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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
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"Franz (*1904) und Erich (*1906) Sass waren zwei von insgesamt fünf Söhnen des Lohnschneiders Andreas Sass und der Wäscherin Marie Sass aus Berlin-Moabit. Sie wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf, die Wohnung der Familie im Hinterhaus der Birkenstraße 57 hatte gerade 40qm Fläche. Dem Milieu entsprechend kamen sie seit ihrer Jugend immer wieder mit Jugendamt und Polizei wegen geringerer Delikte in Berührung."
So beginnt die deutsche Wikipedia ihre biographische Darstellung des Werdegangs der Tresorknacker-Gebrüder Sass.
Sie sind aufgrund des Tunnelraubs in Brasilien dieser Tage wieder in Erinnerung gekommen und auch hier in diesem Weblog schon mehrfach erwähnt worden.

Mesrine Jacques Mesrine, der französische Antiheld der 70er Jahre, wird sowohl in der französischen, englischen wie deutschen Wikipedia mit einem biographischen Artikel bedacht. In der deutschen Wikipedia firmiert er etwas despektierlich als "Gewaltverbrecher": Jacques René Mesrine (* 28. Dezember 1936 in Clichy; † 2. November 1979 in Paris) war ein französischer Gewaltverbrecher. In der französischen Wikipedia tönt die Einordnung zu Beginn es etwas nüchtnerner: "Jacques Mesrine (1936-1979) est un criminel français. Déclaré « ennemi public numéro un » au début des années 70, l'homme aux 1 000 visages est notamment connu pour ses nombreuses évasions et ses nombreux hold-up." Er wird in der Kategorie "criminel" einsortiert, die aber außer ihn zum Zeitpunkt dieses Eintrags noch niemand anderen umfasst. In der deutschen Version wird das Phänomen der Popularität des durchaus brutalen und skrupelosen Mesrine wie folgt dargestellt: "Die französische Presse verklärte ihn teiweise zu einem romantischen Spitzbuben. Mesrine gab sogar Interviews, in denen er die Öffentlichkeit von einer politischen Motivation seines Handelns zu überzeugen versuchte. Er war darüberhinaus sehr an seiner eigenen Öffentlichkeit interessiert. Er ermordete beinahe den französischen Journalisten Jaques Tillier, weil ihm dessen Artikel über ihn nicht gefielen. Jacques Mesrine wurde mehr und mehr zur lebenden Legende. Keinem Verbrecher zollte die französische Öffentlichkeit mehr Respekt." Die franzsösische Wikpedia ist demgegenüber kürzer und weniger pointiert sowie explizit als Baustelle deklariert. Die englische Wikipedia folgt weitgehend der deutschen Version (oder umgekehrt). Ausführlich mit Bildern ist die französische Online-Biographiensammlung "Grand Criminels", in der wir auch die Bonnot-Bande und Bonnie & Clyde finden. In Deutschland wurde im übrigen vor kurzem die Mesrine-Autobiographie "Der Todestrieb" wieder aufgelegt. Zur künstlerischen Verarbeitung: Die Diktion "Mesrine - Staatsfeind Nr. 1" wurde bereits auf auf Leinwand gebannt.

Endlich mal wieder ein Artikel, der nicht nur die Agenturmeldungen nachbetet. Die Schweizer Sonntagszeitung (14.8. 2005) hat Marco Morell recherchieren lassen. Der Beitrag beginnt mit einer uns nur zu bekannten Erkenntnis:

Geld am Ende des Tunnels
»Keine Waffen, kaum Spuren, riesige Beute: Der fast perfekte Bankraub von Fortaleza

Wenn dreiste Diebe eine reiche Institution auf einen Schlag arm machen und die Polizei dabei alt ausschaut, schlagen die Herzen der Normalbürger heimlich höher. Das funktioniert so seit Robin Hood und Jesse James und jetzt erneut in Anbetracht der unglaublichen Ereignisse, die sich letzte Woche in der brasilianischen Stadt Fortaleza abspielten.


Wenn es gegen "die da oben" geht, gibt es offensichtlich auch im Braslien des linksgerichteten Präsidenten Lula genügend Gründe zur Schadenfreude:

"Auf Mitleid kann die ausgeraubte Zentralbank in Brasilien umso weniger hoffen, als das Ansehen der Machtelite derzeit so tief ist wie selten zuvor: wegen des immer weitere Kreise ziehenden Korruptionsskandals in der Arbeiterpartei Präsident Lulas. Endlich zeigt es jemand «denen da oben» so richtig! "

Richtig ungemütlich wird es für "die da oben", wenn der Tathergang Stil und Format aufweist:

"Erstaunlich am Bankraub von Fortaleza ist nicht nur die Höhe der Beute, sondern vor allem die perfekte Durchführung. Von der monatelangen Vorbereitung bis zur Flucht scheint alles minuziös nach Plan abgelaufen zu sein. Sogar die Polizei zeigte sich davon fasziniert. «Es ist wie im Film», meinte der Polizeichef des Bundesstaats Cear á, dessen Hauptstadt Fortaleza ist. "

Der Sonntagszeitungs-Artikel benennt die Faktoren des öffentlichen Erfolgs, nämlich präzises Handwerk:
Vorbereitung und Tarnung (Einen Tunnel sowie eine Tätigkeit, die die Arbeit daran unauffällig erscheinen lässt), Überwindung der HighTech-Sicherungen sowie der Abgang.
Was noch fehlt ist die enorme Summe, die in einem Land wie Brasilien märchenhaft anmutet:
  • Der Tunnel: Als die Polizisten durchs Loch im Tresorraum hinunterstiegen, entdeckten sie einen Tunnel von 78 Meter Länge. Er war mit Holzverstrebungen abgestützt, mit Holzplatten und Plastik verkleidet und mit elektrischem Licht, einer Klima- und einer Gegensprechanlage ausgerüstet. Die 3,5 Tonnen schwere Beute zogen die Einbrecher offenbar mit einer Art Fliessband aus Plastiksäcken und Schnüren durch den Tunnel. Ein Ingenieur sprach gegenüber der Zeitung «O Globo» von einer «technisch einwandfreien Konstruktion», die angesichts des hohen Sandanteils im Untergrund einiges an Fachwissen erfordert habe.
  • Die Tarnung: Der Tunnel führte die Polizisten in ein einen Häuserblock entferntes Wohnhaus. Dort hatte sich im Erdgeschoss vor drei Monaten eine Gartenbaufirma niedergelassen mit dem Namen Grama Sintética, die sich als Spezialist für Kunstrasen ausgab. In Wirklichkeit war es eine Tarnfirma. Sie ermöglichte es den Einbrechern, die ausgegrabene Erde ohne Verdacht zu erwecken aus dem Herzen der Zwei-Millionen-Stadt zu transportieren. Insgesamt mussten sie hundert Tonnen Erde wegschaffen oder sechs grosse Lastwagen voll. Nachbarn beschrieben die angeblich zehn Männer, die im Haus verkehrten, als freundlich. Sie seien häufig in den Restaurants und Bars des Quartiers anzutreffen gewesen und hätten einen fremden Akzent gesprochen. Ihr Chef hatte am 2. Mai die Gartenbaufirma registrieren lassen, mit einem gefälschten Ausweis, der auf den Namen Paulo Sérgio de Souz a lautete.
  • Der Einbruch: Die Polizei vermutet, dass die Täter in der Nacht auf vergangenen Samstag in den Tresorraum eindrangen. Das Werkzeug zum Aufbrechen des Betonbodens liessen sie am Tatort zurück. Die Bewegungs- und Lichtsensoren erzeugten keinen Alarm. Den drei Überwachungskameras war von einem Gabelstapler und den Containern, aus denen das Geld entwendet wurde, die Sicht verdeckt. Die Polizei gibt sich überzeugt, dass die Bande über Komplizen in der Zentralbank verfügte. Im Tresor befanden sich hauptsächlich gebrauchte Noten, deren Zustand überprüft werden sollte. Die frisch gedruckten mit zusammenhängenden Seriennummern liessen die Einbrecher im Safe zurück. Die Nummern der gebrauchten Noten sind nicht registriert.
  • Die Flucht: Laut der Polizei hatte die Bande ihr Werk am Samstagmorgen «zwischen zehn und zwölf Uhr» vollbracht. Bis zur Entdeckung des Überfalls am Montag verblieben den Mitgliedern 44 Stunden zur Flucht. In der Wohnung am Ende des Tunnels verstreuten sie überall Löschkalk, um die Spurensicherung zu erschweren; trotzdem ist es der Polizei gelungen, an der Gegensprechanlage zum Tunnel und einem Schrank Fingerabdrücke zu sichern. Am Samstag um 14 Uhr wurden am Flughafen Fortalezas acht Flugtickets nach São Paulo gekauft. Bezahlt wurde bar mit 50er-Noten. Um 17 Uhr wurden laut der Zeitung «O Povo» in der Einstellgarage eines weiteren Wohnhauses zwei Männer beobachtet, wie sie einen Geländewagen mit Säcken beluden. Die Polizei vermutet, dass das Haus ein zweiter Stützpunkt der Bande war.


