklärte der Chef der Guardia Civil, Joan Bastida, sei "ein wahres Heer an Beamten" auf den Fersen des Solitärs gewesen, insgesamt 60 Personen wurden verdächtigt. Nach dem bislang letzten Überfall, Mitte Mai in Toro bei Zamora, waren sich die Ermittler dann sicher, dass es sich um "Jaime aus Las Rozas" handeln musste.

Höfliche Variante


"Der Solitär konnte aber auch anders. Nachdem er Mitte Dezember 2006 in San Agustín de Guadalix, nahe Madrid, 10 600 Euro erbeutet hatte, wandte sich Kunden und Angestellten zu und wünschte ihnen, ehe er ging, noch "ein frohes Fest". Das nächste verbringt er hinter Gittern. "

Weiter Informationen haben wir via Agence France-Presse (25 juillet 2007) finden können:

Le braqueur le plus recherché d'Espagne en détention au Portugal

Lisbonne. Le braqueur le plus recherché d'Espagne Jaime Jiménez Arbe, surnommé le «Solitaire» et arrêté lundi au Portugal, a été placé en détention préventive, a-t-on appris mercredi de source judiciaire.

L'homme, accusé d'une trentaine de braquages et de la mort de trois policiers, a été entendu par la justice pendant plusieurs heures mardi après-midi avant d'être transféré vers la prison de Coimbra (centre).

«Je suis le Solitaire. Salut tout le monde. Salut les Espagnols», a lancé Jaime Arbe aux nombreux journalistes et curieux présents devant le tribunal de Figueira da Foz (centre-ouest du Portugal) mardi en fin d'après-midi.
(...)
Les autorités espagnoles n'ont pas encore adressé de demande d'extradition, a indiqué le ministre de la Justice espagnole cité par le quotidien Diario de Noticias. «Il y a une excellente coopération avec les forces de sécurité portugaises», a-t-il souligné.

Jetzt häufen sich wieder die Anfragen zu "Peter Rohrschneider" in diesem Blog. Wir erinnern uns. Im März war der EX-HSV-Profi, den die BILD-Zeitung mal schnell zum "Ex-HSV-Star" erklärte und heute die WELT (24.7. 2007) dann auch noch "Vom Abstieg eines Bundesliga-Stars" titelt, wegen des Verdachts auf 16fachen Banküberfall verhaftet und angeklagt worden. Rohrschneider absolvierte gerade mal 27 Bundesligaspiele in den sechziger Jahren und schoss dabei ein Tor im Seeler-Team.

Gestern wurde das Urteil im Prozess gesprochen: Sechs Jahre Gefängnis.

"Das Landgericht Lüneburg sah es als erwiesen an, dass der heute 61-Jährige Peter R. 1991 und 1992 mit einem Komplizen zhen Geldinstitute überfallen hatte. 'Er war sicherlich für die Planung und Organisation verantwortlich', sagte die Vorsitzende Richterin am Dienstag.

„Er lebte damals wirtschaftlich knapp, war arbeitslos“, hieß es in dem vom Anwalt des 61-Jährigen verlesenen Geständnisses. Nach seiner Mittleren Reife hatte der Angeklagte 1965 eine Ausbildung zum Chemielaboranten abgeschlossen. Von 1966 bis 1968 war er für zwei Spielzeiten beim Hamburger SV unter Vertrag.(...) Danach arbeitete er in seinem gelernten Beruf, bis er 1990 arbeitslos wurde. Zwischen 1990 und 1994 wurde der Mann wegen Betrügereien und einem versuchten Banküberfall zu Geld- und einer Bewährungsstrafe verurteilt. Als eine von ihm gegründete Import-Export-Firma für Russland floppte, begann er, Taxi zu fahren. Bis zu seiner Festnahme trainierte der Ex-Fußballprofi eine Jugendmannschaft im Süden der Hansestadt."


