Ob nun Jan Zocha, der "König der Bankräuber" (aufgrund 40 gelungener oder versuchter Banküberfälle), eine Gentelman-Bankräuber war oder nicht, diskutieren die Medien landauf und landab. Stern Online (20.7.2004) und Spiegel online (20.7.2005) widmen dem Bankräuber ausführliche Artikel. auf 12 Jahre und Sicherungsverwahrung lautet das Urteil.
vabanque - am Mittwoch, 20. Juli 2005, 18:25 - Rubrik: Edle Raeuber - Robin Hoods
Die taz (13.7.2005) beginnt mit der sportlichen Seite des Safeknackens:
Der Safe als Herausforderung
Zwei 39-jährige Familienväter müssen sich vor dem Landgericht veranworten. Sie sollen als Mitglieder einer Panzerknackerbande mehrfach Banktresore aufgebrochen haben
Übung macht den Meister - diese fundamentale Erkenntnis holte auch zwei Mitglieder einer Panzerknackerbande ein, die sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten müssen. Die beiden 39-jährigen Handwerker sollen laut Staatsanwaltschaft Anfang 1997 in drei beziehungsweise vier Banken versucht haben, Tresore aufzuschweißen.
Nur in zwei Fällen waren sie erfolgreich - trotz intensiver Vorbereitung. Erst einmal sind sie "ableuchten" gefahren. Diese Touren hat Jörg B., der bereits Anfang der 90er-Jahre einen Banküberfall verübt hatte, stets genau geplant: Er hatte Fotos und Lagepläne von Banken und Sparkassen aus dem Internet dabei. Während sein Komplize Michael M. im Auto wartete, prüfte er mit einer Taschenlampe die Lage vor Ort."
Schliesslich kommen wir zu den Widerspruechen: Der ganze Text ueber die ueblichen Problemen von Bankraeubern bzw. Safeknackern ....
Der Safe als Herausforderung
Zwei 39-jährige Familienväter müssen sich vor dem Landgericht veranworten. Sie sollen als Mitglieder einer Panzerknackerbande mehrfach Banktresore aufgebrochen haben
Übung macht den Meister - diese fundamentale Erkenntnis holte auch zwei Mitglieder einer Panzerknackerbande ein, die sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten müssen. Die beiden 39-jährigen Handwerker sollen laut Staatsanwaltschaft Anfang 1997 in drei beziehungsweise vier Banken versucht haben, Tresore aufzuschweißen.
Nur in zwei Fällen waren sie erfolgreich - trotz intensiver Vorbereitung. Erst einmal sind sie "ableuchten" gefahren. Diese Touren hat Jörg B., der bereits Anfang der 90er-Jahre einen Banküberfall verübt hatte, stets genau geplant: Er hatte Fotos und Lagepläne von Banken und Sparkassen aus dem Internet dabei. Während sein Komplize Michael M. im Auto wartete, prüfte er mit einer Taschenlampe die Lage vor Ort."
Schliesslich kommen wir zu den Widerspruechen: Der ganze Text ueber die ueblichen Problemen von Bankraeubern bzw. Safeknackern ....
contributor - am Montag, 18. Juli 2005, 14:30 - Rubrik: Tresore und Schraenker
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Soderberghs "Out of Side" ist als DVD-Edition der Sueddeutschen Zeitung bzw. des Standard erschienen. Und in der Tat:
"Die Geschichte beginnt mit dem coolsten Banküberfall, den man sich vorstellen kann." Steven Soderbergh laesst Bankraeuber George Clooney die ueberfallnenKassiererin fragen: "Ist das Dein erster Bankueberfall, Baby?"contributor - am Montag, 18. Juli 2005, 14:14 - Rubrik: Bankraub in Film und Fernsehen
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Der Haifisch, der hat Zähne, und die Zähne beißen zu
Die Heilbronner Stimme (18.7.2005) berichtet ueber die Premiere von Brechts Dreigroschenoper auf Schwäbisch-Haller Treppe:
Erzieherische Wirkung soll das epische Theater des Bertolt Brecht haben. Der Zuschauer soll das Theater als ein anderer verlassen als der er gekommen ist. Nun wissen wir seit Brechts "Dreigroschenoper" aber, dass das "Fressen vor der Moral" kommt, also auch vor dem epischen Theater des Herrn Brecht, weshalb der Mensch seine Stücke durchaus nachdenklich verlässt, aber eben nur bis zum nächsten Rostbraten.Was ist zu tun, damit mehr hängen bleibt, mag Christoph Biermeier, Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall, sich gefragt haben, als er die Inszenierung eben jener "Dreigroschenoper" in Angriff nahm.
(...)
Wir sind hier nicht zum Spaß. Und der Kontrast funktioniert.
Bei Sätzen wie: "Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank" brandet umgehend Applaus auf."
Die Heilbronner Stimme (18.7.2005) berichtet ueber die Premiere von Brechts Dreigroschenoper auf Schwäbisch-Haller Treppe:
Erzieherische Wirkung soll das epische Theater des Bertolt Brecht haben. Der Zuschauer soll das Theater als ein anderer verlassen als der er gekommen ist. Nun wissen wir seit Brechts "Dreigroschenoper" aber, dass das "Fressen vor der Moral" kommt, also auch vor dem epischen Theater des Herrn Brecht, weshalb der Mensch seine Stücke durchaus nachdenklich verlässt, aber eben nur bis zum nächsten Rostbraten.Was ist zu tun, damit mehr hängen bleibt, mag Christoph Biermeier, Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall, sich gefragt haben, als er die Inszenierung eben jener "Dreigroschenoper" in Angriff nahm.
(...)
Wir sind hier nicht zum Spaß. Und der Kontrast funktioniert.
Bei Sätzen wie: "Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank" brandet umgehend Applaus auf."
contributor - am Montag, 18. Juli 2005, 14:00 - Rubrik: Brecht-Zitat
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Wüppesahl muss für viereinhalb Jahre in Haft
melden die verschiedensten Zeitungen und Online-Dienste
"Der frühere Bundestagsabgeordnete und Kriminalbeamte Thomas Wüppesahl muss wegen Planung eines Raubmordes für viereinhalb Jahre hinter Gitter. Das Hamburger Landgericht Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Wüppesahl einen Geldtransporter überfallen und dabei den Geldboten erschießen wollte."
Nun haben sie ihn also zur Strecke gebracht - und er sich wohl auch ein Stück selbst. Wir warten die Revisionsverhandlung ab.
Spiegel online
In der taz schreibt die gegenüber Wüppesahl kritisch eingestellte "Fraktion"
N24
melden die verschiedensten Zeitungen und Online-Dienste
"Der frühere Bundestagsabgeordnete und Kriminalbeamte Thomas Wüppesahl muss wegen Planung eines Raubmordes für viereinhalb Jahre hinter Gitter. Das Hamburger Landgericht Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Wüppesahl einen Geldtransporter überfallen und dabei den Geldboten erschießen wollte."
Nun haben sie ihn also zur Strecke gebracht - und er sich wohl auch ein Stück selbst. Wir warten die Revisionsverhandlung ab.
Spiegel online
In der taz schreibt die gegenüber Wüppesahl kritisch eingestellte "Fraktion"
N24
contributor - am Freitag, 8. Juli 2005, 14:32 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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So ziemlich die gegenteilige Vorstellung von dem was hier Thema ist, dokumentiert das Wiener Volkskundemuseum in der Laudongassse - letztlich endlich mal die Gelegenheit die gesammelten Spardosen auszustellen.

"SPAR DIR WAS!"
VOM BEGEHREN ZU/M VERMEHREN
5. Mai - 30. Oktober 2005
"Sparen ist Tugend, Kultur, Appell, Norm, Gewohnheit aber auch Erinnerung. Sparen ist Teil volkswirtschaftlicher Abläufe, betrifft unterschiedlichste Lebensbereiche, ist in unterschiedlichster Ausprägung Teil unserer Mentalität.
Die Ausstellung widmet sich der Sparpraxis und versucht anhand aktueller Statements von Betroffenen und Experten bestimmte historische Entwicklungsschritte, Paradigmenwechsel - vor allem seit 1945 - und gegenwärtige Diskurse nachzuzeichnen. Darüber hinaus stellen entsprechende Medien- und Dokumentarmaterialen die getroffenen Aussagen in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext.