Nunmehr läuft die Fahndung und natürlich bleiben bei einem solchen Projekt unfreiwillige Spuren nicht aus:

"Lippenstiftspuren sollen zu den Tätern führen
Nicht nur der Raffinesse der Einbrecher ist das Gelingen des grössten Banküberfalls in der Geschichte Brasiliens zu verdanken, sondern auch den krassen Mängeln im Sicherheitsdispositiv der Bank. Zum Schrecken der Polizei wurden die von den Videokameras im Tresorraum aufgenommenen Bilder nicht auf Band aufgezeichnet, sondern nur auf einen Monitor einer privaten Sicherheitsfirma übertragen. Die wiederum beteuerte, ihr Auftrag habe sich auf die Ein- und Ausgänge der Bank sowie deren Umgebung beschränkt und das, obwohl gemäss «O Povo» bei der Polizei seit Jahresbeginn wiederholt Warnungen eingegangen waren, wonach in Fortaleza ein «grosses Ding» in Vorbereitung sei. Zu allem hinzu ist das erbeutete Geld nicht versichert, von der Versicherung gedeckt sind nur die Geldtransporte womit letztlich die brasilianischen Steuerzahler für den Schaden werden aufkommen müssen.

Immerhin hat die Polizei inzwischen einen Bruchteil der Beute sicherstellen können. In drei Personenwagen, die auf einem Autotransporter unterwegs waren, hat sie fünf Millionen Real in 50er-Noten gefunden. Der Transporter war bei Belo Horizonte, 1900 Kilometer südlich von Fortaleza, angehalten worden, nachdem die Polizei Hinweise erhalten hatte, dass die Autos mit Bargeld gekauft worden waren. Der Fahrer des Transporters und drei weitere Insassen befinden sich in Polizeigewahrsam. Auf einem Parkplatz in Fortaleza wurde ausserdem ein Lieferwagen beschlagnahmt, in dem sich 5000 Real in 50er-Noten befanden, der Grossteil davon in Bündeln mit dem Siegel der Zentralbank.

Hoffnung für die Jagd nach den Tätern macht sich die Polizei vor allem wegen der Zigarettenstummel, die sie im Lieferwagen fand. Einige trugen Spuren von Lippenstift. So perfekt der Bankraub von Fortaleza ausgeführt wurde, eine uralte Weisheit hat auch er nicht widerlegen können: Kein Mensch ist fehlerfrei."

Heute Abend wird auf 3 Sat, 22:30 Uhr, die spanische Krimikomödie "Vier Frauen gegen eine Bank" ausgestrahlt:


Lola (Adriana Ozores) hat sich von ihrem Mann getrennt, weil er sie geschlagen hat, und lebt mit ihrem kleinen Sohn mehr schlecht als recht von dem winzigen Lohn als Putzfrau in einer Bank. Auch Maite (Carmen Maura), für die Lola gelegentlich putzt, geht es nicht besser. Ihr kürzlich verstorbener Mann hat weit über seine Verhältnisse gelebt und ihr nur Schulden hinterlassen. Was liegt da näher, als eine Bank zu überfallen? Vieles. Nicht so aber in dieser Krimi-Komödie. Silvia (Maribel Verdú), Lolas beste Freundin, und die Gelegenheitsdiebin Pecholata (Malena Alterio) schließen sich den beiden an, und die Gangster-Crew macht sich forsch ans Werk. Die Komödie bietet solide Unterhaltung ohne knallige Spitzen, zeigt Sympathie für die Protagonistinnen und geht humorvoll und ironisch mit den Schwächen von Frauen und Männern um.

Ausführlichere Informationen zu "Vier Frauen gegen eine Bank" hier

Das war zu erwarten. Massenbankraub birgt einfach zu viele Risiken. Die ersten Verhaftungen sind erfolgt, berichtet dpa (11.8. 2005):

Zwei Männer nach spektakulärem Bankraub in Brasilien festgenommen

Rio de Janeiro - Nach dem größten Bankraub in der Geschichte Brasiliens hat die Polizei einen ersten Fahndungserfolg erzielt. Zwei Männer seien festgenommen worden, berichtete die Zeitung "Folha de São Paulo" unter Berufung auf die Polizei. Bei der Aktion in der Nähe der Stadt Belo Horizonte seien zudem zwei mit Geld aus dem Bankraub gekaufte Fahrzeuge sichergestellt worden. In ihnen seien weitere etwa eine Million Reales (350 000 Euro) gefunden worden. Auch dabei handele es sich vermutlich um einen Teil der Beute.

Bei dem spektakulären Raubzug hatten die unbekannten Täter am vergangenen Samstag 156 Millionen Reales (rund 52 Millionen Euro) in gebrauchten, nicht registrierten Scheinen mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen erbeutet. Die Räuber hatten in wochenlanger Arbeit vier Meter unter der Erdoberfläche einen 80 Meter langen Tunnel gegraben.

Unterdessen verdichten sich Hinweise, daß die Täter Helfer in der Bank hatten. Ein Gabelstapler der Filiale der Zentralbank in der nordöstlichen Provinzhauptstadt Fortaleza im Bundesland Ceará sei genau vor den Überwachungskameras abgestellt gewesen, so daß auf den Bildschirmen der Wachleute nichts zu sehen gewesen sei, berichtet die Zeitung. Das Gerät sei sonst für die Beförderung schwerer Geldkästen im Tresorraum verwendet worden. dpa


Ausserdem bestätigt sich der Verdacht, dass hier Helfer in der Bank mitgewirkt haben ...

Das setzt Phantasien frei. Jetzt wird in der Geschichte gekramt und auch Springers Welt (10.8. 2005) fängt an ins tresorknackenden Delirium zu verfallen:

Das Schränkerhandwerk lebt
Bankräuber in Brasilien erzielen Rekordbeute. Der alte Trick: Ein Tunnel in den Tresorraum

von Ulli Kulke

Fortaleza - Wer da glaubt, der gemeine Bankeinbrecher sei tot, und es lebe nur mehr der feine Computerkriminelle, der alles bargeldlos von zu Hause erledigt, der irrt. Im brasilianischen Fortaleza haben die Klassiker zugeschlagen. In der Zentralbank. Beute: umgerechnet 53 Millionen Euro, Weltrekord. Länge des Tunnels: über 200 Meter - ebenfalls Weltrekord.

