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Das Weblog zur Volkskunde des Bankraubs

 
neuere Beiträge
Franz Dobler in der Jungen Welt (28.4.2004) über eine Münchner Benefizplatte zugunsten von Ronald Biggs:

"Geliebter alter Gangster

Eine Münchner Punkband veröffentlicht eine Benefiz-Platte für Ronnie Biggs: mit seinem Sohn Michael als Gastsänger. Und ein kurzer Briefwechsel mit dem Playboy, der den Artikel bestellt und dann nicht runtergeholt hat

»Fucking bastards«, sagt Michael Biggs leise ins Mikrofon während der Song ausgeblendet wird. Er sagt es drei Mal, »fucking bastards«, aus ganzem Herzen. Er meint damit die Verantwortlichen bei der englischen Justiz, die seinen schwerkranken Vater Ronnie Biggs, den populärsten der legendären Posträuber von 1963, im Gefängnis verrecken sehen wollen."


Den ganzen Text plus Briefwechsel mit dem Playboy.

Playboy

Die "Heilbronner Stimme" (28.4. 2004) erinnert an das einzig Aufregende im Leben von Burkhard Driest:

schw_wei_foto_driest"Früher kultivierte er sein Image als Macho, als Bürgerschreck sogar, heute verläuft der Alltag des Schauspielers und Schriftstellers Burkhard Driest sehr viel stiller. "Mein Leben ist sehr innerlich geworden", sagt Driest, der heute seinen 65. Geburtstag feiert und auf Ibiza lebt. "Es gefällt mir, abgeschottet hier in den Bergen zu leben und meinen inneren Abenteuern zu folgen, die ich genau betrachte, um sie aufzuschreiben", sagt Driest.

Doch das Leben des gebürtigen Stettiners war nicht immer ruhig. Als Jurastudent überfiel er 1965 eine Bank und wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dort begann er zu schreiben, und schlug sich nach der Haft mit Gelegenheitsjobs durch. Sein erster Roman, "Die Verrohung des Franz Blum" von 1974, wurde verfilmt. Zahlreiche weitere von ihm verfasste Drehbücher folgten."

Den ganzen Artikel lesen

Wir wollen hier nicht auf die Diskussion eingehen, ob Driest das Arschloch war/ist, als das er mitunter angesehen wurde, aber eine Geschichte war immerhin noch wichtig:
Er wurde von der Schauspielerin Monika Lundi in den USA wegen Vergewaltigung angezeigt, dann aber freigesprochen und bekam eine Geldstrafe wegen Körperverletzung.
Noch mehr zu Burkhardt Driest

Frankfurt/Main (AP) Fans von Johnny Cash können sich freuen: Zum 3. Mai bringt das Label «And More Bears» die beiden Cash-Filme «Five Minutes To Live» und «The Nightrider» auf DVD heraus. In «Five Minutes To Live» (OMU) spielt Cash den Ganoven Johnny Cabot. Nach Verbüßung einer Haftstrafe ist dieser wieder einmal auf freiem Fuß. Seine Zeit verbringt er damit, Gitarre zu spielen und auf das nächste krumme Ding zu warten. Als der Unterweltler Fred Dorella einen Partner für einen Banküberfall sucht, kommt er mit Cabot zusammen.
63m
Dorellas Plan allerdings ist teuflisch: Während er in der Bank das Geld einfordert, soll Johnny Cabot die Frau des Bankprokuristen Ken Wilson in deren gemeinsamen Haus mit vorgehaltener Waffe bedrohen. Wenn Wilson das Geld nicht herausgeben will, stirbt seine Frau. Ken Wilson hat aber wesentlich weniger Interesse an seiner Frau, als die beiden Ganoven sich gedacht haben. Was weder Cabot noch Dorella wissen: Wilson hat ein Verhältnis mit einer anderen Frau.

Bislang hat Wilson nicht den Mut gehabt, seiner Frau das Verhältnis einzugestehen und sie um die Scheidung zu bitten. Der Plan der beiden Bankräuber kommt ihm also gar nicht so ungelegen. Er kann fünf Minuten Bedenkzeit herausschlagen. Für seine Ehefrau, die Zuhause in die Mündung von Johnny Cabots Pistole blickt, eine endlos lange Zeit.

