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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
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FAZ-NET (27.12. 2006) verweist nochmals auf große Momente im Kinojahr 2006. Und da darf natürlich eine Szene aus "Inside Man" nicht fehlen, der aus einem der großartigsten Filme überhaupt stammt:

"Filmmomente, die wir nicht vergessen werden

Kim Basinger in Fahrt, Jack Nicholson im Drugstore, Daniel Auteuil angesichts des Todes und Scarlett Johansson im Badeanzug: Wer das Kinojahr 2006 Revue passieren läßt, dem kommen Bilder in den Sinn. Filmmomente, die wir nicht vergessen werden.
(...)
Wenn Clive Owen in „Inside Man“ von der Leinwand ins Publikum schaut und verkündet, er werde den perfekten Bankraub begehen - „Warum? Weil ich es kann.“"


Wahrlich ein Klassiker - ich hatte ihn mir in wien auch noch ein zweites Mal als Open-Air-Screening angeschaut und war immer noch 'nachhaltig' beeindruckt.

"Bayerns Innenminister Dr. Beckstein gehört zu den aktivsten Befürwortern eines Killerspieleverbots.
Dr. Andreas Lober ist nicht nur gamaXX-Chef, sondern auch Rechtsanwalt, hat über die Indizierung von Computerspielen promoviert und dem bayerischen Innenminister einige Fragen gestellt:

"gamaXX: Sie sagen selbst, dass Sie "Killerspiele" nicht aus eigenem Spielerlebnis, sondern nur von Vorführungen kennen. Gleichzeitig vertreten Sie die These, dass „Killerspiele“ für die Jugend gefährdender sind als Filme mit einer vergleichbaren Thematik. Müssten Sie die Spiele nicht spielen, um dies beurteilen zu können? Spieler berichten nämlich gerade, dass sich beim aktiven Spiel die Wahrnehmung ändert und die visuelle Gewaltdarstellung in den Hintergrund tritt, vor allem als Symbolik für Treffer u. ä. fungiert.

Dr. Günther Beckstein: Ihr Argument, man müsse selbst Killerspiele gespielt haben, um beurteilen zu können, dass abstoßende Gewaltdarstellungen in den Spielen menschenverachtend sind, ist falsch. Sie wollen doch wohl auch nicht ernsthaft behaupten, dass jemand selbst einen Bankraub begehen muss, um beurteilen zu können, ob dieses Verhalten strafbar ist. Ihre These, bei Computerspielen würden visuelle Gewaltdarstellungen für die Spieler in den Hintergrund treten, ist offensichtlich vorgeschoben: Wenn das so wäre, könnte man doch, ohne den Reiz des Spieles zu beeinträchtigen, auf solche Darstellungen verzichten."


Nun wenn man annehmen könnte, dass es CSU-Politikern wie Beckstein tatsächlich um Prävention geht. Im Grunde geht es Ihnen vielmehr um Ablenkung und Verschleierung. Der gewaltförmige Charakter dieser Gesellschaft darf partout nicht offensichtlich werden. Weder die Gewalt der warenproduzierenden Gesellschaft, noch andere Gewaltverhältnisse dürfen zum Gegenstand der Diskussion werden. Dann sind es halt die Killerspiele. Von den Ursachen für Bankraub ganz zu schweigen. Jedenfalls sonst wäre hier doch die Debatte über die zunehmende Weihnachtsverwahrlosung mindestens eine Anfrage im Bundestag wert gewesen. Oder die Gewaltverherrlichung durch die Balkensepps in bayrischen Schulen, wo jeder Schüler den gekreuzigten Kollegen von Mohammed mindestens neun Jahre lang ertragen muss. Nicht wahr, Herr Beckstein.