Über sechshundert ausgestellte Spardosen - Sparbehelfe - des Museums der Erste Bank haben nicht nur den Zweck, Geld zu speichern. Sie werden, in ihrer Funktion symbolisch erweitert, zu Speichern für Spargeschichten. Denn anhand dieser kleinen, vielförmigen Objekte, die in den Regalen der meisten Haushalte zu finden sind, lassen sich erlebte Alltage festmachen. Spardosen sind Träger kunsthistorischer Werte, handwerklichen Könnens und maschineller Fertigkeit. Sie sind Abbilder gesellschaftlicher Normen und politischer Botschaften. Sie sind Produkte zwischen Symbolwelten und Werbezielen. Innerhalb dieses Deutungspotentials verbinden sie sich mit den Erinnerungen einzelner."
Die Ausstellung widmet sich der Sparpraxis und versucht anhand aktueller Statements von Betroffenen und Experten bestimmte historische Entwicklungsschritte, Paradigmenwechsel - vor allem seit 1945 - und gegenwärtige Diskurse nachzuzeichnen. Darüber hinaus stellen entsprechende Medien- und Dokumentarmaterialen die getroffenen Aussagen in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext.
Über sechshundert ausgestellte Spardosen - Sparbehelfe - des Museums der Erste Bank haben nicht nur den Zweck, Geld zu speichern. Sie werden, in ihrer Funktion symbolisch erweitert, zu Speichern für Spargeschichten. Denn anhand dieser kleinen, vielförmigen Objekte, die in den Regalen der meisten Haushalte zu finden sind, lassen sich erlebte Alltage festmachen. Spardosen sind Träger kunsthistorischer Werte, handwerklichen Könnens und maschineller Fertigkeit. Sie sind Abbilder gesellschaftlicher Normen und politischer Botschaften. Sie sind Produkte zwischen Symbolwelten und
Nähere Informationen [Das Popup ist wohl nur temporär zugänglich]
Ausserdem gibt es noch ein umfangreiches Begleitprogramm - das die naheliegenden alternativen Formen des Begehrens (Lotto spielen und Bank ausrauben) allerdings nicht berücksichtigt. Kein Wunder:
"Eine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Zusammenarbeit mit der "DIE ERSTE österreichische Spar-Casse Privatstiftung" im Rahmen des Projekts "Alltagskultur seit 1945"."
Über dieses Flash-Popup gerät man an eine Reihe Spargeschichten, die nach einer Stichprobe vor allem diesen Tenor haben:
"Spare in der Zeit - dann hast Du in der Not"
Tja was da wohl die bundesdeutschen Hartz IV-Empfänger dazu sagen würden, wenn es ihnen an ihre mühsam angesparten privaten Lebens- und Rentenversicherung geht bzw. jedes "Vermögen" über 4500 EUR angerechnet wird. Sie werden merken, das rot-grün an ihnen spart.
Immerhin, das Geld in der Sparbüchse kann zwar geklaut werden, aber auch vor dem Zugriff des Sozialamtes bzw. der Bundesagentur verborgen bleiben.

"SPAR DIR WAS!"
VOM BEGEHREN ZU/M VERMEHREN
5. Mai - 30. Oktober 2005
"Sparen ist Tugend, Kultur, Appell, Norm, Gewohnheit aber auch Erinnerung. Sparen ist Teil volkswirtschaftlicher Abläufe, betrifft unterschiedlichste Lebensbereiche, ist in unterschiedlichster Ausprägung Teil unserer Mentalität.
Die Ausstellung widmet sich der Sparpraxis und versucht anhand aktueller Statements von Betroffenen und Experten bestimmte historische Entwicklungsschritte, Paradigmenwechsel - vor allem seit 1945 - und gegenwärtige Diskurse nachzuzeichnen. Darüber hinaus stellen entsprechende Medien- und Dokumentarmaterialen die getroffenen Aussagen in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext.
Über sechshundert ausgestellte Spardosen - Sparbehelfe - des Museums der Erste Bank haben nicht nur den Zweck, Geld zu speichern. Sie werden, in ihrer Funktion symbolisch erweitert, zu Speichern für Spargeschichten. Denn anhand dieser kleinen, vielförmigen Objekte, die in den Regalen der meisten Haushalte zu finden sind, lassen sich erlebte Alltage festmachen. Spardosen sind Träger kunsthistorischer Werte, handwerklichen Könnens und maschineller Fertigkeit. Sie sind Abbilder gesellschaftlicher Normen und politischer Botschaften. Sie sind Produkte zwischen Symbolwelten und Werbezielen. Innerhalb dieses Deutungspotentials verbinden sie sich mit den Erinnerungen einzelner."
Die Ausstellung widmet sich der Sparpraxis und versucht anhand aktueller Statements von Betroffenen und Experten bestimmte historische Entwicklungsschritte, Paradigmenwechsel - vor allem seit 1945 - und gegenwärtige Diskurse nachzuzeichnen. Darüber hinaus stellen entsprechende Medien- und Dokumentarmaterialen die getroffenen Aussagen in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext.
Über sechshundert ausgestellte Spardosen - Sparbehelfe - des Museums der Erste Bank haben nicht nur den Zweck, Geld zu speichern. Sie werden, in ihrer Funktion symbolisch erweitert, zu Speichern für Spargeschichten. Denn anhand dieser kleinen, vielförmigen Objekte, die in den Regalen der meisten Haushalte zu finden sind, lassen sich erlebte Alltage festmachen. Spardosen sind Träger kunsthistorischer Werte, handwerklichen Könnens und maschineller Fertigkeit. Sie sind Abbilder gesellschaftlicher Normen und politischer Botschaften. Sie sind Produkte zwischen Symbolwelten und
Nähere Informationen [Das Popup ist wohl nur temporär zugänglich]
Ausserdem gibt es noch ein umfangreiches Begleitprogramm - das die naheliegenden alternativen Formen des Begehrens (Lotto spielen und Bank ausrauben) allerdings nicht berücksichtigt. Kein Wunder:
"Eine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Zusammenarbeit mit der "DIE ERSTE österreichische Spar-Casse Privatstiftung" im Rahmen des Projekts "Alltagskultur seit 1945"."
Über dieses Flash-Popup gerät man an eine Reihe Spargeschichten, die nach einer Stichprobe vor allem diesen Tenor haben:
"Spare in der Zeit - dann hast Du in der Not"
Tja was da wohl die bundesdeutschen Hartz IV-Empfänger dazu sagen würden, wenn es ihnen an ihre mühsam angesparten privaten Lebens- und Rentenversicherung geht bzw. jedes "Vermögen" über 4500 EUR angerechnet wird. Sie werden merken, das rot-grün an ihnen spart.
Immerhin, das Geld in der Sparbüchse kann zwar geklaut werden, aber auch vor dem Zugriff des Sozialamtes bzw. der Bundesagentur verborgen bleiben.
sparkassenkunde - am Freitag, 8. Juli 2005, 14:09 - Rubrik: Lotto und Bankraubphantasien
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"Ein neuer Trailer von „City of Villains“ begleitet einen Super-Schurken beim Banküberfall. In der Mission gilt es, einen speziellen Gegenstand zu bergen und sich den zahlreichen Wachen zu entledigen. Gegen Ende versucht sogar ein Held, das Ganze zu vereiteln. Die Entwickler selbst kommentieren dabei Szenen des Videos. "
01.07.2005 | 11:57 | Tobias M. | Quelle: K-Files
Offensichtlich ein Qualitätsmerkmal ist folgende Funktion:
Das Stand-Alone-Add-On des MMOPRGs „City of Heroes“ lässt euch erstmals in die Rolle eines Bösewichts schlüpfen. Actiongeladene PvP-Gefechte mit Vertretern der guten Seite sind vorprogrammiert.
immerhin sind für den Download fast 60 Megabyte vonnöten.