Zeitgleich mit «Five Minutes To Live» veröffentlicht «And More Bears» den Cash-Film «The Nightrider» (Originalton ohne Untertitel). Wirklich interessant ist an diesem kurzen Film die Handlung nicht. Johnny Laredo (Cash), Pistolenheld mit dubioser Vergangenheit, erkennt, dass ein Leben im Zeichen des Revolvers kein lebenswertes ist, und hängt den Colt an den Nagel beziehungsweise an das Grab-Kreuz des jungen Mannes, der im letzten Duell mit Laredo gestorben ist.

Was den Film zumindest für Johnny-Cash-Fans sehenswert macht, sind die Gesangseinlagen. Ein erprobtes Ensemble sorgt für wirkliche Glanzlichter. Singer/Songwriter Merle Travis, Western-Star und Sänger Eddie Dean und der Pianist Jimmy Wilson gehören zum musikalischen Personal des Films, der mit Songs wie «Black Is The Color Of My True Love's Hair», «Don't Take Your Guns To Town» und «Get Along Little Dogies» einige wunderbare Traditional- und Countrystücke versammelt.

Das ist irgendwie eine never ending Story. Österreich & Bankraub. Gehört das zum "Nationalcharakter"?
Jetzt ist ein Buch eines "Sicherheitstrainer" und ehemaligen Bankräubers erschienen. Sobald wir das Teil in die Hände bekommen haben, folgt hier eine kurze Besprechung.

painerKarl Painer
Überfall, Geld her! wie man eine Bank überfällt, oder es doch besser sein lässt. novum-Verlag. ISBN 3-902057-68-8

Was treibt jemand dazu, andere Menschen mit den Worten:" Überfall - Geld her!" zu bedrohen. Wie gehen die Täter vor und auf welche Weise kann man sich vor ihnen schützen?
Diese Buch ist ein informativer Ratgeber für Bankpersonal, Exekutive und Sicherheitspersonal, nebenbei aber auch ein unterhaltsames Lesebuch für alle, die an Kriminalstatistik interessiert sind. Dieses Buch ist nach 4-jähriger Recherche erschienen.Es ist ein Kompendium aller Banküberfälle der letzten Jahrzehnte in Österreich und informiert Sie über Tatvorbereitung, Tatablauf und viele andere interessante Details wie z.B. verwendete Waffen, geraubte Beute usw.

Ein dpa-Bericht vom 19.4. 2004 über die medial geschürte Kriminalitätsfurcht.

Das ist typisch Pfeiffer, der die Medien auch für die Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich macht. Der Punkt ist aber zu erklären, warum die Medienberichterstattung greift, bei wem und bei wem nicht. Erst hier würde es eine Analyse werden. Es gibt eben generelle gesellschaftlich bedingte Ängste und Dominanzansprüche, die erst erklären würden, wo eine solche Medienberichterstattung andocken kann. Kriminologie à la Pfeiffer ist eben nicht kritisch, sondern nur sozialdemokratisch.


"Kriminalität wächst? Gar nicht wahr!
Hannover - Die Angst der Menschen vor zunehmender Kriminalität ist unbegründet. Das hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) in einer Studie herausgefunden. "Die Bürger nehmen nicht zur Kenntnis, dass die Risiken in zentralen Bereichen abgenommen haben", sagte KFN-Leiter Christian Pfeiffer.

2000 Menschen wurden die Zahlen der registrierten Straftaten 1993 vorgelegt. Danach sollten sie schätzen, wie viele Taten es 2003 gewesen sind. "Die Menschen verschätzen sich so krass wie nie zuvor in der Beurteilung der Kriminalitätslage", sagte Pfeiffer. "Sie glauben, dass Kriminalität insgesamt, aber vor allem bei schlimmen und bedrohlichen Delikten wie Bankraub, Mord und Sexualmord, drastisch zugenommen habe - obwohl die Statistik das Gegenteil ausweist."

Ein Erklärungsansatz dafür sei der Medienkonsum: "Der Sendeanteil, der dem Thema Kriminalität gewidmet wird, hat drastisch zugenommen." Zudem gebe es eine "extreme Verrohung der Kriminalfilme". Pfeiffer: "Wer das regelmäßig sieht, der wird in seiner Weltsicht stark beeinflusst."