Die Wiener Bildzeitung für Maturanten Österreich (22.12.2006) schreibt über die angebliche Welle von Verbrechen, bei der u.a. die Überfall-Rekordmarke von 2004 eingestellt wurde:

"Das war der 67. Banküberfall in diesem Jahr. Damit ist der traurige Rekord des Jahres 2004 eingestellt. Trotz aller Bemühungen von Polizei und Banken gelang es also nicht, die Kriminellen von ihren Coups abzuhalten. Dass sie sich nicht auszahlen, beweist die Aufklärungsrate: 36 der Überfälle mehr als 50 Prozent sind geklärt. Und meist stand das Risiko in keinem Verhältnis zum Lohn der bösen Tat. In zwei Drittel der Fälle sind die Alarmpaket explodiert. Die Banken haben dazu meist nur Bargeld im Wert von unter 10.000 Euro im Kassenbereich liegen."


Und dann lässt da auch noch in der Rubrik "Wien Standpunkt" ein Josef Galley über dumme Bankräuber aus. Eben auch so ein Leitmotiv der Boulevardpresse, die sich mokiert, wenn da nichts ist von Glamour, Filmreife, usw.:

"Banküberfall: Geld her, aber 'Prego'
Achtung, keine Satire. Ein Bankräuber gestand, dass er beim Coup "Prego" (bitte) sagt und "Presto" (schnell) meint, beweist dass die These der Kriminalisten stimmt, dass B'ankräuber nicht gerade die Hellsten unter den Kriminellen sind. Diese jugendlichen Bankräuber täuschen als Imitate von Hollywood-Gangstern sogar den Profis von der Polizei vor, dass sie Proifs seien. Kurzfristig. Durch unabsichtlich losgegangene Schüsse, ständige explodierende Alarmpakete und Verirren auf der Flucht zeigten sie aber mehr Slapstick- als Gangster-Qualitäten. Leider ist nicht jeder Dummkopf auch ein reier Tor."


Man beachte die Länge der Sätze dieser Imitate von Journalisten.

Wer sich für das Wohlergehen des österreichischen Ex-Bankräubers und auf die Gegenseite gewechselten Karl Painer interessiert und darüber hinaus sonstige Informationen zu seinem neuesten Buch über Türsteher benötigt, der möge in nächster Zeit häufiger beim Wiener Blogger Marcus J. Oswald vorbeischauen (Oswald will Painers neues Buch promoten). Er informiert uns aufs genaueste über seine Telefonate mit Karl Painer, den wir hier schon seit längerem wegen seiner Bankraubvergangenheit und seinem Bankraub-Buch beobachten. Einfach in der Suchfunktion dieses Blogs nach dem Stichwort "Painer" suchen. Bei Oswald finden sich ein paar bezeichnende Phtoos.

Der Warendorfer Polizeibericht kleidet seine Pressemitteilung über einen vermeintlichen Bankraub in die Form jener populären Geschichte, die der Jahreszeit angemessen erscheint:

POL-WAF: Beelen, Warendorfer Straße, Parkplatz "Sparkasse", Zahnarztbesuch und seine Folgen, Donnerstag, 07.12.06, 11:50 h