Da er sich 14 Jahre straffrei aufgeführt hatte, bei den Überfällen niemand zu Schaden kam, die Staatsanwaltschaft sechs von 16 Punkten fallen ließ (ursprünglich war man von über 30 Taten ausgegangen) wollte das Gericht "von einem minderschweren Fall ausgehen".

Interessant ist die Regelung der Namensnennung. Während WELT und MoPo nur den Vornamen ausschreiben und den Namen R. abkürzten, nennt das Hamburger Abendblatt den ganzen Name und zeigt ein aktuelles Bild.

Im Laufe der Jahre haben wir AutorInnen des Buches "Vabanque. Bankraub.Theorie.Praxis. Geschichte" gelernt, dass es wurst ist, was wir mit JournalistInnen bereden, was wir sagen, weglassen oder nicht. Sie haben ihr Skript im Kopf.

Und für den Normalsterblichen mag es auch unerheblich sein, was da für Nuancierungen wegfallen oder Differenzierungen unter den Tisch fallen müssen. So ist das auch im telefonischen Interview mit Frau Antje Hildebrand vnn WELT Online (13.7. 2007) gewesen. Egal. Wichtig ist erst mal, dass Sie auf unseren Seiten zum Thema Bankraub gelandet sind. Dass es hier und in unserem Buch nicht überwiegend um die "spektakulärsten" oder "kuriosten" Banküberfälle geht, dürfte den geneigten LeserInnen schnell klar werden. Dass wir ein Interview nicht mit unserem vermeintlichen oder vermutlichen Vorstrafenregister beginnen, ist darüber hinaus auch nicht so wichtig. Die Phantasien der JournalistInnen sind eben genauso überbordend, wie die Ihrigen. Manchekönnen sich schlicht nicht vorstellen, dass man so viel Know-How anhäufen kann, ohne selbst dabei "in Versuchung" zu kommen (was für uns kein moralisches Problem ist, sondern eines der sich unterscheidenden Interessen - Bankraub ist eine voluntaristische individuelle Abkürzung angesichts der ungleichen Verteilung von Wohlstand und Reichtum - unsereins will das prinzipiell ändern!).

GENUG der Vorreden - look and enjoy ...

Auf Welt-Online (13.7.2007) erfahren wir: "Kein Millionen-Bankraub im Irak
Es war die Nachricht des Tages: Bei einem Raubüberfall auf die Privatbank Dar al-Salam in Bagdad sollen mehr als 300 Millionen Dollar erbeutet worden sein. Doch dann kam alles anders...

Am Nachmittag stellte sich heraus: Es handelt sich beim Banküberfall bloß um rund 388.000 Dollar (282.000 Euro). Das gab ein Sprecher des Irakischen Innenministeriums bekannt und korrigierte damit frühere Angaben des Innen- und Finanzministeriums.
Der Raub in der Privatbank Dar al-Salam, an der die in London ansässige HSBC-Bank beteiligt ist, hatte durch die immense Summe anfangs großes Erstaunen ausgelöst.
Die Wächter, die von der Sicherheitsfirma zur Bewachung der Dar-al-Salam-Privatbank abgestellt worden waren, hatten laut Innenministerium am Mittwoch gegen 12.00 Uhr Ortszeit plötzlich ihre Waffen auf die Bankangestellten gerichtet und anschließend ungehindert das Bargeld abtransportiert.

Die Bank liegt an einer belebten Geschäftsstraße im Zentrum von Bagdad. In den ersten Wochen nach dem Sturz des Regimes von Ex-Präsident Saddam Hussein durch amerikanische und britische Truppen im April 2003 waren mehrere staatliche Banken in Bagdad ausgeraubt worden."

Davon träumen sie alle - und unsereins merkt es - wenn die JournalistInnen anrufen.