Schon wieder ein "Highlight" aus der Kronen-Zeitung (23.4. 2004)
"Schon wieder Banküberfall in Wien"
Aber wo sind Nr 26 und 27?

"Was ist heuer bloß in Wien los? Am Donnerstag Nachmittag, gegen 15 Uhr, gab es den bereits 28. (!) Banküberfall in diesem Jahr. Der Täter konnte unerkannt flüchten, ließ aber einen Teil der Beute in der Bank zurück."
Weiter im "Highlight"

Eine Rezension von
Reinhard Tilly: Geld und Kredit in der Wirtschaftsgeschichte
findet sich auf der Webseite von H-Soz-Kult
tilly
Autor(en): Tilly, Richard
Titel: Geld und Kredit in der Wirtschaftsgeschichte
Reihe: Grundzüge der modernen Wirtschaftsgeschichte 4
Ort: Stuttgart
Verlag: Franz Steiner Verlag
Jahr: 2003
ISBN: 3-515-06785-X
Umfang/Preis: 224 S.; € 16,00

Bankräuber zückt Waffe: "I krieg di noch!"

"Es war bereits der 25. Banküberfall in diesem Jahr in Wien: Zwei Täter überfallen am Dienstag Früh die Bank Austria-Filiale in der Wiener Josefstädter Straße. Bekleidet sind sie mit Lederjacken und Kapperln. Als Sie bemerken, dass sich ein Alarmpaket unter der Beute befindet, zückt der eine die Waffe und richtet sie auf die Kassierin."
wien251
Hallo Kronen Zeitung! wir zählen mit ...

"Der 25. Bankraub in Wien seit Jahresbeginn
Im heurigen Jahr gibt es bei den Wiener Banken einen traurigen Rekord zu vermelden: Bereits 25 Mal haben Bankräuber zugeschlagen. Von den 25 Banküberfällen sind 10 Täter in Haft, 9 davon waren nur mit einem Zettel "bewaffnet". Vergangenes Jahr zählte die Wiener Polizei insgesamt 51 Banküberfälle in Österreichs Hauptstadt. "

Unter der Überschrift "Mehr Highlights" berichtet die Online-Ausgabe (9.4. 2004) der österreichischen Kronen-Zeitung (die Wiener Version der BILD-Zeitung) erneut (vgl. 2.4. 2004) über die sprunghaft gestiegenen österreichischen Banküberfälle und die Technik des "Zettel- und Bombenschmäh". Was bedeutet das? Erhöhung des schriftlichen Ausdruckvermögens oder Verlust rhetorischer Fähigkeit? Traditionalisten werden das "Hande hoch - Überfall" bestimmt reklamieren und Zeter und Mordio über diese Tendenzen verbreiten. Wir sind nur Chronisten und stellen den Sachverhalt pflichtgemäß fest.

Überfallrekord
Mehr Highlights
"Alarmstufe rot" für heimische Banken
"Alarmstufe rot" bei der Wiener Polizei: Heuer wurden in knapp drei Monaten schon so viele Banken überfallen wie nie. Kriminalisten arbeiten bereits an einem Maßnahmenpaket. Donnerstag und Freitag wurden wieder zwei Coups verübt. Bei den Verbrechern derzeit besonders beliebt sind der Zettel- und der Bombenschmäh.

The Brief Safe
nennt sich diese Technik des Wertgegenstände-Versteckens. Möglicherweise sicherer als ein Geldzeitschloss meine Herrschaften in den Vorstandsetagen.

Aus dem Shomer-Tec-Versandkatalog ("Law Enforcement und Military Equipement!" / als ob das eine mit dem anderen zu tun hätte) eine Safe-Version, die unter die Gürtellinie zielt.

the_brief_safeThe "Brief Safe" is an innovative new diversion safe that can secure your cash, documents, and other small valuables from inquisitive eyes and thieving hands, both at home and when you're traveling. Items can be hidden right under their noses with these specially-designed briefs which contain a fly-accessed 4" x 10" secret compartment with Velcro® closure and "special markings" on the lower rear portion. Leave the "Brief Safe" in plain view in your laundry basket or washing machine at home, or in your suitcase in a hotel room - even the most hardened burgler or most curious snoop will "skid" to a screeching halt as soon as they see them. (Wouldn't you?) Made in USA. One size. Color: white (and brown). To add realistic smell, check out "Doo Drops" on Page 67.