Warendorf (ots) - Ungewöhnliche Dinge ereignen sich in der
Vorweihnachtszeit in Warendorf. Es begab sich, dass ein
Polizeibeamter in zivil von Westkirchen in Richtung Beelen unterwegs war. Voraus ein Taxi, welches auffällig fuhr und an dem die Warnblinklichtanlage eingeschaltet war. Der pflichtbewußte Kollege vermutete hier einen Taxifahrer, der sich möglicherweise in der Klemme befand und verständigte umgehend per Handy die
Polizeileitstelle. Die Polizeibeamten dort dirigierten sofort einen
Streifenwagen in diese Richtung. Der nun das Taxi verfolgende
Polizist blieb telefonisch mit der Leitstelle in Verbindung und
teilte unmittelbar den jeweiligen Standort mit : "Taxi fährt ziemlich
zügig - fährt in Beelen ein - Fahrweise jetzt drastisch verlangsamt -
fährt jetzt sehr unauffällig - Taxi hält in Beelen vor der Sparkasse
an." Die erfahrenen Beamten auf der Leitstelle überlegen, ob hier
vielleicht ein Bankraub bevorsteht und beordern vorsichtshalber einen zusätzlichen Streifenwagen nach Beelen. Nächster Wortlaut des verfolgenden Kollegen :"Eine Person mit Mundschutz maskiert steigt aus - geht in Richtung Sparkasse - zweite Person steigt auch aus." Tatütata - jetzt klingeln bei den Polizisten auf der Leitstelle alle Alarmglocken. Jetzt steht fest - die Gangster wollen die Bank
überfallen. Alle Streifenwagen werden nach Beelen entsandt. Der
Kollege in zivil meldet weiter :"Zweite Person baut jetzt Taxischild
vom Autodach ab - Person mit Mundschutz kommt zurück zum Taxi -
fahren zurück zur Warendorfer Straße - stehen vor der roten Ampel."
Nun wird es Zeit, dass die mittlerweile eingetroffenen Kollegen der
Funkstreife eingreifen. Die Beamten der Leitstelle sehen schon die
Schlagzeilen vom nächsten Tag vor Augen : "Polizei schnappt
Bankräuber auf der Flucht !" Toller Erfolg in der Vorweihnachtszeit.
Aber es kommt ganz anders. Bei der Überprüfung des Taxis stellt sich heraus, dass es für eine Privatfahrt genutzt wurde. Der Mann mit dem Mundschutz war vorher beim Zahnarzt in Behandlung, der ihm aufgetragen hatte, diesen Mundschutz weiterhin zu tragen. Der
Taxifahrer hatte das Warnblinklicht an seinem Fahrzeug versehentlich ausgelöst. Die Polizei hakt das Ganze nun als gelungene Übung zur Vorweihnachtszeit ab. Letztendlich überwiegt die Erleichterung darüber, dass hier kein Banküberfall stattgefunden hat.


ots Originaltext: Polizei Warendorf
Digitale Pressemappe

Rückfragen bitte an:

Polizei Warendorf
Pressestelle

Telefon: 02581/600 130
Fax: 02581/600 129
E-Mail: pressestelle@warendorf.polizei.nrw.de
http://www.polizei-warendorf.de


Die Rubrik "Die Wahrheit" der taz (9.12. 2006) feiert den verhinderten Bankräuber als die "Gurke des Tages"

Ähnlich wie Computer-Ego-Shooterspiele macht das Weihnachtsfest die Menschen in unserer Gesellschaft zu Kriminellen und zu Straftäter. Bereits länger ist aus der Kriminologie bekannt, dass gerade vor Weihnachten die Banküberfälle jeweils signifikant ansteigen. Nunmehr hmeldet at der österreichische "Kriminalpsychiater" Reinhard Haller ("„Die Seele des Verbrechers“) prinzipielle Bedenken gegen das Weihnachtsfest an.

Unter der Überschrift "Weil die Geschenke so teuer sind - Das Weihnachtsfest macht kriminell" lesen wir in der Sonntagsausgabe der Wiener Tageszeitung "Österreich" (10.12. 2006) über die "dunkle Seite von Weihnachten":

"Kriminal-Psychiater Reinhard Haller warnt vor einer gefährlichen Weihnachtszeit.
Wien. Was, wenn man zu arm für Weichnachten ist? Gerichtspsychiater Reinhard Haller spricht von einer gefährlichn Entwciklung: 'Wer kein Geld für Geschenke hat, kann schnell auf die wohlhabende Gesellschaft wütend werden. Dies kann sogar Raubüberfälle provozieren', erklärt Haller. Die Schere zwischen ar und reich in unserem Land öffnet sich bedrohlich.
'Es kann das Gefühl entstehen, dass man sich holen will, was einem vorenthalten wird', so der Arzt. Tatsache: Die Polizei stellt im Dezember einen Anstieg von Ladendiebstählen fest."


Wir haben es hier offensichtlich mit einer wachsenden Verrohung der Gesellschaft infolge der zunehmenden Weihnachtsverwahrlosung zu tun. Bleibt nur noch eine Frage: Warum tut kein Politiker hiergegen etwas. Nämlich: Weihnachten schlicht und einfach zu verbieten!

Als 8. Türchen im HNA-Adventskalender wird uns "Ein Blick hinter die Tresortür der Stadtsparkasse" (HNA online, 8.12. 2006) in Schwalmstadt gewährt:

"Das ist eine schöne, dicke Tür", sagt Andreas Matz. Da hat er wohl Recht. Wir werfen für Sie, liebe Leser, einen Blick hinter diese Tür, in den Tresorraum der Stadtsparkasse in Treysa.