01.07.2005 | 11:57 | Tobias M. | Quelle: K-Files
Offensichtlich ein Qualitätsmerkmal ist folgende Funktion:
Das Stand-Alone-Add-On des MMOPRGs „City of Heroes“ lässt euch erstmals in die Rolle eines Bösewichts schlüpfen. Actiongeladene PvP-Gefechte mit Vertretern der guten Seite sind vorprogrammiert.
immerhin sind für den Download fast 60 Megabyte vonnöten.
contributor - am Montag, 4. Juli 2005, 10:59 - Rubrik: Spielzeug
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das jedenfalls meinte ein Kripomann gegenüber dem Stern (6.6. 2005), der in einem ausführlichen Artikel und vor dem Hintergrund des Falles Wüppesahl die Nähe zwischen Kriminalität und Kriminalitätsbekämpfung erörtert:
" Es stimme schon, sinnierte der Kripomann im Gespräch mit stern.de am Telefon, Polizisten seien "potentielle Verbrecher". Viele Ordnungshüter kämen aus der "Mittelschicht". "Macht, Geld und Prestige" seien für sie "enorm wichtig". Verführerische Gründe, um die Seiten zu wechseln. Außerdem: "Nach ein paar Dienstjahren kennt man ja auch die Tricks".
(...)
Abgesehen von diesem spektakulären Prozess - dessen Ausgang noch völlig offen ist - es ist keineswegs selten, dass Polizisten kriminell werden. Beinahe jeden Monat sorgt ein neuer Fall für Aufsehen:"
Dann folgt eine ganze Latten von Verfahren gegen Polizisten sowie einige "Experten"-Meinungen in Sachen polizeilicher Kriminalität.
Der Artikel betont schließlich den Unterschied zwischen kriminellen Polizisten und anderen Berufsgruppen:
"Um so schockierender ist es, wenn Polizisten als Totschläger, Kinderschänder, Räuber, Vergewaltiger, Dealer, Zuhälter oder Betrüger Schlagzeilen machen. Schwarze Schafe gibt es überall, winken Polizeipräsidenten und Innenminister in solchen Fällen gerne ab, betonen, dass die Polizei eben auch nur ein "Spiegelbild der Gesellschaft" sei.
Beschwichtigungsversuche, die darüber hinweg täuschen sollen, dass es ein besonderes Problem ist, wenn Polizisten, deren Job es ist, Gesetze zu hüten, kriminell werden. Zwar gibt es auch Lehrer, Bäcker oder Fleischer, die Verbrechen begehen. Doch anders als diese Berufsgruppen kennen Polizisten das Strafgesetzbuch nicht nur viel genauer und haben täglich vor Augen, was Recht und Unrecht ist. Polizisten sind eine der wichtigsten Säulen des Rechtsstaates. Gesetzeshüter, die zu Verbrechern werden, gefährden das Rechtssystem. Deshalb ist ein Polizist, der Dealer festnimmt, aber selbst Drogen verkauft, eine viel schlimmere Bedrohung für das Gemeinwohl als ein kiffender Journalist oder eine klauende Verkäuferin. "Polizisten sind nicht per se die besseren Menschen", sagt Polizeiforscher Rafael Behr ("Cop Culture Alltag des Gewaltmonopols") von der Universität Frankfurt."
Schließlich wird darüber räsonniert, warum im Gegensatz zu den USA, die kriminelle Energie deutscher Polizisten keinerlei wissenschaftlicher Erforschung findet.
" Es stimme schon, sinnierte der Kripomann im Gespräch mit stern.de am Telefon, Polizisten seien "potentielle Verbrecher". Viele Ordnungshüter kämen aus der "Mittelschicht". "Macht, Geld und Prestige" seien für sie "enorm wichtig". Verführerische Gründe, um die Seiten zu wechseln. Außerdem: "Nach ein paar Dienstjahren kennt man ja auch die Tricks".
(...)
Abgesehen von diesem spektakulären Prozess - dessen Ausgang noch völlig offen ist - es ist keineswegs selten, dass Polizisten kriminell werden. Beinahe jeden Monat sorgt ein neuer Fall für Aufsehen:"
Dann folgt eine ganze Latten von Verfahren gegen Polizisten sowie einige "Experten"-Meinungen in Sachen polizeilicher Kriminalität.
Der Artikel betont schließlich den Unterschied zwischen kriminellen Polizisten und anderen Berufsgruppen:
"Um so schockierender ist es, wenn Polizisten als Totschläger, Kinderschänder, Räuber, Vergewaltiger, Dealer, Zuhälter oder Betrüger Schlagzeilen machen. Schwarze Schafe gibt es überall, winken Polizeipräsidenten und Innenminister in solchen Fällen gerne ab, betonen, dass die Polizei eben auch nur ein "Spiegelbild der Gesellschaft" sei.
Beschwichtigungsversuche, die darüber hinweg täuschen sollen, dass es ein besonderes Problem ist, wenn Polizisten, deren Job es ist, Gesetze zu hüten, kriminell werden. Zwar gibt es auch Lehrer, Bäcker oder Fleischer, die Verbrechen begehen. Doch anders als diese Berufsgruppen kennen Polizisten das Strafgesetzbuch nicht nur viel genauer und haben täglich vor Augen, was Recht und Unrecht ist. Polizisten sind eine der wichtigsten Säulen des Rechtsstaates. Gesetzeshüter, die zu Verbrechern werden, gefährden das Rechtssystem. Deshalb ist ein Polizist, der Dealer festnimmt, aber selbst Drogen verkauft, eine viel schlimmere Bedrohung für das Gemeinwohl als ein kiffender Journalist oder eine klauende Verkäuferin. "Polizisten sind nicht per se die besseren Menschen", sagt Polizeiforscher Rafael Behr ("Cop Culture Alltag des Gewaltmonopols") von der Universität Frankfurt."
Schließlich wird darüber räsonniert, warum im Gegensatz zu den USA, die kriminelle Energie deutscher Polizisten keinerlei wissenschaftlicher Erforschung findet.
vabanque - am Dienstag, 28. Juni 2005, 12:27 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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Die Nordausgabe der taz (24.6.2005) berichtet über die Aussagen Wüppesahls vor Gericht. Demnach habe er sich nur auf diese Geschichte eingelassen, da er eine Spitzelverdacht gegen seinen Freund hegte:
Vom Köder zur Falle
Prozess gegen Thomas Wüppesahl: Gericht glaubt dem Kritischen Polizisten die Angst vor V-Mann
Im Prozess gegen den Kritischen Polizisten Thomas Wüppesahl war gestern vor dem Landgericht der Tag der Verteidigung: Es ging um die Frage, ob Wüppesahl die Planung des Raubmordes tatsächlich nur inszeniert hat, um seinen Freund Andreas Sch. als "V-Mann" zu enttarnen und skandalöse Ermittlungsmethoden bei der Polizei aufzudecken. Den Spitzel-Verdacht hegte er, nachdem während seines Urlaubes 2001 in sein Haus eingebrochen wurde und überwiegend Unterlagen verschwanden. Zudem wollte ein Nachbar damals Wüppesahls Auto gesehen haben, das dieser an Sch. verliehen hatte. (...)
Der ganze Text hier
Ein weiterer taz-Artikel ("Mobbing in drei Akten": 17.6. 2005), in dem der Tenor sich gegen Wüppesahl richtet.
Die Hamburger MoPo (16.6.2005)
Vom Köder zur Falle
Prozess gegen Thomas Wüppesahl: Gericht glaubt dem Kritischen Polizisten die Angst vor V-Mann
Im Prozess gegen den Kritischen Polizisten Thomas Wüppesahl war gestern vor dem Landgericht der Tag der Verteidigung: Es ging um die Frage, ob Wüppesahl die Planung des Raubmordes tatsächlich nur inszeniert hat, um seinen Freund Andreas Sch. als "V-Mann" zu enttarnen und skandalöse Ermittlungsmethoden bei der Polizei aufzudecken. Den Spitzel-Verdacht hegte er, nachdem während seines Urlaubes 2001 in sein Haus eingebrochen wurde und überwiegend Unterlagen verschwanden. Zudem wollte ein Nachbar damals Wüppesahls Auto gesehen haben, das dieser an Sch. verliehen hatte. (...)