Es ist von einer Viertelmilliarde die Rede, die drei Wächter der Bagdader Dar-al-Salam-Bank entwendet haben. Es war keine Banküberfall oder Bankraub, sondern schlicht und einfach ein Diebstahl aus einer Bank. Einmal mehr zeigt sich jene Binsenwahrheit bestätigt, dass die größten Coups in der Regel aus dem Innern der Bank erfolgen. So auch hier. Verdächtigt wird das Sicherheitspersonal. SPIEGEL ONLINE zeigt sich beim Thema Bankdiebstahl auch nicht so semantisch bewandert: "Es ist einer der größten Banküberfälle aller Zeiten"

Es ist nicht nur "der größte Bankraub in der Geschichte des Irak" ("Bankdiebstahl!", Herrschaften), wie die Wiener Zeitung "Die Presse" (12.7. 2007) schreibt, es wäre, wenn sich die Berichte bestätigen, der größte bekanntgewordene Bankdiebstahl aller Zeiten. Aber da ist erst mal abzuwarten. Die Nachrichtenlage in einem Land wie dem Irak, kann sich schnell ändern:

"Mit einer Beute von 282 Millionen US-Dollar (205 Millionen Euro) haben sich in Bagdad drei Wächter einer Privatbank abgesetzt. Die Nachrichtenagentur Aswat al- Irak berichtete, die drei Männer hätten das Geld am Mittwoch aus der Dar-al-Salam-Bank entwendet. Diese liegt an einer belebten Geschäftsstraße im Zentrum von Bagdad. Anschließend konnten sie fliehen - mit einer Viertelmilliarde Dollar im Gepäck. Über mögliche Hintermänner des Coups oder die näheren Umstände wurde zunächst nichts bekannt."

Den derzeit informativsten deutschsprachigen Bericht liefert Die WELT Online ('Die lächerlichen Millionen einer Privatbank"):

"Tatsächlich habe ein derartiger Coup stattgefunden, erzählt ein Mitarbeiter der Dar-al-Salam-Bank, der nicht genannt werden will, WELT ONLINE. Allerdings sei dies am Mittwoch nach Feierabend geschehen. Aufgrund der Sicherheitslage schließen Banken und Geschäfte schon um 14 Uhr. Ab 20 Uhr herrscht in Bagdad Ausgangssperre. Doch schon Stunden vorher sind die Straßen der irakischen Hauptstadt praktisch ausgestorben. Die Menschen haben Angst, ihre Häuser zu verlassen. So habe der Raub weitgehend unbeobachtet stattgefunden. Da die Diebe mit dem Gebäude vertraut waren, konnten sie die Sicherheitsanlagen ausschalten und nahezu unerkannt entkommen. Der Diebstahl wurde erst am Donnerstagmorgen entdeckt."

Die notwendigen Hintergrundinformationen über die Bank und die Wahrscheinlichkeit, dass der Millionencoup stattgefunden hat, kriegen wir auch von der WELT-Online-Webseite:

"Die Dar-al-Salam-Bank ist eine der insgesamt acht Privatbanken, die nach dem Sturz des Saddam-Regimes eine Lizenz erhielten. Das Bankenwesen im Zweistromland ist noch völlig unterentwickelt. Die meisten Transaktionen werden nach wie vor in Cash abgewickelt. Kreditkarten gibt es nicht. Auch Geldautomaten sucht man vergebens. Die Dar-al-Salam-Bank konzentriert sich fast ausschließlich auf Transfers für Unternehmen. Hauptaktionär ist die HSBC (Honkong-Schanghai), die mittlerweile drei Filialen in Bagdad unterhält. Ausgeraubt wurde die Niederlassung im Stadtzentrum, am Saadon-Park, am Ostufer des Tigris. In der Nähe befinden sich das Nationaltheater und das Dar-al-Salam-Hotel. Über die gestohlene Summe gibt es keine Bestätigung. „Es können auch nur Gerüchte sein“, gibt der Mitarbeiter zu bedenken, „wie üblich im Irak“. Dass die Bank über Nacht so viel Geld in ihrem Safe lässt, glaubt er eigentlich nicht, „nicht in unserer Situation“."