TunnelFortaleza
Der Tunnel ist es, immer wieder der Tunnel, der den kleinen Bankenschreck vom schweren Schränker scheidet. Der dem Räuber zu Renommee verhilft und den Gendarmen zum Genarrten macht. Ein drei Meter kurzer Stollen schon brachte den Gebrüdern Sass 1929 Zugang zum Keller der Berliner Discontobank - und Berühmtheit. Doch die Polizei konnte nichts beweisen, sie war der Lächerlichkeit preisgegeben, zum Hohn gaben die Sass-Brüder auch noch Pressekonferenzen. Beim berühmten Bankraub von Nizza 1976 (100 Millionen Franc, damals Weltrekord) war der Tunnel schon erheblich länger, allerdings nahmen die Gangster auch das Kanalsystem der Stadt zu Hilfe, um zum Kellertresor der Société Générale zu gelangen und ihn leer zu räumen. Ken Follett schrieb darüber einen Bestseller. 1995 dann wieder Berlin: Geiselnahme in einer Bank, fünf Millionen Mark Lösegeld wurden durch die Tür geschoben, ein Fluchtauto wurde in Aussicht gestellt. Und während die Polizei draußen beriet, wie sie später die Verfolgung aufnehmen könnte, waren die Gangster längst durch einen vorbereiteten 190-Meter-Tunnel verschwunden. Berlin lachte. Und der Chefermittler zog den Hut: "Logistik, Planung, Tatausführung waren genial."

Der Tunnel - er steht für harte Knochenarbeit, für den respektheischenden Durchbruch selbst gegen das Gesetz, für das Licht des Reichtums am Ende des Tunnels, den Silberdollar am Horizont der Phantasie auch aller gesetzestreuen Träumer. Gewiß hätten die legendären Posträuber um Ronnie Biggs auch einen gebuddelt, wenn er irgendeinen Sinn hätte ergeben können.

Ein Problem allerdings kennt jeder Tunnelgangster: wohin mit dem immensen Aushub, ohne Verdacht zu erregen? Die Gangster von Fortaleza lösten es genial: Auf dem Platz rund um den Einstieg gründeten sie eine Gartenbaufirma. Mit äußerst voluminösem, aber völlig unverdächtigem Umsatz von Erdmassen. Ihre Spezialität: Naturrasen. "Eine einträgliche Geschäftsidee", erzählten sie den Nachbarn.


Werte Welt-Redaktion, aber das mit den 200 Metern, das hätte man auch schon am Dienstagnachmittag wissen können, dass das bereits auf 70-80 Meter korrigiert worden ist.

Born to be a dancer (9.8. 2005)

ich hab ebn punkt 12 gesehn, was heißt ebn... vor 3 stundn lol
da kam sowas, dass in brasilien oda so son paar typen 55millionen euro also umgerechnet aus ner bank geklaut ham, die ham da nebenan nen blumenladen aufgemacht un sich dann innerhalb von paar monaten nen tunnel bis zur bank gegraben, dass is ma geil *lol*
tja dann fangt die ma wieda ein


Ein Mikelfish kommt am 11.8. ins Grübeln:
"berufliche Veränderung....
Bankräubern gelingt historischer Coup durch Tunnelbau

Der Weg zur Millionen-Beute führte durch den Untergrund: Bankräuber haben in Brasilien einen 200 Meter langen Tunnel gegraben und so rund 68 Millionen Dollar (150 Millionen Real) gestohlen. Der Coup gilt als der größte Bankraub in der Geschichte des Landes. (Spiegel)
.... habt ihr sicher auch gelesen, und da komm ich ins Grübeln, weil, vielleicht sollt ich mal die Seite wechseln und den zweiten Teil meines Berufsnamens in -räuber ändern...
.... hmh, wir sehen uns in Brasilien, Mexiko....???...:-)

Die Kronenzeitung (9.8. 2005) bietet in ihrem Online-Angebot eine Chronik der größten Banküberfälle der letzten 15 Jahre. Der Zürcher Frauneumünster-Post anno 1997 mit 55 Millionen Franken fehlt allerdings in der Liste. [Für die Freunde des österreichischen Boulevars: Wir sehen einmal mehr, dass auf 'die Krone' einfach kein Verlass ist, gelt vabanque!].


DEZEMBER 2004
38 Millionen in Nordirland. Der Überfall mit Geiselnahme auf die Northern Bank in Belfast geht auf das Konto der Untergrundorganisation IRA.


JULI 1999
15,5 Millionen in Brasilien. Eine bewaffnete Bande hat die Wächter beim Sturm auf eine Filiale der Banespa-Bank in Sao Paulo überwältigt.

OKTOBER 1994
22,5 Millionen in Kolumbien. Sechs Männer dringen sonntags in die Zentralbank in Valledupar ein, bohren die Tresore auf und entkommen am nächsten Tag mit fast vier Tonnen Bargeld.

DEZEMBER 1992
24,3 Millionen in Argentinien. Falsche Inspektoren entwenden aus der Zentralbank-Zweigstelle in Santa Fe zur Vernichtung bestimmte Scheine und entkommen mit einem Flugzeug.

NOVEMBER 1991
35,8 Millionen in Kolumbien. Die Räuber dringen durch einen Tunnel in eine Bank in Bogotá ein. Zur Beute gehören Bargeld, Schmuck und Goldbarren.

JULI 1990

18,4 Millionen in Brasilien. Die Gangster geben sich in der Staatsbank-Filiale in Salvador als Polizisten aus und entkommen mit 25 Säcken voller Geldscheine.

MÄRZ 1990

17,9 Millionen in der Schweiz. Der Überfall auf eine Filiale der Schweizerischen Bankgesellschaft in Genf gilt als größter Bankraub in der Geschichte des Landes. Die dicksten Fischzüge fanden in den letzten Jahren offensichtlich in Lateinamerika statt.

Kontenklärung des Tages (Junge Welt, 10.8. 2005)

Bankraub in Brasilien

Andere Länder, bessere Kriminalfälle. In der Bundesrepublik gilt es als spektakulär, wenn die untalentierte Schauspielerin Veronika Ferres ein Kosmetikprodukt, für dessen Reklame sie lächerliche Tantiemen bezieht, in einem Fernsehfilmchen so lange in die Höhe hält, bis der normale, also PISA-geschädigte Bundesbürger die Schriftzüge auf der Verpackung verarbeitet hat. Oder wenn ein Infineon-Manager, also einer aus der Branche, die neulich noch New Economy hieß und vor allem eine Abzockfalle für Kleinsparer war, sich wegen trivialer Freizeitvergnügen schmieren läßt. Oder wenn der VW-Betriebsrat mit Bordellbesuchen in Prag und anderswo ruhiggestellt wird etc. Das Land ist so: Schmierig und geldgeil sind die höheren Stände und führen das gern im Fernsehen vor. Kleinkriminelle haben kaum eine Chance, es zu etwas zu bringen.