Der ganze Text hier
Ein weiterer taz-Artikel ("Mobbing in drei Akten": 17.6. 2005), in dem der Tenor sich gegen Wüppesahl richtet.
Die Hamburger MoPo (16.6.2005)
vabanque - am Dienstag, 28. Juni 2005, 11:55 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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Etwas informativer im Hinblick auf die Durchführung des Berliner Tunnelraubes anno 1995 als das taz-Interview (s.u.), ist der Jubiläumsartikel der Berliner Morgenpost (26.6.2005), der zudem unter der Rubrik "Heimatgeschichte" firmiert.
Darüber hinaus heisst in der MoPo der verantwortliche Kriminaldirektor und Chef der 60köpfigen Sonderkommission im übrigen Detlef Büttner. Zudem verweist die MoPo darauf, dass nach wie vor nicht alles geklärt ist:
"Mit den Tätern verschwand eine Millionenbeute aus der Bank, und ein Teil des Geldes konnte bis heute nicht wiederbeschafft werden. Das Verbrechen der Tunnelgangster ist einer der spektakulärsten Fälle der Berliner Kriminalgeschichte. Obwohl die Täter schnell überführt wurden, sind längst nicht alle Fragen zu dem Fall geklärt.
(...)
So wird voraussichtlich offenbleiben, ob die Gangster entscheidende Hinweise aus Kreisen des Personals erhalten hatten.
(...)
Christine Rother war die Polizeisprecherin, die am 28. Juni mit dieser Botschaft an die Öffentlichkeit gehen mußte. Den Journalisten sagte sie kryptisch: "Nach dem Eindringen in das Gebäude ist es bisher zu keinem Täterkontakt gekommen." Sie erinnert sich: "Speziell diese Formulierung hatte man mir eingebleut, und mehr durfte ich nicht sagen." Weil trotzdem immer weiter nach den Geiselnehmern gefragt wurde, platzte sie schließlich damit heraus: "Mensch, die sind weg."
(...)
Erst nach und nach stellte sich heraus, was wirklich geschehen war: Die vier Räuber, die durch die Eingangstür hereingekommen waren, hatten schnell Verstärkung erhalten. Zwei weitere Bandenmitglieder hatten bereits im Tunnel auf sie gewartet und von unten ein Loch in die Kellersohle gebohrt. Am Bohrloch durchbrachen die Täter aus der Bank von oben den Fußboden und stellten so die Verbindung zum Tunnel her. Man war nun zu sechst. Mit schwerem Werkzeug machten sich die Kriminellen im Tresorraum über die Kundenschließfächer her. Anschließend transportierten sie die Beute durch den Stollen ab. Hier kamen Skateboards als Tunnelloren zum Einsatz. Auf demselben Weg verschwanden auch die Gangster im Schutz der Nacht. Ihr Bauwerk endete nach 170 Metern in einer Garage auf einem Grundstück neben der Matterhornstraße. Obwohl die Garage noch im Bereich der Absperrungen lag, konnten die Männer heimlich durch den Polizeikordon schlüpfen.
Es folgen etliche Details zu Fahndung, Haftstraßen, Erschütterung des Gentleman-Images der Geiselnehmer usw. Und auch zur Beute:
Es bleibt die Frage nach dem Geld. Sie drängte sich besonders mit der Euro-Einführung im Jahr 2002 noch einmal auf. Denn wie tauscht man größere Summen, ohne dabei aufzufallen? Bis zum Frühjahr 1996 konnten die Fahnder 5,3 Millionen Mark in Brandenburg, Niedersachsen und Damaskus sicherstellen. Bei den ursprünglich 5,6 Millionen Mark, die von SEK-Beamten übergeben worden waren, wäre damit kaum noch etwas von der Beute übriggewesen. Doch aus 206 privaten Schließfächern im Keller der Bank hatten die Verbrecher nach groben Schätzungen weitere zehn Millionen Mark geholt. Konkrete Summen wurden nie genannt, und Experten zweifeln, ob tatsächlich alle Schließfach-Besitzer wahrheitsgemäß angegeben hatten, welche Beträge in der Bank deponiert waren. "Die in der Ecke nicht", hatte einer der Tunnelgangster beim Aufbrechen der Kleintresore seinen Komplizen zugeraunt. Woher hatte er dieses Wissen? Und woher kannten die Kriminellen den Schwachpunkt der Bank, nämlich die dünne Kellersohle? Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen Unbekannt ein, doch ohne Ergebnis. Heute sind die Akten zum Tunnelgangster-Fall geschlossen. Auch der Euro und die drohenden Wertlosigkeit der Beute führten nicht dazu, daß größere Beträge aus dem Verbrechen auftauchten. Wo der Rest versteckt liegt, bleibt ein Geheimnis."
Am Ende auch hier noch ein Respekt vom damaligen SEK-Einsatzleiter:
Mit dem Abstand von zehn Jahren zieht Martin Textor sein persönliches Fazit: "Die Tunnelgangster waren die ausgebufftesten Profis, die mir in meiner Laufbahn untergekommen sind. Sie waren in der Lage, das Handeln der Polizei vorauszudenken und daraus ihre Vorteile zu ziehen, auch wenn es ihnen am Ende nichts genützt hat."
Darüber hinaus heisst in der MoPo der verantwortliche Kriminaldirektor und Chef der 60köpfigen Sonderkommission im übrigen Detlef Büttner. Zudem verweist die MoPo darauf, dass nach wie vor nicht alles geklärt ist:
"Mit den Tätern verschwand eine Millionenbeute aus der Bank, und ein Teil des Geldes konnte bis heute nicht wiederbeschafft werden. Das Verbrechen der Tunnelgangster ist einer der spektakulärsten Fälle der Berliner Kriminalgeschichte. Obwohl die Täter schnell überführt wurden, sind längst nicht alle Fragen zu dem Fall geklärt.
(...)
So wird voraussichtlich offenbleiben, ob die Gangster entscheidende Hinweise aus Kreisen des Personals erhalten hatten.
(...)
Christine Rother war die Polizeisprecherin, die am 28. Juni mit dieser Botschaft an die Öffentlichkeit gehen mußte. Den Journalisten sagte sie kryptisch: "Nach dem Eindringen in das Gebäude ist es bisher zu keinem Täterkontakt gekommen." Sie erinnert sich: "Speziell diese Formulierung hatte man mir eingebleut, und mehr durfte ich nicht sagen." Weil trotzdem immer weiter nach den Geiselnehmern gefragt wurde, platzte sie schließlich damit heraus: "Mensch, die sind weg."
(...)
Erst nach und nach stellte sich heraus, was wirklich geschehen war: Die vier Räuber, die durch die Eingangstür hereingekommen waren, hatten schnell Verstärkung erhalten. Zwei weitere Bandenmitglieder hatten bereits im Tunnel auf sie gewartet und von unten ein Loch in die Kellersohle gebohrt. Am Bohrloch durchbrachen die Täter aus der Bank von oben den Fußboden und stellten so die Verbindung zum Tunnel her. Man war nun zu sechst. Mit schwerem Werkzeug machten sich die Kriminellen im Tresorraum über die Kundenschließfächer her. Anschließend transportierten sie die Beute durch den Stollen ab. Hier kamen Skateboards als Tunnelloren zum Einsatz. Auf demselben Weg verschwanden auch die Gangster im Schutz der Nacht. Ihr Bauwerk endete nach 170 Metern in einer Garage auf einem Grundstück neben der Matterhornstraße. Obwohl die Garage noch im Bereich der Absperrungen lag, konnten die Männer heimlich durch den Polizeikordon schlüpfen.