Ausserdem erhalten wir eine Einschätzung, warum im Irak so ein Millionencoup eigentlich keiner ist:

" Säckeweise Dollarnoten
Warum ein Bankraub von gut 200 Millionen Euro im Irak nicht für mehr Aufsehen sorgt, liegt an den völlig absurden Relationen, denen die Menschen dort ausgeliefert sind. So wurde nach dem Sturz Saddam Husseins das gesamte Vermögen der Zentralbank geplündert. Augenzeugen berichten, dass säckeweise Dollarnoten aus dem Gebäude herausgetragen
Schlagworte
Bankraub Irak 282 Millionen Kriminalität Verbrechen
wurden. Wer schnell reagierte, konnte ein Vermögen zusammentragen. Noch heute tauchen Seriennummern von damals in den Wechselstuben auf.
Aber nicht nur das. Schlagzeilen von veruntreuten Geldern in Milliardenhöhe durch korrupte US-Beamte oder irakische Regierungsmitglieder sorgen für weit mehr Aufregung, als die „lächerlichen“ Millionen einer Privatbank. So sucht der amerikanische Kongress noch immer mehrere Milliarden, die bis 2005 in den Irak geschickt wurden und von denen bis jetzt jede Spur fehlt. Eine Milliarde Dollar soll allein das Verteidigungsministerium der ersten Übergangsregierung unter Ministerpräsident Ijad Allawi veruntreut haben. Die Ermittlungen würden fortgesetzt, verlautet aus Regierungskreisen. Doch die täglichen Bomben und vielen Toten in Bagdad überdecken zumeist alles andere. "


Auch die New York Times (12.7. 2007) sieht mehr Fragen als Antworten:
"The robbery, of $282 million from the Dar Es Salaam bank, a private financial institution, raised more questions than it answered, and officials were tight-lipped about the crime. The local police said two guards engineered the robbery, but an official at the Interior Ministry said three guards were involved.

Both confirmed that the stolen money was in American dollars, not Iraqi dinars. It was unclear why the bank had that much money on hand in dollars, or how the robbers managed to move such a large amount without being detected.

Several officials speculated that the robbers had connections to the militias, because it would be difficult for them to move without being searched through many checkpoints in Baghdad."



Dann wollen die Zeitungen nach so einem Coup immer auch noch Hintergrundinformationen liefern. Bei jedem größeren Banküberfall werden vergleichbare Fälle aufgezählt. Auch dieses Mal lesen wir in der "Presse" den sattsam bekannten Unsinn über Ronald Biggs (vbgl. hierzu diverse Einträge in diesem Blog (einfach "Biggs" in der Suche eingeben).

SPIEGEL ONLINE schreibt auch nicht wirklich mehr, aber wenigstens Keinen Blödsinn über Ronald Biggs.

Hochachtung klingt bei der LinksZeitung durch: "Fette Beute bei Bankraub in Bagdad - Sicherheitsleute klauen 282 Millionen Dollar"

Manchmal wird man in merkwürdige Dinge mit hineingezogen. Seit einigen Tagen bekommen wir Anfragen von niederländischen JournalistInnen, die das im Januar hier besprochene Book-on-Demand-Book (Lulu.com) von einem gewissen Carter McCoy suchen.
Der mutmaßliche Verfasser (Pseudonym Carter McCoy) steht derzeit in Niederlanden wegen des Mordes an Louis Seveke (englisch) vor Gericht (zum Prozess vgl. a. die taz-Berichte vom 3.7. 2007 u. vom 4.7. 2007). In diesem Zusammenhang spielt auch das hier jüngst verhandelte Buch eine Rolle. Es soll eine Art Tagebuch des einstigen Bankräubers und Mordverdächtigen darstellen.