Andreas Matz ist Marketing-Leiter der Stadtsparkasse. Wo er uns gestern Morgen hingeführt hat, haben nur wenige Menschen Zutritt. "Der Zugang ist durch Zahlencodes gesichert", sagt der 47-Jährige. Was viele Menschen nur aus Filmen kennen, sind für die Bankmitarbeiter normale Sicherheitsvorkehrungen. Der Kunde will sein Geld ja in guten Händen wissen. Zahlen und Schlüssel für den Tresor haben deshalb nur wenige Mitarbeiter."


Das ist eine nette Verkehrung des Sachverhaltes. Das Geld gehört der Bank und wenn es weg ist, fehlt es der Bank und nicht den Kunden.


(...)
"Wenn einer mit der Pistole drohen sollte, kommt er nicht sofort an das Geld heran."

Andreas Matz über die Sicherheit in Der Stadtsparkasse

Echte Tresorknacker haben aber schlechte Karten. Die Sparkasse hat vorgesorgt: "Sämtliche Sicherheitseinrichtungen lassen sich nur zeitverzögert öffnen", sagt Matz. Das bedeutet: "Wenn einer mit der Pistole drohen sollte, kommt er nicht sofort an das Geld heran."

Bankraub ist ohnehin nicht mehr so lohnenswert wie früher – wenn überhaupt. Denn im zweiten Raum, dem echten Tresorraum, lagert nur wenig Bargeld, viel weniger als früher. "Hier liegt nur das Geld für den täglichen Bedarf, Kleingeld für Geschäftsleute."

In Tütchen und Säcken liegen Münzrollen in einem Regal. Nur am Weltspartag werde es hier voll, wenn viele Spardosen abgegeben würden. Scheine sind im Tresor eingeschlossen. Wie viele? Bankgeheimnis. "Das ist Sache des Hauptkassiers", sagt Andreas Matz. "Ich habe auch gar keinen Schlüssel."

Einen Einbruch in diesen Tresorraum hat es noch nicht gegeben. Er scheint angesichts der vielen Sicherheitsmaßnahmen auch unmöglich. Einmal sei mit einer Bombe gedroht worden. Das sei aber ein Streich gewesen. Die Sicherheitsschlösser seien so sensibel, dass es schon mal zum Fehlalarm kommen könne, wenn ein schweres Fahrzeug vor dem Gebäude vorbeifährt. Die dicke Tür bleibt aber auch dann regungslos. "

Die Steiermarker "Kleine Zeitung" (1.12.2006) berichtet über Anstrengungen in der Steiermark, wonach die Banken jetzt auf Präventionsmaßnahmen setzen:

"Die Kripo schult: Schwere Zeiten für Bankräuber
Überfälle auf Geldinstitute haben österreichweit zugenommen. In der Steiermark hingegen greifen die Präventionsmaßnahmen.

Die Schulungen der Angestellten in Postämtern und Banken machen sich bezahlt: In der Steiermark sind die Überfälle auf Geldinstitute nämlich zurückgegangen. Nur sechs Banken und Postämter wurden heuer überfallen. Im Bezirk Voitsberg gab es gar keinen Post- oder Bankraub. So soll es auch bleiben: Deshalb gibt es diese Schulungen der Kripo. Werner Rampitsch, Chef der Raubgruppe im steirischen Landeskriminalamt, bringt es auf den Punkt: "Besonders wichtig ist das Verhalten vor, während und nach einem Überfall."
(...)
Schüsse in der Bank. Der Film läuft. Plötzlich springt die Tür auf, zwei Maskierte - dargestellt von Polizisten - stehen, mit Revolver und Pumpgun bewaffnet, vor dem Publikum. Schüsse fallen, einige Schulungsteilnehmer zucken zusammen. "Geld, Überfall..." Die "Tat" dauert nur 40 Sekunden, dann sind die Räuber verschwunden. Jetzt müssen die Teilnehmer ihre Wahrnehmungen (Personsbeschreibung oder wichtige Details) auf einem vorgedruckten Blatt Papier schriftlich festhalten. Obwohl es ein gestellter Überfall war und die Betroffenen davon wussten, sind sie gefordert. "Bei einem echten Überfall ist es noch schwieriger", so Werner Rampitsch und Franz Reithofer vom LKA. "Deshalb sind diese Schulungen so wichtig." Die Angaben werden ausgewertet, die Kriminalisten sind mit den Ergebnissen zufrieden.