Es folgen etliche Details zu Fahndung, Haftstraßen, Erschütterung des Gentleman-Images der Geiselnehmer usw. Und auch zur Beute:
Es bleibt die Frage nach dem Geld. Sie drängte sich besonders mit der Euro-Einführung im Jahr 2002 noch einmal auf. Denn wie tauscht man größere Summen, ohne dabei aufzufallen? Bis zum Frühjahr 1996 konnten die Fahnder 5,3 Millionen Mark in Brandenburg, Niedersachsen und Damaskus sicherstellen. Bei den ursprünglich 5,6 Millionen Mark, die von SEK-Beamten übergeben worden waren, wäre damit kaum noch etwas von der Beute übriggewesen. Doch aus 206 privaten Schließfächern im Keller der Bank hatten die Verbrecher nach groben Schätzungen weitere zehn Millionen Mark geholt. Konkrete Summen wurden nie genannt, und Experten zweifeln, ob tatsächlich alle Schließfach-Besitzer wahrheitsgemäß angegeben hatten, welche Beträge in der Bank deponiert waren. "Die in der Ecke nicht", hatte einer der Tunnelgangster beim Aufbrechen der Kleintresore seinen Komplizen zugeraunt. Woher hatte er dieses Wissen? Und woher kannten die Kriminellen den Schwachpunkt der Bank, nämlich die dünne Kellersohle? Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen Unbekannt ein, doch ohne Ergebnis. Heute sind die Akten zum Tunnelgangster-Fall geschlossen. Auch der Euro und die drohenden Wertlosigkeit der Beute führten nicht dazu, daß größere Beträge aus dem Verbrechen auftauchten. Wo der Rest versteckt liegt, bleibt ein Geheimnis."
Am Ende auch hier noch ein Respekt vom damaligen SEK-Einsatzleiter:
Mit dem Abstand von zehn Jahren zieht Martin Textor sein persönliches Fazit: "Die Tunnelgangster waren die ausgebufftesten Profis, die mir in meiner Laufbahn untergekommen sind. Sie waren in der Lage, das Handeln der Polizei vorauszudenken und daraus ihre Vorteile zu ziehen, auch wenn es ihnen am Ende nichts genützt hat."
vabanque - am Montag, 27. Juni 2005, 11:02 - Rubrik: Millionencoup
10 Jahre Tunnelraub
Im Montagsinterview der Berliner Lokalausgabe der taz (27.6.2005) feiert die taz nochmals den Berliner Tunnelraub sowie den Fahndungserfolg der Berliner Polizei von vor zehn Jahren. So haben wir es gern: Alle sind Sieger. Selbst der zuständige Kommissar zollt dem Tunnelteam Respekt:
"Es ist der Jahrhundertfall, der größte Coup der deutschen Kriminalgeschichte: Heute vor zehn Jahren - am 27. Juni 1995 - stürmten Maskierte die Commerzbank Schlachtensee. Sie nehmen 16 Kunden und Angestellte als Geiseln und fordern 17 Millionen Mark Lösegeld, einen Hubschrauber und einen Fluchtwagen. Die Bankräuber entkommen durch einen zuvor gegrabenen Tunnel. Selten hat sich die Polizei so blamiert. Aber Kriminalhauptkommissar Arnold Fischer (60) und seine Leute machen die Schlappe wieder wett. Fünf Wochen später nehmen sie die sechs Tunnelgangster fest. "Es war uns eine Genugtuung", sagt der pensionierte Kommissar."
Das taz-Interview wird von einer PLUTONIA PLARRE geführt, bei der zumindest der Name wie aus einem Erika-Fuchs-Panzerknacker-Epos entnommen scheint. Na ja, vielleicht ist auch das ganze Interview ein Fake, jedenfalls möglich erscheint uns heutzutag schließlich vieles. Entscheiden Sie selbst:
"taz: Herr Fischer, die Tunnelgangster, was sagt ihnen das noch?
Arnold Fischer: Das war ja mindestens ein Jahrhundertfall und der absolute Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn. So was hat es auf der ganzen Welt nicht noch mal gegeben. Logistik, Planung und Tatausführung waren schon genial. (...)
taz: Als die Täter flüchteten, war die Bank von Spezialeinheiten und Scharfschützen umstellt. Die Polizei hat sich selten so blamiert.
Das haben die Medien so dargestellt. Aber so einfach war das nicht. Dass da unten noch ein Tunnel war, war überhaupt nicht absehbar. (...)
JournalistInnen interessieren sich für Details. Besonders das Graben und Schaufeln, aber auch der Tunnel an sich, hat etwas phantastisches, das die Imagination beflügelt:
taz: Wer ist als Erster in den Tunnel rein?
In den 100 Meter langen Regenwasserkanal haben wir erst einen Roboter von den Wasserwerken reingeschickt. Mit Kamera. Ganz vorsichtig. Wir wussten ja nicht, ob da drinnen vielleicht Fallen eingebaut sind. Das waren hochprofessionelle Täter. Man musste mit jeder Schweinerei rechnen. War aber nicht. Die waren wohl froh, mit dem Geld zu entkommen. Im restlichen Teil des Tunnels, den die eigenhändig gegraben hatten, mussten meine Leute krauchen.
taz: Der Schacht hatte einen Durchmesser von einem Meter - nichts für Klaustrophobiker. Wie war der Tunnel von innen gesichert?
Der Stollen war gut gemacht. Wände und Decken waren mit Holzbohlen abgestützt. Aber man musste damit rechnen, dass was einstürzt. Die Täter hatten ja selber zweimal eine Panne, wie wir später erfahren haben.
taz: Was war passiert?
Einmal ist Sand nachgerutscht. Dabei ist einer fast erstickt. Ein anderes Mal ist Regenwasser eingedrungen. Einer ist fast ertrunken. (...)
Immerhin findet sich eine professionelle Berufsauffassung, die genau weiss, wer für was zuständig ist:
taz: Was war mit der Beute?
Dafür hat sich die Presse immer besonders interessiert. Uns ging es in erster Linie darum, die Straftat aufzuklären. Die Wiederbeschaffung der Beute ist eigentlich Sache der Versicherung. (...)
Sportlich, uneigennützig und fair zeigt sich der ehemalige Berliner Kriminalkommissar; kann er auch. Hat schließlich die "Ehre" der Berliner Polizei "wieder hergestellt":
taz: Sind Sie nach der Aufklärung des Falls befördert worden?
Meinen höchsten Dienstgrad hatte ich schon 1985 erreicht. Weiter als bis zum Ersten Kriminalhauptkommissar ging es für mich nicht mehr. Aber für meine Leute und mich war es eine persönliche Genugtuung. Wir haben es unseren hochintelligenten Gegnern gezeigt. Die Täter waren super, aber wir waren noch besser. Und wir haben einen Beitrag zur Wiederherstellung des Ansehens der Berliner Polizei geleistet, über die so viel Häme ausgegossen worden ist."
Im Montagsinterview der Berliner Lokalausgabe der taz (27.6.2005) feiert die taz nochmals den Berliner Tunnelraub sowie den Fahndungserfolg der Berliner Polizei von vor zehn Jahren. So haben wir es gern: Alle sind Sieger. Selbst der zuständige Kommissar zollt dem Tunnelteam Respekt:
"Es ist der Jahrhundertfall, der größte Coup der deutschen Kriminalgeschichte: Heute vor zehn Jahren - am 27. Juni 1995 - stürmten Maskierte die Commerzbank Schlachtensee. Sie nehmen 16 Kunden und Angestellte als Geiseln und fordern 17 Millionen Mark Lösegeld, einen Hubschrauber und einen Fluchtwagen. Die Bankräuber entkommen durch einen zuvor gegrabenen Tunnel. Selten hat sich die Polizei so blamiert. Aber Kriminalhauptkommissar Arnold Fischer (60) und seine Leute machen die Schlappe wieder wett. Fünf Wochen später nehmen sie die sechs Tunnelgangster fest. "Es war uns eine Genugtuung", sagt der pensionierte Kommissar."
Das taz-Interview wird von einer PLUTONIA PLARRE geführt, bei der zumindest der Name wie aus einem Erika-Fuchs-Panzerknacker-Epos entnommen scheint. Na ja, vielleicht ist auch das ganze Interview ein Fake, jedenfalls möglich erscheint uns heutzutag schließlich vieles. Entscheiden Sie selbst:
"taz: Herr Fischer, die Tunnelgangster, was sagt ihnen das noch?
Arnold Fischer: Das war ja mindestens ein Jahrhundertfall und der absolute Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn. So was hat es auf der ganzen Welt nicht noch mal gegeben. Logistik, Planung und Tatausführung waren schon genial. (...)
taz: Als die Täter flüchteten, war die Bank von Spezialeinheiten und Scharfschützen umstellt. Die Polizei hat sich selten so blamiert.