In Brasilien hat ordentliches Panzerknackerhandwerk noch goldenen Boden. 150 Millionen Real (umgerechnet etwa 52 Millionen Euro) holten Bankräuber aus dem Tresorraum der brasilianischen Zentralbank in Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceara. Es war der größte Bankraub in der Geschichte des Landes. Die Summe übertrifft die Beute aus dem Überfall von Ronald Biggs 1963 in England, als er und elf weitere Umverteiler aus einem Postzug von Glasgow nach London nach heutigem Wert rund 53 Millionen Dollar holten. Die Räuber von Fortaleza gingen mit derselben Gelassenheit wie jene damals an die Arbeit. Sie gruben drei Monate lang vier Meter unter der Erde mit High-Tech an einem 80 Meter langen Tunnel, den sie ordnungsgemäß abdichteten und mit elektrischem Licht ausstatteten – zum Wohlfühlen sozusagen. Ausgangspunkt war ein fiktives Gartengeschäft, wo Erdtransporte nicht besonders auffielen. Am vergangenen Wochenende schredderten sich die Profis durch den 1,10 Meter dicken Betonboden des Tresorraums und räumten fünf Container mit 50-Real-Scheinen aus. Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung von Banken mit Kunden wie Veronika Ferres, Infineonmanagern oder VW-Betriebsräten?

(asc)


PS. Das mit der Rolle von Biggs ("Die Summe übertrifft die Beute aus dem Überfall von Ronald Biggs 1963 in England, als er und elf weitere Umverteiler aus einem Postzug von Glasgow nach London nach heutigem Wert rund 53 Millionen Dollar holten") ist ziemlich schlampig ... und Anbetung ersetzt keine ordentliche Recherche (Hier ganz unten im Text)

Die Blogger machen sich auch über das Thema des Tunnel-Bankraubs in Brasilien her:

Im Schockblog meint blogschocker:

"Vergesst Topkapi und Ronald Biggs

Wie in einem Hollywood-Gentlemen-Bankräuberfilm hat eine eiskalte Gang die Nationalbank von Brasilien um ca. 150 Millionen Real im Wert von ca. 55 Millionen Euro erleichtert. (...)
Ich bin ja kein Typ, der Verbrechen duldet, aber vor der Leistung dieser Leute habe ich dann doch Respekt. Wer so dreist und ohne eine Menschenseele zu bedrohen oder zu verletzen einen Jahrhundertcoup durchzieht, verdient es auch, die Kohle zu behalten. Zumal das Geld versichert ist. Ich hoffe nur, der Kopf der Truppe ist kein Drogenbaron oder sonstiger Schwerverbrecher - das würde meine Meinung dann doch ändern...

Was gäbe ich für Insiderwissen! Hollywood würde mir dafür wahrscheinlich die Fußsohlen lecken. Nachdem ich aufm Dixie war..."


oder bei "Nur ein Test oder doch mehr" (9.8. 2005)

"Schwerer Bruch
Als filmreif wird der Bankraub einiger Einbrecher in Brasilien bezeichnet. (...)
Und sollten sich die Täter beim Einlösen der Scheine oder durch andere Umstände doch noch erwischen lassen, können sie ihre Story immer noch verkaufen. Hollywood hat bisher noch alles verfilmt."


Getkrafted (Malte) verbucht den Coup ("55 Millionen Euro erbeutet") unter "Lifestyle" (9.8. 2005).

Moins - das Blog von Rainer Ny Bendig (9.8. 2005) setzt tags wie "Tags: Bankraub, Brasilien, Zentralbank, Bank, Micky, Mouse, Panzer, Knacker, Tresor, Coup, Genial":

"Panzerknacker in Brasilien
Passend zum Zitat:
In Brasilien haben mehrere Bankräuber, wie in einem Micky Mouse Heft, einen Tunnel zur Zentralbankzentrale in Forteleza (Wikipedia gegraben. Insgesamt huben sie einen Tunnel von circa 200 Metern aus, und verkauften den Aushub in der eigens dafür angemieteten Gärtnerei. Sie schafften circa 3,5 Tonnen unregistrierte Geldscheine im Gegenwert von etwa 55 Millionen durch den Tunnel in die freie Wildbahn. Da die Scheine nicht registriert sind können sie normal langsam unter die Leute gebracht werden.
Das Kuriose daran: der etwa 500 m² große Tresorraum war auch mit Bewegungsmeldern gesichert. Die Wände bestanden aus 2 Meter dickem Stahlbeton.
Meine Meinung? Go on!"


Christian Wiedwald (9.8. 2005) in "ge-blog-t":

" Es gibt sie noch...

...die großen Coups der Weltgeschichte - wieder ein filmreifes Stück Kriminalität - diesmal in Brasilien - schaut hier:

Tunnel in die Zentralbank: Der Räuber ist immer der Gärtner - SPIEGEL ONLINE"



Mark (Irgendwas ist immer, 9.8.05):

"Die Jungs haben ausgesorgt!

Ein echter Klassiker ereignete sich am vergangenen Wochenende in Brasilien. Nein, es wird in der Meldung zunächst nicht die Summe des bei diesem Bankraub erbeuteten Geldes genannt, sondern das Gewicht: 3,5 Tonnen brasilianische Banknoten. Entspricht in 50 Real Scheinen etwa 55 Millionen Euro...

Respekt! Keine Verletzten oder gar Toten, keine verängstigten Geiseln, nur ein nach allen Regeln der Kunst leergeräumter Tresor zeugt von diesem Coup in allerfeinster Rififi-Manier. Was würde ich für ein Photo des dämlichen Gesichtsausdrucks des Bankangestellten geben, der am Montag Morgen den Safe aufschloss...

Drei Monate Dreck schippen, die sich mal richtig gelohnt haben."


Hendrix, Ein Berliner in Brasil (9.8. 2005) preist "Kreative Bankräuber":

"Gestern frueh wurde in der Metropole Fortaleza im Nordosten Brasiliens ein spektakulaerer Bankraub entdeckt. (...)
Also ziemlich viel Aufwand fuer etwas Geld, koennte man meinen. Aber die gestohlene Summe kann sich sehen lassen: 150 Millionen Real (ca. 50 Millionen Euro).
Das waere doch mal ein neuer brasilianischer Exportschlager - Kurse fuer Hightech-Bankraub (in Brasilien eher unuebliche Barzahlung fuer die Kursgebuehr waere wohl Bedingungung). Da wuerde die brasilianische Aussenhandelsbilanz doch noch viel besser aussehen...."


Und ein Besucher (Martin) meint: " das haben sich die jungs und maedels redlich verdient...."

Auf Jacopo meint mlohmann (9.8. 2005):
"Und ich dachte, dass gibts nur im Film. Hut ab vor der Cleverness, die Jungs werden wohl eine ähnliche Popularität erreichen, wie Biggs mit dem Postraub in England."

Wolf Bente: noch so´n überflüssiger blog (9.8. 2005):
Der Tunnel zum Erfolg

In Brasilien wurde eine Bank geplündert, in dem sich die Leutchen einen hübschen, langen Tunnel gebuddelt haben berichtet Spiegel Online. Das bringt mich natürlich auf eine Idee. Ich kauf mir ein paar Schaufeln, hol mir ein paar 1-Euro-Jobber und los gehts. Das hat gleich mehrere Vorteile.
1. Wenn ich nicht erwischt werde, dann brauch ich mir keine Zukunftssorgen mehr zu machen und die 1-Euro-Jobber hatten eine durchaus sinnvolle Beschäftigung.
2. Wenn ich erwischt werde, dann brauch ich mir keine Zukunftssorgen mehr zu machen, bekomme regelmäßig etwas zu essen, muss keine Miete mehr bezahlen und die 1-Euro-Jobber hatten eine durchaus sinnvolle Beschäftigung.
Blöd wäre nur, wenn der Tunnel vor der Fertigstellung zusammenfällt.

kalauert Spiegel Online (9.8. 2005) und liefert ein paar Hintergrundinformationen, deren Glaubwürdigkeit durch die namentlich genannten KorrespondentInnen verbürgt sein sollen:

"Brasília - Die Männer stammten nicht aus dem nordbrasilianischen Fortaleza, das sah man, und das hörte man: Sie hätten nicht mit dem in dem Bundesstaat Ceará verbreiteten melodischen Singsang gesprochen, berichten die Nachbarn. Vermutlich kämen sie aus Rio de Janeiro, sagten die Anwohner der brasilianischen Tageszeitung "Folha de São Paulo". Einer der Nachbarn, ein Besitzer einer Herberge, sagte dem Blatt, er habe mindestens acht verschiedene Männer beobachtet, die sich regelmäßig auf dem Grundstück aufgehalten hätten.