ORDER CODE PRODUCT PRICE
TBS The Brief Safe $9.00

Wege um reich und "glücklich" zu werden

In ihrem Lied "Money, Money, Money" beschäftigt sich die schwedische Popgruppe "Abba" mit dem Thema Geldbeschaffung. Zunächst denken "die" Schweden immer nur an das "Eine": Einen reichen Mann/eine reiche Frau abkriegen. Da haben sie offenbar Erfahrung und sehen die Unmöglichkeit ihres Unterfangens schnell ein. Und dann setzen sie auf die unwahrscheinlichste Variante: Lotto und Glücksspiel. So ist das halt in der Schlagerwelt ...

Money, Money
ABBA


Ich arbeite die ganze Nacht, den ganzen Tag, nur um die fälligen Rechnungen zu bezahlen.
Ist es das nicht furchtbar?
Und es sieht nach wie vor so aus, dass für mich kein einziger Penny übrig bleibt.
Das nervt richtig!
In meinen Träumen stelle ich mir vor, wie es wäre
Wenn ich mir einen reichen Mann angeln würde.
Dann müsste ich überhaupt nicht mehr arbeiten,
könnte tun und lassen was ich will und meinen Spaß haben

Geld, Geld, Geld
In der Welt der Reichen
muss es spaßig sein
Geld, Geld, Geld
Dort scheint immer die Sonne
In der Welt der Reichen
Was könnte ich nicht alles mit dem nötigen Kleingeld tun -
Reichen gehört die Welt

So einen Mann zu finden ist schwer,
aber das geht mir nicht mehr aus dem Kopf
Ist das nicht traurig?
Und wäre er dann womöglich nicht in festen Händen,
könnte ich wetten, dass ich nicht sein Typ bin
Dies ist doch furchtbar!
Also muss ich von hier weg.
Ich muss nach Las Vegas oder Monaco gehen
Und beim Glücksspiel ein Vermögen gewinnen.
Nur so wird sich mein Leben verändern.


Übersetzung von SWR 1 "Abgehört"

Aus dem Archiv des Bankraubs geschöpft (3)

Bankräuber sind für Sanitäter per se keine anderen Individuuen als enge Freunde. So war es zumindest einmal auf der Schulungswebpage des "Jugendrotkeuz Schleswig-Holstein" zu lesen (http://www.jrk.de/uefunum/www/bankraub/index.html) [Stand 24.12. 1999; inzwischen existiert die Seite nicht mehr]:

Auf besagter Webpage sollen den Jugend-Rotkreuzlern die Grundsätze Roten Kreuzes vermittelt werden. Sie sollen hier richtiges Verhalten erlernen. In dem unten konstruierten Fall muß er/sie sich entscheiden. Folgender konstruierter Fall ist die Vogabe:

Ein Bankräuber wirft den Freund eines Jugend-Rotkeuzlers rüde aus dem Weg, so daß er sich den Arm bricht:

"Ein Polizist verliert die Nerven und schießt dem Bankräuber in die Brust. Er krümmt sich auf dem Boden und blutet stark. Es stellt sich heraus, daß die Waffe des Bankräuber nicht geladen ist. Dein Freund hält sich seinem Arm und stöhnt vor Schmerzen. Der Bankräuber blutet immer noch stark. Was tust Du?"

Wer nun von den beiden Hilfealternativen den Bankräuber anblickt, hat es "richtig" gemacht,

"denn der Bankräuber ist am stärksten verletzt und benötigt dringendere Hilfe, auch wenn er deinem Freund den Arm gebrochen hat und ein Verbrecher ist, ist er ein Mensch der Hilfe braucht. Denn ein Grundsatz des Roten Kreuzes ist die `Neutralität`, die besagt, daß man keine Unterschiede in politischen, rassischen, religiösen und weltanschaulichen Meinungen haben sollte."