Das haben die Medien so dargestellt. Aber so einfach war das nicht. Dass da unten noch ein Tunnel war, war überhaupt nicht absehbar. (...)
JournalistInnen interessieren sich für Details. Besonders das Graben und Schaufeln, aber auch der Tunnel an sich, hat etwas phantastisches, das die Imagination beflügelt:
taz: Wer ist als Erster in den Tunnel rein?
In den 100 Meter langen Regenwasserkanal haben wir erst einen Roboter von den Wasserwerken reingeschickt. Mit Kamera. Ganz vorsichtig. Wir wussten ja nicht, ob da drinnen vielleicht Fallen eingebaut sind. Das waren hochprofessionelle Täter. Man musste mit jeder Schweinerei rechnen. War aber nicht. Die waren wohl froh, mit dem Geld zu entkommen. Im restlichen Teil des Tunnels, den die eigenhändig gegraben hatten, mussten meine Leute krauchen.
taz: Der Schacht hatte einen Durchmesser von einem Meter - nichts für Klaustrophobiker. Wie war der Tunnel von innen gesichert?
Der Stollen war gut gemacht. Wände und Decken waren mit Holzbohlen abgestützt. Aber man musste damit rechnen, dass was einstürzt. Die Täter hatten ja selber zweimal eine Panne, wie wir später erfahren haben.
taz: Was war passiert?
Einmal ist Sand nachgerutscht. Dabei ist einer fast erstickt. Ein anderes Mal ist Regenwasser eingedrungen. Einer ist fast ertrunken. (...)
Immerhin findet sich eine professionelle Berufsauffassung, die genau weiss, wer für was zuständig ist:
taz: Was war mit der Beute?
Dafür hat sich die Presse immer besonders interessiert. Uns ging es in erster Linie darum, die Straftat aufzuklären. Die Wiederbeschaffung der Beute ist eigentlich Sache der Versicherung. (...)
Sportlich, uneigennützig und fair zeigt sich der ehemalige Berliner Kriminalkommissar; kann er auch. Hat schließlich die "Ehre" der Berliner Polizei "wieder hergestellt":
taz: Sind Sie nach der Aufklärung des Falls befördert worden?
Meinen höchsten Dienstgrad hatte ich schon 1985 erreicht. Weiter als bis zum Ersten Kriminalhauptkommissar ging es für mich nicht mehr. Aber für meine Leute und mich war es eine persönliche Genugtuung. Wir haben es unseren hochintelligenten Gegnern gezeigt. Die Täter waren super, aber wir waren noch besser. Und wir haben einen Beitrag zur Wiederherstellung des Ansehens der Berliner Polizei geleistet, über die so viel Häme ausgegossen worden ist."
vabanque - am Montag, 27. Juni 2005, 09:52 - Rubrik: Millionencoup
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Die Kronenzeitung (20.6.2005), verdiente Chronistin des Bankraubs, hält uns auf dem Laufenden:
"Bankraub Nr. 25
Bankräuber lässt sich mit Kleingeld abspeisen
Die Serie von Banküberfällen in Wien geht weiter, bei Überfall Nummer 25 war die Beute allerdings recht gering. Ein mit Pistole bewaffneter Mann flüchtete mit einem Sack Kleingeld, als ein Bankangestellter auf die computergesteuerte Zeitverzögerung für die größeren Beträge hinwies.
Mit Skihaube und -brille maskiert stürmte der Unbekannte in die Filiale der Bank Austria/Creditanstalt in der Thaliastraße 128 im 16. Wiener Gemeindebezirk. Mit vorgehaltener Pistole bedrohte er einen Kassierer und forderte Geld. Der Mitarbeiter hatte jedoch nur Zugriff auf Kleingeld, das der Räuber auch sofort einsackte."
"Bankraub Nr. 25
Bankräuber lässt sich mit Kleingeld abspeisen
Die Serie von Banküberfällen in Wien geht weiter, bei Überfall Nummer 25 war die Beute allerdings recht gering. Ein mit Pistole bewaffneter Mann flüchtete mit einem Sack Kleingeld, als ein Bankangestellter auf die computergesteuerte Zeitverzögerung für die größeren Beträge hinwies.
Mit Skihaube und -brille maskiert stürmte der Unbekannte in die Filiale der Bank Austria/Creditanstalt in der Thaliastraße 128 im 16. Wiener Gemeindebezirk. Mit vorgehaltener Pistole bedrohte er einen Kassierer und forderte Geld. Der Mitarbeiter hatte jedoch nur Zugriff auf Kleingeld, das der Räuber auch sofort einsackte."
contributor - am Mittwoch, 22. Juni 2005, 19:08 - Rubrik: Wien 2005
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Die Wiener Kronenzeitung (14.6. 2005)
Diebe lauerten Beamten schon in der Bank auf
Da hatten Bankangestellte keine Chance: Als zwei Frauen und eine Mann Dienstagmorgen ihren Arbeitsplatz betraten, warteten bereits zwei Räuber auf sie. Die Beamten wurden bedroht und gefesselt, die Täter flüchteten mit einer hohen Beute.
Diebe lauerten Beamten schon in der Bank auf
Da hatten Bankangestellte keine Chance: Als zwei Frauen und eine Mann Dienstagmorgen ihren Arbeitsplatz betraten, warteten bereits zwei Räuber auf sie. Die Beamten wurden bedroht und gefesselt, die Täter flüchteten mit einer hohen Beute.
Da sind sie durch ....
contributor - am Mittwoch, 15. Juni 2005, 16:01 - Rubrik: Wien 2005
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In den Berliner Sophiensaelen kann man sich im Juni 2005 mit Werten und Visionen des Alters befassen, unter anderem mit unorthodoxen Möglichkeiten der Altersvorsorge bei leeren Rentenkassen.
Sandra Strunz versucht nämlich, in ihrem Stück "Vabanque" Rentnern von morgen den Banküberfall als Alternative zur Altersarmut nahe zu bringen. So jedenfalls stellt es die taz dar.
Das Theater selbst wirbt folgendermaßen:
16.-19. & 23.-26.06.2005
Sandra Strunz › Vabanque
"Während sich heute alte Menschen den Vorwurf gefallen lassen müssen, Zeit und Geld im Überfluss zu besitzen, rumoren die „Alten von morgen“ im Bewusstsein der Gesellschaft: Viel Zeit werden sie haben, aber wenig Geld. In Vabanque greifen acht Senioren zur magischen Abkürzung und sichern sich ihre Zukunft mit einem
Bankraub. Vabanque spitzt die Fragen nach dem Wert und Visionen des Alters zu. Das Stück basiert auf einer Interviewrecherche mit Menschen zwischen 4 und 98 Jahren und Texten der Autoren Olga Tokarczuk und Raphael Urweider."
Regie › Sandra Strunz,
Dramaturgie › Viola Hasselberg,
Texte u.a. › Olga Tokarczuk & Raphael Urweider,
Eine Koproduktion von Sophiensaele, schauspielhannover, Teatr Nowy im.Tadeusza Lomnickiego Poznan und DepArtment.
Ursprünglich wurde das Stück in Hannover entwickelt und deren Beschreibung verweist in den verwendeten Begriffen auf das gleichnamige Buch:
"Vabanque
Ein Stück mit polnischen und deutschen Darstellern ab 70
Auf der Bank lagert im Übermaß, was vielen von uns zu mangeln scheint: Geld. Geld zählt als Maßeinheit für Glück, mit Geld lassen sich glücklich machende Güter bezahlen. Nur Zeit kann man nicht mit Geld kaufen. Während sich heute alte Menschen den neidvollen Vorwurf gefallen lassen müssen, beides, Zeit und Geld, im Überfluss zu besitzen, und damit die Räuber der Ressourcen und Reserven der Zukunft zu sein, rumoren die Alten von morgen im kollektiven Bewusstsein der Gesellschaft: zu viel Zeit werden sie haben, aber wahrscheinlich eher wenig Geld. In unserem Stück greifen acht Senioren zur "magischen Abkürzung", um in ihrem Leben zum vielleicht letztmöglichen Zeitpunkt den Traum vom neuen Anfang in die Tat umzusetzen. "Take the money and run" - acht Mal zeigt "Vabanque" Banküberfälle von Senioren. Die Darsteller, Laien und professionelle Schauspieler jenseits der siebzig, kommen aus den Nachbarstaaten Polen und Deutschland, die ein immer noch belastetes, exemplarisches ost-west-europäisches "Familienverhältnis" miteinander pflegen. Warum haben wir im Gegensatz zu Mythen der Jugend keine Vorstellungen mehr vom Alter? Was ersetzt Weisheit und Würde? Die letzte lebende Generation Deutscher und Polen, die sich als Kriegsgegner gegenüberstanden, wird in "Vabanque" zu Akteuren des gemeinsamen Raubs."