Der Eintrag zu diesem stammt von einem gewissen "thomasw." Leider war der Versuch einer Kontaktaufnahme bisher erfolglos. Ich würde "thomasw." - aber auch andere, die damals sich ein Exemplar des Buches besorgt haben, bitten, mit Eveline Lubbers (s.u.)und den BetreiberInnen dieses Blogs via folgenden E-Mail-Adressen Kontakt aufzunehmen:
1. evel[at]xs4all.[dot]nl
2. klaus.schoenberger[at]gmx[dot]net

Wir geben hier die Anfrage von Eveline Lubbers weiter, die mit dem Mordopfer befreundet war und mit ihm bei der verdienstvollen Institution Jansen & Janssen (s. u.) zusammengearbeitet hat und die für die Familie, die Freunde und die KollegInnen die Hintergründe des Mordes recherchiert.

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Dear Friends,

Has anyone here seen the book "Thank you, see ya!" by someone calling himself Carter McCoy?

On the Va Banque website there was some discussion about this bank robber who wrote a book about his live, look here:

http://vabanque.twoday.net/stories/3201705/
(text below)

The author wrote about his life as a bankrobber, he was wanted and on the Dutch Crime Watch TV Opsporing Verzocht earlier this year.
He has been arrested in an internet cafe in Barcelona and has since confessed to the murder of my acvist-collegue and friend Louis Seveke in Nijmegen 18 months ago. Plus 7 robs and 5 activist fire bombs.

I worked with Louis on and off for many years monitoring police and intelligence services, when I was with buro Jansen & Janssen.

The writer/killer was on trial this week (& referred back to the psych forensic centre Pieter Baan for his Asperger/autistic syndrom).

He confessed to the murder in his diary/book - and at the trial it was revealed this document had been published on Internet.

It's no longer available on lulu.com, I've been spending quite some time on the WayBackMachine - but no luck.

He claims Louis accused him of being an infiltrator, but our research didn't find any backup for that - must have happened inside his head only... for him reason enough to kill him with a shotgun at close
range.

The book is part of his confession in the trial, so important for our investigation, but more so for closure for his family and friends...

Maybe someone downloaded or bought the book??

Would be of great help for family and friends.

Eveline Lubbers
www.evel.nl
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thomasw - am Donnerstag, 18. Januar 2007, 12:41 - Rubrik: Literatur und Bankraub

"Thank you, see ya!
"Thank you, see ya!" ist ein Buch über ein Einzelgänger, auf die Suche nach Freiheit, Glück und das kleine bishen Liebe. Es erzählt über einen Bankraub, eine Prinzessin und die Flucht ins Paradies. Und letztendlich auch über Trank und Huren. Und viel von dem.

CarterMcCoy_2 Soweit das Kommentar der Autor 'Carter McCoy'. Ich habe das Buch gekauft bei Lulu.com. Bankraub hat mich immer fasziniert und es soll sich im diesen Fall um 'True Crime' handeln. Wirklich passiert, dass übertrifft jeder Fiction. Aber es wurde mir klar das 'McCoy' als Schriftsteller nicht so talentiert ist wie als Bankräuber. Der Stil ist nicht sehr leicht. Aber die Geschichte darüber hinaus, ist sehr lesenswert.
Ein interessanter Aspekt ist das 'McCoy' ein ex-Anarchist ist der sich als Bankräuber engagiert, nicht um endlich auch reich zu werden, aber um sich nicht vom System unterwerfen zu lassen. Mann könnte das Buch lesen als ein anti-kapitalistisches Manifest.

Auf jeden Fall beschreibt er wie er zwei Banken beraubt -eigentlich ist es ein ganz klarer Handlungsanleitung wie mann hervorgehen soll. Aber letztendlich geht es auch bei ihm um die Liebe, besser gesagt das ausbleiben der Liebe, die Einsamkeit und die Untergang.
Wie gesagt, der Stil ist nicht so gut aber den Inhalt macht es gut. Für denen die Autobiografien lieben. Oder Bankraub.


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Anmerkung: (vabanque)
Das sieht nach Print on demand aus ...