Andere Anwohner berichten von zwei Verdächtigen. Einer, vermutlich der Anführer der Bande, sei groß, schlank und habe einen Bart getragen. Seinen Namen habe er mit "Paulo" angegeben. Der andere Mann sei blond gewesen. Drei Monate lang spielten sie den Anwohnern ein scheinbar normales, und doch ein bisschen aufregendes Leben vor: Typen, die mit einer guten Geschäftsidee ihr Glück in der Ferne versuchen. Eine Firma für Gartenbau sollte es sein, spezialisiert auf Kunst- und Naturrasen. Ab und zu seien die beiden Männer auch in den Bars und Restaurants der Gegend aufgetaucht, versteckt hätten sie sich nicht.

Eingang zum Tunnel: Spezialisten am Werk

Doch statt sich ums Rasen-Geschäft zu kümmern, bereiteten die Männer den größten Bankraub in der Geschichte Brasiliens vor. Von dem seit März angemieteten Haus, dem zum Schein eröffneten Fachgeschäft aus, gruben sie einen 70 Meter langen Tunnel bis unter den Tresorraum der brasilianischen Zentralbank in der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará. In vier Metern Tiefe buddelten sie den 70 Zentimeter hohen Tunnel, der mit Holzlatten abgestützt, mit Plastik abgedichtet und mit Elektrolicht ausgestattet war. Die Tarnung war perfekt: Der Gartenbaubetrieb machte es den Tätern möglich, große Mengen Erdreich fortzuschaffen, ohne Misstrauen zu erwecken."

Filmreifer Bankraub in Brasilien
titelt die Deutsche Welle (9.8. 2005) ihren Bericht über den brasilianischen Millionencoup.

TunnelFortalezaDiese Formulierung lässt bereits die Bewunderung anklingen. Die Bidlunterschriften unterstreichen diese Tendenz: "Der Weg zum Reichtum: Tunnel der Bankräuber"

Und so geht es dann weiter:
"Beim größten Bankraub in der Geschichte Brasiliens haben die Täter umgerechnet etwa 52 Millionen Euro erbeutet. Die Räuber hatten ihren Coup in monatelanger Präzisionsarbeit vorbereitet.
Es waren Experten am Werk: Rund 20 Bankräuber, darunter offenbar Spezialisten für Mathematik, Ingenieurwesen und Ausgrabungen, waren daran beteiligt, unbemerkt in die brasilianische Zentralbank in Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará, einzudringen."


Die Frage, die sich derzeit alle stellen, warum funktionierte das Alarmsystem nicht? Die Vermutung ist naheliegend. Gibt es Komplizen innerhalb der Bank?

Dann haben wir noch den DW-TV-Beitrag (9.8. 2005) anzubieten. Waren es zunächst noch 200 Meter, die der Tunnel lang gewesen sein soll, sind es hier nur noch 80 Meter. Bei Spiegel Online (9.8. 2005) nun sogar nur noch 70 Meter.

Schließlich ganz am Schluss will es die DW-Redaktion wissen und fragt:
"Finden Sie die Tat niederträchtig oder brillant?"
Schon klar, was die hören wollen ..,

Sie hat ein bisschen Zeit benötigt, die gute, alte taz (10.8. 2005), aber jetzt ist sie auch dabei, und auch unsere taz-JournalistInnen wissen zu räubern, oder sagen wir besser, lassen sich inspirieren, nämlich von Vabanque, aber deshalb ist der Artikel auch besser als das, was wir bisher so zu lesen bekommen haben:


Gangster nach unserem Geschmack

Rund 50 Millionen Euro haben vorgestern unbekannte Täter bei einem Bankraub in Brasilien erbeutet. Monatelang haben sie von einem zum Schein eröffneten Blumenladen aus einen 80 Meter langen Tunnel in den Tresorraum der Zentralbank in Fortaleza gegraben. Hut ab! Zehn Fragen von vier Fans, die gelernt haben, dass Verbrechen sich nicht lohnt, aber anderen gerne dabei zugucken

1. Warum beschäftigt uns der Bankraub?

Wir wollen auch 50 Millionen Euro. Was man damit alles machen könnte. Nie wieder arbeiten, nie wieder einen Job suchen, nie wieder für die Rente vorsorgen, nie wieder für die Studiengebühren der Kinder sparen. Nie wieder sparen überhaupt. Wenn wir erst mal 50 Milliarden, äh, Millionen Euro haben, dann können wir endlich alles machen, was wir immer schon wollten. Alles. Immer. Überall. Luxus, Autos, Schmuck, Frauen, Männer. Oder oder oder. Kinder aus Afrika ("Live 8") adoptieren, unseretwegen auch. Wir hätten keine Existenzangst mehr. Nie wieder Geldsorgen. Nie nie nie mehr. Angie oder Gerd, Edmund oder Oskar? Nicht egal, aber nicht entscheidend. Wir wären endlich frei. Denn Geld ist gut.

2. Welche Bankräuber schätzen wir?

Sie sollen schlau sein. Männer (und, okay, Frauen), denen niemand so schnell etwas vormacht. Ein Bankräuber nach unserem Gusto setzt sich hin und macht einen Plan. Einen richtig komplizierten Plan. Er hat genau die richtigen Freunde, die seinen Plan umsetzen können. Der weiß, wann man einen Ingenieur einsetzt und wann einen Akrobaten. Und er weiß auch, wann er mit anpacken muss, und kann mit den Stärksten mithalten. Der Bankräuber behält den Überblick, koordiniert, sieht alles voraus. Und er wirkt dabei lässig - so wie James Bond, mindestens. Natürlich ist er auch gewitzt. Sonst könnte er ja gar nicht quer genug denken, um die Lücken in einem Sicherheitssystem zu sehen. Ein richtiger Bankräuber ist ein überlegener Nonkonformist.

3. Was wollen wir von den Bankräubern sehen?

Action! Wir wollen Tunnel, riskante Planungen, gewagtes Timing, vollen körperlichen und geistigen Einsatz, Menschlichkeit, Nerven aus Stahl, denen auch kleine Missgeschicke nichts anhaben können - aber bitte nicht zu viel Schweiß, denn Helden schwitzen nicht. Verzweiflung ist ein schlechtes Parfum. Kurzum: Wir wollen, dass sie unsere eigenen Unzulänglichkeiten ausgleichen; dass sie in Situationen, in denen wir den Überblick verlieren oder uns vor Angst in die Hose machen würden, einen kühlen Kopf bewahren. Wir wollen Helden! Es reicht ja völlig, dass wir beim Anblick eines Streifenwagens ein schlechtes Gewissen bekommen, und zwar grundlos.

4. Welche Bankräuber wollen wir nicht sehen?

Was wir nie verstanden haben: Warum wurde Ronald Biggs ein Held? Der hatte keinen schlauen Überfall mitgeplant. Es starb ein Mensch bei seinem Überfall auf einen Postzug. Außerdem war er auch nicht interessant oder witzig oder sah auch nur ein bisschen gut aus. Er war ein grober Brutalo. Bis hin zu den überkandidelten Hawaii-Hemden und dem schlechten Lied mit den Toten Hosen. Wir verachten Nick Leeson, unscheinbarer Technokrat, der eine ganze Bank zum Einsturz brachte, aber damit sämtliche Kunden in den Ruin trieb und die Angestellten arbeitslos machte. Und wir mögen "Phisher" nicht, die Bankkunden die PIN-Nummern klauen und deren Konten plündern. Das ist kein Banküberfall, sondern elektronischer Handtaschenraub.