Der ORF.at portraitiert die Produkte von ECA und titelt:

Bankräubern das Handwerk legen

Die Klosterneuburger Firma ECA will Bankräubern das Handwerk legen, und hat Erfolg dabei. Mit einem Jahresumsatz von acht Millionen Euro ist das Unternehmen inzwischen zum zweitgrößten Hersteller von so genannten "Alarmpaketen" aufgestiegen.


Rote Rauchwolke bei Bankraub

In den "Alarmpaketen", in der Branche Bargeldfärbesysteme genannt, werden Geldscheine gebündelt und mit einem Färbesystem ausgestattet.

Bei einem Bankraub steigt dann eine rote Rauchwolke auf, die die Banknoten einnebelt und auf ihnen unabwaschbare Flecken hinterlässt. Die Beute wird so für den Bankräuber wertlos.

80 Prozent werden exportiert
Mit diesen Alarmpaketen und mit Techniken, die die Sprengung von Bankomaten verhindern sollen, fährt der Acht-Mitarbeiter-Betrieb einen erfolgreichen Kurs.

Der Jahresumsatz beträgt acht Millionen Euro, der Exportanteil liegt bei 80 Prozent. Die Sicherheitssysteme werden vorwiegend an Banken und Kreditinstitute in Großbritannien, Irland und Deutschland verkauft.


20 Prozent des Umsatzes in Forschung
Dabei richte man sich ganz nach den Kundenwünschen, sagt Andrea Kriechbaum, die Geschäftsführerin von ECA.

Als kleiner Betrieb könne man schneller und flexibler auf die Anforderungen im dynamischen Sicherheitsmarkt reagieren. Deshalb würden 20 Prozent des Jahresumsatzes in die Forschung gehen.



Sehenswert ist Webseite der Klosteneuburger ECA

Jedenfalls ist das schon das zweite Mal, das bei einem Vereinsfest im Schweizer Emmental der Bankraub auf der Laienbühne eine Rolle zugeschrieben bekommen hat. Wir lesen in der in Zollbrueck verlegten "Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch" (30.11. 2006) über eine Aufführung in Trubschachen:


TRUBSCHACHEN: Schwieriger Fall

In stattlicher Aufmachung hiessen tanz- und singfreudige Frauen, Männer und Töchter der Trachtengruppe Trubschachen das Publikum zum Heimatabend willkommen.

In gut einstudiertem Schritt formten die jugendlichen Tänzerinnen der ­Kindertanzgruppe lebhafte Ornamente und Figuren zu den musikalischen Gebilden der Ländlerkapelle Echo vom Napf. Der beschwingte Tanzschritt der Mädchen entlockte diesem und jenem Zuschauer ein lobhaftes Schmunzeln. Die grösseren Töchter hielten im Tanzschritt der Frauen und Männer mit und führten mit «Heidiland» in die bunten Vorträge von Tanz und Musik ein. Unter der Singleitung von Karin Gündisch bot der Trachtenchor mit Gospelliedern eine besondere Darbietung. Sie hob sich von den eleganten und rassigen Tänzen und den weiteren Liedern, die der grosse Chor sauber vortrug, speziell ab.
Unter der Regie von Christine Fuhrer brachte der Schwank «En schwirige Fall», von Hans Wälti, spannende und humorvolle Unterhaltung. Kurt Schlauri, der Mann für alles im Hotel zum schwarzen Lamm, unterhält sich mit Anna Schnurrenberger, der Leiterin des Hotels, als zwei eigenartige Gäste eintreffen. Sie entpuppen sich als Schuhmacher und Vagabund. Auf ungewöhnliche Weise flogen ihnen aus einem Bankraub eine grosse Menge Tausendernoten zu, die sie in einem Sack mit sich tragen. Im «schwarzen Lamm» leisten sie sich nun eine Suite und sorgen für Unruhe.