156 Seiten, 4.25" x 6.88", perfect Bindung, Schwarzweiß Druckfarbe
Verleger: Carter McCoy
Copyright: © 2006 by Carter McCoy
Sprache: English
Land: Belgium


thomasw meinte am 24. Jan, 14:38:
Bis nächste Mal!
Es kommt noch etwas dazu: Gestern schaute ich den Sendung "Opsporing Verzocht", etwas wie Aktenzeichen XY Ungelöst in Deutschland, aber dann in Holland (ich bin auch Holländer, was mein wahrscheinlich etwas merkwürdiges Deutsch erklärt).
Und darin war die Polizei auf der Suche nach ein Bankrauber der ganz ruhig hervorgeht und sogar einmal, beim verlassen der Bank, "Bis nächstes Mal" gesagt hat. Und das ist genau wie im Buch! Darum heisst das Buch auch "Danke schön, bis nächste Mal". Die geschichte spielt sich ja auch in Belgiën und Holland ab (es ist eine Übersetzung). Es könnte sein dass es hier um denselben Mann geht, das macht die Geschichte sogar noch interessanter oder merkwürdiger. Es gibt genug Bankrauber die ein Buch schreiben wenn sie letztendlich ins Gefängnis sitzen (Stephen Reid, Attila Ambrus, und so weiter) aber nicht wenn sie noch frei herum laufen. Vielleicht ist es darum bei Lulu ausgegeben. Printing On Demand heisst ja auch dass man ein Buch anonym und selber ausgeben kann, und keine Ausgeber nötig hat.

http://www.tiscali.nl/actueel/cnews/opsporing/default.asp?pid=18

Es wird sich mit den Zeit herausstellen ob den hier gesuchten Bankrauber auch den Autor ist.


Die ersten Artikel über den Mord stocherten doch noch ziemlich im Dunkeln (Jungle World, 6.9. 2006)
Eine deutschsprachige Nachricht zu dem Mord findet sich bei www.freace.de.
Etwas vorsichtiger in der ersten Diktion, der Tagesspiegel (18.11. 2005)

Zu Jansen & Janssen:
"Das Büro Jansen & Janssen archiviert und recherchiert Information zu Polizei und Geheimdiensten in den Niederlanden. Die Daten, welche aus Presse, Fachliteratur oder weniger zugänglichen Quellen stammen, sind über Computer abrufbar - zumindest für diejenigen, die Polizei und Geheimdiensten kritisch gegenüberstehen.
Jansen & Janssen haben bislang folgende Publikationen herausgegeben: »Regenjassen Demokratie« (dt., Regenmantel Demokratie), war eine Untersuchung zur Infiltration des niederländischen Verfassungsschutzes in der linken Szene. Den Praktiken des Geheimdienstes gegen Asylsuchende war die Broschüre »De Vluchteling Achtervolgd« (Die verfolgten Flüchtlinge) gewidmet. 1993 wurde »Opening van Zaken« (Taschen öffnen) veröffentlicht, ein alternativer Verfassungsschutzbericht. Hier kommt vor allem die Jagd des Staates nach der RARA (Radikale Anti-Rassistische Aktion) ausführlich zur Sprache. Die RARA trat erstmals 1985 in Erscheinung und beging Anschläge gegen Unternehmen wie Shell, die mit dem südafrikanischen Apartheidsaat kooperierten.

Postfach 10591, 1001 EN Amsterdam "

Der dritte Teil der ARD-Reenactment-Reihe zum Thema Banküberfall behandelt wieder mal einen spektakulären Fall, nämlich den der sogenannten "Tunnelgangster" von Zehlendorf. Der Film von Gunther Scholz wird am Montag, 9. Juli, 21.00 Uhr in der ARD gesendet.