Aus einer Rezension von dpa (10.6.2005):
"Regisseurin Sandra Strunz und Dramaturgin Viola Hasselberg spielen mit den Gegensätzen zwischen dem erwarteten Verhalten der Alten und dem Ausbrechen aus diesen Rollenklischees. Das Planen eines Bankraubs wird für die Senioren zu einem revolutionären Akt - sie wollen sich nicht abfinden mit der ihnen zugedachten und zugewiesenen Rolle. Häufig wirkt das komisch. Ungelenk schreiten die Rentner in die Bank, mühen sich, Verfallserscheinungen zu verbergen. Ein Gewehr ist als Krückstock getarnt. Die Zuschauer quittieren solche Szenen am Premierenabend mit viel Gelächter und Szenenapplaus. Am Ende gibt es minutenlangen Beifall."
Vgl. a. Cellesche Zeitung, 10.6.2005
Sandra Strunz versucht nämlich, in ihrem Stück "Vabanque" Rentnern von morgen den Banküberfall als Alternative zur Altersarmut nahe zu bringen. So jedenfalls stellt es die taz dar.
Das Theater selbst wirbt folgendermaßen:16.-19. & 23.-26.06.2005
Sandra Strunz › Vabanque
"Während sich heute alte Menschen den Vorwurf gefallen lassen müssen, Zeit und Geld im Überfluss zu besitzen, rumoren die „Alten von morgen“ im Bewusstsein der Gesellschaft: Viel Zeit werden sie haben, aber wenig Geld. In Vabanque greifen acht Senioren zur magischen Abkürzung und sichern sich ihre Zukunft mit einem
Bankraub. Vabanque spitzt die Fragen nach dem Wert und Visionen des Alters zu. Das Stück basiert auf einer Interviewrecherche mit Menschen zwischen 4 und 98 Jahren und Texten der Autoren Olga Tokarczuk und Raphael Urweider."
Regie › Sandra Strunz,
Dramaturgie › Viola Hasselberg,
Texte u.a. › Olga Tokarczuk & Raphael Urweider,
Eine Koproduktion von Sophiensaele, schauspielhannover, Teatr Nowy im.Tadeusza Lomnickiego Poznan und DepArtment.
Ursprünglich wurde das Stück in Hannover entwickelt und deren Beschreibung verweist in den verwendeten Begriffen auf das gleichnamige Buch:
"Vabanque
Ein Stück mit polnischen und deutschen Darstellern ab 70
Auf der Bank lagert im Übermaß, was vielen von uns zu mangeln scheint: Geld. Geld zählt als Maßeinheit für Glück, mit Geld lassen sich glücklich machende Güter bezahlen. Nur Zeit kann man nicht mit Geld kaufen. Während sich heute alte Menschen den neidvollen Vorwurf gefallen lassen müssen, beides, Zeit und Geld, im Überfluss zu besitzen, und damit die Räuber der Ressourcen und Reserven der Zukunft zu sein, rumoren die Alten von morgen im kollektiven Bewusstsein der Gesellschaft: zu viel Zeit werden sie haben, aber wahrscheinlich eher wenig Geld. In unserem Stück greifen acht Senioren zur "magischen Abkürzung", um in ihrem Leben zum vielleicht letztmöglichen Zeitpunkt den Traum vom neuen Anfang in die Tat umzusetzen. "Take the money and run" - acht Mal zeigt "Vabanque" Banküberfälle von Senioren. Die Darsteller, Laien und professionelle Schauspieler jenseits der siebzig, kommen aus den Nachbarstaaten Polen und Deutschland, die ein immer noch belastetes, exemplarisches ost-west-europäisches "Familienverhältnis" miteinander pflegen. Warum haben wir im Gegensatz zu Mythen der Jugend keine Vorstellungen mehr vom Alter? Was ersetzt Weisheit und Würde? Die letzte lebende Generation Deutscher und Polen, die sich als Kriegsgegner gegenüberstanden, wird in "Vabanque" zu Akteuren des gemeinsamen Raubs."
Aus einer Rezension von dpa (10.6.2005):
"Regisseurin Sandra Strunz und Dramaturgin Viola Hasselberg spielen mit den Gegensätzen zwischen dem erwarteten Verhalten der Alten und dem Ausbrechen aus diesen Rollenklischees. Das Planen eines Bankraubs wird für die Senioren zu einem revolutionären Akt - sie wollen sich nicht abfinden mit der ihnen zugedachten und zugewiesenen Rolle. Häufig wirkt das komisch. Ungelenk schreiten die Rentner in die Bank, mühen sich, Verfallserscheinungen zu verbergen. Ein Gewehr ist als Krückstock getarnt. Die Zuschauer quittieren solche Szenen am Premierenabend mit viel Gelächter und Szenenapplaus. Am Ende gibt es minutenlangen Beifall."
Vgl. a. Cellesche Zeitung, 10.6.2005
vabanque - am Mittwoch, 15. Juni 2005, 11:29 - Rubrik: Theater
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In schönem Reportagen-Speech phantasieren die Lübecker Nachrichten (10.6.2005) über die tags zuvor stattgefundene nächtliche Sprengung eines Geldautomaten in Breitenfeld (nahe Mölln). In einer Art verbalen Re-Enactements beschreibt das Blatt, wie es sich zugetragen haben könnte:
"Mindestens 10 000 Euro haben Räuber gestern Morgen aus einem Geldautomaten in Breitenfelde erbeutet. Sie zündeten eine Sprengladung.
Breitenfelde - Als es knallt am frühen Morgen, ist es etwa 2.50 Uhr - und noch dunkel. Der Automat der Raiffeisenbank unmittelbar neben der Bundesstraße 207 wird aufgerissen. Die Täter schnappen sich eine Kassette. Geldscheine wirbeln durch die Luft, sie bleiben liegen, bis zu 20 Meter verstreut um die Bank herum. Aber mindestens 10 000 Euro in der Kassette haben die Täter erbeutet, als sie davon rasen. Die Bundesstraße 207 ist ein schneller Fluchtweg."
Eine spannende Frage ist die nach dem Sinn der Dramatisierung seitens der Polizei. Neben dem Neuigkeitsaspekt wäre zu fragen, ob die staatlichen Verfolgungsbehörden nicht den Ausnahmezustand qua Selbstverständnis benötigen:
"Meines Wissens hat es einen solchen Bankraub in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben", sagt Jürgen Willenbrecht, Sprecher des Landeskriminalamtes. Und es ist nicht der erste Überfall auf diese Bankfiliale. Schon einmal kamen Bankräuber. "Das war vor zehn oder 15 Jahren", erinnert sich Direktor Köster. Aber diese Tat jetzt habe eine neue Qualität: "Die sind mit schockierender Brutalität vorgegangen."
Jedenfall ist interessant, dass diese Form von aufrüstender "Abrüstung" im Bankraub, die Gewalt gegen Menschen nicht in Betracht zieht, in dieser Weise dramatisiert wird. Vor allem der Vergleich mit dem Jahre zuvor stattgefundenen klassischen Bankraub spricht Bände.
Aus der Sicht des Zuschauers könnte allenfalls beklagt werden, dass die Zeit der filigranen Tresorknacker und Einbrecher offensichtlich vorbei ist. Die Häufung solcher rabiaten Methoden verweist darauf, dass die Verbreitung von Sprengstoff oder der Zugang zu schwerem Gerät eine neue Form von "Hit-and-Run"-Bankraub hervorgebracht hat. An das große Geld kommt man so nicht. Was auch schon Aussagen über die soziale Basis der Akteure macht und der Behauptung von der Dominanz der Wissensgesellschaft Hohn spricht.