5. Warum erlauben wir den Bankräubern das, warum fiebern wir mit ihnen mit?

Banken sind ein riesiges System. Und wenn dann ein Mastermind mit einer Schaufel, einem GPS-Gerät, seinen Freunden und seinem Grips diese Riesen zu Fall bringen können, dann fühlen wir uns gut. Wir sympathisieren gern. Wir bekommen vielleicht keinen Kredit und sie können unser Haus pfänden, aber da draußen gibt es noch Menschen, die diese Riesenwaben aus Technik und Bürokratie treffen können. Weil sie besser sind und schneller und schlauer. So wie wir es auch gerne wären.

6. Was dürfen Bankräuber stehlen? Was nicht?

Bankräuber dürfen nur das stehlen, was im Überfluss vorhanden ist und einzelnen Personen oder Organisationen gehört. Allgemeingüter, beispielsweise Museumsstücke, sind tabu. Wer den "Schrei" von Edvard Munch klaut, der enttäuscht nicht nur das Museum, sondern auch all jene, die in Oslo das Werk sehen möchten. Auch Gegenstände, die einen persönlichen Wert besitzen, sollen Bankräuber stets liegen lassen. Das letzte Geschenk des verstorbenen Ehemanns, Dinge, die vom ersten selbst verdienten Geld gekauft wurden, die Uhr des Vaters. Geschmeide und Geld aber, das nur im Tresor rumliegt, das kann mit. Dabei darf der Bankräuber Menschen weniger reich, aber nie arm und mittellos machen.

7. Wo wollen wir die Bankräuber treffen?

Am Meer. Das gehört zur materiellen Erfüllung eines Traums einfach dazu. Ihr Domizil ist gar kein Vergleich mit dem so genannten Traumhaus in der Bausparerwerbung. Weniger spießig, prolliger - aber auch dekadenter. Das Haus muss an einem Hang stehen, gern in der Nähe von Acapulco. Dort laden sie uns auf eine Cohiba und einen Whiskey ein. Wir saufen mit ihnen wie Hemingway. Oder die Villa steht an einem lange, weißen Sandstrand in Kenia. An der Côte d'Azur. in Rio. In Goa. Highlife. High Five. High Society. High Energy. Als Gastgeschenk bringen wir Spezialitäten aus der Heimat. Schwarzbrot, Schinken, Gummibärchen, Roederer Cristal. Heimwehnahrung für alle Fälle.

8. Wo treffen wir sie wirklich?

Gerade hat der TV-Sender ABC enthüllt: Der Führer der Tschetschenen wohnt in einem Zelt irgendwo unter einem Busch. Ussama Bin Laden hat wirklich viele Freunde, aber dennoch hat er kein Anwesen auf einer Insel, sondern eine Höhle aufm Berg. Und Saddam Hussein wurde von den Amis aus einem Erdloch gezogen. Klar taugt keiner dieser Männer zum Vorbild, doch machen diese Wohnorte eines deutlich: Wer sich heute mit der internationalen Staatengemeinschaft anlegt und sich nicht wie ein kolumbianischer Drogenbaron eine Privatarmee leisten kann, hat schlechte Karten. Wahrscheinlich müsste unser Bankräuber nach Myanmar ("Birma"), Nordkorea, Somalia oder auf eine abgelegene Insel fliehen, um sicher vor dem Arm des Gesetzes zu sein. Keine schöne Aussicht - trotz Meerblick. Selbst mit 50 Millionen Euro. Und wo zum Teufel soll man die dort ausgeben?

9. Welche Filme sehen wir uns zum Trost an?

"Topkapi" (1964)
"Rififi" (1955)
"Sass" (2001)
"Die Gentlemen bitten zur Kasse" (1969)
"Die Abenteuer des Robin Hood" (1938)
"Ocean's Eleven" (1960 bzw. 2001)
"Ocean's Twelve" (2004)
"Jetzt oder nie - Zeit ist Geld" (2000)
"Heist - der letzte Coup" (2001)
"Sneakers - die Lautlosen" (1991)
"The Italian Job" (2003)

10. Warum spielen wir immer nur Lotto?

Wir haben Angst vor dem Ausbruch aus dem System, der - das Leben ist ja kein Film, ach - doch zumeist im Gefängnis endet. Und was wird dann aus den Kindern? Dem Job? Der Skatrunde? Hinter diesen Überlegungen verbirgt sich das verhangene Gefühl, dass es uns so schlecht doch eigentlich auch wieder nicht geht. Auch weil sich bei den wenigsten von uns die Pläne für den perfekten Coup in der Schublade stapeln, riskieren wir unsere bürgerliche Existenz doch nicht für ein riskantes Verbrechen, ein Wagnis mit ungewissem Ausgang. Das überlassen wir dann doch lieber den Filmhelden und machen uns selber die Hände nicht schmutzig - außer vielleicht an der Tinte des Kulis, mit dem wir Lottoscheine ausfüllen.

Die Männern (und Frauen?) im brasilianischen Fortaleza sind auf der Flucht. Wir wollen wenigstens die Filmrechte. Das Geld werden wir uns besorgen.

DAVID DENK, SOLVEIG WRIGHT,
NATALIE TENBERG, PHILIPP LÖHLE


taz Nr. 7738 vom 10.8.2005, Seite 13, 255 Zeilen (TAZ-Bericht), DAVID DENK / SOLVEIG WRIGHT / NATALIE TENBERG / PHILIPP LÖHLE

Das war nicht anders zu erwarten. "Filmreif", das ist jenes Etikett, das die Medien immer dann verteilen, wenn sie glauben mitteilen zu müssen, dass die Wirklichkeit sich nach der Fiktion richte. Es ist quasi die Steigerungsform von "sensationell".
(ZDF-Heute, 9.8. 2005)

"Beim größten Bankraub der brasilianischen Geschichte sind nach Behördenangaben rund 150 Millionen Real (knapp 55 Millionen Euro) "in filmreifer Art" erbeutet worden. Das Fehlen des Geldes sei in der Filiale der Zentralbank in der nordöstlichen Provinzhauptstadt Fortaleza im Bundesstaat Ceara am Montag (Ortszeit) bemerkt worden."

Ein "Coup wie im Kino" heisst es denn auch bei n-tv (9.8. 2005).
Inzwischen gibt es die ersten Bilder von der Aktion. TunnelFortaleza
Der Tagesschaubeitrag ist ebenfalls online (9.8.2005)


Die Räuber hätten in vermutlich wochenlanger Arbeit vier Meter unter der Erdoberfläche einen 200 Meter langen Tunnel gegraben. Sie seien dann irgendwann am Wochenende in die Tresorräume der Bank eingedrungen. Dazu hätten die Verbrecher den Erkenntnissen zufolge vor drei Monaten ein Haus in der Nachbarschaft der Bank gemietet und die Grabungsarbeiten dort begonnen, hieß es.