Die ARD-Pressemappe besagt:

27. Juni 1995. Ein schöner Sommertag. Berlin ist im Christo-Fieber,
der verhüllte Reichstag absoluter Publikumsmagnet. Um 10.20 Uhr
betreten vier schwerbewaffnete Männer eine Commerzbank-
Filiale in Berlin-Zehlendorf und nehmen 16 Geiseln. Die Polizei
umstellt das Gebäude und übergibt 5,6 Millionen Mark Lösegeld.
Zunächst, im unmittelbaren Tatverlauf, spricht alles für einen
Überfall mit Geiselnahme. Alle Anstrengungen der Polizei richten
sich auf die Befreiung der Geiseln. Das neue Ultimatum läuft um 3
Uhr nachts ab, doch plötzlich sind die Geiseln allein. Um 4 Uhr
stürmt die Polizei das Gebäude und findet die Geiseln unverletzt
vor – die Täter sind weg, geflüchtet durch einen
selbstgegrabenen Tunnel. Eine Pointe, die selbst den erfahrenen
SOKO-Leiter aus der Fassung bringt: „Das ist ja irre!“
Ganz Deutschland spricht über den sensationellen Coup. Man
glaubt es mit „Superhirnen“ zu tun zu haben. Die Geiselgangster –
vier Syrer, ein Libanese und ein Deutscher - begannen schon im
März 1994 mit den Arbeiten an ihrem Fluchttunnel. Als die Täter
durch die Tür der Bank kommen, durchbrechen gleichzeitig zwei
weitere Täter von dem Tunnel aus die Kellerdecke der Bank. Mehr
als 200 Schließfächer werden aufgebrochen, zusätzlich zum
Lösegeld schätzungsweise vier Millionen Mark an Bargeld und
Schmuck erbeutet.
Doch die Freude der Gangster währt nicht lange. Keine zwei
Wochen nach dem Überfall wird der erste festgenommen: der
38-jähriger syrische Autolackierer Moutaz Al Barazi, bekannt
geworden als „Tunnel-Toni“, neben dessen Werkstatt eine
Garage stand, von der aus die Bande den Tunnel grub. Die
Geiseln melden sich zu Wort und berichten über Misshandlungen
während der Geiselnahme. Eine SOKO von bis zu 60 Mann sucht
fieberhaft die Komplizen al Barazis, eine weggeworfene Kippe
wird zur entscheidenden Spur. Am 20. Juli - einen Tag, bevor sich
drei der Tunnelgangster ins Ausland absetzen wollen - schnappen
die Handschellen zu. Bei einem findet die Polizei den Overall, den
er in der Bank getragen hatte. Nach stundenlangen Verhören
gesteht einer Gangster.

Moutaz’ Halbbruder Khaled, der Chef der Bande, wird später zu
dreizehn Jahren Haft verurteilt, seine vier Kumpane erhalten
geringere Strafen. Ein Teil der Beute bleibt bis heute
verschwunden.
Kassierer Vogt feiert jedes Jahr den Tag des Banküberfalls wie
einen Geburtstag, aber er arbeitet heute in einer anderen
Commerzbank-Filiale. In dieser nahm er 2006 eine
Bombendrohung entgegen.


Einen ausführlichen Bericht über den Prozeßverlauf können wir bei der Berliner Morgenpost (26.06.2005) und auch bei der taz nachlesen

Morgen, 21 Uhr, geht es weiter in der ARD-Re-Enactement-Dokureihe zum Thema Bankraub. Verschiedentlich gab es schon kritische Auseinandersetzungen (taz) mit der Serie (vgl. a. FAZ), aber es wird nichts helfen, wir erleben eben zum x-ten Mal eine weitere Mystifikation des Themas und die Kritik daran ist Teil des Problems. Morgen wird uns aber auch noch die Visage vom Chefredakteurs- und Journalisten-Darsteller Helmut Markwort von der Glotze belästigen. Es geht um die Münchner Geiselnahme von 1971. Als Lektüre-Tip möchte ich dann doch den Beitrag von Markus Mohr in Vabanque empfehlen. Der weiss auch formal die Dramatik des Ereignisses einzufangen.
Zu Dimitri Todorov, einem der Hauptbeteiligten gibt es in diesem Blog eine Menge Informationen. Am besten mal hier starten. Ein Interview lässt sich hier herunterladen.