Na, dann ist ja alles in Butter

Aus dem Archiv des Bankraubs geschöpft (2):

"Eine kriminalitätsfreie Gesellschaft gibt es nicht. Jemand muß gegen die Regeln verstoßen, damit klar wird, welche Regeln überhaupt gelten."
(Marcel A. Niggli, in: Weltwoche, 23.10. 1997)


"Wir brauchen die Kriminellen, denn sie sind nicht wir. Verbrechen sind Verstöße, die nicht von `normalen` Menschen begangen werden, sondern von denen, die wir als außerhalb der Norm brandmarken."
(Sandra S. Philipps, zit. n. Taz, 9.6. 1998)

Aus dem Archiv des Bankraubs geschöpft (1).

Der sozialdemokratische Politikwissenschaftler Iring Fetscher kommenteirte anno 1999 die Aussage von Altkanzler Helmut Kohl, er habe mit den - rechtswidrigen - Spendeneinnahmen seiner Partei dienen wollen mit

"Ich kann auch einen guten Zwecke verfolgen, indem ich ein Bank ausraube und das Geld meinem bedürftigen Bruder gebe." (zit. n. Südwestpresse Ulm, 27.12. 1999)

Aber auch für den Überzeugungstäter Kohl gilt, die Feststellung von Marcel A. Niggli:
"Das Böse ist faszinierend, aber diejenigen, die es begehen, sind meist Langweiler."
(zit. n. Peter Röthlisbergerr: Niemand hat noch nie etwas gestohlen. In: Weltwoche, 23.10. 1997)

Wagner, Patrick: Hitlers Kriminalisten. Die deutsche Kriminalpolizei und der Nationalsozialismus zwischen 1920 und 1960 (= Beck'sche Reihe 1498). München: C.H. Beck Verlag 2002. ISBN 3-406-49402-1; 218 S.; EUR 12,90.

Die Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus war lange Zeit ein
Stiefkind der seriösen Geschichtsforschung. Die Kriminalpolizei bildete hier keine Ausnahme und Schriften ehemaliger Kriminalbeamter waren die einzige Informationsquelle. Dies änderte sich erst mit der bahnbrechenden Dissertation Patrick Wagners, die 1996 erschien. Wagner war der erste, der die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft auf die Frage nach der Rolle der Kriminalpolizei im Nationalsozialismus lenkte. Nun legt Wagner ein neues Buch vor, welches den prägnanten Titel „Hitlers Kriminalisten“ trägt, und das in weiten Teilen Ergebnisse
seiner Dissertation in kürzerer Form zusammenfasst, aber auch neue
Aspekte bietet.

Die Studie gliedert sich in fünf Teile. Im ersten Teil macht Wagner
deutlich, dass „die zwanziger Jahre eine Phase der Innovation und
Modernisierung [...]“ für die deutsche Kriminalpolizei waren (S. 15).
Vor allem in Berlin, der größten deutschen Kriminalpolizei, führte dies zu einer Spezialisierung der Beamten, die sich an dem modus operandi der Straftäter orientierte. Anzumerken ist, dass Wagner in weiten Teilen die Berliner Kriminalpolizei untersucht und dies mit der späteren Besetzung aller Schlüsselpositionen der deutschen Kripo durch Berliner Kriminalisten treffend begründet. Weitere Forschungen, insbesondere zur Arbeit der Kriminalpolizei in der Provinz sind dennoch wünschenswert. Zu überprüfen wäre etwa, ob und wie weit das Berliner Modell auf die praktische Arbeit der gesamten Kriminalpolizei übertragen wurde. Dies
gilt ungeachtet der Feststellung Wagners, „dass um 1927 der praktische Blick der Berliner Kripo für alle preußischen Kriminalisten verbindlich geworden war“ (S. 20). Das Hauptaugenmerk der Berliner Kripo galt den so
genannten Berufsverbrechern, die sich in den legendären Ringvereinen

organisierten. Während der Weimarer Republik gelang es der
Kriminalpolizei nicht, so Wagner, „die Schweigesolidarität des Milieus auszuhebeln“ (S. 38). Viele Kriminalisten erlebten diese Situation als zutiefst unbefriedigend und wünschten, die rechtstaatlichen Schranken im Umgang mit den so genannten Berufsverbrechern einzureißen. Einzelne Kommissare dienten sich daher bereits vor 1933 der NSDAP an. Unklar bleibt jedoch, wie viele dies waren und wie hoch die personelle Kontinuität im Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus in der Kriminalpolizei war.