"Die haben ungefähr 3,5 Tonnen Geld in 50-Real-Scheinen weggeschleppt", sagte ein Sprecher der Bundespolizei erstaunt. Man werde größte Mühe haben, das gestohlene Geld aufzuspüren. Es handele sich nämlich um alte Scheine, die zwecks Prüfung der Umlauffähigkeit eingesammelt worden seien. "Das ist zweifellos der größte Bankraub in der Geschichte unseres Landes, so etwas sieht man sonst eigentlich nur im Kino", sagte der Chef der Bundespolizei in Ceara, João Batista Paiva Santana der Onlineausgabe der Zeitung "O Globo". [Roubo do século]


[Und die Berliner Morgenpost (9.8. 2005)setzt noch hinzu: "Er dachte dabei vielleicht an Klassiker wie "Rififi" aus dem Jahre 1955."
Spiegel Online (9.8. 2005) will die Paralellen bei Ocean Eleven sehen: "Ein Coup im Stil des Gangsterfilms 'Ocean's Eleven'."]

TunnelFortaleza2 Alarmanlagen versagt
Es sei noch unbekannt, wie lange sich die Räuber im Bankbereich aufgehalten hätten und weshalb die modernsten Alarmsysteme mit Bewegungsmeldern und Überwachungskameras nicht reagiert hätten, hieß es in einer Mitteilung der Zentralbank. Die rund 500 Quadratmeter großen Tresorräume der Bank im Zentrum Fortalezas würden zudem von zwei Meter dicken Betonwänden und Stahlnetzen geschützt.

Der bislang größte Bankraub der brasilianischen Geschichte geschah Medienangaben zufolge im Juli 1999, als ein 20-köpfiges schwer bewaffnetes Kommando nachts eine Filiale der Bank Banespa im Zentrum von São Paulo stürmte, 15 Männer des Wachpersonals überwältigte und und mit 39 Millionen Real entkam. (ZDF-Heute, 9.8. 2005)


Völlig gaga ist aber der offensichtlich obligatorisch Hinweis auf Ronald Biggs, der in zahlreichen Berichten, die auf Reuters-Meldung basieren, hinten angehängt ist:

"Der Raub übertrifft die Tat des legendären Zugräubers Ronnie Biggs. Der Brite hatte 1963 mit elf Kameraden einen Postzug von Glasgow nach London überfallen und dabei nach heutigem Wert rund 53 Millionen Dollar erbeutet. Biggs war später nach Brasilien geflohen und lebte dort viele Jahre. (APA/Reuters)" (z.B. Der Standard, 9.8. 2005)

Ronald Biggs war nicht der legendäre Zugräuber, sondern eine kleine Nummer beim Postraub 1963. Er durfte mitmischen, weil er einen Kollegen kannte, der eine Dieselloksteuern konnte. Berühmt wurde er, weil er ausbrechen konnte und in Brasilien die rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfte, um Scotland Yard eine Nase zu drehen. Vgl. den Beitrag "Ronnie Biggs Superstar" von Dirk Schindelbeck in "Vabanque" (S. 64 ff.insbesondere S. 70), in dem er die "Öffentlichkeitsarbeit" von Biggs analysiert.

Wieder mal eine Geschichte, die das Zeug für neue Mythen und Verfilmungen hergeben wird. Die Medien berichten über einen neuen "Jahrhundertcoup durch Tunnelbau" (SPIEGEL ONLINE - 08. August 2005, aber auch andere Zeitungen oder Sender wie SF DRS unter Bezug auf eine afp-Meldung)

Bankräubern gelingt Jahrhundertcoup durch Tunnelbau

Der Weg zur Millionen-Beute führte durch den Untergrund: Bankräuber haben in Brasilien einen 200 Meter langen Tunnel gegraben und so rund 52 Millionen Euro (150 Millionen Real) gestohlen. Der Coup ist der größte Bankraub in der Geschichte des Landes.

Brasilia - Das Geld wurde aus der brasilianischen Zentralbank in Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará, entwendet, teilte die Polizei mit. "Das Verbrechen wurde an diesem Morgen entdeckt", hieß es in einer Erklärung der Zentralbank.

Die unbekannten Täter drangen demnach am Wochenende in den 500 Quadratmeter großen Tresorraum der Bank ein. Dazu hatten sie unweit vom Bankgebäude ein Gartengeschäft eröffnet und einen 200 Meter langen Tunnel gegraben. Das Gartengeschäft verschaffte den Tätern den Angaben zufolge die Möglichkeit, große Mengen Erdreich fortzuschaffen, ohne dass dies Misstrauen erweckte.

Die Bankräuber gingen mit großer Präzision vor. "Sie wussten genau, wo sich der Tresorraum befand", sagte einer der Ermittler. Das Wochenende nutzten sie, um die zwei Meter dicken Wände zu durchbrechen. Sie räumten fünf Container mit 50-Real-Scheinen leer. Der Tunnel lag rund vier Meter unter der Erdoberfläche.

Der bislang größte Bankraub in Brasilien wurde 1999 verübt. Damals hatte eine Bande 37 Millionen Real aus einer Niederlassung der Bank Banespa in Sao Paulo geraubt.


Die Schweizer Version der BILD-Zeitung, der Blick (8.8.2005), vermag die Story noch ein bisschen aufzupeppen:

Tunnel in den Tresorraum
FORTALEZA – Was in vielen Comic-Heftchen zum Schmunzeln anregt, ist Bankräubern in Brasilien gelungen. Sie gruben einen 200 Meter langen Tunnel und ergaunerten sich Millionen.
Die Diebe haben sich nicht irgend ein armseliges Geldinstitut ausgesucht. Sondern die stolze brasilianische Zentralbank. Dann gruben sie sich 4 Meter unter der Erde rund 200 Meter weit direkt ins Herz des Hauses: in den Tresorraum.

Dieser ist 500 Quadratmeter gross und wird von 2 Meter dicken Betonwänden (!) geschützt. Doch die Täter hatten Zeit: Der Diebstahl ereignete sich zwischen Geschäftsschluss am Freitagabend und Montagmorgen.

Auch die wurden geknackt. Im Innern des Tresors begann das grosse Geldeinpacken: 150 Millionen Real (81 Millionen Franken) sind weg. Über die Täter ist noch nichts bekannt.

Es ist der grösste Bankraub in der Geschichte des Landes. Die Zentralbank befindet sich in Fortaleza, etwa 2500 Kilometer nordöstlich von Sao Paulo. Der Diebstahl ereignete sich zwischen Geschäftsschluss am Freitagabend und Montagmorgen.


Noch mehr Hintergrundinformation bei Bloomberg.com

« ni haine, ni violence et sans arme »
Die Biographie Albert Spaggiaris findet sich in der französischen Ausgabe von Wikpedia:

"Il a été le cerveau du casse du siècle, le cambriolage de la Société générale de Nice. Pendant trois mois, une quinzaine d’hommes, moitié de truands, moitié de politiques, vont creuser un tunnel de 8 mètres en passant par les égouts jusqu’à la salle des coffres. Au cours du week-end du 17 juillet au 19 juillet 1976, trois-cent trente-sept coffres seront ouverts : cinquante millions de francs de l’époque, « ni haine, ni violence et sans arme » comme le dit le message laissé par Spaggiari.
(...)
Albert Spaggiari est le “cerveau” du casse de Nice. Une véritable légende du grand banditisme, et cela de son vivant… En 1976, il a réussi un coup monumental, le cambriolage de la salle des coffres de la Société Générale de Nice en passant par les égouts. Butin, 5 milliards de centimes de franc, 24 millions d’euros…"


Der Artikel wird unter der Kategorie "Article soupçonné de partialité" geführt, was soviel bedeutet: "Les articles listés ci-après ont été soupçonnés de ne pas respecter la neutralité de point de vue la plus absolue et leur contenu est à considérer, plus que d'autres, avec prudence."
Auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel wird dann auch kritisiert:
""sa tombe est toujours abondament fleurie" "Nice, la cité de Catherine SEGURANE" "véritable légende du grand banditisme" "un coup monumental" "dans les égouts, les héros ont fini par apprivoiser les rats" " voyou à la Française comme on n'en fait plus, de ceux qui ont de la classe: veste de blazzer impeccablemement coupées" " populaire, et toujours du bon côté. Il apparaît à la fois séducteur désinvolte à la Arsène Lupin et militant des causes nationalistes" ... cette litanie de compliments et de superlatifs est une insulte à tous les grands savants qui n'ont que quelques lignes dans l'encyclopédie. Cham 14 juillet 2005 à 17:16 (CEST)"

In der Tat sollte ein Lexikonartikel über Spaggiari nicht den zeitgenössischen Diskurs verdoppeln. Aber ist das nicht ein grundsätzliches Problem von Wikipedia, dass es vor allem deshalb funktioniert, weil die SchreiberInnen sich für eine Sache besonders begeistern? Insofern verdoppelt der Beitrag die mediale Bewunderung für diesen Coup, dabei müsste die Bewunderung Gegenstand der Darstellung werden.