Aus der ARD-Pressemappen zu dieser Folge:

"Geld her - Der Todesschuss von München
Ein Film von Tom Ockers
Sendetermin: Montag, 25. Juni, 21.00 Uhr, Das Erste


Am 4. August 1971 ist die Prinzregentenstraße in München
Schauplatz eines Banküberfalls, der in einer noch nie da
gewesenen Eskalation enden wird. Zwei Täter haben an jenem
Morgen eine Filiale der Deutschen Bank überfallen. Doch statt mit
Geld zu flüchten, nehmen sie 18 Personen als Geiseln. Das ist das
erste Mal, dass in Deutschland bei einem Bankraub Menschen mit
Gewalt festgehalten werden. Die Polizei ist völlig unvorbereitet, es
gibt kein Konzept für diesen Fall. Zudem sind die Kriminalbeamten
angesichts der neuen Gefahr des Linksterrorismus extrem nervös.
Der Tag wird in einer Katastrophe enden und eine Kontroverse
um das Vorgehen der Polizei auslösen.
Die beiden Täter, der 31-jährige Georg Rammelmayr und der 24-
jährige gebürtige Grazer Dimitri Todorov, halten sich für Profis.
Todorov ist bereits mit 17 auf die schiefe Bahn geraten; er ist
schwul und versucht durch Kriminalität den harten Mann zu
mimen. Das Vorbild ist ein Bankraub in Toulouse, bei dem die
Bankräuber Geiseln nahmen und daraufhin freies Geleit durch
die Polizei erhielten.
Die Münchner, die zufällig in der Prinzregentenstraße
vorbeikommen, scheinen gar nicht so recht zu kapieren, was da
eigentlich vorgeht. Sie bleiben in Scharen stehen, schauen zu, es
herrscht Partystimmung. Gegenüber der Bank im Restaurant Käfer
drücken sich Menschen die Nasen an den Scheiben platt, unter
den Zuschauern befindet sich auch CSU-Chef Franz Josef Strauß.
Eine der Geiseln erinnert sich, wie sie nach ihrer Freilassung in die
Einsatzzentrale gebracht wird und Strauß sagen hört „... ich geh
heim und hol mir meinen Revolver und die knall ich nieder.“
Stunden um Stunden dauert das Tauziehen zwischen Polizei und
Geiselnehmern. Staatsanwalt Erich Sechser beordert „gute
Jäger“ aus den Reihen der Polizei in eine Kiesgrube und lässt sie
üben, bevor sie als vermeintliche „Präzisionsschützen“ am Tatort
Stellung beziehen.
Eine scheinbar herzkranke Frau lassen sie frei. Als kurz vor
Mitternacht das geforderte Fluchtauto bereit steht, wagt sich
Rammelmayr mit der 20-jährigen Angestellten Ingrid Reppel als
Geisel vor die Bank. Die Wochenschaukameras halten fest, wie in
Rammelmayr stirbt noch vor Ort, die Geisel in der Nacht im
Krankenhaus. Die Polizei, sie wartet rund 10 Minuten, bis sie die
Bank stürmt.
Todorov wird überwältigt. Die Einsatzkräfte schlagen auch eine
Geisel nieder, die bei der Stürmung die Polizei wüst beschimpft,
getreten und geschlagen hatte, und verletzen sie schwer.
Der Schießbefehl entfacht heftige Diskussionen in der
Öffentlichkeit. Ist Geld es wert, ein Menschenleben in Gefahr zu
bringen oder zu töten? Die Polizei verteidigt den Todesschuss:
Rammelmayr und Todorov wären zu allem fähig gewesen. Der
Fall ändert die Stimmung in der Öffentlichkeit.
Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei werden gegründet.
Todorov wird ein Jahr später in einem Aufsehen erregenden
Prozess wegen räuberischer Geiselnahme und fünffachem
Mordversuch zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe plus 15
Jahre verhaftet. 1994, nach 22 Jahren kommt er frei."

 

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