Den ganzen Beitrag bei H-Soz-u-Kult lesen

Rezensiert von Carsten Dams, Dokumentations- und Forschungsstelle für Polizei- und Verwaltungsgeschichte, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Münster E-Mail: carsten.dams@gmx.de

»Bankraub wie im Kino«
titelt die Kölner Rundschau vom 5.4. 2004 über einen Bericht zu einem Bankraub, der offensichtlich generalstabsmässig durchgeführt und bei dem es ziemlich gewalttätig zur Sache ging:

"Stavanger - Bei einem Banküberfall wie aus einem brutalen Actionfilm haben Gangster am Montag in der norwegischen Stadt Stavanger einen Polizisten erschossen. Wie ein Behördensprecher bestätigte, konnten die mindestens acht Bankräuber flüchten."

Weiter im Text

Den gleichen Text gibt es noch ein bisschen aufgemotzter beim österreichischen Kurier (5.4.2004)

Offensichtlich können die Printmedien reale Banküberfall-Szenarien heutzutage sich nur noch im Vergleich zu fiktionalen Filmszenen vorstellen. Das Reale wird hier überformt von der virtuellen Welt des Films. "Bankraub wie im Kino" titelt die niedersächsischen "Neue Presse" (ohne Datum) über einen "perfekt geplanten" und "kaltblütigen" Überfall in Göttingen, bei dem 208.000 Mark abhanden kommen, aber 100.000 Mark "im Tresor liegen" bleiben.
"Filmreif" (BILD, 16.01. 1997) war der "Banküberfall mit dem Hubschrauber" in Offenburg oder "fernsehreif" werden spektakuläre Flucht- und Verfolgungsszenen etwa in Salzburg bezeichnet (Vgl. Kleine Zeitung, 29.01. 2000), wenn es zu Verfolgungsjagden und/oder Schusswechseln mit dem staatlichen Gewaltapparat kommt.

Darüber hinaus ist diese Art der Berichterstattung einmal wieder ein Beleg für die Beobachtung, dass Medien Medien überschätzen. Denn es wird einfach vergessen, dass es diese Zweiteilung zwischen Film und Wirklichkeit schon lange nicht mehr gibt. Ob der Film vom Bankraub oder der Bankraub aus dem Film resultiert, mag zwar medienwissenchaftlich nach wie vor eine interessante Frage sein. Aber für den konkreten Banküberfall ist das schnuppe. Dass in Stavanger ein Banküberfall mit großer Brutalität durchgeführt wird, ist kein Medienprodukt, sondern der Tatsache geschuldet, dass hier eine professionelle und zu allem entschlossene Gangsterbande sich das Ziel gesetzt hat, das Geld dort abzuholen, wo sie es vermuten. Und das hat nichts mit Kino zu tun, sondern ist 'Real Life'.

unter diesem Titel veranstaltet Zátopek im Club Voltaire in Tübingen am Dienstag, 27.4. 2004 einen multimedialen Abend "über jüdische Gangster in New York, im Film und in unseren Köpfen" mit der Kulturwissenschaftlerin Andrea Hoffmann (Autorin "Vabanque").

Eine etwas schwülstige Pressemitteilung des ZDF in Sachen Dimitri Todorov. Dabei ist das doch was ganz anderes, wenn man ihn mal selbst live mitbekommen hat.

Etwas besser dürfte diese Radiosendung aus von Radio Z (Nürnberg) sein.