Sa, 06.08.2005, 23:55 im Bayern-Fernsehen:
Hundstage


Originaltitel: Dog Day Afternoon
Land: USA
Jahr: 1975
Regie: Sidney Lumet
Mit: Al Pacino, Penelope Allen, Sully Boyar, John Cazale, Beulah Garrick
Länge: 124 Min.


Drei Männer stürmen eine Bank, weil sie das Geld für die Operation eines Freundes auftreiben wollen. Aber nichts geht wie geplant. Einen Banditen packt die Angst und flieht. Die anderen beiden Sal (John Cazale) und Sonny (Al Pacino) nehmen den Direktor und seine Angestellten als Geiseln. Polizei, Presse und Schaulustige umstellen schnell das Gebäude. Sonny versucht zu verhandeln, zumal er festgestellt hat, dass der Tresor nicht viel Geld enthält. Die Ungeschicklichkeit der Bankräuber schliesslich rührt Zuschauer wie Geiseln zunehmend. - Sidney Lumet zeichnet einen authentischen Fall in Brooklyn nach, der bis ins Detail spannend bleibt.

Mehr über den Film

Der Standard (24.7. 2005) über den argentinischen Tenorsaxofonisten Gato Barbieri und die kubanische Gesangsdiva Omara Portuondo, die beim Jazzfest Wiesen (Österreich) mit Tanzmusik begeisterten:
Out of Sight
"Gato Barbieri ist nach einer gut zehnjährigen Phase der Depression aufgrund des Todes seiner Frau und Muse Michelle und drei Bypassoperationen jetzt seit 1997 mit Unterbrechungen an guten Tagen wie diesem durchaus wieder in der Lage, sein Saxofon mit rau wie beseelt um Freiheit brüllendem Ton zwischen Banküberfall und Kuschelrock zum Singen zu bringen."

In der taz vom 11.7. 2005 und in der heutigen Süddeutschen Zeitung (25.7. 2005) wird ausführlich über den Siegelsbacher Bankraubmord berichtet:

"In Heilbronn steht zurzeit ein Mann vor Gericht, der bis zum 7. Oktober 2004 brav seine Brötchen gebacken hat. Dann soll der Bäcker von Siegelsbach eine Pistole genommen, die Bank überfallen und eine Rentnerin erschossen haben
AUS SIEGELSBACH PHILIPP MAUSSHARDT"

Der ganze Text in der taz


Weitere Einträge zum Fall:

Prozesseröffnung

"Es war der Bäcker"

Was passierte?

Etwas versteckt in einem Kommentar in diesem Weblog (deshalb ans Licht gebracht) zu dem 10jährigen Jubiläum der Berliner Tunnelgangster verweist "findme" darauf, dass es bereits 1987 in Paris einen Bankraub gegeben habe, der das Vorbild für den Coup von 1995 gegeben habe. By the way, es gibt auch noch die Behauptung, dass ein Jerry-Cotton-Heft als Vorlage gedient habe:

Ich zitiere aus einem Interview von Carsten Kuhr mit Walter Appel bzw. Earl Warren auf Phantastik-News

CK:

Dein "Jerry Cotton"-Heft Nr. 1080 hat im Nachhinein eine gewisse Beruehmtheit erlangt, da die Berliner Tunnelraeuber die Idee fuer ihren Fischzug sich dort ausgeliehen haben. Erzaehl doch mal, da gab es ja jede Menge Publicity fuer Dich?

WA:

Von wem und woher die Berliner Tunnelgangster die Idee fuer ihren Coup hatten, weiss ich nicht, ich habe nie mit ihnen gesprochen. Mir liegt auch keine Erklaerung oder Aeusserung ihrerseits dazu vor. Nach Bekanntwerden des Berliner Tunnelbankraubs im Sommer 1995 schrieb eine unbekannte Leserin dem "Focus", die Idee sei einem Jerry-Cotton-Roman entnommen, naemlich 1080 "Die Geisel der Millionen-Gangster". Das wurde im "Focus" gebracht, woraufhin ich ein Fax an den "Focus" schickte, der Roman sei von mir, und ich wuerde mich fuer die Erwaehnung und die mir zugeschriebene Ehre, der geistige Urheber dieses Coups zu sein, bedanken. Ob das so sei, wuesste ich nicht. Wie es die Presse so macht, wurde die Sache aufgegriffen, der "Focus" schickte einen Fotografen, brachte einen Artikel ueber mich, das Fernsehen kann, interviewte mich - ARD, Sat 1 usw. -, und die BZ (Berliner Zeitung) druckte den besagten Krimi in zehn Folgen nach. Fuer den BZ-Nachdruck habe ich exakt DM 1.000,-- (Eintausend) erhalten, fuer eine Berlin-Auflage des besagten Romans vom Bastei-Verlag nochmal ein paar hundert Mark. Also nichts Weltbewegendes. Danach folgte etwas, das ich heute noch als den Alptraum eines Verkaeufers betrachte: Ich hatte Publicity, wurde gefragt, was haben Sie denn alles geschrieben? Soviel? Muessen Sie aber begabt sein und viel Fantasie haben. - Toll - wo kann man das kaufen? Da stand ich dann da mit dem kurzen Hemd und musste antworten: Das sind Hefte und Taschenbuecher gewesen, die allesamt - 99 % - unter Pseudonym erschienen, wie man das nachbeziehen soll, weiss ich nicht. Da muessen Sie beim Verlag fragen. Einmal erschienen oder im Phasenvertrieb, und dann waren'se weg. Das ist nicht so wie beim Buchhandel mit ISBN-Nummer und Autorenname, dass man gelistet ist und nachbestellen kann. In dem Fall und in der Auslieferungweise ist das, wie in einer frueheren Frage erwaehnt, Gebrauchs- und Wegwerfliteratur vom Handling her. Ex und hopp. Das hat mich nun sehr gestoert. Die schoene Publicity, und was konnte ich nachliefern oder nachschieben? Nichts. Jetzt kann ich mich wieder darauf berufen, obwohl es nicht mehr so brandaktuell ist. Spaetestens zu dem Zeitpunkt - 1995 - habe ich gemerkt, dass hier etwas fuer mich verkehrt laeuft, wenn ich 22 Jahre in einer Branche taetig bin, ueber 700 Romane - damals - geschrieben und veroeffentlicht habe und vom Buchhandel gesehen als Autor eine Unperson bin oder ueberhaupt nicht registriert werde. Das kann's ja nicht sein. "Einer der produktivsten und unbekanntesten Schriftsteller Deutschlands", nannte mich Tillman Jens in seiner Reportage ueber mich und den Tunnelbankraeuber-Roman in der ARD. Da war ich hellauf begeistert!!!

 

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