Weitere Aufführung: Samstag, 2. Dezember, 20 Uhr im Hirschen Trubschachen.

Was im Standard ganz simpel als ein "Bankraub in Kärnten "Pärchen erbeutete 40.000 Euro" übertitelt wurde und schließlich noch fesgestellt wird: "Von den beiden etwa 50 Jahre alten Tätern fehlt vorerst jede Spur" (Der Standard, 24.11. 2006) wird in der Printausgabe von "Österreich" (25.11. 2006) auf 52.000 Euro aufgestockt. Ausserdem steigt hier das Pärchen zum mythischen Gangsterduo "Bonnie & Clyde" auf. In der Onlineausgabe ist der ganze Quatsch nicht mehr zu finden und auch die Beute wurde auf 40.000 EUR korrgiert. Aber weil' s so schön ist, hier nochmals der Wortllaut, der zugleich ein anderes Thema anreisst, dss in unserem Blog auch immer wieder diskutiert wird. Es war mal wieder "filmreif":

"Der Überfall auf eine Wechselstube im Kärtner Dreiländer-Eck könnte direkt aus einem Hollywood-film stammen. (...)
Daraufhin türmten "Bonnie & Clyde" zu Fuß in Richtung Autobahn. (...)".

Irgendwie muss das der Österreich-Redaktion angesichts des Alters der Akteure selbst aufgefallen sein, dass nur weil jemand im Doppelpack auftritt, nicht gleich Freiheit und Abenteuer ausgebrochen sein muss.
Aber vielleicht träumt ein Redakteur des Fellner-Österreichs halt auch ab und an davon, mit seiner Freundin auf Tour zu gehen, anstatt am Karlsplatz solch depperte Zeitungsseiten füllen zu müssen.
Mensch, nimm die Buffen, steig auf's Motorrad und zeig' ihr, dass Du ein ganzer Kerl bist ... das gibt wennigstens wieder schöne Schlagzeilen.

Update:
Die Spur führt nach Deutschland
"Zeugen entlarvten das Gangsterpärchen

Die Exekutive hat eine heiße Spur nach Überfall auf ein Geldinstitut in Hart. Die Polizei fahndet nach zwei deutschen Staatsbürgern. Ein Verdächtiger (53) ist bereits wegen schweren Raubes vorbestraft. "


Der ORF veröffentlicht Fahndungsfotos - und spätestens hier blamiert sich die Phantasie von Bonnie & Clyde

Stephan Kaufmann (Berliner Zeitung 23.11.2006) flaniert auf alternativen Wege bei der Verbrechensprävention:

Glosse
Billig währt am längsten

Wer gut verdient, zahlt viel Steuern. Viele Besserverdiener versuchen daher, ihre Einnahmen zu verstecken. So entgehen dem Fiskus Milliarden. Die Steuersätze auf Kapitalerträge sollen daher sinken. Dies würde die Gutverdiener entlasten und sie so zur Ehrlichkeit anregen. Eine kluge Strategie. Ihrer Logik folgend fordern nun Verbraucherschützer, die Preise in den Warenhäusern zu halbieren, um dem Ladendiebstahl den Garaus zu machen. Schließlich entsteht dem deutschen Einzelhandel durch Diebstahl ein Schaden von über zwei Milliarden Euro im Jahr! Noch wirksamer wäre es, Bankkunden unbegrenzten Zugang zu Geldmitteln zu eröffnen. Nebenher werde man so des Bankraub-Problems Herr. Der Versichertenverband fordert flankierend die kostenlose Rundumversicherung für jedermann. "Das wäre ein wirksames Mittel gegen den Volkssport Versicherungsbetrug", hieß es. Der Steuerzahlerbund favorisiert darüber hinaus die konsequente Abschaffung aller Steuern, um die Steuerehrlichkeit zu fördern. "Keine Steuer - keine Steuerhinterziehung", so erklärt der Verband.


Immerhin, der Mann hat Phantasie ...

 

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