todorov

Mainz (ots) - Endstation Freiheit

ZDF-Dokumentation aus der Reihe "37°" über das Leben nach 30 Jahren Haft Dimitri Todorov war die meiste Zeit seines Lebens in Haft. Nach 30 Jahren hinter Gefängnismauern versucht der 56-Jährige nun ein neues Leben zu beginnen. Die ZDF-Dokumentation "Endstation Freiheit" aus der Reihe "37°" begleitet am Dienstag, 6. April 2004, 22.15 Uhr, den ehemaligen Geiselnehmer und Freund von Liedermacher Konstantin Wecker bei seiner Sinnsuche in Freiheit. Der Film von Broka Hermann erzählt die Geschichte des Mannes, der beim Hofgang im Straubinger Gefängnis schon zweimal um die Welt gelaufen ist und dort 22 Jahre für eine spektakuläre Tat büßte: Im Herbst 1971 beendete in München eine wilde Schießerei mit zwei Toten den ersten Banküberfall mit Geiselnahme in Deutschland. Nach der offiziellen Version des Tathergangs soll Todorovs Komplize die Geisel erschossen haben, nachdem er selbst von den Scharfschützen der Polizei tödlich verwundet worden war. Todorov sitzt heute nach über 30 Jahren Gefängnis in einer Einzimmerwohnung und denkt - wie schon jahrelang in der Gefängniszelle - zurück an den Tod der Geisel, an die Schießerei, an Schuld und Sühne.

Todorov sammelt heute Essensreste von Lokalen ein und verteilt sie an Bedürftige oder an Kindergärten. Er ist immer noch befreundet mit Konstantin Wecker, den er im Jugendgefängnis kennen lernte. Der Chansonnier äußert sich in Hermanns Film zu dieser langjährigen
Freundschaft und zu dem Thema, das Todorov umtreibt: Wie wurde us dem jungen Kriminellen, der die Polizei, das Kapital, den ganzen
Staat herausfordern wollte, in 30 Jahren Monotonie ein "Häftling"
durch und durch - und was ist er jetzt? Was kann er noch sein? Wo
findet er wirklich zur Freiheit? " Dimitri Todorov ist auf der Suche
nach sich selbst.
  • Vgl. a. die Webseite der Sendung von 37 Grad beim ZDF
  • Ebenso eine Live-Konserve von einer Lesung im Club Voltaire München vom 7. Juli 2003.

Heise-News, 3.4.2004

SMS-Fahndung droht zu floppen

Die SMS-Fahndung nach Straftätern mit Hilfe der Bevölkerung stößt nicht nur auf heftige Kritik, sondern auch auf technische Bedenken seitens der meisten Bundesländer. Mit dem System will Bundesinnenminister Otto Schily Passanten als Fahndungshelfer heranziehen. Beispielsweise nach einem Banküberfall soll die Polizei Täterbeschreibungen an die Handys von Bürgern in der Region schicken, die sich für diesen Dienst registriert haben. Diese sollen dann die "Augen aufhalten und möglicherweise sogar den entscheidenden Hinweis geben", wie es auf dem SMS-Fahndungsportal der Deutschen Polizei heißt.

Der Spiegel berichtet jedoch in seiner neuesten Ausgabe davon, dass das Projekt zu floppen drohe. Derzeit setze nur das Polizeipräsidium Bochum diese Fahndungsform ein. Dort sollen sich 450 Bürger registriert haben. Trotz der Bedenken aus den Bundesländern beharrt Schily darauf, dass sich das Projekt in Tests als "technisch und rechtlich realisierbar" erwiesen habe. (mw/c't)

Wien ist offensichtlich gegenwärtig die Hauptstadt des Bankraubs im deutschsprachigen Raum. Das Online-Portal der Kronen Zeitung jedenfalls berichtete am 3.4. 2004:

22 Banküberfälle in nur 3 Monaten

Alarmierender Anstieg der Banküberfälle in Wien: Während im ganzen vergangenen Jahr in der Bundeshauptstadt 51 Banken ausgeraubt wurden, musste die Polizei heuer in den ersten drei Monaten bereits zu 22 Überfällen ausrücken.

Weiter im Orginal ...

Natürlich meldet sich bei solchen Gelegenheitne das kriminelle Pack von österreichischen Steuerhinterziehern, Versicherungsbetrügern und Bestechlichen auch gleich zu Wort wie bei Vienna Online (2.4.2004) oder bei Die Presse.com (2.4.2004) (jeweils am Ende des Artikels), die Kriminalität vor allem bei den Ausländern denunzieren. Aber auf die FPÖ-Bankräuberwitwe Magda Bleckmann-Jost, werden wir hier auch noch zu sprechen kommen. Vgl. a. den Kommentar ("Leserbrief") von Sonja Brünzels auf dem Online-Portal von Die Presse.

 

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