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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
Hier die versprochene Rezension:

Karls Painer: Überfall, Geld her! Wie man eine Bank überfällt – oder warum man es besser bleiben lässt. Novum 2002. €19.90

Wenn man Karl Painer im Internet googelt, dann zeigt er sich irgendwann mit Bizeps und anderen Insignien der Kampfsportkultur. Karl Painer, Jg. 1963, ist gelernter Bäcker. 1984 überfällt er eine Bank, wird geschnappt und zu 9,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Dann wechselt er die Seite. Seit 1995 inseriert er sich als Ausbilder, Mitarbeiter, und Mitbegründer verschiedener Sicherheitsfirmen sowie als Kurstrainer von Banken für das Verhalten bei einem Überfall bzw. einer Geiselname. Besagter Karl Painer hat 2002 ein quasi -enzyklopädisches Werk über „den“ Bankraub in Österreich in den letzten 20 Jahren des vorigen Jahrhunderts vorgelegt. Im Mittelpunkt des Buches stehen „Aufsehen erregende Banküberfälle in Österreich seit 1980“(S. 34-74) sowie „alle Überfälle auf Banken und Postämter seit 1980 in der Steiermark“ (154-214). Letzteres dürfte dem Standort des Verlages geschuldet sein, der sein Verlagsprogramm aus den Scharen derer, die sich berufen fühlen, zusammenträgt und im Book on demand-Verfahren herstellt.
painerDas Buch, dessen Titelbild ein etwas überdimensionierten Trommelrevolver ziert, ist ein Konglomerat ziemlich unvermittelt nebeneinanderstehender Anliegen, deren Gewichtung sich nicht wirklich erschließt. Da wäre zum einen der Ex-Kriminelle Painer, der nun auf der anderen Seite unternehmerisch zu reüssieren versucht, was nur einmal mehr beweist, wie fließend die Grenzen in diesen Milieu sind. Auf der anderen Seite spekuliert das Buch auf jene Populärität, die den Bankraub als kriminelles Delikt auszeichnet, und wovon Tausende Objektivitationen der Populären Kultur Zeugnis ablegen. Der Klappentext fasst das auf wunderbare Art und vermutlich unfreiwillig komisch zusammen: „Was treibt jemanden dazu, andere Menschen miut den Worten: 'Überfall, Geld her!' zu bedrohen. Wie gehen sie vor und auf welche Weise kann man sich vor ihnen schützen? Dieses Buch ist ein informativer Ratgeber für Bankpersonal, Exekutive und Sicherheitspersonal, nebenbei aber auch ein unterhaltsames Lesebuch für alle, die an Kriminalistik interessiert sind.“ Auf dem Rückendeckel lässt sich Painer mit dem Sohn von Ron Biggs in Rio abbilden. Einerseits behauptet Painer, dass es „sich auf keinen Fall um ein Lehrbuch für angebliche 'Bankräuber“ handele, vielmehr wolle er die Message transportieren:
„Die einzige Information an Leute, die mit dem Gedanken spielen, eine Bank zu überfallen, soll die 'Erkenntis sein, dass sich Banküberfälle nicht auszahlen'. Doch am Ende wünscht derAutor den Lesern „Viel Vergnügen also bei den nachfolgenden Ausführungen“. Die Systematisierung der Zusammenstellung der erfassten Banküberfälle trägt Datum, Uhrzeit, Ort, Bank, Ausrüstung, Ablauf, Beute und Täter zusammen. Eine unfreiwillige Komik ist nicht zu überlesen, aber auf diese Weise funktioniert der gesamte Band. Ob das Buch tatsächlich potentielle Bankräuber davon abhält, ihr Vorhaben aufzugeben, mag dahingestellt bleiben, am Ende wirbt Painer für die Prävention Praxis Sicherheits-Ausbildungen (PPS) seiner Grazer Firma UDF (Ultimate DefensiveFight)-System, die Anti-Geisel-Trainings verkauft. So ein Geschäft funktioniert nur, wenn es weiterhin Banküberfälle gibt.

Quod erat demonstrandum.
contributor meinte am 19. Sep, 16:14:
Hier noch eine weitere Rezension
Überfall, Geld her!
27.01.2002 Ex-Bankräuber trainiert Raub-Opfer
Grazer Woche

Getarnt mit einer Strumpfmaske stürmte der Grazer Karl Painer 1985 eine Bank in Andritz. „Überfall – Geld her!“, waren damals seine Worte. Genau diese haben jetzt in seinem Leben eine wesentlich positivere Bedeutung bekommen.
So lautet nämlich der Titel seines Buches, welches diesen April im
Novum-Verlag erscheinen wird. Und dass die Zeit des Überfalls für Painer schon lange zurückliegt, beweist der Untertitel: „Warum man es besser bleiben lassen sollte“ – lautet dieser. Denn als Leitfaden für angehende Kriminelle versteht Painer seine aufwändige Recherchen-Arbeit nicht. Schon eher als Lehrbuch für die Opfer von Überfällen will er sein Buch verwendet wissen. Denn mit dieser Intention ist das rund 200 Seiten starke Werk auch entstanden.
So hat sich der einstige Räuber gleich nach seiner Enthaftung auf die gegenüberliegende Seite, die des Gesetzes, geschlagen. Gemeinsam mit dem Sicherheits-Ausbildungsunternehmen UDF-System von Alex Hermann zog er damals ein Ausbildungsprogramm für Risikogruppen wie Post- und Bankangestellte auf.
Er wollte die möglichen Betroffenen darin unterrichten, wie sie sich im Falle eines Überfalls oder gar einer Geiselnahme am besten verhalten sollten. Und wer könnte das schließlich besser als ein ehemaliger Bankräuber selbst. Um seine Lehrgänge zu fundamentieren, suchte Painer damals nach Literatur zum Thema. Resultat der „Bibliotheken-Überfälle“: Er fand kein einziges passendes Werk. Aus diesem Grund begab sich der einstige Bankräuber auf die Spuren seiner Vorgänger und Nachfolger.
Ausgehend von Graz und der Steiermark führten ihn seine Recherchen in puncto Überfälle vor zwei Jahren sogar nach Rio de Janeiro. Zum wohl berühmtesten Räuber des Jahrhunderts: Zu Ronald Biggs und dessen Sohn Mike. Damals stand
sein Entschluss, das gesammelte Material in Form eines Buches zu verwerten, schon fest.
Jetzt umfasst das einzigartige Werk die Hintergründe der 202 spektakulärsten und auch kuriosesten Überfälle zwischen 1980 und 2001. Und wenn man diese Delikte miteinander vergleicht, stößt man auf ganz interessante Zusammenhänge: So ist scheinbar der Donnerstag der beliebteste Überfalls-Tag und das häufigste Fluchtmittel ist ein simples Fahrrad. Aber auch mit Inline-Skates hat so mancher Räuber schon „Reißaus“ genommen. Zum Schmunzeln
sind aber nicht nur diverse Fluchtmittel, sondern auch einige Überfälle an sich: So gab sich ein Burgenländer bei seinem Überfall besonders schlau. Er hatte sich als Frau verkleidet, allerdings vergessen, seinen Vollbar abzurasieren.
Wer aber glaubt, dass sich die Grazer Räuber geschickter anstellen, der irrt: In der Landeshauptstadt benutzte ein Räuber einst sein eigenes Fahrzeug als Fluchtauto. Sein „unauffälliges“ Wunschkennzeichen ließ seinen Wunsch vom großen Geld platzen … 
 

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