"Mindestens 10 000 Euro haben Räuber gestern Morgen aus einem Geldautomaten in Breitenfelde erbeutet. Sie zündeten eine Sprengladung.
Breitenfelde - Als es knallt am frühen Morgen, ist es etwa 2.50 Uhr - und noch dunkel. Der Automat der Raiffeisenbank unmittelbar neben der Bundesstraße 207 wird aufgerissen. Die Täter schnappen sich eine Kassette. Geldscheine wirbeln durch die Luft, sie bleiben liegen, bis zu 20 Meter verstreut um die Bank herum. Aber mindestens 10 000 Euro in der Kassette haben die Täter erbeutet, als sie davon rasen. Die Bundesstraße 207 ist ein schneller Fluchtweg."
Eine spannende Frage ist die nach dem Sinn der Dramatisierung seitens der Polizei. Neben dem Neuigkeitsaspekt wäre zu fragen, ob die staatlichen Verfolgungsbehörden nicht den Ausnahmezustand qua Selbstverständnis benötigen:
"Meines Wissens hat es einen solchen Bankraub in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben", sagt Jürgen Willenbrecht, Sprecher des Landeskriminalamtes. Und es ist nicht der erste Überfall auf diese Bankfiliale. Schon einmal kamen Bankräuber. "Das war vor zehn oder 15 Jahren", erinnert sich Direktor Köster. Aber diese Tat jetzt habe eine neue Qualität: "Die sind mit schockierender Brutalität vorgegangen."
Jedenfall ist interessant, dass diese Form von aufrüstender "Abrüstung" im Bankraub, die Gewalt gegen Menschen nicht in Betracht zieht, in dieser Weise dramatisiert wird. Vor allem der Vergleich mit dem Jahre zuvor stattgefundenen klassischen Bankraub spricht Bände.
Aus der Sicht des Zuschauers könnte allenfalls beklagt werden, dass die Zeit der filigranen Tresorknacker und Einbrecher offensichtlich vorbei ist. Die Häufung solcher rabiaten Methoden verweist darauf, dass die Verbreitung von Sprengstoff oder der Zugang zu schwerem Gerät eine neue Form von "Hit-and-Run"-Bankraub hervorgebracht hat. An das große Geld kommt man so nicht. Was auch schon Aussagen über die soziale Basis der Akteure macht und der Behauptung von der Dominanz der Wissensgesellschaft Hohn spricht.
vabanque - am Freitag, 10. Juni 2005, 09:14 - Rubrik: Tresore und Schraenker
jedenfalls wenn es um die "kleinen Leute" geht, die von der "Neuen Mitte" derzeit auf die hinteren Ränge verwiesen werden. Aber so ganz will sich aus einer Theaterkritik von BARBARA PETSCH in der "Presse" (10.06.2005) über eine Inszenierung von Schorsch Kamerun (ja, der von den "Goldenen Zitronen", Hamburg) der Uraufführung eines Stückes ("draußen tobt die dunkelziffer") von Katrin Röggla (Salzburg) im Wiener Volkstheater die Überschrift
"Vielleicht ein Bankraub?"
nicht erschließen. Jedenfalls folgt nach der Unterüberschrift
"'draußen tobt die dunkelziffer', drinnen schnappt die Schuldenfalle" keinerlei Auflösung, warum ein solch kriminelles Unterfangen in Erwägung gezogen werden könnte. Aber befinden uns ja in Wien und da hat dieses Handlungsmuster schließlich Konjunktur. Immerhin erfahren wir dass Rögglas Stück einem "Totentanz" gleiche: "Über dem Mittelstand kreist der Pleitegeier, während die Löcher in den sozialen Netzen immer größer werden."
Wir erfahren darüber hinaus, dass das Stück von Kamerun "eingewienert" und von ihm unzulässigerweise mit allerlei deutschen Österreich-Klischees versehen wurde ("Peinlich").
Aber dass die Verfasserin angesichts des Sujets (der scheiternde Kleinbürger in den Krallen der neoliberalen Deregulierung) zuvorderst "Bankraub" assoziiert, das ist jedenfalls kein Klischee, sonder offensichtlich Realität. Vor allem in Österreich ...
"Vielleicht ein Bankraub?"
nicht erschließen. Jedenfalls folgt nach der Unterüberschrift
"'draußen tobt die dunkelziffer', drinnen schnappt die Schuldenfalle" keinerlei Auflösung, warum ein solch kriminelles Unterfangen in Erwägung gezogen werden könnte. Aber befinden uns ja in Wien und da hat dieses Handlungsmuster schließlich Konjunktur. Immerhin erfahren wir dass Rögglas Stück einem "Totentanz" gleiche: "Über dem Mittelstand kreist der Pleitegeier, während die Löcher in den sozialen Netzen immer größer werden."
Wir erfahren darüber hinaus, dass das Stück von Kamerun "eingewienert" und von ihm unzulässigerweise mit allerlei deutschen Österreich-Klischees versehen wurde ("Peinlich").
Aber dass die Verfasserin angesichts des Sujets (der scheiternde Kleinbürger in den Krallen der neoliberalen Deregulierung) zuvorderst "Bankraub" assoziiert, das ist jedenfalls kein Klischee, sonder offensichtlich Realität. Vor allem in Österreich ...
vabanque - am Freitag, 10. Juni 2005, 08:52 - Rubrik: Wien 2005
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Das St. Galler Tagblatt (7.6. 2005) berichtete über einen "falschen" Banküberfall. Der Überfall auf den Filialleiter der Bregenzer Deniz-Bank, der gerade 145 000 Euro bei der Raika einzahlen wollte, war - wie sich Im Zuge der Ermittlungen herausstellte - nämlich nur vorgetäuscht, das Geld in Wirklichkeit vom Angestellten veruntreut worden:
"Weil ihn der Chef ärgerte, hat ein Filialleiter einer Bregenzer Bank einen Überfall inszeniert. (...) Der 33-Jährige hatte die Tasche mit den Geldbündeln längst seinem Freund übergeben, als er sich selbst Reizgas ins Gesicht sprühte und in die Raiffeisenlandesbank torkelte. Doch alle glaubten zunächst die Geschichte vom Überfall. Eine Grossfahndung wurde eingeleitet. Der Filialleiter muss sich nicht mehr wegen des getürkten Überfalls vor Gericht verantworten. Er war bereits damals schwer krank und verstarb Anfang Mai. Doch sein 34-jähriger Freund stand gestern wegen Hehlerei vor Gericht. Ihm hatte der frustrierte Filialleiter zuvor erzählt, er werde Gelder abzweigen, weil er in letzter Zeit nur noch Ärger mit den Vorgesetzten habe. Von 150 000 Euro war konkret die Rede. Dennoch stritt der Angeklagte ab, etwas von dem getürkten Raubüber- fall seines Freundes gewusst zu haben."
"Weil ihn der Chef ärgerte, hat ein Filialleiter einer Bregenzer Bank einen Überfall inszeniert. (...) Der 33-Jährige hatte die Tasche mit den Geldbündeln längst seinem Freund übergeben, als er sich selbst Reizgas ins Gesicht sprühte und in die Raiffeisenlandesbank torkelte. Doch alle glaubten zunächst die Geschichte vom Überfall. Eine Grossfahndung wurde eingeleitet. Der Filialleiter muss sich nicht mehr wegen des getürkten Überfalls vor Gericht verantworten. Er war bereits damals schwer krank und verstarb Anfang Mai. Doch sein 34-jähriger Freund stand gestern wegen Hehlerei vor Gericht. Ihm hatte der frustrierte Filialleiter zuvor erzählt, er werde Gelder abzweigen, weil er in letzter Zeit nur noch Ärger mit den Vorgesetzten habe. Von 150 000 Euro war konkret die Rede. Dennoch stritt der Angeklagte ab, etwas von dem getürkten Raubüber- fall seines Freundes gewusst zu haben."
sparkassenkunde - am Dienstag, 7. Juni 2005, 17:32 - Rubrik: BankerInnen und PolizistInnen
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